Mixfont hat eine kostenlose Schriftdatei veröffentlicht, die unter jeden Buchstaben einen verschwommenen zweiten legt. Auf Screenshots lesen ChatGPT und Gemini nur die Scheinbuchstaben, Menschen mit etwas Abstand die echte Nachricht. Im Quelltext einer Website steht der echte Text trotzdem für jeden Crawler lesbar.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenWann haben Sie zuletzt die Augen zusammengekniffen, um einen Satz zu entziffern? Mixfont-Entwickler Eric Lu empfiehlt genau diesen Kniff für seine Schrift Decoy Font.[1] Aus der Nähe zeigt jede Zeile scharfe Buchstaben, aus der Entfernung tritt eine zweite Botschaft hervor.
Das Wichtigste in Kürze
- Decoy Font legt unter jeden getippten Buchstaben einen weichen Schatten und darüber die Kontur eines anderen Buchstabens.
- Die TTF-Datei ist kostenlos und auch für Kundenprojekte freigegeben.
- Der Zeichensatz kennt nur A bis Z, Umlaute, Ziffern und Satzzeichen fehlen.
- Im HTML-Quelltext und beim Kopieren steht die versteckte Nachricht im Klartext.
Wie funktioniert Decoy Font?

Decoy Font ist eine Farbschrift mit mehreren Ebenen je Zeichen: Jeder getippte Buchstabe erscheint als verschwommener grauer Schatten, darüber liegt die scharfe Kontur eines anderen Buchstabens. Tippen Sie denselben Buchstaben mehrmals, wechselt die Schrift zwischen drei Scheinbuchstaben.[2]
Das Prinzip stammt aus der Wahrnehmungsforschung. Aude Oliva, Antonio Torralba und Philippe Schyns stellten 2006 Hybridbilder vor, die aus der Nähe und aus der Ferne zwei verschiedene Motive zeigen.[3] Aus der Nähe wertet das Auge die feinen Konturen aus, mit wachsendem Abstand nur noch die groben Flächen. Mixfont zeigt Screenshots, auf denen ChatGPT und Gemini 3.5 in der Thinking-Variante nur die Scheinbuchstaben erkennen.[1]
Im Juli stellte Mixfont mit Ghost Font eine Schrift vor, die Text in bewegten Punkten versteckt. Programmierer hebelten den Schutz von Ghost Font mit rund 20 Zeilen Python aus. Decoy Font lässt sich dagegen wie jede andere Schrift installieren.
Was taugt die Schrift auf einer Website?
Gegen Crawler auf Websites schützt Decoy Font nicht: Die Schrift ändert nur die Darstellung, im HTML-Quelltext und in der Zwischenablage steht der getippte Text im Klartext. Wirken kann der Trick nur bei Bildern und Screenshots, etwa sobald ein KI-Agent den Bildschirm als Bild auswertet.
Der Zeichensatz umfasst die 52 Buchstaben von A bis Z in Groß- und Kleinschreibung sowie zwei Leerzeichen.[2] Ein deutscher Satz mit „für“, „Straße“ oder einer Jahreszahl lässt sich damit nicht korrekt setzen. Die Datei ist zudem für helle Hintergründe ausgelegt: Der Schatten besteht aus fast durchsichtigem Schwarz und geht auf dunklen Flächen unter.
Die Scheinkonturen stehen in mittlerem Grau (#8A8A8A), auf Weiß ergibt dieses Grau rechnerisch einen Kontrast von 3,45:1. Die Richtlinie WCAG 2.2 verlangt für Fließtext mindestens 4,5:1.[4] Die verschwommene Schicht mit der echten Nachricht hat höchstens rund 10 % Deckkraft. Für Onlineshops, die das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz erfüllen müssen, scheidet die Schrift als Fließtext aus; schon heute haben 64 % der Produktseiten kritische Fehler.
Die Schriftdatei in Zahlen
Was Maschinen lesen
Decoy Font versteckt die Botschaft vor dem Auge der KI, im Quelltext liest jeder Crawler die Nachricht trotzdem mit.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für wen lohnt sich Decoy Font?
Die Schrift ist kostenlos, auch für kommerzielle Kundenprojekte. Die Buchstabenformen stammen aus der DejaVu Sans Mono, deren Lizenz nur verbietet, die Datei als eigenständiges Produkt zu verkaufen.[5] Agenturen und Freelancer können die Schrift damit für Aktionsgrafiken, Social-Media-Bilder oder ein Rätsel im Newsletter einsetzen.
Eric Lu nennt Captchas und private Nachrichten als denkbare Anwendung und räumt ein, dass Modelle, die selbst Code ausführen, den Trick durchschauen können.[1]
Ihre Texte schützen Sie vor KI-Training besser auf dem Server und mit dem maschinenlesbaren Nutzungsvorbehalt nach § 44b UrhG. Die robots.txt regelt dabei den Zugriff, nicht die KI-Nutzung. Cloudflare bietet an, Suche und KI-Training zu trennen, und die EU-Datenschützer verlangen von KI-Entwicklern, gesperrte Websites auszulassen.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- MixfontDecoy Font: A TTF font that hides what you type
- MixfontSchriftdatei „DecoyFont-Regular“ (Version 1.000, Metadaten und Zeichensatz, abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Aude Oliva, Antonio Torralba, Philippe G. SchynsHybrid images, ACM Transactions on Graphics 25 (2006), S. 527–532
- W3CWeb Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2, Erfolgskriterium 1.4.3
- MixfontDecoyFont-LICENSE.txt
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