Geoff Graham ist seit dem 26. Oktober Eigentümer von CSS-Tricks, einer der bekanntesten Websites für Frontend-Entwickler. DigitalOcean hatte das Portal im März 2022 von Gründer Chris Coyier gekauft. Graham will CSS-Tricks über Anzeigen, einen Kurs und Mitgliedschaften ab 5 Dollar (rund 4,35 €) im Monat finanzieren, während Coding-Assistenten Entwicklern den Besuch von Tutorial-Seiten zunehmend ersparen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenEin Jahr nach dem Kauf entließ DigitalOcean laut Coyier den leitenden Redakteur Geoff Graham und alle übrigen Beschäftigten aus Redaktion und Community-Betreuung.[2] Vier Jahre gehörte die Website einem börsennotierten Cloud-Anbieter, jetzt wieder einem einzelnen Redakteur. Graham nennt die Übernahme eine Investition und arbeitet zumindest vorerst in Vollzeit für CSS-Tricks.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- CSS-Tricks ist seit dem 26. Oktober 2026 unabhängig, Eigentümer ist der langjährige Redakteur Geoff Graham.
- Finanzieren sollen die Website Anzeigenpakete, Mitgliedschaften, ein Shop und ein HTML- und CSS-Kurs für Einsteiger.
- Geplant sind ein bis zwei neue Artikel pro Woche, Gastbeiträge sind wieder erwünscht.
- Tailwind Labs verlor mit sinkenden Zugriffen auf die Dokumentation fast 80 % Umsatz, ein Warnsignal für jede Fachseite.
Wie will Graham CSS-Tricks finanzieren?

Zurück zu den Anzeigen, lautet Grahams erster Plan: Vor der Übernahme durch DigitalOcean verkaufte CSS-Tricks Banner, gesponserte Beiträge und Newsletter-Sponsoring. Diese Pakete kehren zurück, der Newsletter erscheint nach langer Pause wieder.[1] Beim Verkauf 2022 hatte DigitalOcean laut Coyier geplant, alle Anzeigen zu entfernen und nur noch für die eigene Cloud zu werben.[2]
Werbung allein reicht Graham nicht. Mitglieder zahlen rund 4,35 € im Monat für den Zugang zu einem Discord-Server, für 8,70 € kommen Rabatte im Shop dazu, die höchste Stufe kostet rund 218 € im Jahr.[3] Als erstes eigenes Produkt kündigt Graham einen Kurs für Einsteiger in HTML und CSS an. Statt täglicher Beiträge erscheinen ein bis zwei Artikel pro Woche, das Formular für Gastautoren ist wieder offen. Eingereichte KI-Texte lehnt Graham ab.[1]
Warum trägt das alte Geschäftsmodell nicht mehr?
Für DigitalOcean war CSS-Tricks ein Werkzeug zur Kundengewinnung: Entwickler lesen ein Tutorial und mieten später einen Server. Coyier nennt diese Strategie als einen Grund für den Verkauf.[2] Die Rechnung geht nur mit Besuchern auf, doch Entwickler fragen heute oft zuerst eine KI. In der Umfrage State of Devs 2026 stammen im Median 63 % des Codes aus KI-Werkzeugen. Bei Verlagen in Nordamerika kamen im dritten Quartal laut Chartbeat nur noch 12 % der Seitenaufrufe über Suchmaschinen.
Wie hart sinkende Besucherzahlen ein Geschäftsmodell treffen, zeigt Tailwind Labs. Das Unternehmen hinter dem CSS-Framework Tailwind entließ im Januar 2026 drei Viertel seines Entwicklerteams. Gründer Adam Wathan begründete den Schritt auf GitHub: Die Zugriffe auf die Dokumentation lagen rund 40 % unter dem Stand von Anfang 2023, der Umsatz fast 80 % niedriger, obwohl Tailwind verbreiteter war als je zuvor.[4] Die Dokumentation war der einzige Weg zu den kostenpflichtigen Produkten. Coding-Assistenten schreiben Tailwind-Code, ohne dass jemand die Website besucht.
Wem gehörte CSS-Tricks wann?
Was setzt Fachseiten unter Druck?
Ein Tutorial ersetzt jeder Coding-Assistent, eine Redaktion mit Namen und Haltung bislang keiner.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Neustart für Unternehmen im DACH-Raum?
Im deutschsprachigen Raum geht Smashing Magazine aus Freiburg einen ähnlichen Weg: Die Redaktion finanziert sich neben Anzeigen über Bücher, Konferenzen, eine Jobbörse und eine Mitgliedschaft.[5] Für Unternehmen, die Entwickler und Designer als Kunden suchen, ergeben sich daraus konkrete Schritte:
- Sponsoring prüfen: Newsletter und Fachportale mit eigener Redaktion erreichen Entwickler direkt, auch wenn Suchmaschinen weniger Besucher bringen.
- Grundlagen schulen: KI-Werkzeuge erzeugen CSS schnell, prüfen müssen den Code weiterhin Menschen. Ohne Grundwissen landet der Einheitslook generierter Websites ungefiltert im Projekt.
- Eigene Fachtexte sichtbar machen: Agenturen mit Tutorials auf der eigenen Website sollten messen, wie oft KI-Antworten diese Seiten zitieren. Der Ratgeber zur Generative Engine Optimization, also der Optimierung für KI-Antworten, zeigt die Hebel.
Einen Termin und einen Preis für den Kurs nennt Graham bislang nicht. Ob KI-Agenten zum Programmieren auch die Wahl des Frameworks verändern, beleuchtet die Analyse zu Web-Frameworks im Zeitalter der Coding-Agenten.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- CSS-TricksCSS-Tricks has a new owner!, Geoff Graham
- Chris CoyierWhere I’m at on the whole CSS-Tricks thing
- CSS-TricksMemberships, abgerufen am 27. Oktober 2026
- GitHub, tailwindlabs/tailwindcss.comKommentar von Adam Wathan zu Pull Request 2388
- Smashing MagazineAbout us (Impressum), abgerufen am 27. Oktober 2026
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