Artikel teilen

Sie steigen kurz nach vier Uhr in den ersten Bus des Tages, vorn sitzt schon jemand mit Dienstplan, Bordrechner und Blick auf die nächste Haltestelle. Den Fahrplan kennt die Software längst. Laut den Verbänden VDV und bdo fehlen im Nahverkehr schon heute rund 20.000 Busfahrer, im KI-Resilienz-Check erhält die Fachkraft im Fahrbetrieb die Note 2,7.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

Acht autonome Kleinbusse fahren im Rhein-Main-Gebiet mit Testfahrgästen durch Darmstadt und den Kreis Offenbach, in Hamburg darf ein Shuttle des Herstellers HOLON seit November 2025 bundesweit erprobt werden. Gleichzeitig hat fast die Hälfte der Verkehrsunternehmen ihren Betrieb zeitweilig eingeschränkt, weil Personal fehlte, so der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Am Steuer, an der Kasse und in der Disposition sitzen Fachkräfte im Fahrbetrieb.

Wie viel dieser Arbeit Software übernehmen kann, prüft dieser Beitrag mit demselben Sechs-Kriterien-Raster wie der Basisartikel zur KI-Resilienz von Ausbildungsberufen. Die Note folgt der Schulnotenskala von 1 bis 6, eine 1 steht für sehr KI-sicher, eine 6 für leicht ersetzbar.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Beruf erreicht die Gesamtnote 2,7 und liegt damit gleichauf mit dem Eisenbahner in der Zugverkehrssteuerung, fünf Zehntel vor dem Berufskraftfahrer mit 3,2.
  • Die Ausbildung dauert drei Jahre, endet mit einer Fahrprüfung im Bus der Klasse D oder in einer Straßen- oder U-Bahn und gilt zugleich als Grundqualifikation nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz.
  • Die Einstiegsvergütung reicht im ersten Jahr von der gesetzlichen Untergrenze von 724 Euro bis zu 1.368,26 Euro bei den Berliner Verkehrsbetrieben, der tarifliche Bundesschnitt liegt laut BIBB bei 1.159 Euro.
  • Der Job-Futuromat des IAB führt Disposition und Fahrkartenverkauf als ersetzbar, das Führen des Fahrzeugs und die Betreuung der Fahrgäste nicht.
  • Bis 2030 fehlen laut VDV und bdo 50.000 bis 60.000 Busfahrer, weil jedes Jahr rund 6.000 in Rente gehen.

Kurzer Bauchgefühl-Test: Ersetzt die Maschine die Fachkraft im Fahrbetrieb?

Schätzen genügt, Vorwissen brauchen Sie keines.

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Fünf Fragen zu Lenkrad, Fahrschein und Lohn
Schätzen Sie zuerst und lesen Sie danach im Artikel nach. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie viele Busfahrerinnen und Busfahrer fehlen laut den Verbänden VDV und bdo heute im Nahverkehr? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: B. Die Verbände nennen rund 20.000, bis 2030 sollen es 50.000 bis 60.000 werden. Die Zahlen stehen in Kapitel 6.
2 Unter welcher Bedingung hat das Kraftfahrt-Bundesamt das autonome HOLON-Shuttle in Hamburg zur Erprobung zugelassen? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: B. Die Genehmigung vom November 2025 gilt mit Sicherheitsfahrpersonal. Wie weit autonome Busse sind, steht in Kapitel 4.
3 Welche Kerntätigkeit stuft der Job-Futuromat des IAB in diesem Beruf als nicht ersetzbar ein? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: C. Kundenberatung und Fahrzeugführung gelten als nicht ersetzbar, Verkauf und Disposition als ersetzbar. Warum, steht in Kapitel 5.
4 Wie viel zahlt die BVG Azubis zur Fachkraft im Fahrbetrieb im ersten Ausbildungsjahr? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: C. Die BVG zahlt nach TVAöD 1.368,26 Euro, der tarifliche Bundesschnitt liegt bei 1.159 Euro, die gesetzliche Untergrenze bei 724 Euro. Die ganze Tabelle steht in Kapitel 1.
5 Welche KI-Resilienz-Note vergibt Dr. Web an die Fachkraft im Fahrbetrieb? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: B. Der Beruf erreicht die Note 2,7, gestützt auf Fahrdienst und Fahrgastkontakt, belastet von Fahrkartenverkauf und Disposition. Das Siegel steht in Kapitel 2, Tacho und Rechnung finden Sie in Kapitel 3.

Was macht eine Fachkraft im Fahrbetrieb und wie läuft die Ausbildung ab?

Ausbildungsvergütung nach Lehrjahr
Monatliche Brutto-Spanne, Fachkraft im Fahrbetrieb (drei Ausbildungsjahre)
1. Jahr
Spanne
724–1.368 €
2. Jahr
Spanne
854–1.418 €
3. Jahr
Spanne
977–1.464 €

Eine Fachkraft im Fahrbetrieb fährt Bus, Straßenbahn oder U-Bahn im Linienverkehr, verkauft Fahrscheine, berät Fahrgäste und plant im Büro Fahrten, Fahrzeuge und Dienste. Ausgebildet wird bei kommunalen und privaten Verkehrsunternehmen, von der Berliner BVG bis zum Regionalbusbetrieb. Der Arbeitsplatz wechselt zwischen Fahrerkabine, Kundencenter und Leitstelle, die Schichten laufen bei der BVG zwischen 4 und 22 Uhr.

Rechtsgrundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb vom 11. Juli 2002, in Kraft seit dem 1. August 2002 und 2017 geändert. Das Berufsbild umfasst 17 Positionen, von Fahrzeugtechnik und kundenorientiertem Fahren über Tarif- und Vertriebssysteme bis zu Betriebsleitsystemen und dem Umgang mit Störungen.

Ausdrücklich gehören auch der Umgang mit konfliktträchtigen Situationen und die Stressbewältigung im Fahrdienst dazu.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, kennt keine Fachrichtungen und keine Wahlqualifikationen. Vor dem Ende des zweiten Jahres steht eine Zwischenprüfung mit praktischen Aufgaben von höchstens 200 Minuten. In der Abschlussprüfung lenken die Prüflinge bis zu zwei Stunden einen mindestens 11,80 Meter langen Bus der Klasse D im öffentlichen Straßenverkehr oder eine Straßen- oder U-Bahn. Diese Fahraufgabe muss mindestens ausreichend sein, sonst gilt die Prüfung als nicht bestanden.

Weitere praktische Aufgaben prüfen Disposition, Verkauf und Marketing. Schriftlich folgen Personenverkehr, die Planung des Fahrbetriebs mit Fahr-, Umlauf- und Dienstplänen sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.

Die Datenbank der tariflichen Ausbildungsvergütungen des BIBB weist für den Beruf zum 1. Oktober 2025 im Bundesschnitt 1.159 Euro im ersten, 1.255 Euro im zweiten und 1.331 Euro im dritten Jahr aus, in Ostdeutschland liegt das erste Jahr mit 1.190 Euro sogar über dem Westen. Die BVG zahlt nach dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes 1.368,26, 1.418,20 und 1.464,02 Euro. Ohne Tarifbindung gilt für einen Ausbildungsbeginn 2026 die Mindestvergütung von 724, 854 und 977 Euro.

Ausbildungsjahr Gesetzliche Mindestvergütung (Beginn 2026) BIBB-Tarifschnitt Bund (Stand 1.10.2025) BVG nach TVAöD
1. Jahr 724 € 1.159 € 1.368,26 €
2. Jahr 854 € 1.255 € 1.418,20 €
3. Jahr 977 € 1.331 € 1.464,02 €

Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor. Für den Busführerschein gilt eine Altersgrenze: Nach der Fahrerlaubnis-Verordnung dürfen Azubis die Klasse D mit 20 Jahren erwerben, mit 18 Jahren nur für Linien bis 50 Kilometer oder für Fahrten ohne Fahrgäste. Gefragt sind Belastbarkeit, Freundlichkeit unter Zeitdruck und die Bereitschaft zu früh beginnenden Schichten.

Welche Note bekommt die Fachkraft im Fahrbetrieb im KI-Resilienz-Check?

KI-Resilienz2,7von 1 bis 6
Gefahren wird von Hand, verkauft per App

Punkte holt der Beruf am Lenkrad und bei den Fahrgästen, Punkte verliert er an Fahrkartenautomat und Dispositionssoftware.

Die Fachkraft im Fahrbetrieb erhält im KI-Resilienz-Check die Note 2,7 und gehört damit zum oberen Drittel der Serie. Den Ausschlag geben die Arbeit im Fahrzeug und die Verantwortung für die Fahrgäste.

Den Wert teilt der Beruf mit dem Eisenbahner in der Zugverkehrssteuerung. Der Berufskraftfahrer kommt auf 3,2, er fährt meist Güter und hat seltener Menschen an Bord. Besser schneidet der Eisenbahner im Betriebsdienst ab, der als Lokführer mit 2,0 bewertet wurde, weil auf der Schiene strenge Zulassungen und eine klare Haftung für den Triebfahrzeugführer gelten.

Wo Handwerk, Büro und Gesundheit insgesamt stehen, zeigt unsere Übersicht der KI-resistenten Berufe.

Gegen eine schlechtere Note sprechen das Fahren selbst, die Hilfe für Fahrgäste und die Ruhe in Konflikten. Ein Rollator an der falschen Tür, ein Streit in der letzten Reihe oder ein Unfall an der Haltestelle verlangen einen Menschen, der im Fahrzeug sitzt und entscheidet.

Eine bessere Note verhindert der Büroteil. Disposition, Fahrplangestaltung, Personalplanung und Fahrkartenverkauf führt der Job-Futuromat des IAB als ersetzbar, und autonome Shuttles werden längst mit Fahrgästen erprobt.

Wir halten 2,7 für fair.

Den Abstand zum Berufskraftfahrer machen die Fahrgäste aus: Ein Lkw mit Paletten verlangt keine Auskunft, ein voller Bus im Berufsverkehr ständig.

Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?

Wie die Note 2,7 zustande kommt
123 456
2,7
Gesamtnote auf der Schulnotenskala 1 bis 6
Physische PräsenzGewicht ×2
2
Empathie & VertrauenGewicht ×2
3
Urteilskraft & HaftungGewicht ×2
2
Regulatorische HürdeGewicht ×2
3
RoutineanteilGewicht ×1
3
DigitalisierungsgradGewicht ×1
4
(2×2) + (3×2) + (2×2) + (3×2) + (3×1) + (4×1) = 27  →  27 ÷ 10 = 2,7

Die Note 2,7 ergibt sich aus je einer Zwei für physische Präsenz sowie Urteilskraft und Haftung, je einer Drei für Empathie, regulatorische Hürde und Routineanteil und einer Vier für den Digitalisierungsgrad.

Physische Präsenz (Note 2)

Die Fahraufgabe der Abschlussprüfung zeigt, wo der Beruf seinen Kern hat: im Fahrersitz, im dichten Stadtverkehr, an Haltestellen und Kreuzungen. Rampen ausklappen, Fahrzeuge vor der Ausfahrt prüfen und bei einer Panne die Fahrgäste aus dem Bus führen verlangen einen Menschen vor Ort. Disposition und Kundencenter laufen dagegen zunehmend am Bildschirm.

Für die physische Präsenz vergibt Dr. Web die Note 2.

Empathie und Vertrauen (Note 3)

Kundenberatung und Kundenbetreuung führt der Futuromat als nicht ersetzbar, das Berufsbild nennt Beschwerdemanagement und konfliktträchtige Situationen als eigene Lernziele. Wie heikel das werden kann, zeigt Berlin: Die Polizei zählte allein beim Busfahrpersonal von BVG und S-Bahn 145 Opferdelikte im Jahr 2022 und 162 in den ersten acht Monaten 2023, so der Berliner Senat. Fürsorge im engen Sinn verlangt der Beruf nicht, Vertrauen schon. Dr. Web vergibt die Note 3.

Urteilskraft und Haftung (Note 2)

Am Steuer entscheidet die Fachkraft allein, ob der Bus bei Glatteis langsamer fährt, einen Fahrgast mit Kinderwagen noch einsteigen lässt oder nach einem Notfall die Leitstelle ruft und den Bus räumt. Für Fehler im Straßenverkehr steht die Person am Lenkrad persönlich ein, mit Führerschein und Punkten.

Planungsentscheidungen im Büro trägt meist die Betriebsleitung mit. Dr. Web vergibt die Note 2.

Regulatorische Hürde (Note 3)

Ohne Fahrerlaubnis der Klasse D und Grundqualifikation nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz darf niemand Fahrgäste im Bus befördern. Die Ausbildung erfüllt beides. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber den Weg für fahrerlose Busse geöffnet: Seit 2021 erlaubt das Straßenverkehrsgesetz autonome Fahrzeuge in festgelegten Bereichen, überwacht von einer Technischen Aufsicht nach § 1d, die das Fahrzeug aus der Ferne stoppen und Fahrmanöver freigeben kann.

Die Technische Aufsicht ist eine natürliche Person, muss aber nicht im Fahrzeug sitzen. Bei der Regulierung steht die Note 3.

Routineanteil (Note 3)

Der Job-Futuromat des IAB führt von fünf Kerntätigkeiten zwei als ersetzbar, Disposition im Personenverkehr und den Verkauf von Fahrausweisen, was ein Substituierbarkeitspotenzial von 40 Prozent ergibt. 2013 lag der Wert noch bei null, seit 2016 steht er bei 40 Prozent.

Nicht ersetzbar bleiben die Fahrzeugführung, die Kundenberatung und der öffentliche Nahverkehr als Tätigkeitsfeld. Beim Routineanteil steht die Note 3.

Digitalisierungsgrad (Note 4)

Betriebsleitsysteme orten jeden Bus, Bordrechner melden Verspätungen, Fahrscheine laufen über Apps, und rund 14,6 Millionen Menschen nutzten Ende 2025 das Deutschland-Ticket, so der VDV. Neue Busse müssen seit Juli 2024 einen Abbiegeassistenten an Bord haben, den die EU-Verordnung 2019/2144 vorschreibt.

Gefahren wird trotzdem fast überall noch von Hand. Beim Digitalisierungsgrad steht die Note 4.

Die gewichtete Gesamtrechnung

Physische Präsenz, Empathie, Urteilskraft und regulatorische Hürde zählen doppelt, Routineanteil und Digitalisierungsgrad einfach. Mit den sechs Einzelnoten ergibt die Rechnung (2×2) + (3×2) + (2×2) + (3×2) + (3×1) + (4×1) = 27 Punkte. Geteilt durch die Gewichtssumme 10 folgt ohne Rundung die Note 2,7.

Welche Teilaufgaben verschwinden zuerst?

Oranger Entwerter mit Notiz „Bin gleich in Rente“ und Smartphone mit QR-Code-Fahrschein
Fahrscheine laufen über Apps und Automaten, Disposition und Dienstpläne übernimmt zunehmend Software

Zuerst verschwinden der Fahrscheinverkauf im Fahrzeug, die Handarbeit an Dienst- und Umlaufplänen und Auskünfte, die nur den Fahrplan wiedergeben. Für alle drei Aufgaben stehen Automaten, Apps und Planungsprogramme bereit.

Am weitesten ist die Automatisierung beim Fahrkartenverkauf. Das Deutschland-Ticket gibt es nur als Abonnement, der Einzelfahrschein beim Fahrer verliert damit an Gewicht. Auch die Fahrgastinformation übernimmt zunehmend Software: Die Deutsche Bahn will laut Bundesregierung im vierten Quartal 2026 einen KI-Chat auf bahn.de freischalten.

Beim Fahren selbst liegen Erprobung und Betrieb noch weit auseinander. Im Projekt KIRA fahren acht Shuttles mit Technik von Mobileye mittwochs bis freitags von 8.30 bis 18 Uhr rund 130 Haltepunkte an, mehr als 3.500 Testnutzer sind zugelassen, betrieben von DB Regio Bus. Wie Verkehrsbetriebe autonome Busse in ihre Leitstellen holen, haben wir am Beispiel der Übernahme von Applied Autonomy durch INIT beschrieben.

In Hamburg hat das Kraftfahrt-Bundesamt dem Shuttle von HOLON im November 2025 eine Erprobungsgenehmigung erteilt, ausdrücklich mit Sicherheitsfahrpersonal an Bord. Auf der Schiene plant Hamburg mit der U5 seine erste vollautomatische U-Bahn, Fahrgäste sollen dort ab 2029 einsteigen.

Der VDV fordert vom Bund ab 2026 jährlich eine Milliarde Euro, um autonome Fahrzeuge in den Nahverkehr zu bringen. Wie schwer sich selbst Volkswagen mit der Finanzierung tut, zeigt der Fall Moia.

Teilaufgabe Technik Stand
Fahrscheine verkaufen Automaten, Apps, digitales Deutschland-Ticket Verbreitet, laut IAB ersetzbar
Dienst- und Umlaufpläne erstellen Planungs- und Dispositionsprogramme Verbreitet, laut IAB ersetzbar
Fahrgäste informieren Echtzeitanzeigen, KI-Chat Bei der Bahn für Ende 2026 angekündigt
Kleinbus im Stadtverkehr fahren Autonome Shuttles mit Technischer Aufsicht Erprobung mit Testfahrgästen, nach unserer Einschätzung kein Linienbetrieb vor 2030
U-Bahn fahren Vollautomatischer Zugbetrieb Hamburger U5 ab 2029 geplant

Welche Teilaufgaben bleiben unersetzbar menschlich?

Was die KI übernimmt, was menschlich bleibt
Das übernimmt die KI
  • −Fahrscheine verkaufen
  • −Dienst- und Umlaufpläne erstellen
  • −Fahrplanauskunft geben
  • −Kleinbus auf fester Strecke fahren
Das bleibt beim Menschen
  • +Linienbus im Stadtverkehr fahren
  • +Fahrgästen helfen und beraten
  • +Konflikte an Bord entschärfen
  • +Bei Störung und Unfall handeln

Beim Menschen bleiben das Fahren im dichten Linienverkehr, die Hilfe für Fahrgäste, das Entschärfen von Konflikten und das Handeln bei Störungen und Unfällen. Alle vier Aufgaben verlangen jemanden an Bord, der die Lage sieht und sofort handelt.

Ein Gelenkbus im Berufsverkehr ist kein Kleinbus mit 130 festen Haltepunkten. Die KIRA-Shuttles fahren werktags tagsüber, der Linienbus fährt auch um vier Uhr morgens, bei Schnee und mit Umleitung um eine Baustelle, die gestern noch nicht da war.

Auch ein autonomes Shuttle kommt nicht ohne Menschen aus: Das Straßenverkehrsgesetz verlangt von der Technischen Aufsicht, im Störfall unverzüglich Kontakt mit den Insassen aufzunehmen. Aus einer Leitstelle heraus kann diese Person einem Fahrgast beim Aussteigen aber nicht helfen.

Fahrgäste im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder mit wenig Deutschkenntnissen brauchen Auskunft, Geduld und manchmal eine Hand an der Rampe. Der Futuromat führt Kundenberatung und Kundenbetreuung deshalb als nicht ersetzbar, ebenso die Kontrolle der Betriebssicherheit und den Busverkehr als Tätigkeitsfeld.

Konflikte lassen sich nicht programmieren. Ein betrunkener Fahrgast, ein Streit um den Sitzplatz oder ein medizinischer Notfall verlangen Entscheidungen in Sekunden, die das Berufsbild unter Konfliktbewältigung und Stressbewältigung ausdrücklich trainiert.

Wie verändert sich der Arbeitsalltag konkret?

Viele Fahrgäste, zu wenig Fahrpersonal
Der Beruf und sein Umfeld in drei Zahlen
20.000
Busfahrerinnen und Busfahrer fehlen schon heute im Nahverkehr
50.000 bis 60.000
fehlende Busfahrer bis 2030, weil jedes Jahr rund 6.000 in Rente gehen
516
neue Ausbildungsverträge zur Fachkraft im Fahrbetrieb 2025, bundesweit

Die Fachkraft verkauft seltener Fahrscheine und plant weniger von Hand, fährt dafür in einem dichteren Takt und überwacht künftig auch automatisierte Fahrzeuge.

Rund 100.000 Busfahrer arbeiten im Nahverkehr, ihr Altersdurchschnitt liegt laut einer Branchenumfrage des VDV aus dem Jahr 2024 über 50 Jahren. Bis 2030 rechnen die Unternehmen mit 21 Prozent mehr Personalbedarf. VDV und bdo beziffern die Lücke heute auf rund 20.000 Busfahrer, bis 2030 auf 50.000 bis 60.000, weil jedes Jahr etwa 6.000 in den Ruhestand gehen.

Die Berufsgruppe der Bus- und Straßenbahnfahrer ist laut IAB von 109.988 Beschäftigten im Jahr 2012 auf 151.893 im Jahr 2024 gewachsen, das mittlere Bruttoentgelt lag zuletzt bei 3.522 Euro im Monat. Das BIBB zählte 2025 bundesweit 516 neue Ausbildungsverträge, 16,2 Prozent davon mit Frauen.

Die Nachfrage wächst mit: Busse und Bahnen beförderten 2025 rund 9,86 Milliarden Fahrgäste, so der VDV.

Heute fehlen rund 20.000 Busfahrer, bis 2030 bis zu 60.000. Das autonome Shuttle in Hamburg rollt dagegen noch mit Sicherheitsfahrpersonal an Bord.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Warum der Nahverkehr zuerst die Leitstelle automatisiert und das Lenkrad zuletzt, haben wir in unserer Analyse zu KI im ÖPNV beschrieben. Für die Fachkraft heißt das: Betriebsleitsysteme lesen, Störungen über Bordrechner melden, Fahrgäste per Durchsage durch eine Umleitung lotsen und eines Tages automatisierte Fahrzeuge aus der Ferne betreuen. Den Bedarf an reiner Schalterarbeit im Kundencenter sehen wir dagegen sinken.

Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?

Ein Modellbus mit einer orangefarbenen Schirmmütze darauf steht vor weißem Hintergrund
Fahrpraxis, Fahrgastbetreuung und Leitstellenwissen machen die Ausbildung zukunftsfest

Angehende Azubis wählen einen Beruf mit der Note 2,7, dessen Arbeitsplatz der Fahrersitz bleibt.

Physische Präsenz und Urteilskraft erhalten im Raster mit einer Zwei die besten Noten. Azubis, die viel Fahrpraxis sammeln, auch in Straßenbahn oder U-Bahn, stärken genau diese beiden Kriterien. Kenntnisse in Betriebsleitsystemen und in der Überwachung automatisierter Fahrzeuge, die das IAB als Technologiefelder der Berufsgruppe nennt, machen die Digitalisierung für Azubis zum Vorteil.

Nach einem Jahr Praxis steht die Fortbildung zum Geprüften Fachwirt für Personenverkehr und Mobilität offen, zum Prüfungsteil „Grundlegende Qualifikationen“ der Prüfung zum Geprüften Meister für Kraftverkehr werden Fachkräfte im Fahrbetrieb ohne weitere Praxis zugelassen.

Ob für Sie eine Lehre oder ein Studium der Verkehrswirtschaft besser passt, klärt unser Beitrag zu Ausbildung oder Studium. Verwandte Berufe vom Berufskraftfahrer bis zum Eisenbahner im Betriebsdienst finden Sie im Ausbildungsberufe-Finder.

Verkehrsbetriebe haben ein eigenes Interesse an der Ausbildung: Die Altersgrenze von 20 Jahren für den vollen Busführerschein trifft Schulabgänger mit 16 oder 17. Betriebe, die Azubis früh in Kundencenter, Disposition und Leitstelle einsetzen, überbrücken die Zeit bis zur Fahrerlaubnis und binden den Nachwuchs mit einem breiten Einsatzprofil.

Autonome Shuttles sollten Betriebe als Ergänzung für Randzeiten und dünn besiedelte Gebiete einplanen, die Ausbildung aber auf die Rolle zuschneiden, die dabei entsteht: Technische Aufsicht, Leitstelle, Fahrgastbetreuung. Ohne Personal, das eingreift, fährt kein Shuttle mit Fahrgästen.

Mit 20.000 offenen Stellen droht dem Beruf eher der Personalmangel als der Ersatz durch Software. Im KI-Resilienz-Check erhält die Fachkraft im Fahrbetrieb die Note 2,7.

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zur Fachkraft im Fahrbetrieb

Betriebsleitsystem

Ein Betriebsleitsystem verbindet Fahrzeuge und Leitstelle eines Verkehrsunternehmens. Das System ortet Busse und Bahnen, zeigt Abweichungen vom Fahrplan, übermittelt Meldungen an das Fahrpersonal und speist Echtzeitanzeigen an Haltestellen. Die Ausbildungsverordnung nennt Betriebsleitsysteme als eigenes Lernziel.

Bordrechner

Der Bordrechner ist der Computer im Fahrzeug, über den das Fahrpersonal Fahrt, Linie und Kurs anmeldet. Er verbindet Fahrscheindrucker, Haltestellenansage und Funk mit dem Betriebsleitsystem und meldet Position und Verspätung an die Leitstelle.

Deutschland-Ticket

Das Deutschland-Ticket ist ein bundesweit gültiges Monatsabonnement für Busse und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr. Seit dem 1. Januar 2026 kostet es 63 Euro im Monat. Ende 2025 nutzten es laut VDV rund 14,6 Millionen Menschen, die meisten als Standardabo.

Disposition

Die Disposition verteilt Fahrzeuge und Personal auf Fahrten und Dienste und reagiert auf Ausfälle, Krankmeldungen und Störungen. Fachkräfte im Fahrbetrieb lernen sie in der Ausbildung, der Job-Futuromat des IAB führt die Disposition im Personenverkehr als ersetzbare Kerntätigkeit.

Fahrerlaubnisklasse D

Die Fahrerlaubnisklasse D berechtigt zum Führen von Bussen mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz. Azubis zur Fachkraft im Fahrbetrieb dürfen sie mit 20 Jahren erwerben, mit 18 Jahren eingeschränkt auf Linien bis 50 Kilometer und Fahrten ohne Fahrgäste.

Grundqualifikation

Die Grundqualifikation ist nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz Voraussetzung für gewerbliche Fahrten mit Bus oder Lkw. Der Abschluss als Fachkraft im Fahrbetrieb gilt nach § 2 des Gesetzes als Grundqualifikation, ebenso wie die Ausbildung zum Berufskraftfahrer.

Level 4

Mit Level 4 bezeichnet die Fachwelt hochautomatisiertes Fahren, bei dem das Fahrzeug in einem festgelegten Bereich ohne Eingriff eines Menschen am Steuer fährt. In Deutschland regeln das Straßenverkehrsgesetz und die Verordnung über autonome Fahrfunktionen den Betrieb solcher Fahrzeuge.

Linienverkehr

Der Linienverkehr ist die regelmäßige Beförderung von Fahrgästen auf einer festen Strecke mit festen Haltestellen nach Fahrplan. Er bildet den Kern des öffentlichen Nahverkehrs. Für Azubis ab 18 Jahren erlaubt die Fahrerlaubnis-Verordnung Linienfahrten bis 50 Kilometer Länge.

Opferdelikt

Als Opferdelikt erfasst die Polizei Straftaten, bei denen eine Person unmittelbar geschädigt wird, etwa Körperverletzung, Bedrohung oder Beleidigung. Der Berliner Senat nennt solche Zahlen gesondert für das Fahrpersonal von Bus, Straßenbahn und U-Bahn bei BVG und S-Bahn.

Technische Aufsicht

Die Technische Aufsicht ist nach § 1d Straßenverkehrsgesetz die natürliche Person, die ein autonomes Fahrzeug während des Betriebs aus der Ferne deaktivieren und Fahrmanöver freigeben kann. Im Störfall muss die Aufsicht unverzüglich Kontakt mit den Insassen aufnehmen.

Umlaufplan

Der Umlaufplan legt fest, welches Fahrzeug nacheinander welche Fahrten eines Tages übernimmt, vom Ausrücken aus dem Betriebshof bis zur Rückkehr. Auf ihm baut der Dienstplan des Fahrpersonals auf. Das Aufstellen solcher Pläne gehört zur schriftlichen Abschlussprüfung.

Zwischenprüfung

Die Zwischenprüfung findet vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt und dauert höchstens 200 Minuten. Geprüft wird der Ausbildungsstand mit praktischen Aufgaben.

FAQ: Fachkraft im Fahrbetrieb: Der Bus fährt, Verantwortung fährt mit

Wie lange dauert die Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb?

Die Ausbildung dauert drei Jahre im dualen System aus Verkehrsunternehmen und Berufsschule. Vor dem Ende des zweiten Jahres steht eine Zwischenprüfung, am Ende eine Abschlussprüfung mit einer Fahraufgabe im Bus der Klasse D oder in einer Straßen- oder U-Bahn, weiteren praktischen Aufgaben und drei schriftlichen Prüfungsbereichen.

Was verdient man in der Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb?

Laut BIBB lag die tarifliche Vergütung zum 1. Oktober 2025 im Bundesschnitt bei 1.159 Euro im ersten, 1.255 Euro im zweiten und 1.331 Euro im dritten Jahr. Die BVG zahlt nach TVAöD 1.368,26, 1.418,20 und 1.464,02 Euro. Ohne Tarifbindung gilt für einen Ausbildungsbeginn 2026 die Untergrenze von 724, 854 und 977 Euro.

Ab welchem Alter darf ich in der Ausbildung Bus fahren?

Nach der Fahrerlaubnis-Verordnung dürfen Azubis zur Fachkraft im Fahrbetrieb die Klasse D mit 20 Jahren erwerben. Ab 18 Jahren ist die Fahrerlaubnis auf Linien bis 50 Kilometer und Fahrten ohne Fahrgäste beschränkt, gilt nur im Inland und nur im Ausbildungsverhältnis.

Brauche ich nach der Ausbildung noch eine Prüfung als Berufskraftfahrer?

Eine gesonderte Grundqualifikation ist nicht nötig. Das Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz erkennt den Abschluss als Fachkraft im Fahrbetrieb in § 2 ausdrücklich als Grundqualifikation an, genau wie die Ausbildung zum Berufskraftfahrer.

Welche Weiterbildung folgt auf die Ausbildung?

Nach einem Jahr Berufspraxis führt die Fortbildung zum Geprüften Fachwirt für Personenverkehr und Mobilität. Zum Prüfungsteil „Grundlegende Qualifikationen“ der Prüfung zum Geprüften Meister für Kraftverkehr werden Fachkräfte im Fahrbetrieb ohne weitere Praxis zugelassen.

Kann KI die Fachkraft im Fahrbetrieb ersetzen?

Software verkauft Fahrscheine, plant Dienste und gibt Fahrplanauskunft, autonome Kleinbusse fahren in Hamburg und im Rhein-Main-Gebiet zur Erprobung. Das Fahren im dichten Linienverkehr, die Hilfe für Fahrgäste und das Handeln bei Störungen bleiben beim Menschen. Im KI-Resilienz-Check ergibt das die Note 2,7.

Quellen

31 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 27.10.2026
  1. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Datenbank Ausbildungsvergütungen
  2. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Tarifliche Ausbildungsvergütungen in dualen Ausbildungsberufen 2025, Bundesgebiet
  3. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2025, Ost und West
  4. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Rangliste der Ausbildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse 2025, Tabelle 67
  5. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Berufesuche, Fachkraft im Fahrbetrieb
  6. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Pressemitteilung Mindestausbildungsvergütung 2026
  7. Bundesamt für JustizVerordnung über die Berufsausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb vom 11. Juli 2002
  8. Bundesamt für JustizFahrerlaubnis-Verordnung, § 10 Mindestalter
  9. Bundesamt für JustizBerufskraftfahrerqualifikationsgesetz, § 2 Qualifikation
  10. Bundesamt für JustizStraßenverkehrsgesetz, § 1d Begriffsbestimmungen
  11. Bundesamt für JustizStraßenverkehrsgesetz, § 1f Pflichten der Beteiligten
  12. Bundesamt für JustizVerordnung über die Prüfung zum Geprüften Fachwirt für Personenverkehr und Mobilität
  13. Bundesamt für JustizVerordnung über die Prüfung zum Geprüften Meister für Kraftverkehr, § 3
  14. Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)Ausbildung Fachkraft im Fahrbetrieb
  15. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)Job-Futuromat, Fachkraft im Fahrbetrieb
  16. Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und bdoPressemitteilung: VDV und bdo fordern Führerscheinreform beim Bus, 28.8.2024
  17. Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)Branchenumfrage Personal 2024, Pressemitteilung vom 10.6.2024
  18. Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)ÖPNV-Bilanz 2025, Pressemitteilung vom 27.1.2026
  19. Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)Positionspapier: Der ÖPNV der Zukunft fährt autonom
  20. Deutsche BahnAutonome KIRA-Shuttles fahren länger und bedienen neue Orte, 31.3.2026
  21. Hamburger HochbahnPressemitteilung HOLON, Erprobungsgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts
  22. Freie und Hansestadt HamburgALIKE, autonome Shuttles
  23. Freie und Hansestadt HamburgU5, Hamburgs erste vollautomatische U-Bahn
  24. Die BundesregierungAbbiegeassistenten werden Pflicht, 7.7.2022
  25. Deutscher BundestagDrucksache 21/7678 vom 20.8.2026
  26. Abgeordnetenhaus BerlinSchriftliche Anfrage Drucksache 19/16521, Gewalt gegen Fahrpersonal
  27. Dr. WebAusbildung oder Studium KI: Schulnote für 30 Berufe
  28. Dr. WebKI-resistente Berufe 2026
  29. Dr. WebKI im ÖPNV: Warum der Nahverkehr zuerst die Leitstelle automatisiert
  30. Dr. WebINIT kauft die Mehrheit an Applied Autonomy
  31. Dr. WebMoia findet keine Co-Investoren
4,2 23 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?