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Nach Darstellung von Intel-Chef Lip-Bu Tan redet die US-Regierung trotz ihres Anteils an Intel bei der Strategie des Konzerns nicht mit. „Sie haben keinen Einfluss auf die Unternehmensführung“, sagte Tan der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei. Für den Aufbau der Auftragsfertigung wünscht er sich vom Staat trotzdem kräftige Unterstützung.

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Das Interview führte Nikkei am 7. Oktober in Tokio, veröffentlicht wurde es am 17. Oktober. Tan bezeichnete darin den Konzernumbau als zu 80 Prozent abgeschlossen. Am 29. Oktober legt Intel die Zahlen für das dritte Quartal vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Tan nimmt Washington trotz eines Anteils von rund 8,2 % keinen Einfluss auf Intels Entscheidungen.
  • Eine eigene Auftragsfertigung braucht nach Tans Worten jahrelange staatliche Rückendeckung, TSMC habe 10 bis 20 Jahre gebraucht.
  • Den Rückstand der chinesischen Chipfertigung hält Tan für gering.
  • Das Werk in Magdeburg samt Bundesförderung hat Intel im Juli 2025 gestrichen.

Was sagt Tan über den Staatsanteil?

Oranger Hirtenstab mit Label „Staat“ stützt runden Wafer vor weißem Hintergrund
Washington wandelt 7,74 Milliarden Euro Fördergelder in 9,9 Prozent Intel-Anteile um, senkt Anteil durch Kapitalerhöhung auf 8,2 Prozent

Im August 2025 wandelte Washington zugesagte Fördergelder in Intel-Aktien um: 433,3 Millionen Stück zu je 17,81 Euro, zusammen 7,74 Mrd. Euro oder 9,9 % des Kapitals.[2] Nach der Kapitalerhöhung im August 2026 sank der Anteil laut Nikkei auf rund 8,2 %. Intel sei „unabhängig“ und entscheide im eigenen Interesse, sagte Tan.[1]

Formal hat Tan recht. Die Regierung hält ihre Aktien passiv, ohne Sitz im Verwaltungsrat, und stimmt bis auf wenige Ausnahmen so ab wie der Verwaltungsrat. Einen Hebel enthält der Vertrag trotzdem: Gibt Intel die Mehrheit an seiner Auftragsfertigung ab, darf der Staat weitere 5 % der Aktien zu 17,40 Euro kaufen.[2] Bei einem Kurs von zuletzt rund 87 Euro macht diese Option einen Verkauf der Sparte für die übrigen Aktionäre teuer.

Die Frage nach dem Einfluss beschäftigt auch ein US-Bundesgericht in Delaware. Ein Aktionär hält den Einstieg für erzwungen und hat geklagt, Handelsminister Howard Lutnick beantragte im August, die Klage gegen den Staatsanteil abzuweisen.

Warum will Tan den Staat trotzdem an seiner Seite?

Tan verweist auf den langen Atem der Branche. „Als Auftragsfertiger musste Intel weiter in die Zukunft schauen, und dafür ist kräftige Unterstützung durch den Staat immer sehr wichtig“, sagte er. Die Sparte könne zum Wachstumstreiber werden, „wenn wir alles richtig machen“, aber „das braucht Zeit“.[1]

Neben dem Staat stiegen SoftBank und Nvidia mit zusammen rund 6,1 Mrd. Euro ein. Beide könnten damit „viel Geld verdienen“, möglicherweise das Fünf- bis Sechsfache ihres Einsatzes, sagte Tan. Seit seinem Amtsantritt im März 2025 hat sich der Kurs der Intel-Aktie laut Nikkei ungefähr vervierfacht. Zurückhaltend äußerte sich Tan zu China, das wegen der Exportbeschränkungen keine Belichtungsanlagen der neuesten Generation kaufen kann. Auf die Frage, ob China in fünf bis zehn Jahren aufholen könne, antwortete er knapp: „Ich denke, heute liegt das Land nicht so weit zurück.“[1]

Intels Geldgeber und ihre Rechte
Der Staatsanteil, seine Klauseln und die übrigen Geldgeber
US-Regierung
seit August 2025
7,74 Mrd. €
  • Aktien: 433,3 Millionen zu je 17,81 €
  • Anteil: 9,9 %, nach der Kapitalerhöhung 2026 rund 8,2 %
Was der Vertrag regelt
  • Kein Sitz im Verwaltungsrat
  • Abstimmungen: bis auf wenige Ausnahmen so wie der Verwaltungsrat
  • Option: weitere 5 % zu 17,40 €, falls Intel die Mehrheit an der Auftragsfertigung abgibt
  • Laufzeit der Option: fünf Jahre
Weitere Geldgeber
  • SoftBank und Nvidia: zusammen rund 6,1 Mrd. €
  • Neue Aktien August 2026: 17,4 Mrd. €
  • Kurs: rund 87 €, etwa das Vierfache von März 2025
Tans Einschätzung
  • Umbau: zu 80 % erledigt
  • Vorbild TSMC: 10 bis 20 Jahre bis zur Weltspitze
Magdeburg
  • Geplant: Werk für 30 Mrd. €, rund 10 Mrd. € Bundesförderung
  • Juli 2025: Intel stoppt die Projekte in Deutschland und Polen
  • Seither: Geld fließt in bestehende Werke, etwa nach Irland

Tan will den Staat als geduldigen Geldgeber ohne Stimme. Magdeburg zeigte, wie schnell die Geduld des Konzerns selbst endet.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was bedeutet das für den Chipstandort Deutschland?

In Magdeburg plante Intel ein Werk für 30 Mrd. Euro, der Bund hatte rund 10 Mrd. Euro Förderung zugesagt. Im Juli 2025 stoppte Intel die Projekte in Deutschland und Polen.[3] Seither fließt das Geld in bestehende Fabriken, etwa fünf Milliarden Euro nach Irland.

Tans These, dass Chipfabriken über Jahre Staatsgeld brauchen, bestätigt sich in Dresden. Bei der ESMC-Fabrik von TSMC trägt der Bund die Hälfte der zehn Milliarden Euro, und GlobalFoundries verlangt für den nächsten Ausbau erneut Subventionen. Beide Werke fertigen Chips in bewährter Technik für Autos und Maschinen, Prozessoren für KI-Rechenzentren entstehen weiter vor allem in Taiwan. Fragen Sie bei langfristigen Lieferverträgen deshalb gerne nach, in welchem Werk Ihre Chips entstehen und ob der Hersteller auch an einem zweiten Standort fertigt.

FAQ: Lip-Bu Tan und der Staatsanteil an Intel

Wie viel hält die US-Regierung an Intel?

Im August 2025 kaufte die US-Regierung 433,3 Millionen Intel-Aktien für 7,74 Milliarden Euro, bezahlt mit zugesagten Fördergeldern. Das entsprach 9,9 Prozent. Nach einer Kapitalerhöhung im August 2026 liegt der Anteil laut Nikkei bei rund 8,2 Prozent.

Darf der Staat bei Intel mitbestimmen?

Laut Vertrag hält die Regierung ihre Aktien passiv, ohne Sitz im Verwaltungsrat, und stimmt bis auf wenige Ausnahmen so ab wie der Verwaltungsrat. Gibt Intel die Mehrheit an seiner Auftragsfertigung ab, darf der Staat weitere 5 Prozent der Aktien zu 17,40 Euro kaufen.

Warum baut Intel nicht in Magdeburg?

Intel stoppte im Juli 2025 seine geplanten Projekte in Deutschland und Polen, um seine Investitionen zu senken. In Magdeburg war ein Werk für 30 Milliarden Euro geplant, der Bund hatte rund 10 Milliarden Euro Förderung zugesagt.

Wann veröffentlicht Intel die nächsten Quartalszahlen?

Intel legt die Zahlen für das dritte Quartal 2026 am 29. Oktober nach US-Börsenschluss vor.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Nikkei AsiaIntel chief says contract chip business needs ‚strong‘ government support (englisch)17.10.2026
  2. IntelIntel and Trump Administration Reach Historic Agreement (englisch)22.08.2025
  3. IntelIntel Reports Second-Quarter 2025 Financial Results (englisch)24.07.2025

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