Bis Anfang Dezember können rund 60.000 Beschäftigte von Microsoft in den USA, Kanada, Großbritannien und Indien entscheiden, ob sie zum Jahresende mit einer Abfindung gehen. Angeschrieben sind mehr als ein Viertel der 223.000 Vollzeitkräfte, Teams in Deutschland gehören nicht dazu. Freiwillige Abgänge zählen in den USA nicht als Entlassung, die Ankündigungspflicht für Massenentlassungen greift deshalb nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenPersonalchefin Amy Coleman stellte das „Voluntary Exit Offer“, ein Angebot zum freiwilligen Ausscheiden, am Montag in einer Nachricht an die Belegschaft vor, Microsoft hat den Text auf seinem Blog veröffentlicht.[1] Das Programm gebe Beschäftigten, die über eine Zukunft außerhalb des Konzerns nachdenken, die Möglichkeit, „diesen Schritt jetzt mit Unterstützung zu gehen“. Zuerst berichtete Business Insider.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Microsoft bietet rund 60.000 Beschäftigten in vier Ländern einen bezahlten Abschied zum Jahresende an, die Frist läuft bis Anfang Dezember.
- Die Bedingungen ähneln laut einem Sprecher der üblichen Abfindung des Konzerns.
- Vertrieb, Teile der Entwicklung und einige Zentralfunktionen sind vom Angebot ausgenommen.
- Bei einem Ruhestandsprogramm in diesem Jahr nahm rund ein Drittel der etwa 9.000 Berechtigten das Angebot an.
Für wen gilt das Angebot, und was zahlt Microsoft?

Berechtigt sind Beschäftigte bis zur Karrierestufe 70 in Microsofts internem Einstufungssystem, dazu gehören laut Business Insider auch Führungskräfte. Die teilnehmenden Bereiche legt Microsoft selbst fest, eine Zustimmung im Einzelfall erwähnt die Nachricht nicht.[1] Das Angebot baut laut Coleman auf einem Ruhestandsprogramm auf, das Microsoft bereits in diesem Jahr rund 9.000 Beschäftigten nach Alter und Dienstjahren anbot, etwa ein Drittel nahm an.[2]
Einen Anhaltspunkt für die Höhe liefern die Entlassungen dieses Jahres. In den USA zahlte Microsoft mindestens 60 Tage und höchstens 39 Wochen Grundgehalt, je nach Stufe und Betriebszugehörigkeit. Beschäftigte bis Stufe 64 erhielten laut Business Insider eine Woche je sechs Monate im Unternehmen, in den Stufen 65 bis 67 zwei Wochen.[2]
Warum lässt Microsoft die Beschäftigten selbst entscheiden?
Microsoft steigerte den Nettogewinn im Geschäftsjahr bis Ende Juni um 31 Prozent auf 133,7 Mrd. Dollar (116 Mrd. Euro). Für Sachanlagen wie Rechenzentren und Server gab der Konzern 115,9 Mrd. Dollar (101 Mrd. Euro) aus, 80 Prozent mehr als im Vorjahr.[3] Business Insider sieht in dem Angebot einen Test, ob sich Kosten ohne weitere Kündigungsrunden senken lassen.[2] KI kommt in Colemans Nachricht nicht vor, obwohl US-Medien das Programm mit den Investitionen in Rechenzentren in Zusammenhang bringen.
Der freiwillige Weg hat in den USA einen rechtlichen Vorteil. Das US-Gesetz WARN Act wertet freiwillige Abgänge nicht als Entlassung, die Pflicht, Massenentlassungen 60 Tage vorher schriftlich anzukündigen, entfällt damit.[4] Bei den Entlassungen in diesem Jahr blieben Betroffene mindestens 60 Tage bei vollem Grundgehalt auf der Gehaltsliste, so lange wie diese Frist.
Abfindung je Dienstjahr, rechnerisch in Monatsgehältern
Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?
Auch deutsche Konzerne bauen Stellen in Verwaltung und Entwicklung über Aufhebungsverträge ab. BMW schrieb rund 40.000 Beschäftigte an und schloss sein Abfindungsprogramm nach zwölf Tagen, Mercedes startet im Dezember die zweite Runde seiner Abfindungen. Bei beiden Herstellern muss der Konzern jedem Abgang zustimmen.
Bei der Höhe liegt Microsoft nahe am deutschen Richtwert: Eine Woche je sechs Monate ergibt rechnerisch 0,46 Monatsgehälter je Dienstjahr, das Kündigungsschutzgesetz nennt bei betriebsbedingter Kündigung 0,5.[5] Ex-Google-Chef Eric Schmidt meint, Konzerne mit 10.000 Beschäftigten bräuchten ein paar Tausend davon nicht mehr. Am Mittwochabend legt Microsoft neue Quartalszahlen vor.
- Planen Sie ein eigenes Freiwilligenprogramm, legen Sie die teilnehmenden Bereiche vorher fest und behalten Sie sich die Zustimmung zu jedem Abgang vor.
- Kalkulieren Sie die Abfindung ausgehend von 0,5 Monatsgehältern je Dienstjahr und prüfen Sie, welcher Aufschlag genug Beschäftigte zum Gehen bewegt.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Microsoft, Official Microsoft BlogIntroducing a Voluntary Exit Offer, Amy Coleman (26. Oktober 2026, englisch)
- Business InsiderMicrosoft is offering buyouts to around 60,000 employees. Read the memo., Ashley Stewart (26. Oktober 2026, englisch, hinter Bezahlschranke)
- MicrosoftJahresbericht Form 10-K für das Geschäftsjahr bis 30. Juni 2026, Abschnitte Human Capital Resources, Gewinn- und Kapitalflussrechnung (englisch)
- Cornell Law School29 U.S. Code § 2101, Begriffsbestimmungen des WARN Act, Absatz (a)(6), mit § 2102 (englisch)
- Bundesministerium der Justiz§ 1a Kündigungsschutzgesetz, Abfindungsanspruch bei betriebsbedingter Kündigung
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