Der IT-Dienstleister Cancom nimmt in Norderstedt seine zweite „Service Factory“ in Betrieb und übernimmt damit den Lebenszyklus von über 100.000 Verwaltungs-Arbeitsplätzen. Hinter dem Fabrik-Ansatz steckt die Wette, dass die öffentliche Hand ihre IT gar nicht mehr selbst bestücken will.

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Cancom bestückt Behörden-Arbeitsplätze künftig wie ein Autobauer seine Karosserien: 440 Konfigurationsplätze laufen in der neuen Service Factory Nord parallel. Den Anlass liefert ein Großauftrag von Dataport, dem gemeinsamen IT-Dienstleister von sechs norddeutschen Bundesländern. Aus einer Logistikfrage wird so eine strategische Entscheidung: Die Verwaltung gibt Aufbau und Entsorgung ihrer Rechner aus der Hand.

Das Wichtigste in Kürze

  • Über 100.000 standardisierte IT-Arbeitsplätze betreut Cancom künftig für Dataport in sechs Bundesländern, mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren.
  • Die neue Service Factory Nord in Norderstedt bündelt Bereitstellung, Konfiguration und Rollout auf rund 4.250 Quadratmetern.
  • 48 Stationen sind allein für die zertifizierte Datenlöschung ausgelegt, ein Pflichtschritt beim Ausmustern von Behördengeräten.
  • Cancom verschiebt sich damit vom Hardware-Händler zum Betreiber kompletter IT-Lebenszyklen.

Warum eine Fabrik für IT-Arbeitsplätze?

Roboterarm stempelt Pakete auf einem Förderband in einer Fabrik
Durchsatz statt Hardware ist der kritische Engpass: 100.000 Clients zu beschaffen, zu konfigurieren und revisionssicher zu löschen erfordert industrielles Fließband-Prinzip

Durchsatz ist der eigentliche Engpass, nicht die Hardware. Einen einzelnen Rechner aufzusetzen, ist trivial. 100.000 baugleiche Clients zu beschaffen, zu imagen, zu konfigurieren, auszurollen und am Ende revisionssicher zu löschen, ist dagegen ein industrielles Mengenproblem.

Genau hier setzt das Fließband-Prinzip an. Auf fünf doppelseitigen Straßen mit zusammen 440 Arbeitsplätzen werden Geräte parallel konfiguriert, eine weitere Straße mit 48 Stationen ist für die zertifizierte Löschung ausgemusterter Technik reserviert.[2]

Nicht die Geräte verkauft Cancom hier, sondern Planbarkeit. Standardisierte Konfigurationen, ein Asset-Tracking über ServiceNow und ein durchgängiger Lebenszyklus verwandeln ein einmaliges Beschaffungsprojekt in einen laufenden Service.

Was steckt hinter dem Dataport-Auftrag?

Für Dataport übernimmt Cancom Betrieb und Betreuung von über 100.000 IT-Arbeitsplätzen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren.[1]

„Unsere Aufgabe ist die Reduktion der Komplexität und das Herstellen von Planbarkeit für mehr als 100.000 verlässlich betreute Clients“, ordnet Simone Liebich, Field Service Director bei Dataport, den Auftrag ein.

Norderstedt ist Cancoms zweite Fabrik dieser Art. Das erste Werk im bayerischen Jettingen-Scheppach hat 2025 rund 400.000 Geräte verarbeitet und stößt an seine Grenzen, ein Signal dafür, dass ausgelagerte IT-Lebenszyklen zum Wachstumsmarkt werden. Das Auslagern physischer IT-Prozesse zieht sich durch die Branche: Der Handelskonzern Metro hat gerade seine Rechenzentren geräumt, während die Schwarz-Gruppe mit Schwarz Digits eine eigene Cloud aufbaut.

Cancom Service Factory Nord in Zahlen
So bestückt Cancom den Lebenszyklus von 100.000 Verwaltungs-Arbeitsplätzen am Fließband.
100.000+
IT-Arbeitsplätze für Dataport in sechs Bundesländern
8 Jahre
maximale Laufzeit des Auftrags
4.250 m²
Service Factory Nord mit 440 Konfigurationsplätzen
48
Stationen für die zertifizierte Datenlöschung
Zwei Service Factories, ein Prinzip

Jettingen-Scheppach (seit 2018)

Rund 4.000 m². Verarbeitete 2025 etwa 400.000 Geräte und stößt an seine Kapazitätsgrenze.

Norderstedt (ab Q3 2026)

Rund 4.250 m². Bis zu 100 neue Stellen in Logistik, Service und Projektmanagement.

Die spannende Verwaltungsdigitalisierung findet nicht in der App statt, sondern am Fließband. Cancom verdient künftig daran, dass Behörden ihre 100.000 Rechner lieber verwalten lassen, als sie selbst zu bestücken.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für die Verwaltungs-IT?

Digitale Souveränität hat eine unglamouröse Grundschicht. Bevor Onlinedienste laufen, müssen Zehntausende Endgeräte beschafft, gehärtet und gepflegt werden, und genau diese Fleißarbeit wandert nun zu einem deutschen Dienstleister.

Die 48 Löschstationen sind kein Detail. Ausgemusterte Behördengeräte tragen sensible Daten, ihre zertifizierte Löschung nach BSI-Vorgaben ist Compliance-Pflicht und nicht Kür.

Für Entscheider bleibt die alte Abwägung zwischen Kontrolle und Planbarkeit. Beim Auslagern des Arbeitsplatz-Lebenszyklus lohnt der Blick in den Vertrag auf zertifizierte Löschnachweise und ein lückenloses Asset-Tracking.

Quellen

[1] Cancom: „Cancom übernimmt Betrieb und Betreuung von über 100.000 IT-Arbeitsplätzen für Dataport“

[2] Cancom: „CANCOM is building a new logistics and service center in the greater Hamburg area“

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