Artikel teilen

22,9 Prozent der ChatGPT-Anfragen aus Deutschland drehten sich im dritten Quartal 2026 um die Suche nach Informationen, zwei Jahre zuvor lag der Anteil bei 16,8 Prozent. Der Anteil der Schreibaufträge fiel im selben Zeitraum von 38,5 auf 21,2 Prozent. Für Website-Betreiber wächst damit ein Suchkanal, der bisher kaum Besucher bringt.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

OpenAI lässt jeden Monat eine Million Anfragen erwachsener Privatnutzer von einem Sprachmodell nach Themen sortieren und hat die Anteile am 26. Oktober nach Ländern aufgeschlüsselt veröffentlicht.[1] Dr. Web hat die Zahlen für Deutschland, Österreich und die Schweiz ausgewertet. In Deutschland liegt die Informationssuche inzwischen vor dem Schreiben, 2024 lag sie noch weit dahinter.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Österreich kommt im dritten Quartal 2026 auf 25,4 Prozent Informationsanfragen, die Schweiz auf 24,6 Prozent, der weltweite Schnitt liegt bei 20,1 Prozent.
  • Zur Informationssuche zählt OpenAI Fragen nach Fakten, zu Produkten vor dem Kauf und nach Rezepten, ohne die drei Gruppen einzeln auszuweisen.
  • Firmenkonten und das Programmierwerkzeug Codex fehlen in den Daten.

Wonach fragen ChatGPT-Nutzer in Deutschland?

Weiße Lupe auf Füller, daran ein Etikett mit „Gesucht“
OpenAI Signals v3.0: Sprachmodell ordnet Anfragen automatisch sieben Themengruppen zu, ohne dass Forscher einzelne Gespräche einsehen

Die Zahlen stammen aus OpenAI Signals v3.0, einem Datenpaket der volkswirtschaftlichen Forschungsabteilung von OpenAI. Ein Sprachmodell ordnet jede Anfrage einer von sieben Themengruppen zu, Forscher lesen laut OpenAI keine einzelnen Gespräche. Gemeint sind laut Datenbeschreibung Fragen nach Angaben, die typischerweise auf Websites stehen.[2]

Größte Gruppe in Deutschland sind Ratschläge und Anleitungen mit 29,8 Prozent. Der Anteil der Hilfe beim Programmieren, Rechnen und bei der Datenanalyse schrumpfte zwischen den dritten Quartalen 2024 und 2026 von 10,6 auf 4,1 Prozent. Der Anteil der Anfragen für die Arbeit sank im selben Zeitraum von 48,1 auf 25,6 Prozent.

Warum verliert das Schreiben an Gewicht?

OpenAI erfasst nur private Konten und räumt selbst ein, die berufliche Nutzung damit vermutlich zu unterschätzen. Ob berufliche Schreibaufträge auf Firmenkonten abgewandert sind, lässt sich aus den Dateien nicht ablesen. Zum Schutz der Nutzer verändert OpenAI zudem jeden Wert leicht durch Zufallsabweichungen, Dr. Web vergleicht deshalb Quartalsmittel statt einzelner Monate.

Für die EU-Kommission ist ChatGPT bereits eine Suchmaschine. Am 31. August stufte sie den Dienst nach dem Digital Services Act als sehr große Online-Suchmaschine ein, ChatGPT erreicht in der EU 159,1 Millionen Nutzer im Monat.[3] Bis Januar 2027 muss OpenAI die Pflichten des Gesetzes erfüllen, darunter Risikobewertungen und ein öffentliches Anzeigenarchiv.

Wonach Nutzer in Deutschland ChatGPT fragen
Anteil an allen Anfragen privater Konten, Mittel der Monate Juli bis September

Deutschland: 2024 und 2026 im Vergleich

Ratschläge und Anleitungen24,6 → 29,8 %
Informationssuche16,8 → 22,9 %
Schreiben38,5 → 21,2 %
Programmieren, Rechnen, Datenanalyse10,6 → 4,1 %

Grauer Balken: drittes Quartal 2024, blauer Balken: drittes Quartal 2026

Informationssuche im dritten Quartal 2026

25,4 %
der Anfragen aus Österreich (2024: 16,9 %)
24,6 %
der Anfragen aus der Schweiz (2024: 17,2 %)
20,1 %
aller Anfragen weltweit (2024: 16,6 %)

Bei 22,9 Prozent ihrer Fragen an ChatGPT suchen Nutzer in Deutschland nach Angaben von Websites. Das Wissen liefern die Websites, den Besuch behält ChatGPT.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Was bedeutet das für die Suchmaschinenoptimierung?

Mehr Fragen bedeuten nicht mehr Klicks. Auf 100 Besuche aus der Google-Suche kamen in einer Auswertung von Marie Haynes 0,62 Besuche aus ChatGPT. Laut Ahrefs beantwortet ChatGPT sechs von sieben Fragen ohne Websuche, also aus den Trainingsdaten. Neue Inhalte fließen erst mit monatelanger Verzögerung in das Modell ein.

  • Getrennt messen: In Google Analytics 4 eine eigene Kanalgruppe für Verweise von chatgpt.com anlegen, damit der Kanal nicht in den direkten Zugriffen verschwindet.
  • Crawler freigeben: In der robots.txt prüfen, ob OAI-SearchBot zugelassen ist. Über diesen Crawler nimmt OpenAI Seiten in die ChatGPT-Suche auf.
  • Angaben pflegen: Preise, technische Daten und Öffnungszeiten aktuell und einheitlich halten, denn Fragen nach Fakten und Produkten zählen zur Informationssuche.
  • Werbung beobachten: In Europa blendet OpenAI bereits Anzeigen unter den KI-Antworten ein, bei Produktfragen konkurriert Ihre Seite also auch mit bezahlten Plätzen.

Bei Verlagen sinkt der Anteil der Suchmaschinen an den Besuchen schon jetzt: In Nordeuropa liegt er laut Chartbeat nur noch bei 13 Prozent, nach 19 Prozent ein Jahr zuvor. Wie Inhalte in KI-Antworten auftauchen, erklärt der Ratgeber zur Optimierung für KI-Antworten, der Generative Engine Optimization (GEO).

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. OpenAIChatGPT’s expanding world of work (englisch)26.10.2026
  2. OpenAIOpenAI Signals v3.0, Daten und Methodik, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch)
  3. Europäische KommissionCommission designates ChatGPT, Reddit, Roblox under Digital Services Act (englisch)31.08.2026

Mehr Newshunger?

4,6 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?