Time nannte sie 1951 die stille Generation, der Soziologe Helmut Schelsky sechs Jahre später die skeptische. Hinter den Namen stehen 1,3 Millionen Halbwaisen, die Anfang 1952 Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz bezogen, und 2,5 Millionen Kinder der Kinderlandverschickung. Rund 6,4 Millionen Menschen dieser Jahrgänge leben heute noch in Deutschland.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDie Jahrgänge 1928 bis 1945 gelten als still, angepasst und sicherheitsbedürftig. Hier lesen Sie, woher diese Zuschreibungen stammen, was die Kinder des Krieges tatsächlich erlebt haben, wer die Trümmer wirklich wegräumte und wie der Staat ihnen beim Neuanfang half. Zum Schluss folgen die Lage der Hochbetagten von heute und die Frage, was das für Arbeitgeber bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Die stille Generation umfasst die Jahrgänge 1928 bis 1945, den Namen machte das US-Magazin Time 1951 bekannt. Rund 6,4 Millionen von ihnen leben noch in Deutschland.
- Schelskys skeptische Generation meinte vor allem die in den 1920er-Jahren Geborenen. Ihre Befunde gelten nach heutiger Forschung nur für männliche Bildungseliten.
- Anfang 1952 bezogen 1.337.881 Halbwaisen Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz, rund 2,5 Millionen Kinder erlebten die Kinderlandverschickung.
- Die Trümmer räumten vor allem Baufirmen. Zur Ikone wurde die Trümmerfrau im Westen erst in den 1980er-Jahren.
1 In welchem Jahr machte das US-Magazin Time den Namen Silent Generation bekannt? Aufklappen ↓
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2 Wie viele Halbwaisen bezogen Anfang 1952 im Bundesgebiet Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz? Aufklappen ↓
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3 Wer räumte die Trümmer in den Westzonen vor allem weg? Aufklappen ↓
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4 Um wie viel stiegen die Renten mit der Rentenreform von 1957? Aufklappen ↓
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5 Welcher Anteil der Menschen ab 85 Jahren in Privathaushalten lebte 2025 allein? Aufklappen ↓
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Wer gehört zur stillen Generation?

Beim US-Forschungsinstitut Pew Research Center die Jahrgänge 1928 bis 1945. Anfang 2025 lebten von ihnen noch 6.445.762 Menschen in Deutschland, rund 7,7 Prozent der Bevölkerung, darunter deutlich mehr Frauen als Männer.
Bekannt machte den Namen das US-Magazin Time. In seiner Titelgeschichte vom 5. November 1951 schrieb das Blatt, das Auffälligste an der jungen Generation sei ihr Schweigen. Die Jugend verfasse keine Manifeste, halte keine Reden und gehe nicht mit Plakaten auf die Straße. „It has been called the Silent Generation“, steht dort, man habe sie also schon so genannt.
Time stellte die Jungen ihren Eltern gegenüber, der „Flaming Youth“, der lodernden Jugend der wilden Zwanzigerjahre. Verglichen damit sei die junge Generation nur eine „still, small flame“, eine stille, kleine Flamme. Gemeint waren junge Amerikaner, nicht die Deutschen.
Erfunden hat Time den Ausdruck nicht. Er steht schon in einem Vorabdruck der Detroit Free Press vom 1. November 1951. Selbst das Pew Research Center, das die Jahrgänge 1928 bis 1945 so abgrenzt, schreibt Time die Erfindung zu.
Die Zahl der Lebenden hat das Statistische Bundesamt für den 1. Januar 2025 nach Einzelaltersjahren ausgewiesen. Die Jahrgänge 1928 bis 1945 waren damals 79 bis 96 Jahre alt. Rund 3,92 Millionen von ihnen sind Frauen, rund 2,53 Millionen Männer. Wie die Generationen von der Kriegsgeneration bis zur Generation Beta zu ihren Namen kamen, beschreibt der Überblick über alle Generationen im Spiegel der Zeit.
Die stille Generation umfasst die Jahrgänge 1928 bis 1945, den Namen machte Time 1951 bekannt. In Deutschland leben noch rund 6,4 Millionen Menschen dieser Jahrgänge, die meisten von ihnen Frauen.
Was meinte Schelsky mit der skeptischen Generation?

Einen Rückzug der Nachkriegsjugend ins Private, Anpassung und den Wunsch nach Sicherheit. Gemeint waren vor allem die in den 1920er-Jahren Geborenen, und die Befunde gelten nach heutiger Forschung nur für einen kleinen Kreis.
Der Soziologe Helmut Schelsky veröffentlichte 1957 „Die skeptische Generation. Eine Soziologie der deutschen Jugend“. Er beschrieb eine Jugend, die sich ins Unpolitische zurückzog, Sicherheit suchte und revolutionäre Ideologien ablehnte. Der Begriff wurde zum Schlagwort der Adenauer-Zeit, als Gegenbild zu den „jugendbewegten Gemeinschaftsträumen“ der Generationen davor.
Mit der stillen Generation deckt sich Schelskys Gruppe nur am Rand. Die Historikerin Christina von Hodenberg zählt dazu die jungen Frontsoldaten der Jahrgänge 1921 bis 1925 und die Flakhelfer der Jahrgänge 1926 bis 1928. Ab Anfang 1943 wurden Oberschüler dieser Jahrgänge als Luftwaffenhelfer eingezogen, der Jahrgang 1928 als letzter. Die älteren Jahrgänge behandelt unser Beitrag über die Kriegsgeneration der Jahrgänge 1901 bis 1927.
Später hieß dieselbe Altersgruppe Flakhelfer- oder HJ-Generation, heute meist die 45er.
Still oder doch nicht?
Gerade dieser Gruppe schreiben neuere Standardwerke das Gegenteil von Schweigen zu. Die Gruppe gilt als die Kohorte, „die entscheidend zur Demokratisierung, Verwestlichung und Liberalisierung der Bundesrepublik beitrug“, schreibt von Hodenberg. Die 45er rückten rasch in verantwortliche Positionen in Politik, Medien und Universitäten auf. Dazu zählen Intellektuelle wie Ralf Dahrendorf und Jürgen Habermas und Künstler wie Günter Grass, Martin Walser und Joseph Beuys. Der Historiker Hans-Ulrich Wehler sah die Entwicklung der Bundesrepublik als Werk „der nüchtern-liberalen 45er-Generation“.
Von Hodenberg geht mit dem Begriff selbst hart ins Gericht. Die Gültigkeit der Befunde bleibe „auf den kleineren Kreis männlicher intellektueller Eliten beschränkt“. Über Frauen lasse sich noch gar nichts sagen: „Ob es 45erinnen gab, sei dahingestellt“, die Forschungslage erlaube „(noch) kein Urteil“.
Den Kindern, die im Krieg aufwuchsen, widmete die Journalistin Sabine Bode 2004 ein eigenes Buch: „Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen“.
Schelskys skeptische Generation meinte vor allem die in den 1920er-Jahren Geborenen. Dieselben Jahrgänge prägten später die Demokratisierung der Bundesrepublik. Der Begriff beschreibt nach heutiger Forschung vor allem männliche Bildungseliten.
Was erlebten die Kriegskinder?

Verlust des Vaters, Bomben, Evakuierung und zerstörte Wohnungen. Anfang 1952 bezogen im Bundesgebiet 1.337.881 Halbwaisen Leistungen nach dem Bundesversorgungsgesetz.
1945 lebten in Deutschland 16,63 Millionen Menschen unter 18 Jahren. Wie viele von ihnen einen Elternteil verloren hatten, lässt sich nur schätzen. Hartmut Radebold nennt im Deutschen Ärzteblatt nach der Fachliteratur rund 2,5 Millionen Halbwaisen und 1,8 Millionen Witwen durch den Zweiten Weltkrieg in Deutschland.
Amtlich gezählt sind nur die anerkannten Berechtigten im Bundesgebiet. Das Statistische Bundesamt führte Anfang 1952 rund 2,6 Millionen Kriegshinterbliebene, die Versorgung bezogen. Darunter waren 41.212 Vollwaisen, die beide Eltern verloren hatten.
| Gruppe | Leistungsempfänger Anfang 1952 |
|---|---|
| Witwen und Witwer | 998.468 |
| Halbwaisen | 1.337.881 |
| Vollwaisen | 41.212 |
| Kriegshinterbliebene insgesamt, einschließlich Eltern Gefallener | 2.613.784 |
Über die Kinderlandverschickung wurden bis Kriegsende rund 2,5 Millionen Jungen und Mädchen aus den Städten aufs Land gebracht, laut Deutschem Historischem Museum. Die 10- bis 14-Jährigen kamen meist klassenweise in eines von etwa 9.000 Lagern, für die seit 1940 die Hitlerjugend verantwortlich war. Andere Darstellungen fassen den Begriff weiter und kommen auf höhere Zahlen.
Flakhelfer mit 15
Für die ältesten Jahrgänge der stillen Generation endete die Kindheit an der Flak. Ab Anfang 1943 zog die Luftwaffe Oberschüler als Luftwaffenhelfer ein, zuerst die Jahrgänge 1926 und 1927. „Es wurden nacheinander die Jahrgänge 1926, 1927 und 1928 einberufen. Nur der Jahrgang 1929 erhielt einen Aufschub“, steht in einer Fallstudie zum Raum Aachen aus dem Jahr 1976.
Der Historiker Benjamin Ziemann nennt die Flakhelfergeneration deshalb eine „unglückliche Kategorie“: Dazu zählten eigentlich nur drei Jahrgänge.
Die Städte selbst lagen am Ende in Trümmern. In den Westzonen waren nach dem Krieg von 10,6 Millionen Wohnungen 2,3 Millionen völlig zerstört, 21 Prozent des Bestands. Weitere 2,3 Millionen waren schwer beschädigt. Nach dem Zensus 1946 fehlten in den drei Westzonen rund 5,5 Millionen Wohnungen, und rund 21 Millionen Menschen suchten eine Bleibe, darunter 9 Millionen Evakuierte und 12 Millionen Vertriebene und Flüchtlinge.
Rund 2,5 Millionen Kinder verloren nach Schätzungen einen Elternteil, ebenso viele erlebten die Kinderlandverschickung. In den Westzonen fehlten 1946 rund 5,5 Millionen Wohnungen.
Welche Spuren hat der Krieg hinterlassen?

Messbare. Nach Erhebungen der Universität Leipzig litten bis zu 4 Prozent der über 60-Jährigen an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, bei bis zu 12,2 Prozent zeigten sich Teilsymptome.
Die Leipziger Forscherin Heide Glaesmer befragte mit Kollegen aus Greifswald und Zürich von 2005 bis 2008 über 8.000 Menschen von 14 bis 93 Jahren. Hochgerechnet betrafen die Symptome rund 2,5 Millionen Menschen. Bei den 30- bis 59-Jährigen lag der Anteil mit dem Vollbild der Störung bei höchstens 2,7 Prozent. Menschen mit Trauma litten etwa dreimal so häufig an Erkrankungen der Herzkranzgefäße, an Bronchitis und Schlaganfällen.
„Die Untersuchungen machen deutlich, dass der Krieg nicht mit einem Friedensschluss endet“, sagte Glaesmer 2011.
Die Studien erfassen ältere Menschen insgesamt, nicht nur Kriegskinder, und den Zusammenhang mit dem Krieg stellen die Forschenden selbst her. Radebold zitiert eine Schätzung, nach der 20 bis 25 Prozent der Jahrgänge 1929 bis 1945 unter dauerhaft belasteten familiären, sozialen und materiellen Verhältnissen aufwuchsen. Weitere 25 bis 30 Prozent erlebten länger anhaltende ähnliche Belastungen, 40 bis 45 Prozent wuchsen ohne solche Einschränkungen auf.
Bodes Buchtitel spricht vom Schweigen der Kriegskinder, das sie erst im Alter brachen. Still war diese Generation demnach in einem anderen Sinn, als Time 1951 meinte.
Bis zu 4 Prozent der über 60-Jährigen litten nach Leipziger Daten an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Rund die Hälfte der Kriegskinder wuchs nach einer Schätzung unter länger anhaltenden Belastungen auf.
Wer räumte die Trümmer wirklich weg?

Vor allem Baufirmen mit schwerem Gerät, ergänzt durch Arbeitslose, frühere NSDAP-Mitglieder und Kriegsgefangene. Frauen spielten im Westen nach der Historikerin Leonie Treber eine deutlich nachgeordnete Rolle.
Rund 400 Millionen Kubikmeter Trümmer lagen nach dem Krieg in den deutschen Städten. Treber hat untersucht, wer sie wegschaffte. In der amerikanischen und der französischen Zone lehnten die Behörden den Einsatz von Frauen ab, in der britischen arbeiteten von 1945 bis 1947 nur sehr wenige mit. In größerer Zahl räumten Frauen nur in Berlin und im Osten, meist arbeitslose Frauen, die als Bauhilfsarbeiterinnen eingesetzt wurden.
Zur Ikone wurde die Trümmerfrau im Westen erst in den 1980er-Jahren.
Anlass war die Debatte um das sogenannte Babyjahr in der Rente 1986, dazu kam eine neue Frauengeschichtsschreibung. So entstand, was Treber den „Mythos Trümmerfrau“ nennt. Wie sich Erinnerungen an frühere Zeiten verklären, untersucht auch unser Beitrag Früher war alles besser, für wen eigentlich?
Rund 2,3 Millionen Wohnungen lagen in den Westzonen in Trümmern, geräumt haben sie vor allem Baufirmen, nicht die Trümmerfrauen der späteren Erinnerung.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Trümmer räumten überwiegend Fachfirmen. Zur westdeutschen Ikone wurde die Trümmerfrau erst in den 1980er-Jahren, in der Debatte um Erziehungszeiten in der Rente.
Wie half der Staat beim Neuanfang?

Mit dem Lastenausgleich, staatlich gefördertem Wohnungsbau und der dynamischen Rente von 1957. Dazu kam ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 7,6 Prozent im Jahr zwischen 1950 und 1960.
Schon von 1949 bis 1952 sammelte eine Soforthilfe 6,4 Milliarden D-Mark ein. Das Lastenausgleichsgesetz trat dann am 1. September 1952 in Kraft. Vermögende zahlten eine Vermögensabgabe von einheitlich 50 Prozent des abgabepflichtigen Vermögens zum Stichtag 21. Juni 1948, verteilt auf Vierteljahresraten bis zum 31. März 1979. Mit dem Geld wurden Vertriebene, Ausgebombte und andere Geschädigte entschädigt.
Insgesamt gab der Lastenausgleich laut Bundesausgleichsamt 145 Milliarden D-Mark aus. Nur ein Drittel, 53 Milliarden D-Mark, kam aus den Abgaben, der Rest stammte aus Steuern und Zuschüssen der Länder.
Allein für verlorenen Hausrat gingen 9,6 Millionen Anträge ein, ausgezahlt wurden dafür rund 10 Milliarden D-Mark.
Abgeschlossen ist der Lastenausgleich bis heute nicht ganz. Nach einer Übersicht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags summierten sich die Ausgleichsleistungen bis Ende 2021 auf 74,3 Milliarden Euro. Den größten Teil machten mit 41,3 Prozent laufende Leistungen wie Unterhaltshilfe und Entschädigungsrente aus, die Hauptentschädigung für verlorenes Vermögen 19,6 Prozent. Die Beträge sind nominal und nicht um die Inflation bereinigt.
Beim Wohnen nahm der Bund das Heft in die Hand. Im April 1950 trat das Erste Wohnungsbaugesetz in Kraft, in den 1950er-Jahren finanzierte der Bund den Bau von 3,3 Millionen Wohnungen. Von 1950 bis 1990 entstanden in der Bundesrepublik knapp 19 Millionen Wohnungen, davon etwa 7,5 Millionen Sozialwohnungen.
Die Rentenreform von 1957
Am 21. Januar 1957 beschloss der Bundestag nach über 15 Stunden dritter Lesung die Rentenreform, mit 397 Ja-Stimmen, 32 Nein-Stimmen und 10 Enthaltungen. Der Bundesrat stimmte am 8. Februar zu, die Reform galt rückwirkend ab dem 1. Januar 1957. Die Rente wurde an die Entwicklung der Löhne gekoppelt und aus den laufenden Beiträgen der Erwerbstätigen bezahlt, im Umlageverfahren, das seither oft Generationenvertrag heißt. Gedacht war sie als Lohnersatz, nicht als Zuschuss. Die Renten stiegen auf einen Schlag um rund 60 Prozent.
Vom Mangel zur Vollbeschäftigung
Die älteren Kriegskinder suchten Anfang der 1950er-Jahre ihre erste Stelle, als Arbeit knapp war. Im März 1950 lag die Arbeitslosenquote bei 12,2 Prozent. Dann wuchs das Bruttosozialprodukt von 1950 bis 1960 im Schnitt um 7,6 Prozent im Jahr, 1955 sogar um 11,5 Prozent. 1960 lag die registrierte Arbeitslosenquote im Bundesgebiet bei 1,3 Prozent, 1965 und 1970 bei 0,7 Prozent.
Die jüngeren Kriegskinder, geboren um 1945, kamen damit in einen Arbeitsmarkt, auf dem praktisch jeder eine Stelle fand.
Vorher hatte ein Durchschnittsrentner mit 60 bis 80 D-Mark im Monat auskommen müssen. Bundeskanzler Konrad Adenauer begründete die Reform im Kabinett damit, die alten Leute sollten „an der Hebung des Lebensstandards teilnehmen“.
Die Kriegskinder profitierten doppelt: Ihre Eltern bekamen ab 1957 die höhere Rente, sie selbst zahlten ihr Berufsleben lang in dieses System ein und bezogen später daraus ihre eigene.
Der Lastenausgleich verteilte 145 Milliarden D-Mark, der Bund förderte in den 1950er-Jahren 3,3 Millionen Wohnungen. Die Rentenreform von 1957 hob die Renten um rund 60 Prozent.
Wie leben die Hochbetagten heute?

Viele allein und viele mit Pflegebedarf. 55,8 Prozent der Menschen ab 85 Jahren in Privathaushalten lebten 2025 allein, und von den 90-Jährigen und Älteren waren Ende 2023 87 Prozent pflegebedürftig.
Ende 2023 zählte das Statistische Bundesamt knapp 5,7 Millionen Pflegebedürftige, 34 Prozent davon mindestens 85 Jahre alt. 86 Prozent aller Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt, nicht im Pflegeheim.
Bei den Alleinlebenden fehlen die Bewohner von Pflegeheimen, die Quote bezieht sich nur auf Privathaushalte.
Eine grobe eigene Rechnung zeigt die Größenordnung. 34 Prozent von 5,7 Millionen Pflegebedürftigen sind rund 1,9 Millionen Menschen ab 85. Ende 2023 lebten in Deutschland rund 2,83 Millionen Menschen in diesem Alter, rechnerisch waren also rund zwei Drittel von ihnen pflegebedürftig. Mehr als eine Näherung ist das nicht.
Wie alt wurden die Kriegskinder?
Die Kohortensterbetafeln des Statistischen Bundesamts zeigen, mit welcher Lebenserwartung ein Jahrgang zur Welt kam. Für den Jahrgang 1930 nennt das Amt 64,0 Jahre bei Männern und 72,0 Jahre bei Frauen. Im ersten Lebensjahr starben 9,3 Prozent der Jungen und 7,5 Prozent der Mädchen dieses Jahrgangs. Beim Jahrgang 1946 lagen die Werte bei 67,4 und 74,7 Jahren.
In den Kriegsjahren berücksichtigt die Tafel nur die zivilen Toten, gefallene Soldaten fehlen. Die Werte der Männer früher Jahrgänge sind deshalb zu hoch.
Die Renten der heutigen Rentner sind höchst unterschiedlich. Eine Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung lag Ende 2024 im Schnitt bei 1.154 Euro im Monat, bei Männern bei 1.405 Euro, bei Frauen bei 955 Euro. Witwen erhielten aus der Hinterbliebenenrente im Schnitt 793 Euro. Rechnet man alle Renten einer Person zusammen, kamen Frauen im Juli 2025 im Schnitt auf 1.194 Euro, Männer auf 1.416 Euro.
| Rente (monatlicher Zahlbetrag) | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Altersrente, Durchschnitt Ende 2024 | 1.405 Euro | 955 Euro |
| Witwen- und Witwerrente, Ende 2024 | keine Angabe | 793 Euro |
| Alle Renten einer Person zusammen, 1. Juli 2025 | 1.416 Euro | 1.194 Euro |
Grundsicherung im Alter bezogen im Dezember 2025 rund 764.000 Menschen ab der Regelaltersgrenze, so viele wie nie. Die Altersgrenze lag damals bei 66 Jahren und 2 Monaten. Ende 2024 waren das 4,1 Prozent der Menschen in diesem Alter. Im Juni 2026 zählte das Statistische Bundesamt 773.735 Empfänger. Das mittlere Einkommen von Ruheständlern bezifferte das Amt im Oktober 2025 auf 1.990 Euro im Monat.
In den Kriegsjahren fehlen gefallene Soldaten, die Werte der Männer früher Jahrgänge sind deshalb zu hoch.
Mehr als die Hälfte der Menschen ab 85 in Privathaushalten lebt allein, von den über 90-Jährigen sind 87 Prozent pflegebedürftig. Frauen bekommen im Schnitt deutlich weniger Altersrente als Männer.
Was heißt das für Unternehmen?

Die Kinder der stillen Generation stehen heute oft selbst im Beruf und pflegen ihre Eltern. Arbeitgeber, die Pflege und Arbeit vereinbar machen, halten damit erfahrene Fachkräfte.
Die Eltern vieler heute 55- bis 65-Jähriger gehören zu den Jahrgängen 1928 bis 1945. Da 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden, trifft Pflege die Beschäftigten direkt. Flexible Arbeitszeiten, kurzfristige Freistellung und Hilfe bei der Suche nach Pflegediensten entlasten nach unserer Einschätzung gerade die erfahrenen Kräfte, die Betriebe ohnehin schwer ersetzen.
Den Kindern der Kriegskinder widmete Sabine Bode 2009 ein eigenes Buch: „Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation“.
Als Kunden sind die Hochbetagten eine eigene Gruppe. Mehr als die Hälfte lebt allein, viele mit kleiner Rente. Angebote, die Wege abnehmen und verständlich erklären, treffen ihren Bedarf besser als jede Werbung mit dem Bild der rüstigen Senioren.
Unsere Einordnung: Geschwiegen hat diese Generation vor allem über das, was ihr als Kind geschehen war. Schelskys Befunde gelten nach heutiger Forschung nur für einen kleinen Kreis junger Männer aus den Bildungseliten, die später die Bundesrepublik mitprägten. Viele Kriegskinder bauten auf, zahlten in die Rentenkasse ein und sprachen erst spät über Verluste.
Viele Beschäftigte pflegen heute Eltern aus der stillen Generation. Arbeitgeber, die dabei entlasten, halten erfahrene Kräfte. Die Hochbetagten selbst leben oft allein und mit kleiner Rente.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Kriegskindern und stiller Generation

45er
45er nennt die Zeitgeschichte heute meist die Altersgruppe der in den 1920er-Jahren Geborenen, die als junge Soldaten oder Flakhelfer das Kriegsende erlebten. Früher hieß sie skeptische, Flakhelfer- oder HJ-Generation. Ihr wird ein großer Anteil an der Demokratisierung der Bundesrepublik zugeschrieben.
Bundesversorgungsgesetz
Bundesversorgungsgesetz heißt das Gesetz von 1950, das Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen Renten und Hilfen zusprach. Anfang 1952 bezogen im Bundesgebiet rund 2,6 Millionen Hinterbliebene Leistungen, darunter 998.468 Witwen und Witwer und 1.337.881 Halbwaisen.
Dynamische Rente
Dynamische Rente nennt man die Kopplung der Renten an die Entwicklung der Löhne, beschlossen mit der Rentenreform vom 21. Januar 1957. Seither wird die Rente aus den laufenden Beiträgen bezahlt und soll den Lohn ersetzen. Die Renten stiegen damals um rund 60 Prozent.
Grundsicherung im Alter
Grundsicherung im Alter erhalten Menschen ab der Regelaltersgrenze, deren Einkommen und Vermögen nicht zum Leben reichen. Im Dezember 2025 bezogen sie rund 764.000 Menschen, so viele wie nie. Ende 2024 waren das 4,1 Prozent der Menschen in diesem Alter.
Halbwaise
Halbwaise heißt ein Kind, das einen Elternteil verloren hat, Vollwaise eines ohne beide Eltern. Durch den Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland nach Schätzungen rund 2,5 Millionen Kinder zu Halbwaisen. Anfang 1952 bezogen 1.337.881 von ihnen Versorgung.
Kinderlandverschickung
Kinderlandverschickung hieß die Evakuierung von Stadtkindern aufs Land während des Zweiten Weltkriegs. Bis Kriegsende wurden rund 2,5 Millionen Jungen und Mädchen verschickt, die 10- bis 14-Jährigen meist klassenweise in etwa 9.000 Lager unter Leitung der Hitlerjugend.
Kriegsenkel
Kriegsenkel nennt die Journalistin Sabine Bode die Kinder der Kriegskinder. Ihr Buch von 2009 hat den Untertitel „Die Erben der vergessenen Generation“. Den Kriegskindern selbst hatte sie 2004 das Buch „Die vergessene Generation“ gewidmet.
Lastenausgleich
Lastenausgleich heißt der Ausgleich zwischen Menschen, die im Krieg Vermögen verloren hatten, und denen, die ihr Vermögen behalten hatten. Das Gesetz trat am 1. September 1952 in Kraft. Vermögende zahlten 50 Prozent ihres Vermögens von 1948 in Raten bis 1979, insgesamt flossen 145 Milliarden D-Mark.
Luftwaffenhelfer
Luftwaffenhelfer, umgangssprachlich Flakhelfer, waren Oberschüler, die ab Anfang 1943 an Flugabwehrgeschützen eingesetzt wurden. Eingezogen wurden nacheinander die Jahrgänge 1926, 1927 und 1928. Der Jahrgang 1929 erhielt laut einer Fallstudie zu Aachen einen Aufschub.
Posttraumatische Belastungsstörung
Posttraumatische Belastungsstörung heißt eine psychische Erkrankung nach schweren Erlebnissen, etwa mit Albträumen, Angst und Übererregung. Nach Leipziger Erhebungen von 2005 bis 2008 litten bis zu 4 Prozent der über 60-Jährigen daran, Teilsymptome zeigten bis zu 12,2 Prozent.
Skeptische Generation
Skeptische Generation nannte der Soziologe Helmut Schelsky 1957 die Nachkriegsjugend. Er beschrieb Rückzug ins Private, Anpassung und die Suche nach Sicherheit. Nach heutiger Forschung gelten seine Befunde nur für einen kleinen Kreis männlicher Bildungseliten.
Trümmerfrau
Trümmerfrau heißt das Bild der Frauen, die nach dem Krieg die Städte von Schutt befreiten. Nach der Historikerin Leonie Treber räumten im Westen vor allem Baufirmen, Frauen nur in Berlin und im Osten in größerer Zahl. Zur Ikone wurde die Trümmerfrau erst in den 1980er-Jahren.
FAQ: Kriegskinder: Wie skeptisch war die stille Generation wirklich?

Welche Jahrgänge gehören zur stillen Generation?
Beim US-Forschungsinstitut Pew Research Center die Jahrgänge 1928 bis 1945. Den Namen Silent Generation machte das US-Magazin Time am 5. November 1951 bekannt. Eine amtliche Abgrenzung gibt der Staat nicht vor.
Was ist der Unterschied zwischen stiller und skeptischer Generation?
Die stille Generation ist ein amerikanischer Name für die Jahrgänge 1928 bis 1945. Schelskys skeptische Generation von 1957 meinte vor allem die in den 1920er-Jahren Geborenen, heute oft 45er genannt.
Wie viele Kriegskinder leben noch?
Am 1. Januar 2025 lebten in Deutschland 6.445.762 Menschen der Jahrgänge 1928 bis 1945, rund 7,7 Prozent der Bevölkerung. Rund 3,92 Millionen davon sind Frauen.
Haben die Trümmerfrauen Deutschland wieder aufgebaut?
Nach der Historikerin Leonie Treber räumten im Westen vor allem Baufirmen mit schwerem Gerät. Frauen arbeiteten in größerer Zahl nur in Berlin und im Osten. Zur Ikone wurde die Trümmerfrau erst in den 1980er-Jahren.
Was war der Lastenausgleich?
Ein Ausgleich zwischen Kriegsgeschädigten und Menschen, die ihr Vermögen behalten hatten. Ab 1952 zahlten Vermögende 50 Prozent ihres Vermögens von 1948 in Raten bis 1979. Insgesamt flossen 145 Milliarden D-Mark.
Welche Folgen hatte der Krieg für die Kriegskinder?
Viele verloren einen Elternteil, nach Schätzungen rund 2,5 Millionen. Nach Leipziger Erhebungen litten bis zu 4 Prozent der über 60-Jährigen an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, bis zu 12,2 Prozent an Teilsymptomen.
Quellen
32 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 26.10.2026
- TIMEPeople: The Younger Generation
- Pew Research CenterThe Whys and Hows of Generations Research
- Wordorigins.orgGenerational Cohorts
- Statistisches BundesamtDatensatz der Bevölkerungspyramide (16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung)
- EurostatBevölkerung am 1. Januar nach Alter (demo_pjan)
- Deutsche NationalbibliothekSchelsky: Die skeptische Generation, Diederichs 1957
- Deutsche BiographieKaesler: Schelsky, Helmut (NDB 22, 2005)
- Bundeszentrale für politische Bildungvon Hodenberg: Zur Generation der 45er (APuZ, 17.01.2020)
- Bundeszentrale für politische BildungZiemann: Generationen im 20. und 21. Jahrhundert (APuZ, 18.12.2020)
- Bundeszentrale für politische BildungLuftwaffenhelfer im Einsatz (APuZ 45/1976)
- Deutsche NationalbibliothekBode: Die vergessene Generation, Klett-Cotta 2004
- Deutsche NationalbibliothekBode: Kriegsenkel, Klett-Cotta 2009
- Statistisches BundesamtDie Frau im wirtschaftlichen und sozialen Leben der Bundesrepublik
- Deutsches ÄrzteblattRadebold: Kriegskinder im Alter, bei Diagnose historisch denken (27/2004)
- Deutsches Historisches MuseumLeMO: Kinderlandverschickung
- Bundeszentrale für politische BildungKiehle: Wohnungspolitik (Handwörterbuch des politischen Systems)
- Bundeszentrale für politische BildungRink: Wohnen
- Universität LeipzigPressemitteilung zu Kriegsfolgen im Alter
- Bundeszentrale für politische BildungTreber: Mythos Trümmerfrau (APuZ, 08.04.2015)
- Deutscher BundestagWissenschaftliche Dienste: Übersicht über das Lastenausgleichsgesetz
- BundesarchivBartels: Überblick über den Lastenausgleich
- Bundeszentrale für politische BildungBührer: Wirtschaft in beiden deutschen Staaten (Informationen zur politischen Bildung 256)
- Statistisches BundesamtRegistrierte Arbeitslose und Arbeitslosenquote (lange Reihe)
- Deutscher BundestagTextarchiv: 21. Januar 1957, Rentenreform
- Deutsche RentenversicherungReform mit großer Wirkung (65 Jahre Rentenreform)
- Deutsche RentenversicherungAktuelle Daten 2026
- Statistisches BundesamtPflegebedürftige Ende 2023
- Statistisches Bundesamt17,3 Millionen Menschen in Deutschland leben allein
- Statistisches BundesamtGrundsicherung im Alter erreicht neuen Höchststand
- Statistisches BundesamtEmpfänger von Grundsicherung nach Altersgruppen
- Statistisches BundesamtEinkommen und Grundsicherungsquote im Alter
- Statistisches BundesamtStatistischer Bericht: Kohortensterbetafeln für Deutschland 1926 bis 2026
