Bechtle will seine Vorsteuermarge bis 2030 von 3,6 auf 5,0 Prozent heben. Der Hebel heißt weniger Hardware, mehr KI und mehr Service. Auf dem Kapitalmarkttag bekräftigte der scheidende Konzernchef Thomas Olemotz zugleich das Ziel von zehn Milliarden Euro Geschäftsvolumen. Für Mittelstand und Behörden entscheidet dieser Umbau, wie teuer und wie gut beraten sie künftig IT einkaufen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Prozentpunkt Marge klingt nach wenig, doch bei Bechtles Zielvolumen von zehn Milliarden Euro geht es um Hunderte Millionen. Am 17. September legte das größte deutsche IT-Systemhaus auf seinem Kapitalmarkttag die Rechnung offen: von 3,6 Prozent Vorsteuermarge heute auf 5,0 Prozent bis 2030. Den Sprung soll nicht mehr Umsatz allein bringen, sondern der Umbau des Geschäfts.
Das Wichtigste in Kürze
- Bechtle bekräftigte am 17. September auf dem Kapitalmarkttag die Ziele für 2030: zehn Milliarden Euro Geschäftsvolumen und über 500 Millionen Euro Vorsteuerergebnis.
- Die Vorsteuermarge soll von 3,6 Prozent im laufenden Jahr auf 5,0 Prozent bis 2030 steigen.
- Die wichtigsten Hebel sind mehr KI-Geschäft und Services, das Wachstum in Großbritannien und gezielte Zukäufe.
- Der Kapitalmarkttag war der Abschied von Konzernchef Thomas Olemotz; zum 1. Januar 2027 folgt Konstantin Ebert.
Was hat Bechtle auf dem Kapitalmarkttag beschlossen?

Ziele bekräftigt. Bechtle hält an seinen Vorgaben für 2030 fest: zehn Milliarden Euro Geschäftsvolumen und ein Vorsteuerergebnis von mehr als 500 Millionen Euro.[1] Neu ist weniger die Zahl als die Tonlage, mit der der Konzern sie unterlegt.
Erst im Sommer hatte der Konzern die Prognose für das laufende Jahr angehoben, weil das Geschäftsvolumen schneller wächst als der Umsatz. Die Aktie gab nach der Präsentation zunächst nach, ehe Analysten die Ziele als glaubwürdige Ergebnisbrücke einordneten.
Wie soll die Marge von 3,6 auf 5 Prozent steigen?
Weg von der Kiste. Der Sprung gelingt nur, wenn Bechtle weniger an margenschwacher Hardware und mehr an Services, Software und KI verdient. Reines Gerätegeschäft ist ein Cent-Geschäft; die Rendite steckt in Betrieb, Beratung und wiederkehrenden Verträgen.
Genau dorthin steuert der Konzern seit Monaten. Mit dem Zukauf von Interforce sicherte er sich wiederkehrende Umsätze, mit Nvidias AI-Factory-Zertifizierung das Geschäft mit KI-Rechenzentren. Für Übernahmen liegen 450 Millionen Euro bereit. Die größten Margenreserven sieht Bechtle im Vereinigten Königreich.
Bechtle verkauft künftig weniger Kabel und mehr Können. Ob die Fünf-Prozent-Marke fällt, entscheidet nicht der Hardware-Katalog, sondern das Tempo, mit dem aus dem Systemhaus ein KI-Dienstleister wird.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Kurswechsel für IT-Käufer bedeutet
Andere Rechnung. Für Mittelstand und öffentliche Hand verschiebt sich, wofür das IT-Budget draufgeht: weg vom reinen Gerätepreis, hin zu Beratung, Betrieb und KI-Projekten. Als größter deutscher IT-Dienstleister und wichtiger Behördenlieferant gibt Bechtle damit die Richtung für den ganzen Markt vor.
Allein steht der Konzern damit nicht. Auch Cancom baut sein Servicegeschäft für Behörden aus, weil pure Hardware kaum noch Marge abwirft. Bei der nächsten Beschaffung lohnt es sich, Service- und KI-Anteile getrennt auszuschreiben und die Wechselkosten zu prüfen, bevor die Bindung über Jahre läuft.
Die Hebel für die Marge
FAQ: Bechtles Margenwende bis 2030
Welche Ziele hat Bechtle für 2030?
Bechtle peilt bis 2030 ein Geschäftsvolumen von zehn Milliarden Euro und ein Vorsteuerergebnis von über 500 Millionen Euro an. Die Vorsteuermarge soll von 3,6 Prozent im Jahr 2026 auf 5,0 Prozent steigen. Bekräftigt wurden die Ziele auf dem Kapitalmarkttag am 17. September 2026.
Warum ist die Vorsteuermarge von Bechtle so niedrig?
Das klassische Geschäft eines IT-Systemhauses ist der Verkauf von Hardware mit nur wenigen Prozent Marge. Höhere Renditen liefern Services, Software und KI-Projekte. Genau dorthin verschiebt Bechtle sein Geschäft, um die Marge bis 2030 auf 5,0 Prozent zu heben.
Wer wird neuer Chef von Bechtle?
Konzernchef Thomas Olemotz geht Ende 2026 in den Ruhestand. Zum 1. Januar 2027 übernimmt Konstantin Ebert den Vorstandsvorsitz. Der Kapitalmarkttag im September 2026 war Olemotz’ letzte große strategische Setzung.
Was macht ein IT-Systemhaus wie Bechtle?
Ein IT-Systemhaus beschafft, installiert und betreibt IT für Unternehmen und Behörden, von Hardware über Software bis zu Cloud- und KI-Diensten. Bechtle ist der größte Anbieter dieser Art in Deutschland und ein zentraler Lieferant für Mittelstand und öffentliche Hand.
Quelle
[1] Bechtle AG: Investor Relations, Kapitalmarkttag und Finanzziele 2030
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