Der Barrierefreiheitsspezialist Dave Davies prüfte 59.400 Produktseiten von Shopify- und WooCommerce-Shops automatisch. Auf 64 % fand er mindestens einen kritischen Fehler. Die Verantwortung sieht Davies beim Händler, denn Theme, Apps und eigene Inhalte prägen jede Produktseite mit.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAuf 80 % der getesteten Produktseiten hebt sich Text zu schwach vom Hintergrund ab.[1] Der häufigste Fehler ist damit eine Frage der Farbwahl.
Das Wichtigste in Kürze
- 64 % der 59.400 Produktseiten hatten mindestens einen kritischen Fehler, 96 % fielen bei mindestens einer automatischen WCAG-Prüfung durch.
- Am häufigsten fehlten ausreichender Kontrast (80 %), aussagekräftige Linktexte (53 %) und eine saubere Überschriftenfolge (49 %).
- Die meistbesuchten Shops schnitten etwas schlechter ab als weniger besuchte.
- Seit dem 28. Juni 2025 verlangt das BFSG barrierefreie Onlineshops, Kleinstunternehmen sind ausgenommen.
Woran scheitern Produktseiten am häufigsten?

Am häufigsten an zu schwachem Kontrast, an Links ohne aussagekräftigen Linktext und an Überschriften in falscher Reihenfolge. Für die Studie „State of Ecommerce Accessibility 2026“ prüfte Davies vom 29. Juli bis 4. August 2026 je eine Produktseite von 39.976 Shopify- und 19.424 WooCommerce-Shops aus der ersten Million der meistbesuchten Websites, mobil mit Googles Lighthouse und der Prüfbibliothek axe-core.[2] Im Schnitt zählte er 21 Fehler pro Seite.[1]
Als kritisch stuft axe-core Fehler ein, die einen Teil der Seite unbenutzbar machen können. Bilder ohne Alternativtext fanden sich auf 27 % der Seiten, Schaltflächen ohne vorlesbare Beschriftung auf 21 %. Auf 20,5 % war das Vergrößern per Fingergeste abgeschaltet, festgelegt in einer Zeile des Seitenkopfs.[1]
Startseiten zeigen dasselbe Fehlerbild, wie die WebAIM-Auswertung im Beitrag über nutzlose Hilfsmittel als „Disability Dongle“ belegt. Adrian Roselli lässt kein Bild ohne Alternativtext gelten, nicht einmal ein dekoratives.
Warum hilft ein barrierefreier Checkout so wenig?
Shopify und WooCommerce kontrollieren vor allem den Bestellvorgang, die Produktseite entsteht dagegen aus Theme, Apps, Agenturcode und eigenen Inhalten. Jede dieser Schichten kann laut Davies eine Barriere einbauen.[1] WooCommerce meldete im Juli 2025 mehr als 140 Verbesserungen in WooCommerce selbst, darunter Kontraste und Überschriften der Produktvorlagen.[3] Das Grundsystem ist damit nur eine Schicht von vielen.
Bei Shops unter den 100.000 meistbesuchten Websites hatten 69 % der Produktseiten einen kritischen Fehler, auf den Rängen 500.000 bis eine Million 63 %.[1]
Mit Overlay-Widget, einer eingeblendeten Zusatzleiste, sieht die Quote kaum anders aus. Auf 1.691 Seiten fand Davies Code von Anbietern wie accessiBe oder UserWay, und 62 % dieser Seiten hatten trotzdem einen kritischen Fehler, gegenüber 64 % ohne Widget. Einen klaren Unterschied belegt die Studie nicht. Gemessen wurde allerdings beim Laden, nicht nach dem Öffnen des Widgets.[1]
Die Lage in Zahlen
Anteil der Produktseiten mit diesem Fehler
Kritische Fehler nach Beliebtheit des Shops
Barrierefreiheit kauft niemand mit dem Shopsystem ein, sie entsteht auf jeder einzelnen Produktseite.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Händler in Deutschland?
Seit dem 28. Juni 2025 müssen Onlineshops für Verbraucher barrierefrei sein, ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Millionen € Jahresumsatz oder Bilanzsumme.[4][5] Verstöße gegen den gesetzlichen Rahmen kosten bis zu 100.000 € Bußgeld.[6] Schon bei der Pflichtangabe bleiben viele Händler vage, wie eine Auswertung von Barrierefreiheitserklärungen europäischer Shops zeigte.
Beginnen Sie mit der meistverkauften Produktseite. Kontrastwerte im Theme, Links und Schaltflächen ohne Beschriftung sowie die Zoom-Sperre lassen sich ohne Neubau beheben. Automatische Prüfungen finden nicht jeden Mangel, deshalb gehört danach ein Test mit Tastatur und Screenreader dazu.[2] Wo ein KI-Scanner an seine Grenzen stößt, zeigt das Beispiel A11yEngine.
Saubere Struktur zahlt sich doppelt aus. Überschriften, Bildbeschreibungen und beschriftete Formularfelder helfen laut Davies auch Suchmaschinen und KI-Assistenten, ein Produkt zu verstehen.[1] Hierzulande plant dm einen KI-Einkaufsagenten, der auf Wunsch selbst bestellt.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Dave DaviesState of Ecommerce Accessibility 2026
- Dave DaviesHow 59,400 ecommerce product pages were tested for accessibility
- WooCommerceA Year of Accessibility Improvements in WooCommerce Core
- Bundesministerium der Justiz§ 3 BFSG, Barrierefreiheitsanforderungen
- Bundesministerium der Justiz§ 2 BFSG, Begriffsbestimmungen
- Bundesministerium der Justiz§ 37 BFSG, Bußgeldvorschriften
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