Im August senkte Carrefour in Frankreich die Preise von mehr als 500 Produkten um durchschnittlich 8 Prozent. Am 20. Oktober senkte der Konzern auch seine Ziele für das laufende Jahr: Nach den Ausschreitungen in Frankreich kommt weniger Kundschaft, Ausgangssperren verkürzen die Öffnungszeiten vieler Stadtmärkte. Von 100 Euro Nettoumsatz blieben Carrefour im Jahr 2025 vor Zinsen und Steuern 2,63 Euro.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenKonzernchef Alexandre Bompard nennt die Lage in Frankreich beispiellos. Für 2026 erwartet Carrefour nur noch 0 bis 0,15 Prozentpunkte mehr operative Marge statt eines Plus von mehr als 0,25 Punkten, einen stabilen bis leicht steigenden bereinigten Gewinn je Aktie und einen leicht sinkenden Netto-Free-Cashflow.
Im dritten Quartal wuchs der Umsatz auf vergleichbarer Fläche noch um 2,3 Prozent auf 22,7 Milliarden Euro. Die Analyse folgt deshalb einer Frage, die über den Herbst hinausreicht: Woher bezieht ein Händler mit rund 300.000 Beschäftigten und 91,5 Milliarden Euro Jahresumsatz seinen Gewinn, und warum blieb den Aktionären 2025 so wenig davon?
Das Wichtigste in Kürze
- Carrefour setzte 2025 einschließlich Mehrwertsteuer 91,5 Milliarden Euro um und erzielte ein operatives Ergebnis von 2,16 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn fiel von 723 auf 319 Millionen Euro, vor allem wegen eines Verlusts von 658 Millionen Euro aus dem verkauften Italiengeschäft.
- Frankreich bringt die Hälfte des Nettoumsatzes, Spanien und Brasilien verdienen mehr je Euro. Zusammen lieferten beide Länder 54 Prozent des operativen Ergebnisses.
- Neben der Ware nahm Carrefour 2,88 Milliarden Euro an sonstigen Erträgen ein, mehr als das operative Ergebnis. Den größten Teil bringen Gebühren aus Krediten und Karten, vor allem in Brasilien.
- Franchisenehmer und Pächter führen 8.233 Märkte unter dem Namen Carrefour. Der französische Wirtschaftsminister fordert vor Gericht eine Zivilbuße von 200 Millionen Euro wegen Vertragsklauseln, Carrefour bestreitet die Vorwürfe.
- Für 2025 schüttet Carrefour 685 Millionen Euro Dividende und 150 Millionen Euro Sonderdividende aus. Am 17. November will der Konzern seine Strategie für die französischen Hypermärkte vorstellen.
Fünf Fragen aus Massy
1 In welchem Ort eröffnete Carrefour 1963 den ersten Hypermarkt Frankreichs? Aufklappen ↓
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2 Wie viel blieb Carrefour 2025 von 100 Euro Nettoumsatz als operatives Ergebnis? Aufklappen ↓
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3 Welche Erlösquelle brachte 2025 mit 1,6 Milliarden Euro den größten Teil der sonstigen Erträge? Aufklappen ↓
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4 Wie hoch ist die Zivilbuße, die der französische Wirtschaftsminister im Streit mit den Franchisenehmern fordert? Aufklappen ↓
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5 Welcher deutsche Einkaufsverbund verhandelt über die Allianz Concordis gemeinsam mit Carrefour? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Carrefour und wie fing alles an?
Carrefour entstand 1959 aus dem Treffen von Marcel Fournier, Inhaber eines Modewarengeschäfts in Annecy, mit dem Lebensmittelgroßhandel Badin-Defforey aus Lagnieu. 1963 eröffneten die Partner in Sainte-Geneviève-des-Bois bei Paris den ersten Hypermarkt Frankreichs.
Ein Parkplatz als Geschäftsidee
Am Anfang verband ein Ladeninhaber aus Annecy in Hochsavoyen sein Gespür für Kundschaft mit dem Einkaufswissen eines Großhändlers aus dem Département Ain. Die Gesellschaft Carrefour Supermarchés, gegründet am 11. Juli 1959, setzte auf Selbstbedienung zu niedrigen Preisen, damals in Frankreich noch eine Neuheit.
Den eigentlichen Durchbruch brachte vier Jahre später ein Gebäude am Stadtrand. Der Markt in Sainte-Geneviève-des-Bois südlich von Paris hatte 2.500 Quadratmeter Verkaufsfläche, ein großes Sortiment zu niedrigen Preisen und 400 kostenlose Parkplätze. Die Parkplätze zeigen, auf wen Carrefour setzte: auf Familien, die mit dem Auto kommen und viel auf einmal kaufen.
Aus dieser Rechnung entstand das Modell, das Carrefour bis heute prägt: großer Umsatz, kleiner Aufschlag.
1966 eröffnete in Vénissieux bei Lyon ein weiterer Hypermarkt, und mit ihm kam das Logo: ein C in einer Raute, links rot, rechts blau. 1970 ging Carrefour an die Pariser Börse, als erster Händler überhaupt. Das frische Kapital finanzierte die nächsten Märkte.
Ware ohne Marke, Kredit an der Kasse
1976 brachte Carrefour die „produits libres“ in die Regale, schlicht weiß verpackte Waren ohne Markennamen, die günstiger waren als die Markenartikel daneben. Daraus wuchs das Geschäft mit Eigenmarken, die 2025 auf 38 Prozent des Lebensmittelumsatzes im Konzern kamen.
Fünf Jahre später folgte die PASS-Karte, eine Kreditkarte und Kundenkarte in einem. Drei Jahre nach dem Start besaßen 200.000 Kundinnen und Kunden eine solche Karte und hatten damit mehr als vier Millionen Einkäufe bezahlt. Schon damals verdiente der Händler zusätzlich an der Finanzierung des Einkaufs.
Von der ursprünglichen Idee hat sich Carrefour weit entfernt. Aus dem einzelnen Großmarkt am Stadtrand wurde ein Netz von 15.719 Märkten, von denen Franchisenehmer, Pächter und Partner rund vier von fünf betreiben.
Der Konzern liefert Marke, Einkauf und Waren, kassiert Gebühren und vergibt Kredite.
Der Hypermarkt von 1963 setzte auf Masse, Auto und niedrige Preise. Eigenmarke und Kundenkredit, beide aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, prägen das Geschäftsmodell bis heute.
Wie wurde aus dem Supermarkt aus Annecy ein Weltkonzern?

Carrefour wuchs zuerst ins Ausland, 1973 nach Spanien und 1975 nach Brasilien, dann durch Übernahmen. Die Fusion mit Promodès machte den Konzern im Jahr 2000 zum zweitgrößten Händler der Welt mit 240.000 Beschäftigten. Seit einigen Jahren zieht sich Carrefour auf drei Kernländer zurück.
Der Sprung über die Grenzen
1973 eröffneten die ersten Märkte in Spanien unter dem Namen Pryca, 1975 folgte Brasilien, 1982 Argentinien. In den Achtziger- und Neunzigerjahren kamen Taiwan, Italien, China und Polen hinzu. Das Modell ließ sich gut verpflanzen: Wo Städte wuchsen und Autos sich verbreiteten, fand der Hypermarkt seine Kundschaft.
Am 30. August 1999 legte Carrefour ein freundliches Übernahmeangebot für Promodès vor. Den Konkurrenten hatten 1961 zwei Familien aus der Normandie gegründet, die Duval-Lemonniers und die Halleys, beide aus dem Großhandel.
Nach der Genehmigung durch die EU-Kommission im Jahr 2000 zählte der neue Konzern 240.000 Beschäftigte und mehr als 9.000 Märkte. Mit Promodès kamen unter anderem die Supermärkte der Marke Champion hinzu, die Carrefour später in Carrefour Market umbenannte.
Zukäufe in Südamerika
In Brasilien kaufte Carrefour 2007 die Abholgroßmarktkette Atacadão, die heute rund 390 Märkte zählt. 2022 übernahm die brasilianische Tochter die Grupo BIG, die frühere Landesgesellschaft von Walmart. Seitdem betreibt Carrefour in Brasilien auch 58 Großmärkte nur für Mitglieder unter dem Namen Sam’s Club, den Walmart in den USA für seine Mitgliederclubs nutzt.
2025 kaufte Carrefour die übrigen Aktionäre der brasilianischen Tochter heraus, die seitdem vollständig zum Konzern gehört.
Der Rückzug auf drei Länder
Ebenso konsequent wie früher die Expansion betreibt Carrefour heute den Rückzug. 2019 verkaufte der Konzern das Geschäft in China.
Zum 1. Dezember 2025 übergab Carrefour alle Märkte in Italien an die NewPrinces Group, 2026 folgten der Verkauf von Carrefour Rumänien an die Paval Holding und der Ausstieg aus der türkischen Beteiligung CarrefourSA. Dagegen stockte Carrefour in Frankreich auf: 2024 kamen 60 Hypermärkte von Cora und 115 Supermärkte von Match hinzu, die bis Ende 2025 vollständig auf die Abläufe von Carrefour umgestellt waren.
Seit dem Strategieplan „Carrefour 2030“ vom Februar 2026 zählen nur noch Frankreich, Spanien und Brasilien zum Kern. Belgien, Polen und Argentinien stehen unter „übrige Länder“, für die Carrefour ausdrücklich alle Optionen offenhält, auch einen Verkauf.
Ende 2025 liefen 15.719 Märkte in mehr als 40 Ländern unter dem Namen Carrefour, 6.766 davon in Frankreich. Der Konzern beschäftigte in den sieben Ländern, in denen er selbst Märkte betreibt, fast 300.000 Menschen und setzte einschließlich Mehrwertsteuer 91,5 Milliarden Euro um, 2,8 Prozent mehr auf vergleichbarer Fläche.
An der Börse war Carrefour Ende 2025 rund 10,5 Milliarden Euro wert. Unabhängige Gutachter von CBRE, JLL, Colliers und EY bewerteten allein die Immobilien des Konzerns in Frankreich, Spanien und Brasilien zum selben Stichtag mit 14,2 Milliarden Euro.
Unsere Einordnung: Ganz vergleichbar sind die beiden Zahlen nicht, weil Carrefour Schulden und Mietverpflichtungen hat. Der Abstand zeigt trotzdem, wie wenig Vertrauen die Anleger in die Ertragskraft des Handelsgeschäfts setzen, und erklärt, warum Carrefour seine Immobilien regelmäßig zu Geld macht, zuletzt Anfang Oktober mit dem Verkauf und der Rückanmietung von 35 Märkten in Frankreich und Spanien.
- 1959Marcel Fournier aus Annecy und der Großhandel Badin-Defforey gründen Carrefour Supermarchés.
- 1963Erster Hypermarkt Frankreichs in Sainte-Geneviève-des-Bois, 2.500 Quadratmeter, 400 Parkplätze.
- 1970Börsengang in Paris, als erster Händler.
- 1973Erste Märkte in Spanien, 1975 folgt Brasilien.
- 1976Die weiß verpackten „produits libres“ ohne Marke kommen ins Regal.
- 1999Übernahmeangebot für Promodès, ab 2000 zweitgrößter Händler der Welt.
- 2019Verkauf des Geschäfts in China.
- 2022Übernahme von Grupo BIG in Brasilien, samt den Sam’s-Club-Großmärkten nur für Mitglieder.
- 2024Kauf von 60 Cora-Hypermärkten und 115 Match-Supermärkten.
- 2025Verkauf von Carrefour Italien, Start der Einkaufsallianz Concordis.
- 2026Plan „Carrefour 2030“, Verkauf in Rumänien, gesenkte Prognose im Oktober.
Wie verdient Carrefour tatsächlich sein Geld?

Carrefour verdient am Warenverkauf mit einer Bruttomarge von 19,5 Prozent, an Krediten und Karten seiner Finanztöchter, an Gebühren der Franchisenehmer und an Mieten. Von 100 Euro Nettoumsatz blieben 2025 vor Zinsen und Steuern 2,63 Euro, als Gewinn für die Aktionäre 39 Cent.
Drei Länder, drei Margen
Der Nettoumsatz lag 2025 bei 82,1 Milliarden Euro. Gut die Hälfte davon, 41,7 Milliarden Euro, stammte aus Frankreich, 20,5 Milliarden Euro aus Lateinamerika und 19,9 Milliarden Euro aus den übrigen europäischen Ländern. Allein Brasilien kam auf 17,8 Milliarden Euro, Spanien auf 11,0 Milliarden Euro.
Frankreich erwirtschaftete 983 Millionen Euro, eine Marge von 2,4 Prozent. Spanien kam auf 463 Millionen Euro oder 4,2 Prozent des Umsatzes, Brasilien auf 709 Millionen Euro oder 4,0 Prozent.
Zusammen lieferten Spanien und Brasilien 54 Prozent des operativen Ergebnisses von 2,16 Milliarden Euro, obwohl sie nur gut ein Drittel des Umsatzes brachten.
In Frankreich drückte ein Sondereffekt das Ergebnis: Die übernommenen Märkte von Cora und Match kosteten 2025 operativ 120 Millionen Euro, davon 95 Millionen Euro einmalige Umbaukosten. Ohne diese Märkte stieg das französische Ergebnis um 11,3 Prozent auf 1,10 Milliarden Euro, die Marge erreichte 3,0 Prozent.
Konzernchef Bompard nannte diese Schwelle ein lange verfolgtes Ziel.
Fast nichts verdiente der Konzern in Belgien, Polen und Rumänien. Von den 481 Millionen Euro des europäischen Auslands entfielen 463 Millionen Euro auf Spanien, für die drei anderen Länder blieben rechnerisch 18 Millionen Euro bei 8,9 Milliarden Euro Umsatz. Argentinien steuerte 70 Millionen Euro bei, belastet durch 49 Millionen Euro aus der Rechnungslegung bei Hochinflation. Die zentralen Konzernfunktionen kosteten 85 Millionen Euro.
Was neben der Ware hereinkommt
Unter dem Nettoumsatz führt Carrefour eine zweite Zeile: sonstige Erträge von 2,88 Milliarden Euro, ein Plus von 7,7 Prozent. Die Summe ist größer als das operative Ergebnis des ganzen Konzerns. Wie viel davon nach Kosten als Gewinn bleibt, weist Carrefour nicht getrennt aus.
Den größten Posten bilden Gebühren und Provisionen aus Finanzdienstleistungen mit 1,60 Milliarden Euro, 10,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Carrefour betreibt in Frankreich mit Carrefour Banque und in Brasilien eigene Banken, die Kreditkarten ausgeben, Ratenkredite vergeben und Versicherungen vermitteln. Lateinamerika steuerte 1,32 Milliarden Euro zu den sonstigen Erträgen bei, Brasilien allein 1,23 Milliarden Euro.
Im vierten Quartal 2025 wuchs das Kreditvolumen in Brasilien um 15 Prozent, im zweiten Quartal 2026 um 13 Prozent. Die Kundenkredite der Finanztöchter standen Ende 2025 mit 6,5 Milliarden Euro in der Bilanz.
Franchisenehmer und Pächter zahlten 417 Millionen Euro an Gebühren, die Carrefour als Anteil an ihrem Umsatz berechnet. Mieten aus Ladenflächen und Untervermietung brachten 199 Millionen Euro, der Verkauf selbst entwickelter Immobilien 17 Millionen Euro.
Die übrigen 643 Millionen Euro fasst Carrefour zusammen: Erlöse aus Retail Media, aus Dienstleistungen wie Reisen und Konzertkarten, Provisionen aus dem Online-Marktplatz und Gebühren, die Lieferanten für Leistungen des Händlers zahlen.
Eine weitere Einnahme taucht gar nicht als Erlös auf. Rabatte und Vergütungen der Lieferanten, unbedingte wie umsatzabhängige, mindern direkt die Einkaufskosten. Eine Summe dafür veröffentlicht Carrefour nicht.
Kundenkarte und Werbefläche
Das Treueprogramm „Le Club Carrefour“ zählte Ende 2025 in Frankreich 14,7 Millionen Mitglieder. Bis 2030 will der Konzern in allen Ländern 60 Millionen Karteninhaber erreichen, zehn Millionen mehr als heute, und doppelt so viele personalisierte Angebote verschicken.
Die Daten aus diesen Karten und aus den Onlinebestellungen vermarktet die Tochter Unlimitail, die Carrefour seit 2023 gemeinsam mit dem Werbekonzern Publicis betreibt und zu 51 Prozent besitzt. Hersteller buchen dort Werbung auf den Websites, in der App und in den Märkten und messen die Wirkung bis zum Kassenbon.
Unlimitail vermarktet inzwischen auch Flächen von 35 Partnern in 21 Ländern.
Bis 2028 soll sich der Umsatz von Unlimitail verdoppeln. Eine absolute Zahl für die Werbeerlöse nennt Carrefour nicht, und der Wert der Kundendaten erscheint in keiner Bilanzposition.
Mit Google hat Carrefour im Februar eine Partnerschaft für den Einkauf über KI-Agenten geschlossen. Als erster Lebensmittelhändler Europas schloss sich der Konzern dem Google-Protokoll „Universal Commerce“ an, über das Kunden mit dem KI-Assistenten Gemini direkt bei Carrefour einkaufen sollen.
Jährlich will Carrefour 100 Millionen Euro in Projekte mit künstlicher Intelligenz stecken.
Wo die Marge entsteht
Von 100 Euro Nettoumsatz kamen 2025 noch 3,50 Euro sonstige Erträge hinzu, 1,16 Euro gingen an das Treueprogramm. Wareneinsatz und Logistik kosteten 82,83 Euro, übrig blieb eine Bruttomarge von 19,52 Euro. Personal, Verwaltung, Werbung und übrige Betriebskosten verschlangen 14,37 Euro, Abschreibungen 2,52 Euro, für das operative Ergebnis blieben 2,63 Euro.
Zinsen und Finanzkosten nahmen davon 70 Cent, Steuern 63 Cent. Die Steuerlast stieg 2025 von 302 auf 516 Millionen Euro, auch wegen einer französischen Sonderabgabe auf die Gewinne großer Unternehmen. Der Verlust aus dem verkauften Italiengeschäft von 658 Millionen Euro, verbucht als aufgegebener Geschäftsbereich, kostete weitere 80 Cent, Minderheitsaktionäre, Einmaleffekte und übrige Posten zusammen 11 Cent.
Für die Aktionäre von Carrefour blieben 39 Cent.
Ohne Italien und andere Einmaleffekte weist Carrefour einen bereinigten Konzerngewinn von 1,09 Milliarden Euro aus, nach 1,17 Milliarden Euro im Vorjahr. Auf 100 Euro Umsatz sind das 1,33 Euro.
Lockpreise im Regal, Gebühren an der Kasse
Carrefour senkt bewusst Preise und holt das Geld an anderer Stelle zurück. 2025 sank die Bruttomarge um 0,22 Prozentpunkte, Carrefour erklärt den Rückgang mit Preissenkungen und mit dem wachsenden Anteil der Franchisemärkte. Im Februar 2026 kündigte Carrefour 200 Eigenmarkenprodukte zum Selbstkostenpreis an, allerdings nur für Mitglieder von „Le Club Carrefour“.
Der günstige Preis lockt die Kundschaft in die Märkte und auf die Karte. Mit der Karte erfasst Carrefour die Einkäufe, verschickt personalisierte Rabatte und verkauft Herstellern Werbeplätze. Kreditkarten und Ratenkäufe, vor allem in den brasilianischen Großmärkten, bringen Gebühren, die nicht vom Preiskampf im Regal abhängen.
Größe beim Einkauf, Geld der Lieferanten
Seit dem 1. Dezember 2025 verhandelt Carrefour mit den großen Markenherstellern gemeinsam mit Coopérative U und dem deutschen Einkaufsverbund RTG International. Die Allianz Concordis bündelt einen Umsatz von mehr als 125 Milliarden Euro. 2025 sparte Carrefour 1,1 Milliarden Euro an Kosten, im ersten Halbjahr 2026 weitere 490 Millionen Euro, auch dank besserer Einkaufskonditionen.
Ende 2025 schuldete Carrefour seinen Lieferanten 14,7 Milliarden Euro, das Warenlager war 6,4 Milliarden Euro wert. Rechnerisch finanzieren die Lieferanten damit das gesamte Lager mehr als zweimal. Für den Händler wirkt dieser Lieferantenkredit wie ein zinsloses Darlehen.
Was sich seit 2021 verschoben hat
Die Dividende je Aktie stieg von 52 Cent für 2021 auf 97 Cent für 2025, hinzu kamen Sonderausschüttungen. Die Zahl der Aktien sank im selben Zeitraum durch Rückkäufe von 775,9 auf 736,3 Millionen. Der Börsenwert fiel trotzdem von 12,5 auf 10,5 Milliarden Euro.
Im Geschäft selbst verschob sich das Gewicht vom eigenen Markt zum Netz der Partner. Seit 2018 eröffnete Carrefour in Europa mehr als 90 Prozent der neuen Märkte als Franchise.
Italien, Rumänien und China sind verkauft, der Bestellwert im Onlinegeschäft wuchs 2025 um 21 Prozent.
Unsere Einschätzung: Carrefour verdient sein Geld noch immer überwiegend am Regal, aber mit sehr dünner Marge. Mehr verdient Carrefour in Spanien, in Brasilien und mit Gebühren aus Krediten, Franchise und Daten. Gerade in Frankreich, dem größten Markt, hängt das Ergebnis davon ab, dass Preissenkungen genug zusätzliche Kundschaft bringen.
- Ware: 82,1 Milliarden Euro Nettoumsatz, Bruttomarge 19,5 Prozent, operative Marge 2,6 Prozent.
- Kredit: 1,60 Milliarden Euro Gebühren und Provisionen, vor allem aus Brasilien.
- Gebühren: 417 Millionen Euro von Franchisenehmern und Pächtern.
- Lieferanten: 14,7 Milliarden Euro offene Rechnungen bei 6,4 Milliarden Euro Warenlager.
Wie groß ist die Marktmacht von Carrefour?

In Frankreich ist Carrefour mit 21,1 Prozent Marktanteil die Nummer zwei hinter E.Leclerc mit 24,9 Prozent, gemessen von Worldpanel by Numerator bis Ende November 2025. In Spanien steht der Konzern auf Platz zwei, in Brasilien bezeichnet er sich als klaren Marktführer.
Platz zwei im Heimatmarkt
Laut den Daten von Worldpanel by Numerator für die zwölfte Vierwochenperiode 2025 hielt E.Leclerc 24,9 Prozent, Carrefour 21,1 Prozent, die Gruppe Les Mousquetaires mit Intermarché und Netto 17,2 Prozent und Coopérative U 12,7 Prozent. Dahinter folgten Lidl und Auchan mit je 8,3 Prozent, Aldi mit 3,1 Prozent und Casino mit 3,0 Prozent.
Carrefour hielt seinen Anteil binnen eines Jahres stabil, Leclerc und Coopérative U gewannen hinzu, Auchan verlor 0,7 Punkte. Leclerc, Intermarché und U sind Verbünde selbstständiger Kaufleute, Carrefour und Auchan dagegen Konzerne mit eigenen Märkten.
Mit Lidl und Aldi halten zwei deutsche Discounter zusammen 11,4 Prozent des französischen Marktes. Lidl liegt beim Marktanteil gleichauf mit Auchan und wirbt um dieselbe preisbewusste Kundschaft wie Carrefour.
Spanien und Brasilien
In Spanien will Carrefour bis 2030 seine Position als Nummer zwei des Marktes ausbauen. Die Zahl der Nahversorger soll dort um 750 steigen. Im dritten Quartal 2026 wuchsen diese kleinen Stadtmärkte auf vergleichbarer Fläche um 13 Prozent.
In Brasilien sieht sich Carrefour nach den Übernahmen von Makro im Jahr 2020 und Grupo BIG im Jahr 2022 als klaren Marktführer. Bis 2030 soll der Anteil am brasilianischen Markt 20 Prozent erreichen, in Frankreich 25 Prozent. Für Atacadão meldet Carrefour im dritten Quartal 2026 Marktanteilsgewinne, in einem Markt mit sinkenden Mengen.
Wie fest die Bindung ist
Für die Kundschaft ist der Wechsel billig, die Kundenkarte bindet nur über Rabatte. Deshalb senkt Carrefour Preise, baut das Treueprogramm aus und misst seine Preisposition seit 2026 am Index „Distriprix Net“ von NielsenIQ, der die tatsächlichen Kassenpreise einschließlich Aktionen erfasst.
Fester gebunden sind die Franchisenehmer. Ein Franchisenehmer führt den Markt unter dem Namen Carrefour, bezieht Ware über die Einkaufsorganisation des Konzerns und zahlt Gebühren auf den Umsatz. Wie fair diese Verträge sind, prüft derzeit das Handelsgericht Rennes.
Auflagen der Wettbewerbshüter
Für die Übernahme von Cora und Match musste Carrefour der französischen Wettbewerbsbehörde Zusagen machen und gab sechs Hypermärkte ab. Im Oktober 2024 erhielten mehrere französische Töchter, wie andere Händler mit Bioläden, eine Mitteilung der Beschwerdepunkte der Behörde. Der Vorwurf lautet, die Händler hätten seit November 2016 abgesprochen, Biomarken zwischen Fachhandel und Supermarkt aufzuteilen.
Eine Mitteilung der Beschwerdepunkte ist kein Urteil, die Entscheidung der Behörde steht aus.
- Frankreich: 21,1 Prozent Marktanteil, Platz zwei hinter Leclerc.
- Ausland: Nummer zwei in Spanien, nach eigener Darstellung Marktführer in Brasilien.
- Kundschaft: wechselt leicht, deshalb Preissenkungen und Treueprogramm.
- Franchisenehmer: fest gebunden, Streit vor Gericht.
Wer ist bei Carrefour eigentlich das Produkt?

Die Kundschaft bezahlt die Ware und liefert über die Kundenkarte Daten, die Carrefour über Unlimitail an Hersteller vermarktet. Einen wachsenden Teil von Arbeit, Investitionen und Risiko übernehmen Franchisenehmer und Pächter, die 8.233 Märkte in den sieben Ländern mit eigenem Geschäft führen.
Die Kundschaft: Rabatt gegen Einkaufsdaten
Im Geschäft mit der Kundschaft verläuft der Tausch über die Karte. „Le Club Carrefour“ gibt Rabatte und Zugang zu Aktionen wie den 200 Eigenmarkenprodukten zum Selbstkostenpreis. Im Gegenzug sieht der Konzern, wer wann was kauft, und verkauft Herstellern Werbung, die genau diese Käufer erreicht. Die Kundschaft bezahlt ihre Einkäufe mit Geld und liefert die Daten kostenlos dazu.
Der digitale Einkaufsassistent Hopla schlägt in der App gesündere Alternativen vor, analysiert den Warenkorb nach Nährwerten und wertet auf Wunsch ein Foto der Mahlzeit aus. Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelte sich die Zahl seiner Nutzer. Für Carrefour entsteht so ein genaueres Bild der Gewohnheiten jedes Haushalts.
Die Franchisenehmer: Unternehmer mit fremder Marke
In Frankreich betreiben Franchisenehmer und Pächter 5.944 Märkte. Fast alle kleinen Stadtmärkte, 72 Prozent der Supermärkte und 38 Prozent der Hypermärkte laufen über solche Verträge. Seit 2018 eröffnete Carrefour in Europa mehr als 90 Prozent der neuen Märkte auf diese Weise, und der Plan „Carrefour 2030“ sieht vor, jedes Jahr 40 Supermärkte der Marke Market an Franchisenehmer abzugeben.
2026 sollen zusätzlich 15 Hypermärkte an Pächter gehen.
Für Carrefour sinkt damit der Kapitalbedarf. Der Franchisenehmer trägt die Kosten für Personal und Betrieb, der Konzern erhält Gebühren als Anteil am Umsatz. Bei Pächtern, im Französischen „location-gérance“, bleibt der Markt Eigentum von Carrefour, der Pächter trägt das Betriebsrisiko und zahlt dafür eine Pacht.
Ein Teil der Franchisenehmer sieht sich benachteiligt. Ende 2023 klagte die Vereinigung der Carrefour-Franchisenehmer (AFC) vor dem Handelsgericht Rennes gegen mehrere Carrefour-Gesellschaften, weil die Verträge die Partner nach Darstellung der Vereinigung einseitig benachteiligten. Carrefour bestreitet das.
Die Lieferanten: Konditionen im Bündel
Markenhersteller verhandeln seit 2026 über Concordis mit drei Händlergruppen zugleich. Die Allianz verspricht in ihrer Gründungsmitteilung faire und transparente Beziehungen zu den Lieferanten, verfolgt aber das Ziel, die Einkaufspreise bei den multinationalen Markenherstellern zu senken.
Gegenüber den Bauern gibt sich Carrefour als Partner. In der Hitzewelle des Sommers 2026 verkürzte der Konzern für landwirtschaftliche Zulieferer vorübergehend die Zahlungsfristen auf 15 Tage und nahm kleineres oder optisch unvollkommenes Obst und Gemüse ab.
Was kostet der Einkauf bei Carrefour wirklich, und wer trägt die Kosten?

Von 100 Euro Nettoumsatz gab Carrefour 2025 rund 83 Euro für Ware und Logistik aus und gut 14 Euro für Personal, Verwaltung und Betrieb. Die Lieferanten finanzieren über lange Zahlungsziele das Lager, die Kundschaft zahlt den Preis, und der Staat erhält Mehrwertsteuer und eine Sonderabgabe auf den Gewinn.
Wohin 100 Euro Umsatz fließen
Die folgende Rechnung zeigt, wofür Carrefour seine Einnahmen ausgibt. Grundlage ist die Gewinn- und Verlustrechnung 2025, umgerechnet auf 100 Euro Nettoumsatz, also ohne Mehrwertsteuer.
| Posten | Euro je 100 Euro Nettoumsatz | Betrag 2025 |
|---|---|---|
| Nettoumsatz | 100,00 | 82,10 Mrd. Euro |
| plus sonstige Erträge (Kredite, Gebühren, Mieten, Werbung) | +3,50 | 2,88 Mrd. Euro |
| minus Kosten des Treueprogramms | −1,16 | 0,95 Mrd. Euro |
| minus Wareneinsatz und Logistik | −82,83 | 68,00 Mrd. Euro |
| Bruttomarge | 19,52 | 16,02 Mrd. Euro |
| minus Personal, Verwaltung, Werbung, Betrieb | −14,37 | 11,80 Mrd. Euro |
| minus Abschreibungen | −2,52 | 2,07 Mrd. Euro |
| operatives Ergebnis | 2,63 | 2,16 Mrd. Euro |
| minus Zinsen und Finanzkosten | −0,70 | 0,58 Mrd. Euro |
| minus Steuern | −0,63 | 0,52 Mrd. Euro |
| minus Verlust Italiengeschäft (aufgegeben) | −0,80 | 0,66 Mrd. Euro |
| minus Minderheiten und Einmaleffekte | −0,11 | 0,09 Mrd. Euro |
| Konzerngewinn für die Aktionäre | 0,39 | 0,32 Mrd. Euro |
Rechnung der Redaktion auf Basis des Geschäftsberichts 2025, Rundungsdifferenzen möglich. Die Mehrwertsteuer kommt an der Kasse hinzu: Einschließlich Steuer lag der Umsatz bei 91,5 Milliarden Euro.
Was die Lieferanten tragen
Den größten Block, den Wareneinsatz, handelt Carrefour jedes Jahr mit den Herstellern aus. In Frankreich schreibt das Gesetz Fristen vor, bis zu denen die Jahresverträge unterschrieben sein müssen. Die Rabatte und Vergütungen, die Lieferanten zahlen, verringern die Einkaufskosten unmittelbar und erscheinen deshalb nirgends als eigene Einnahme.
Mit 14,7 Milliarden Euro offenen Rechnungen bei 6,4 Milliarden Euro Lagerbestand bezahlt Carrefour seine Ware im Schnitt deutlich später, als die Kundschaft an der Kasse bezahlt. Die Lieferanten tragen damit einen Teil der Finanzierungskosten des Händlers.
Was die Kundschaft zahlt
Für die Kundschaft sind die Preise in den vergangenen Monaten gesunken, wenn auch gezielt. Im August senkte Carrefour in Frankreich die Preise von mehr als 500 Produkten um durchschnittlich 8 Prozent, nach drei landesweiten Preissenkungsrunden im ersten Halbjahr. Die günstigsten Angebote, etwa die 200 Eigenmarkenprodukte zum Selbstkostenpreis, gelten nur mit Kundenkarte.
Teurer wird der Einkauf über den Kredit. Kundinnen und Kunden, die in Raten zahlen oder den Kreditrahmen ihrer Carrefour-Karte nutzen, zahlen Zinsen und Gebühren. Zusammen mit Provisionen aus Versicherungen brachte das Finanzgeschäft 2025 Erträge von 1,6 Milliarden Euro.
Was die Franchisenehmer und der Staat tragen
Franchisenehmer zahlen 417 Millionen Euro Gebühren im Jahr und tragen dazu die Kosten für Personal und Laden. Der französische Staat erhebt neben der Mehrwertsteuer für 2025 eine Sonderabgabe auf die Gewinne großer Unternehmen, einer der Gründe für den Anstieg der Steuerlast von Carrefour von 302 auf 516 Millionen Euro.
Seit den Ausschreitungen im Oktober trägt der Konzern zudem höhere Kosten für Sicherheit und Logistik, wie Carrefour in der Quartalsmitteilung schreibt.
Von 100 Euro Nettoumsatz blieben 2,63 Euro operativ und 39 Cent für die Aktionäre. Lieferanten finanzieren das Lager, Franchisenehmer den Betrieb ihrer Märkte, die Kundschaft zahlt mit Geld und Daten.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Am meisten profitieren die Aktionäre: Für 2025 schüttet Carrefour 685 Millionen Euro Dividende und 150 Millionen Euro Sonderdividende aus, mehr als das Zweieinhalbfache des Konzerngewinns. Unter Druck stehen Lieferanten, ein Teil der Franchisenehmer und die Märkte in Frankreichs Städten.
| Gruppe | Entwicklung | Einordnung |
|---|---|---|
| Aktionäre insgesamt | 97 Cent Dividende je Aktie für 2025, dazu 21 Cent Sonderdividende | Ausschüttung von 835 Millionen Euro bei 319 Millionen Euro Konzerngewinn |
| Galfa (Umfeld Galeries Lafayette) | 7,42 Prozent des Kapitals, 13,74 Prozent der Stimmrechte | rechnerisch rund 64 Millionen Euro aus beiden Dividenden |
| Familie Saadé (Carrix) | 5,00 Prozent seit Ende 2025 | neuer Großaktionär mit Sitz im Verwaltungsrat |
| Kundschaft mit Karte | 200 Eigenmarkenprodukte zum Selbstkostenpreis, Preissenkungen | profitiert, liefert dafür Einkaufsdaten |
| Markenhersteller | verhandeln mit Concordis, über 125 Milliarden Euro Einkaufsvolumen | verlieren Verhandlungsmacht |
| Franchisenehmer | 417 Millionen Euro Gebühren, Klage in Rennes | Konzern spart Kapital, ein Teil der Partner fühlt sich benachteiligt |
| Beschäftigte in Frankreich | Gewinnbeteiligung im Schnitt 1.298 Euro für 2025 | höchster Wert seit zehn Jahren |
| Stadtmärkte in Frankreich | Ausgangssperren seit dem 19. Oktober 2026 | weniger Kundschaft, höhere Kosten für Wachdienste |
Ausschüttung über dem Gewinn
Die Dividende von 97 Cent je Aktie liegt 5,4 Prozent über dem Vorjahr. Am 30. Juli 2026 zahlte Carrefour zusätzlich 21 Cent je Aktie aus dem Verkauf von Carrefour Rumänien. Zusammen gehen 835 Millionen Euro an die Aktionäre, bei einem Konzerngewinn von 319 Millionen Euro.
Unsere Lesart: Finanziert wird die Ausschüttung aus dem Mittelzufluss, der deutlich über dem ausgewiesenen Gewinn liegt. Der Netto-Free-Cashflow lag 2025 bei 1,31 Milliarden Euro, ohne das abgegebene Italiengeschäft bei 1,57 Milliarden Euro. Ab dem Geschäftsjahr 2026 will Carrefour 50 bis 60 Prozent des bereinigten Gewinns je Aktie ausschütten, nach eigenen Worten einer der höchsten Werte unter europäischen Händlern.
Zwei Familien als Großaktionäre
Größter Einzelaktionär ist Galfa, eine Gesellschaft aus dem Umfeld der Eigentümer der Warenhauskette Galeries Lafayette, verbunden mit Verwaltungsratsmitglied Philippe Houzé. Galfa hielt Ende 2025 7,42 Prozent der Aktien, mit Optionen 9,46 Prozent, und dank doppelter Stimmrechte für langjährige Aktionäre 13,74 Prozent der Stimmen. Auf ihre 54,6 Millionen Aktien entfielen rechnerisch, gemessen am Bestand Ende 2025, rund 53 Millionen Euro Dividende und 11 Millionen Euro Sonderdividende.
Ende 2025 stieg die Familie Saadé über die Holding Carrix mit 5,00 Prozent ein. Rodolphe Saadé führt die Reederei CMA CGM und besitzt über diese unter anderem die Fernseh- und Radiosender BFM und RMC. Seit dem 1. Dezember 2025 sitzt er als unabhängiges Mitglied im Verwaltungsrat von Carrefour.
Der brasilianische Investor Península hatte seine Beteiligung zuvor verkauft.
Konzernchef Alexandre Bompard, seit 2017 an der Spitze, erhielt 2025 ein festes Jahresgehalt von 1,6 Millionen Euro, dazu einen variablen Teil und Aktien, die an Ziele gebunden sind. Der Verwaltungsrat beschloss, den festen Teil auf 1,7 Millionen Euro anzuheben.
Der Verwaltungsrat schlug 2025 vor, sein Mandat als Vorsitzender und Konzernchef bis 2029 zu verlängern.
Wer unter Druck steht
Die Lieferanten verhandeln seit 2026 mit einem Einkaufsblock, der mehr als 125 Milliarden Euro Umsatz bündelt. Dass die Allianz Concordis die Einkaufspreise senken soll, schreiben Carrefour, Coopérative U und RTG International in ihrer Gründungsmitteilung offen. Für einen multinationalen Markenhersteller bedeutet das: Ein gescheitertes Jahresgespräch betrifft drei Händlergruppen in Frankreich, Deutschland und Spanien zugleich, deren Konditionen Concordis gemeinsam verhandelt.
Im Oktober traf die Unruhe in Frankreich die Märkte in den Städten. Nach Großdemonstrationen am 17. Oktober, die in mehreren Städten in Plünderungen mündeten, ordneten die Präfekten auf Ankündigung von Premierminister Sébastien Lecornu vom 19. Oktober örtliche Ausgangssperren an. Nach Angaben von Minister Serge Papin wurden mindestens 3.000 Geschäfte beschädigt oder geplündert, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Carrefour schreibt von vielen betroffenen Märkten in städtischen Gebieten, von weniger Kundschaft, kürzeren Öffnungszeiten und höheren Kosten für Sicherheit und Logistik. Wie viele Märkte beschädigt wurden, veröffentlichte der Konzern nicht.
Carrefour gilt als französischer Händler, doch 54 Prozent seines operativen Ergebnisses verdiente der Konzern 2025 in Spanien und Brasilien.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie politisch ist Carrefour?

Carrefour streitet in Frankreich mit dem Staat über Lieferantenverträge und Franchiseklauseln: Der Wirtschaftsminister fordert 200 Millionen Euro Zivilbuße, die DGCCRF verhängte 16,4 Millionen Euro Bußgeld. 2024 entschuldigte sich der Konzern in Brasilien für ein Fleisch-Versprechen an französische Bauern.
Der Streit mit den Franchisenehmern
Am 26. Dezember 2023 verklagte die Vereinigung der Carrefour-Franchisenehmer mehrere Gesellschaften des Konzerns vor dem Handelsgericht Rennes. Am 11. Juni 2024 schaltete sich der französische Wirtschaftsminister in das Verfahren ein.
Vorausgegangen war eine Untersuchung der Wirtschaftsverwaltung in der Normandie zu den Verträgen mit Betreibern von Stadtmärkten zwischen 2019 und 2022.
Der Minister verlangt, das Gericht möge ein vertragliches Ungleichgewicht zwischen Konzern und Franchisenehmern feststellen, die strittigen Klauseln für nichtig erklären und eine Zivilbuße von 200 Millionen Euro verhängen. Carrefour bestreitet die Vorwürfe und hält die geforderte Summe für unverhältnismäßig. Am 3. Juli 2025 wies das Gericht die Einwände des Konzerns zur Zuständigkeit und Zulässigkeit zurück, Carrefour legte beim Pariser Berufungsgericht Berufung ein.
Ein Urteil in der Sache erwartet der Konzern nicht vor Ende 2026.
Fristen für Lieferantenverträge
Frankreich regelt die jährlichen Verhandlungen zwischen Händlern und Herstellern mit festen Fristen. Im November 2024 verhängte die Verbraucherschutz- und Wettbewerbsbehörde DGCCRF gegen Eureca, die Einkaufszentrale von Carrefour in Spanien, ein Bußgeld von 10,3 Millionen Euro, wegen zwölf Verstößen gegen die Pflicht, Lieferantenverträge bis zum 15. und 31. Januar 2024 zu unterzeichnen.
Grundlage war ein Gesetz gegen die Inflation vom November 2023.
Im April 2026 folgte ein Bußgeld von 6,1 Millionen Euro gegen die Einkaufsgesellschaft Eureca Mayoristas wegen 19 Verträgen, die nicht bis zum 1. März 2025 unterschrieben waren. Carrefour nannte die Strafe eine bürokratische Absurdität und kündigte an, sie mit allen rechtlichen Mitteln anzufechten. Nach Darstellung des Konzerns betrug der Verzug wenige Tage und betraf multinationale Hersteller, die selbst auf Zeit gespielt hätten.
Ein Brief an die Bauern, eine Entschuldigung an Brasilien
Im November 2024 schrieb Konzernchef Bompard an Arnaud Rousseau, den Präsidenten des französischen Bauernverbands FNSEA, Carrefour werde kein Fleisch aus den Mercosur-Staaten mehr verkaufen. Der Brief fiel in die Proteste französischer Landwirte gegen das geplante Handelsabkommen der EU mit Südamerika. In Brasilien riefen Erzeuger daraufhin dazu auf, die Carrefour-Märkte nicht mehr zu beliefern, dazu kamen Aufrufe zum Boykott.
Wenige Tage später entschuldigte sich Bompard in einem Brief an den brasilianischen Agrarminister Carlos Fávaro und führte den Streit auf Kommunikationsprobleme zurück. Carrefour Brasilien erklärte, die Lieferungen liefen wieder.
Brasilien stand 2025 für 21,6 Prozent des Nettoumsatzes.
Lobbyarbeit, Steuern und Aktionäre
Die Lobbyarbeit verantwortet bei Carrefour der Generalsekretär im Vorstand. Der Konzern meldet seine Kontakte zu Amtsträgern im französischen Lobbyregister der Transparenzbehörde HATVP und arbeitet in Verbänden wie dem Handelsverband FCD, dem Unternehmerverband AFEP und dem europäischen Dachverband Eurocommerce mit.
Eine Gesamtsumme der Lobbyausgaben weist Carrefour im Geschäftsbericht nicht aus.
Die Steuerlast stieg 2025 von 302 auf 516 Millionen Euro. Carrefour nennt als Gründe den höheren Gewinn vor Steuern, die französische Sonderabgabe auf die Gewinne großer Unternehmen und Ausgaben, die steuerlich nicht abzugsfähig sind. In Brasilien verhängte die Stadt São Paulo im Januar 2026 ein Bußgeld von 47,2 Millionen Reais, rund 7 Millionen Euro, im Streit um Betriebsgenehmigungen von Atacadão, das Unternehmen geht dagegen in Berufung.
Unsere Einordnung: Carrefour steht in Frankreich zwischen zwei Erwartungen. Die Politik verlangt niedrige Preise und faire Bedingungen für Bauern, Hersteller und Franchisenehmer zugleich. Bei einer operativen Marge von 2,4 Prozent im Heimatmarkt lässt sich beides nur bezahlen, indem der Konzern Druck auf seine Partner weitergibt, und genau dieser Druck landet regelmäßig vor Behörden und Gerichten.
- Franchise: Minister fordert 200 Millionen Euro Zivilbuße, Carrefour bestreitet.
- Lieferanten: 16,4 Millionen Euro Bußgelder wegen verspäteter Verträge.
- Mercosur: Fleisch-Versprechen an französische Bauern, Entschuldigung in Brasilien.
- Steuern: Steuerlast 2025 von 302 auf 516 Millionen Euro gestiegen.
Was könnte Carrefour zu Fall bringen?

Am verwundbarsten ist Carrefour in Frankreich: Die Hypermärkte wachsen kaum, im angestammten Netz ohne Cora schrumpfen sie, Leclerc und Coopérative U gewinnen Anteile, und die Unruhen treffen das Jahresendgeschäft. Hinzu kommen hohe Zinsen in Brasilien, der Franchise-Prozess und eine dünne Marge.
Der Hypermarkt als Last
Der Hypermarkt, mit dem Carrefour 1963 groß wurde, wächst heute am schwächsten von allen Formaten in Frankreich.
Im dritten Quartal 2026 machten die französischen Hypermärkte mit 5,7 Milliarden Euro fast die Hälfte des Umsatzes in Frankreich aus. Auf vergleichbarer Fläche wuchsen die Hypermärkte nur um 0,6 Prozent, ohne die früheren Cora-Märkte schrumpften sie um 0,6 Prozent. Das Geschäft außerhalb der Lebensmittel, also mit Elektronik, Haushaltswaren und Kleidung, sank in Frankreich um 2,2 Prozent.
Mit schrumpfender Großfläche kämpft in Deutschland auch Kaufland. Carrefour will am 17. November eine eigene Strategie für die französischen Hypermärkte vorstellen. Der Plan „Carrefour 2030“ sieht vor, Flächen umzuwidmen, zehn Märkte nach dem Vorbild des Frischemarkts „Marché Frais“ umzubauen und Problemmärkte an Pächter abzugeben. Für die Modernisierung der französischen Hypermärkte will der Konzern jedes Jahr zusätzlich fast 200 Millionen Euro investieren.
Brasilien, Zinsen und Währung
Brasilien liefert den größten Gewinnbeitrag außerhalb Frankreichs und hängt zugleich am Kurs des Real. 2025 kostete die Abwertung des Real das Ergebnis in Lateinamerika 101 Millionen Euro. Ein Leitzins von 15 Prozent im Jahr 2025 und weiterhin hohe Zinsen 2026 drücken die Kaufkraft der Haushalte, besonders in den Großmärkten, die auf Kundschaft mit niedrigem Einkommen angewiesen sind.
Das Kreditgeschäft, das in Brasilien gute Erträge bringt, hängt am Zahlungsverhalten der Kundschaft. In Argentinien stiegen im ersten Halbjahr 2026 die Risikovorsorge für Kreditausfälle im Bankgeschäft und belasteten das Ergebnis dort stark.
Wenig Spielraum in der Bilanz
Mit 2,6 Prozent operativer Marge reichen wenige Zehntelpunkte, um den Gewinn deutlich zu verändern. Ein Rückgang der operativen Marge um 0,3 Prozentpunkte hätte 2025 rund 250 Millionen Euro gekostet, fast so viel, wie den Aktionären als Konzerngewinn blieb. Die Nettofinanzschulden stiegen von 4,0 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 auf 5,8 Milliarden Euro Ende Juni 2026. Ein Jahr zuvor, Ende Juni 2025, lagen sie mit 7,0 Milliarden Euro noch um 1,1 Milliarden Euro höher.
Standard & Poor’s bewertet die Kreditwürdigkeit mit BBB, stabiler Ausblick.
Neue Wege zur Kundschaft
Gefährlich für das Modell wäre ein Einkauf, der am Händler vorbeiläuft. Carrefour setzt deshalb früh auf Einkäufe über KI-Agenten und auf das eigene Treueprogramm. Bestellen viele Kunden künftig über einen Assistenten, der Preise mehrerer Händler vergleicht, verlieren Kundenkarte und Werbefläche an Wert.
Das Onlinegeschäft wuchs im dritten Quartal 2026 um 18 Prozent und ist bisher ein Gewinner dieser Entwicklung.
Drei Szenarien bis 2030
| Szenario | Annahmen | Folgen für Carrefour |
|---|---|---|
| Plan geht auf | Frankreich beruhigt sich, Hypermärkte stabilisieren sich, Brasiliens Zinsen sinken | operative Marge erreicht 2030 die angestrebten 3,5 Prozent, höhere Dividende |
| Zähes Mittelfeld | Preiskampf mit Leclerc hält an, Brasilien wächst langsam | Marge zwischen 2,6 und 3,0 Prozent, weitere Verkäufe von Immobilien und Auslandsgeschäften |
| Abwärtsspirale | dauerhafte Unruhen, Niederlage im Franchise-Prozess, Währungsschock in Brasilien | Gewinn bricht ein, Druck auf Rating und Dividende, Zerlegung des Konzerns denkbar |
Die Szenarien sind eine Einschätzung der Redaktion. Die Zielmarge von 3,5 Prozent stammt aus dem Plan „Carrefour 2030“.
Was bedeutet Carrefour für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

In Deutschland betreibt Carrefour keine Märkte, verhandelt aber seit 2026 über die Allianz Concordis gemeinsam mit Rossmann, Globus, tegut und weiteren deutschen Händlern mit den großen Markenherstellern. Für deutsche Lieferanten, Urlauber und Anleger ist der Konzern näher, als die fehlenden Filialen vermuten lassen.
Ein deutscher Partner im Einkauf
Im August 2025 trat der Einkaufsverbund RTG International der Allianz Concordis bei. RTG verhandelt für die Markenhersteller im Sortiment von Concordis die Einkaufspreise mehrerer überwiegend familiengeführter deutscher Händler: Rossmann, Globus, Bartels-Langness, Bünting, Netto, tegut, Kaes und Klaas & Kock. Diese Gruppen kommen zusammen auf fast 31 Milliarden Euro Umsatz in rund 570 SB-Warenhäusern, 770 Supermärkten und 2.230 Drogeriemärkten.
Die Gründer informierten die französische und die deutsche Wettbewerbsbehörde über die Allianz, damit Concordis die Jahresgespräche 2026 führen konnte. Die drei Partner betonen, dass jeder seine Geschäftspolitik weiter selbst bestimmt.
Für deutsche Markenhersteller mit internationalem Geschäft verändert das die Jahresgespräche. Die Einkaufspreise von Rossmann oder Globus verhandelt Concordis gemeinsam mit denen von Carrefour und Coopérative U, für zusammen mehr als 125 Milliarden Euro Umsatz. Gegenüber stehen der Allianz ausdrücklich die großen multinationalen Markenkonzerne.
Deutsche Discounter im Revier von Carrefour
Umgekehrt setzen deutsche Händler Carrefour im Heimatmarkt zu. Lidl und Aldi halten in Frankreich zusammen 11,4 Prozent Marktanteil. Wie Carrefour mit Preissenkungen, Eigenmarken und dem Ausbau kleiner Stadtmärkte reagiert, zeigt deutschen Händlern, wohin der Wettbewerb um preisbewusste Kundschaft in einem gesättigten Markt führt.
Für Urlauber und Anleger
In den Urlaubsländern Frankreich und Spanien ist Carrefour kaum zu übersehen, Ende 2025 zählte der Konzern dort 6.766 und 1.595 Märkte. Die stärksten Rabatte, etwa die Produkte zum Selbstkostenpreis in Frankreich oder die Aktionen für Mitglieder in Spanien, setzen die Kundenkarte voraus.
Für Anleger ist Carrefour vor allem ein Dividendenwert. Die Aktie schloss 2025 bei 14,23 Euro, die Dividende von 97 Cent entsprach gemessen daran einer Rendite von 6,8 Prozent, vor der Sonderdividende. Gleichzeitig fiel der Börsenwert seit 2021 von 12,5 auf 10,5 Milliarden Euro, und die gesenkte Prognose vom Oktober zeigt, wie schnell die Lage in Frankreich auf den Gewinn durchschlägt.
Eine Anlageempfehlung ist das nicht.
Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate
| Szenario | Was passiert | Folgen für deutsche Partner und Kunden |
|---|---|---|
| Optimistisch | Die Lage in Frankreich beruhigt sich vor Weihnachten, die Hypermarkt-Strategie vom 17. November überzeugt | Carrefour erreicht die gesenkte Prognose, Concordis verhandelt 2027 aus einer Position der Stärke |
| Realistisch | Ausgangssperren laufen aus, die Kundenfrequenz erholt sich langsam, Brasilien bleibt schwach | stabile Dividende, weitere Preisrunden in Frankreich, harte Jahresgespräche für Markenhersteller |
| Pessimistisch | Unruhen ziehen sich ins neue Jahr, das Gericht in Rennes entscheidet gegen Carrefour | weiterer Sparkurs, mehr Märkte an Franchisenehmer und Pächter, Verkäufe von Immobilien und Auslandsgeschäften |
Die Szenarien sind eine Einschätzung der Redaktion. Grundlage sind die Prognose vom 20. Oktober und der angekündigte Termin am 17. November.
Was folgt daraus für Hersteller und Händler?
Als Markenhersteller planen Sie die Jahresgespräche mit Rossmann, Globus und den übrigen Händlern von RTG International am besten europäisch: Konditionen, die Sie dort zugestehen, wirken über Concordis auch in Frankreich und Spanien. Für französische Lieferverträge gilt der 1. März als Stichtag für die Unterschrift, bei Verzug drohen dem Händler Bußgelder.
Für Händler zeigt der Fall Carrefour, wie weit ein Konzern das Franchisemodell treiben kann und wo die Grenze liegt: Gebühren und Einkaufsbindung bringen planbare Erträge, strittige Klauseln dagegen ein Risiko von bis zu 200 Millionen Euro. Unsere Einschätzung: Für deutsche Verbundgruppen und Filialisten lohnt der Blick auf das Verfahren in Rennes, bevor sie eigene Märkte an selbstständige Kaufleute abgeben.
- Einkauf: Über RTG International verhandeln acht deutsche Händlergruppen gemeinsam mit Carrefour.
- Wettbewerb: Lidl und Aldi halten in Frankreich 11,4 Prozent Marktanteil.
- Urlaub: Die besten Preise gelten nur mit Kundenkarte.
- Anleger: 6,8 Prozent Dividendenrendite zum Jahresschlusskurs 2025, aber sinkender Börsenwert.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Carrefour

Abholgroßmarkt (Cash & Carry)
Ein Abholgroßmarkt verkauft große Packungen zu Großhandelspreisen an Gewerbekunden und Privatleute, die Ware selbst abholen. In Brasilien betreibt Carrefour dieses Format unter dem Namen Atacadão mit rund 390 Märkten, in Frankreich unter Promocash. Das Format lebt von hohen Mengen und niedrigen Kosten je Quadratmeter.
Aufgegebener Geschäftsbereich
Ein aufgegebener Geschäftsbereich ist nach dem Bilanzstandard IFRS 5 ein Teil des Konzerns, der verkauft wird oder werden soll. Sein Ergebnis steht getrennt vom laufenden Geschäft in der Gewinn- und Verlustrechnung. Bei Carrefour betraf das 2025 das Italiengeschäft, 2026 Rumänien.
Bruttomarge
Die Bruttomarge gibt an, welcher Anteil vom Umsatz nach Abzug von Wareneinsatz und Logistik bleibt. Aus diesem Rohertrag bezahlt ein Händler Personal, Verwaltung und Abschreibungen. Carrefour kam 2025 auf 19,5 Prozent, rechnet dabei aber sonstige Erträge und Kosten des Treueprogramms mit ein.
Eigenmarke
Eine Eigenmarke ist eine Produktlinie, die ein Händler unter eigenem Namen von Herstellern fertigen lässt. Eigenmarken sind meist günstiger als Markenartikel und bringen dem Händler oft eine höhere Marge. Bei Carrefour machten Eigenmarken 2025 38 Prozent des Lebensmittelumsatzes aus, Ziel sind rund 40 Prozent.
Einkaufsallianz
Eine Einkaufsallianz ist ein Zusammenschluss mehrerer Händler, die mit großen Herstellern gemeinsam über Preise und Konditionen verhandeln. Je größer das gebündelte Volumen, desto stärker die Verhandlungsposition. Carrefour gründete 2025 mit Coopérative U die Allianz Concordis, der deutsche Verbund RTG International trat im August bei.
Flächenbereinigtes Wachstum (LFL)
Das flächenbereinigte Wachstum, englisch like-for-like, misst die Umsatzentwicklung in Märkten, die seit mindestens zwölf Monaten geöffnet sind. Carrefour rechnet dabei Wechselkurse, Kraftstoff, Kalendereffekte und Hochinflation heraus. So lässt sich Wachstum aus bestehenden Märkten von Wachstum durch Neueröffnungen und Zukäufe trennen.
Franchise
Franchise ist ein Vertriebsmodell, bei dem ein selbstständiger Unternehmer einen Laden unter fremder Marke führt und dafür Gebühren zahlt. Der Markengeber liefert Konzept, Einkauf und Werbung. Carrefour berechnet die Gebühren als Anteil am Umsatz des Franchisemarkts und nahm 2025 zusammen mit Pachtgebühren 417 Millionen Euro ein.
Geschäftspacht (Location-gérance)
Bei der Geschäftspacht, französisch location-gérance, überlässt der Eigentümer eines Geschäfts den Betrieb einem Pächter, der auf eigene Rechnung und eigenes Risiko arbeitet. Das Geschäft bleibt im Besitz des Verpächters. Carrefour gibt auf diesem Weg vor allem Hypermärkte ab, die einen Neuanfang brauchen, 2026 sollen 15 folgen.
Hypermarkt
Ein Hypermarkt ist ein sehr großer Selbstbedienungsmarkt mit Lebensmitteln und einem breiten Sortiment an Haushaltswaren, Elektronik und Kleidung, meist am Stadtrand mit großem Parkplatz. Im Deutschen heißt das Format auch SB-Warenhaus. Carrefour eröffnete 1963 den ersten Hypermarkt Frankreichs und betreibt dort heute 320 solcher Märkte.
Lieferantenkredit
Als Lieferantenkredit bezeichnet man offene Rechnungen bei Lieferanten, die ein Unternehmen erst später bezahlt. Für den Händler wirkt das wie ein Darlehen ohne ausgewiesene Zinsen. Carrefour schuldete seinen Lieferanten Ende 2025 rund 14,7 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel, wie das eigene Warenlager wert war.
Netto-Free-Cashflow
Der Netto-Free-Cashflow ist das Geld, das nach Investitionen, Zinsen und Mietzahlungen aus dem laufenden Geschäft übrig bleibt. Aus ihm bezahlt ein Unternehmen Dividenden und Schuldentilgung. Carrefour kam 2025 auf 1,31 Milliarden Euro, ohne das verkaufte Italiengeschäft auf 1,57 Milliarden Euro.
Operatives Ergebnis
Das operative Ergebnis, bei Carrefour als bereinigtes operatives Ergebnis ohne Sondereffekte ausgewiesen, ist der Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten. Die Kennzahl zeigt, was der Handel selbst abwirft. Carrefour erzielte 2025 2,16 Milliarden Euro, eine Marge von 2,6 Prozent des Nettoumsatzes.
Rechnungslegung bei Hochinflation (IAS 29)
Der Bilanzstandard IAS 29 regelt, wie Unternehmen Geschäfte in Ländern mit sehr hoher Inflation bilanzieren. Werte werden dabei auf die aktuelle Kaufkraft umgerechnet. Carrefour wendet die Regel in Argentinien an, 2025 minderte die Regel das operative Ergebnis dort um 49 Millionen Euro.
Retail Media
Retail Media bezeichnet Werbung, die Händler auf eigenen Websites, in Apps und in Märkten an Hersteller verkaufen. Grundlage sind die Einkaufsdaten der Kundschaft, mit denen sich die Wirkung bis zum Kassenbon messen lässt. Carrefour betreibt das Geschäft seit 2023 über Unlimitail, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Publicis.
Sale-and-Leaseback
Beim Sale-and-Leaseback verkauft ein Unternehmen eine Immobilie und mietet sie direkt vom Käufer zurück. So fließt Geld in die Kasse, der Betrieb läuft weiter, dafür fallen künftig Mieten an. Carrefour verkaufte und mietete auf diese Weise Anfang Oktober 2026 35 Märkte in Frankreich und Spanien zurück.
Zivilbuße
Eine Zivilbuße, französisch amende civile, ist eine Geldbuße, die ein französisches Zivil- oder Handelsgericht auf Antrag des Wirtschaftsministers verhängen kann, etwa bei einem erheblichen Ungleichgewicht in Handelsverträgen. Im Streit mit den Carrefour-Franchisenehmern fordert der Minister 200 Millionen Euro, Carrefour bestreitet die Vorwürfe.
FAQ: Warum verdiente Carrefour 2025 nur 319 Mio. Euro?

Wem gehört Carrefour?
Carrefour ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Massy bei Paris, die Aktien liegen überwiegend bei institutionellen und privaten Anlegern. Größter Einzelaktionär ist Galfa, eine Gesellschaft aus dem Umfeld der Galeries-Lafayette-Eigentümer um Verwaltungsratsmitglied Philippe Houzé, mit 7,42 Prozent des Kapitals und 13,74 Prozent der Stimmrechte. Seit Ende 2025 hält die Familie Saadé über die Holding Carrix 5,00 Prozent.
Hat Carrefour Filialen in Deutschland?
Nein, Carrefour betreibt in Deutschland keine Märkte. Der Konzern führt eigene Märkte in Frankreich, Spanien, Brasilien, Belgien, Polen und Argentinien, in mehr als 30 weiteren Ländern führen Partner Märkte unter der Marke. Über die Einkaufsallianz Concordis arbeitet Carrefour aber mit deutschen Händlern wie Rossmann, Globus und tegut zusammen.
Wie viele Mitarbeiter hat Carrefour?
Carrefour beschäftigte Ende 2025 fast 300.000 Menschen in den Ländern, in denen der Konzern selbst Märkte betreibt. Hinzu kommen die Beschäftigten der Franchisenehmer, Pächter und Partner, die Carrefour nicht mitzählt, weil sie bei eigenständigen Unternehmen angestellt sind.
Wer ist der Chef von Carrefour?
Alexandre Bompard leitet Carrefour seit 2017 als Vorsitzender des Verwaltungsrats und Konzernchef zugleich. Sein festes Jahresgehalt lag 2025 bei 1,6 Millionen Euro, der Verwaltungsrat hat eine Anhebung auf 1,7 Millionen Euro beschlossen. Der Verwaltungsrat hat vorgeschlagen, sein Mandat bis 2029 zu verlängern.
Ist Carrefour größer als Leclerc?
In Frankreich nicht. E.Leclerc hielt Ende November 2025 laut Worldpanel by Numerator 24,9 Prozent Marktanteil im Lebensmittelhandel, Carrefour 21,1 Prozent. Weltweit ist Carrefour größer, weil der Konzern auch in Spanien, Brasilien und weiteren Ländern Märkte betreibt und 2025 einschließlich Mehrwertsteuer 91,5 Milliarden Euro umsetzte.
Wie viele Filialen hat Carrefour?
Ende 2025 liefen weltweit 15.719 Märkte unter der Marke Carrefour, 6.766 davon in Frankreich und 1.595 in Spanien. Die Märkte reichen vom kleinen Stadtmarkt über Supermärkte bis zum Hypermarkt. Rund vier von fünf Märkten führen Franchisenehmer, Pächter oder Partner, nicht der Konzern selbst.
Quellen
18 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 27.10.2026
- CarrefourUniversal Registration Document 2025 (Geschäftsbericht)
- CarrefourQ4 2025 sales and FY 2025 results
- CarrefourCarrefour 2030 Strategic Plan
- CarrefourQ2 2026 sales and H1 2026 results
- CarrefourQ3 2026 sales
- CarrefourCarrefour announces a sale and leaseback transaction involving 35 stores in France and Spain
- CarrefourCarrefour announces the sale of Carrefour Romania to Paval Holding
- CarrefourCarrefour completes the sale of its minority stake in CarrefourSA in Turkey
- Carrefour, Coopérative U, RTG InternationalRTG International rejoint Carrefour et Coopérative U pour le lancement de Concordis
- Carrefour, Coopérative UAnnonce de l’alliance européenne aux achats Concordis
- ESM MagazineTop 10 Supermarket Retail Chains In France (Worldpanel by Numerator, P12 2025, aktualisiert 11.07.2026)
- Paris Match Belgique (AFP)Suites du 17-octobre en France : des couvre-feux instaurés dans plusieurs villes
- Boursorama (Reuters)Carrefour: Bercy demande une sanction pour pratiques abusives vis-à-vis des franchisés
- Le Monde du DroitNégociations commerciales annuelles : amende de 10,3 millions pour Carrefour
- 24matinsCarrefour sanctionné de six millions d’euros
- ESM MagazineCarrefour To Cease Selling Meat From Mercosur Countries, CEO Bompard Says
- Journal de l’ÉconomieCarrefour sous pression après une polémique sur la viande du Brésil
- Poder360Carrefour Brasil conclui aquisição do Grupo Big
