Rund 1,1 Mrd. Euro steckt Infineon bis 2034 in seinen Standort Villach in Kärnten. Ab Ende 2027 sollen dort Leistungschips aus Galliumnitrid auf 300-Millimeter-Scheiben in Großserie entstehen. Die EU-Kommission genehmigte dafür 319 Mio. Euro Staatshilfe. Die Chips wandeln Strom in KI-Rechenzentren, Elektroautos und Robotern mit weniger Verlust als Silizium.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Eine der größten Einzelinvestitionen in der Geschichte der österreichischen Hightech-Industrie“ nannte Bundeskanzler Christian Stocker das Vorhaben am Dienstag.[1] Infineon will damit als erstes Unternehmen Galliumnitrid-Chips auf 300-Millimeter-Wafern in die Massenfertigung bringen. Der Auftragsfertiger TSMC zieht sich zur gleichen Zeit aus diesem Geschäft zurück.
Das Wichtigste in Kürze
- Infineon investiert bis 2034 rund 1,1 Mrd. Euro in vorhandene Reinräume in Villach, die Produktion startet Ende 2027.[1]
- Die EU-Kommission genehmigte 319 Mio. Euro Förderung nach dem European Chips Act, die formelle Zusage des österreichischen Wirtschaftsministeriums steht noch aus.
- Ein 300-Millimeter-Wafer liefert die 2,3-fache Menge an Chips einer 200-Millimeter-Scheibe.
- Infineon Austria beschäftigt rund 5.800 Menschen, davon etwa 4.800 in Villach.
Warum setzt Infineon bei Galliumnitrid auf 300 Millimeter?

Galliumnitrid schaltet Strom schneller als Silizium und gibt dabei weniger Energie als Wärme ab. Netzteile und Wandler werden kleiner und sparsamer, gefragt sind solche Bauteile etwa in der Stromversorgung von Servern. Infineon hatte dafür im Sommer das indische Start-up C2i Semiconductors gekauft, Porsche baut Galliumnitrid bereits in Verstärker im Auto ein.
Die Kosten entscheiden sich in der Fabrik. Infineon scheidet die Galliumnitrid-Schicht auf Siliziumwafern ab und kann deshalb vorhandene Anlagen für 300-Millimeter-Silizium weiter nutzen. Die ersten Scheiben dieser Art liefen im September 2024 auf einer Pilotlinie in Villach. Voll ausgebaut soll die Fertigung Galliumnitrid-Chips zum Preis vergleichbarer Siliziumbauteile liefern, kündigte Infineon damals an.[3] Die Reinräume dafür stehen bereits: Im September 2021 eröffnete der Konzern in Villach für 1,6 Mrd. Euro eine Fabrik für Leistungselektronik auf 300-Millimeter-Dünnwafern.[4]
Warum steigt TSMC aus demselben Geschäft aus?
Bis zum 31. Juli 2027 beendet TSMC seine Auftragsfertigung von Galliumnitrid-Chips und legt die Linien im taiwanischen Hsinchu still. Fachmedien vermuteten Preisdruck chinesischer Anbieter als Grund, laut TrendForce baut TSMC die Fabrik für die Chipmontage um.[5] Bei geringen Margen zählt der Preis je Chip. Diesen Preis will Infineon über die größere Scheibe und bereits gebaute Reinräume senken. Für 2031 erwartet das Marktforschungsunternehmen Yole einen Markt für Galliumnitrid-Leistungshalbleiter von rund 3 Mrd. Euro, bei jährlich rund 35 % Wachstum ab 2025.[1]
Vom Pilotwafer zur Großserie
TSMC gibt Galliumnitrid wegen der Preise auf, Infineon will genau diesen Preiskampf mit größeren Scheiben gewinnen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Fertigung in Villach für Abnehmer in Europa?
„Chips sind für die Wirtschaft von morgen so wichtig wie Öl für die Wirtschaft von gestern“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Europa stellt nach seinen Worten nur rund 10 % der weltweiten Chips her.[1] Für Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner ist das Projekt ein „historischer Meilenstein“.[2] Villach baut Infineon damit zum Zentrum für Leistungshalbleiter aus: Seit Anfang 2025 liefert das Werk auch Siliziumkarbid-Chips von 200-Millimeter-Scheiben aus, wenige Autostunden entfernt fertigt BMW ab 2029 in Steyr das Leistungsmodul seiner E-Motoren. Im Saarland entsteht mit dem Siliziumkarbid-Projekt in Dillingen ein kleineres Gegenstück.
Für Einkäufer und Entwickler von Leistungselektronik folgen daraus zwei Aufgaben:
- Bauteile aus der Galliumnitrid-Fertigung von TSMC brauchen eine Lieferzusage für die Zeit nach Juli 2027, sonst gehört ein zweiter Lieferant in die Planung.
- Start-ups und kleinere Firmen sollen laut Infineon über die Förderung leichter an die neue Technik kommen. Anfragen bei Infineon Austria lohnen sich früh, bevor die Großserie Ende 2027 anläuft.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Infineon Technologies Austria AG via APA-OTSInfineon errichtet in Europa weltweit erste Hochvolumenfertigung für Galliumnitrid-Leistungshalbleiter auf 300-Millimeter-Wafern (27. Oktober 2026, 08:03 Uhr), mit Zitaten von Christian Stocker und Wolfgang Hattmannsdorfer
- ORF KärntenInfineon investiert 1,1 Mrd. in Villach
- InfineonInfineon pioneers world’s first 300 mm power gallium nitride (GaN) technology
- InfineonInfineon opens high-tech chip factory for power electronics on 300-millimeter thin wafers
- Compound SemiconductorTSMC to exit GaN production
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