Im Nachlass Ihrer Großeltern liegt ein Geldschein über 100 Billionen Mark. Reich war damit niemand. Im November 1923 kostete laut Bundesbank 500 Gramm Brot 400 Milliarden Mark, 1914 noch 15 Pfennig.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDie Jahrgänge 1901 bis 1927 haben in den USA einen Ehrennamen, in Deutschland nur einen Sammelbegriff. Hier lesen Sie, was diese Menschen zwischen Inflation, Massenarbeitslosigkeit, Arbeitsdienst und Krieg erlebt haben, was der Krieg vor allem die Frauen dieser Jahrgänge kostete und wie viele von ihnen heute noch leben.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Jahrgänge 1901 bis 1927 heißen in den USA Greatest Generation, in Deutschland fehlt ein gemeinsamer Name. Anfang 2025 lebten noch 77.883 von ihnen, alle 97 Jahre und älter.
- Im November 1923 kostete 500 Gramm Brot 400 Milliarden Mark, im Februar 1932 waren 6,127 Millionen Menschen arbeitslos.
- Ab 1935 galten Arbeitsdienst und Wehrpflicht. Bei Kriegsende waren über 11 Millionen deutsche Soldaten in Gefangenschaft, die letzten kehrten 1956 zurück.
- 1950 lebten im Bundesgebiet 3,0 Millionen mehr Frauen als Männer. Der Anteil erwerbstätiger Frauen sank trotzdem.
1 Was kostete laut Bundesbank im November 1923 500 Gramm Brot? Aufklappen ↓
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2 Welcher Jahrgang stellte 1935 die ersten Wehrpflichtigen? Aufklappen ↓
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3 Wie viele deutsche Soldaten waren bei Kriegsende in Kriegsgefangenschaft? Aufklappen ↓
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4 Wie viele Frauen kamen 1950 im Jahrgang 1920 auf 1.000 Männer? Aufklappen ↓
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5 Wie viele Menschen in Deutschland waren Ende 2024 mindestens 100 Jahre alt? Aufklappen ↓
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Wer gehört zur Kriegsgeneration?

Die zwischen 1901 und 1927 Geborenen, so grenzt die Sammlung Wordorigins die amerikanische Greatest Generation ab. Anfang 2025 lebten von diesen Jahrgängen in Deutschland noch 77.883 Menschen, alle 97 Jahre und älter.
Die Grenzen schwanken. Das US-Forschungsinstitut Pew Research Center zählt alle vor 1928 Geborenen dazu, der US-Radiosender NPR die Jahrgänge 1901 bis 1924. Berühmt machte den amerikanischen Namen der Fernsehjournalist Tom Brokaw mit seinem Buch „The Greatest Generation“ von 1998. Er nannte sie „die großartigste Generation, die eine Gesellschaft je hervorgebracht hat“, gemeint waren die Amerikaner, die Weltwirtschaftskrise und Zweiten Weltkrieg durchstanden.
Älter als das Buch ist der Ausdruck trotzdem. Schon 1940 sprach der texanische Abgeordnete Hatton Sumners davon.
Vor ihr steht in der Zählung von William Strauss und Neil Howe die verlorene Generation der Jahrgänge 1883 bis 1900. Den Namen hat Ernest Hemingway seinem Roman „The Sun Also Rises“ von 1926 vorangestellt, auf Deutsch „Fiesta“, als Satz der Schriftstellerin Gertrude Stein: „You are all a lost generation.“
In Deutschland hat sich für diese Jahrgänge kein gemeinsamer Name durchgesetzt. Die in den 1920er-Jahren Geborenen hießen nacheinander skeptische Generation, Flakhelfer- oder HJ-Generation und heute meist 45er. Wie die Namen der Generationen entstanden sind, beschreibt der Überblick über alle Generationen im Spiegel der Zeit.
Ins Leben starteten diese Jahrgänge mit schlechten Aussichten. Für die Jahre 1901 bis 1910 nennt das Statistische Bundesamt eine Lebenserwartung bei Geburt von 44,8 Jahren für Jungen und 48,3 für Mädchen im damaligen Reichsgebiet.
Die Kriegsgeneration umfasst grob die Jahrgänge 1901 bis 1927. In den USA heißt sie seit Tom Brokaws Buch von 1998 Greatest Generation, in Deutschland fehlt ein gemeinsamer Name.
Wie prägten Inflation und Krise ihre Jugend?

Mit dem Verlust aller Ersparnisse und mit Massenarbeitslosigkeit. Im November 1923 kostete 500 Gramm Brot 400 Milliarden Mark, im Februar 1932 waren 6,127 Millionen Menschen ohne Arbeit.
Die Jüngeren dieser Jahrgänge waren Kinder, die Älteren junge Erwachsene, als 1923 die Preise davonliefen. Ein Kilogramm Brot kostete laut Deutschem Historischem Museum im August 1923 rund 69.000 Mark, im November über 200 Milliarden. Die Bundesbank nennt für November 1923 500 Gramm Brot zu 400 Milliarden Mark, einen Hering zu 130 Milliarden und 500 Gramm Zucker zu 650 Milliarden.
| Ware oder Kurs | Preis |
|---|---|
| 500 Gramm Brot, 1914 | 15 Pfennig |
| Ein Kilo Brot, August 1923 | rund 69.000 Mark |
| Ein Kilo Brot, November 1923 | über 200 Milliarden Mark |
| 500 Gramm Brot, November 1923 | 400 Milliarden Mark |
| Ein Hering, November 1923 | 130 Milliarden Mark |
| 500 Gramm Zucker, November 1923 | 650 Milliarden Mark |
| Eine Rentenmark ab 15. November 1923 | eine Billion Papiermark |
Wie die Inflation entstand
Die Wurzeln liegen im Ersten Weltkrieg, den die Ältesten dieser Generation als Kinder erlebten. Das Reich finanzierte den Krieg zum größten Teil mit Schulden. Von 164 Milliarden Mark Kriegskosten kamen laut Deutschem Historischem Museum 97 Milliarden aus Anleihen und 57 Milliarden aus Schatzwechseln und ähnlichen Papieren, nur 10 Milliarden aus Steuern und Abgaben. Die umlaufende Geldmenge verfünffachte sich von 1914 bis 1918 auf 33 Milliarden Mark.
Im Herbst 1923 hatte das Geld seine Aufgabe als Tauschmittel verloren. Zumeist tauschten die Menschen nun Ware gegen Ware, Händler und Handwerker verkauften und reparierten gegen Lebensmittel.
Der höchste Schein der Reichsbank lautete im November 1923 auf 100 Billionen Mark. Dann wurde die Währung neu geordnet: Eine Rentenmark entsprach einer Billion Papiermark. Sparguthaben in Mark waren damit praktisch wertlos. Mitte Oktober 1923 hatte die Regierung die Deutsche Rentenbank gegründet, ab dem 15. November gab sie die Rentenmark aus. Gedeckt war sie durch eine Hypothek von 3,2 Milliarden Rentenmark auf Grundbesitz in Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe. Weil der Kurs in den folgenden Monaten hielt, sprach man vom „Wunder der Rentenmark“.
Knapp neun Jahre später folgte die nächste Krise.
Am 15. Februar 1932 meldete das Reichsarbeitsministerium 6,127 Millionen Arbeitslose. „Jeder dritte Arbeitnehmer ist ohne Beschäftigung“, verzeichnet die Chronik des Deutschen Historischen Museums für dieses Jahr. Mitten in diese Krise fiel der Berufsstart der Jahrgänge um 1915.
1923 kostete 500 Gramm Brot 400 Milliarden Mark, die Ersparnisse waren weg. 1932 war jeder dritte Arbeitnehmer ohne Beschäftigung, als die Jüngeren dieser Jahrgänge ins Berufsleben wollten.
Was verlangte der NS-Staat von diesen Jahrgängen?

Ein halbes Jahr Arbeitsdienst und ab 1935 die Wehrpflicht. Der Jahrgang 1914 stellte die ersten Wehrpflichtigen, die Dienstzeit stieg im August 1936 von einem auf zwei Jahre.
Seit 1935 war der halbjährige Reichsarbeitsdienst für männliche Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren Pflicht, für weibliche zunächst freiwillig. Die Kolonnen legten Moore trocken, machten Land urbar und arbeiteten an den Reichsautobahnen und am Westwall mit. Bezahlt wurde nur wenig mehr als das Arbeitslosengeld, offiziell hieß der Einsatz „Ehrendienst am deutschen Volke“.
Ursprünglich sollte der Arbeitsdienst die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Das Deutsche Historische Museum beschreibt ihn als „nationalsozialistische Erziehungsarbeit“ mit militärischer Ausbildung im Lager, an der Spitze stand Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl.
1935 zählte der Arbeitsdienst rund 200.000 Menschen, bis Oktober 1939 wuchs er auf 350.000. Wenige Tage nach Kriegsbeginn wurde die Pflicht auch auf junge Frauen ausgedehnt. Die „Arbeitsmaiden“ übernahmen karitative Aufgaben, entlasteten Mütter im Haushalt und halfen in der Landwirtschaft. Die männlichen Abteilungen arbeiteten im Krieg meist als Bautrupps für die Wehrmacht oder standen an Flugabwehrgeschützen.
Am 16. März 1935 führte das Deutsche Reich die allgemeine Wehrpflicht wieder ein, die der Versailler Vertrag verboten hatte. Das Friedensheer sollte aus 36 Divisionen mit 580.000 Soldaten bestehen und bis 1939 kriegsfähig sein.
Die jüngsten Jahrgänge dieser Generation traf der Krieg noch als Schüler. Ab Anfang 1943 wurden Oberschüler der Jahrgänge 1926 und 1927 als Luftwaffenhelfer eingezogen. Die jungen Frontsoldaten der Jahrgänge 1921 bis 1925 und diese Flakhelfer zählt die Historikerin Christina von Hodenberg zur Gruppe, die heute meist 45er heißt. Was die jüngeren Jahrgänge erlebten, steht im Beitrag über die Kriegskinder und die stille Generation.
Der Jahrgang 1914 war bei der Hyperinflation neun Jahre alt, wurde 1935 als erster wieder zur Wehrpflicht gerufen und war bei Kriegsende 31.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ab 1935 mussten junge Männer ein halbes Jahr Arbeitsdienst leisten und zur Wehrmacht. Der Jahrgang 1914 stellte die ersten Wehrpflichtigen, die Jahrgänge 1926 und 1927 kamen als Schüler an die Flak.
Was kostete der Krieg diese Jahrgänge?

Für viele Männer das Leben oder Jahre in Gefangenschaft. Bei Kriegsende waren über 11 Millionen deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft, die letzten kehrten im Januar 1956 zurück.
Wie viele Männer je Geburtsjahrgang gefallen sind, lässt sich aus geprüften Quellen nicht sauber angeben. Zahlen zu einzelnen Jahrgängen kursieren im Netz, eine überprüfbare Quelle haben wir dafür nicht gefunden.
Belegt ist die Gefangenschaft. Laut Deutschem Historischem Museum waren bei Kriegsende über 11 Millionen deutsche Soldaten in Gefangenschaft. Ab Mai 1945 kamen rund 7,5 Millionen als sogenannte Kapitulationsgefangene in westalliierten Gewahrsam. In den Rheinwiesenlagern starben Tausende. Die letzten Heimkehrer kamen im Januar 1956 zurück, mehr als zehn Jahre nach Kriegsende.
Die Familien warteten oft jahrelang. Noch 1952 bekamen 6.100 Frauen Unterhaltshilfe, deren Männer nach dem 31. März 1950 nachweislich weiter in Gefangenschaft saßen.
Die Lücke in der Statistik
Am deutlichsten zeigt sich der Krieg indirekt, im Verhältnis von Frauen und Männern. Eine eigene Berechnung nach dem Datensatz der Bevölkerungspyramide des Statistischen Bundesamts für 1950 ergibt für den Jahrgang 1920 rund 642.000 Frauen und 442.000 Männer, also 1.452 Frauen je 1.000 Männer. Für die Jahrgänge 1920 bis 1925 zusammen kommen wir auf 1.403 Frauen je 1.000 Männer, rund eine Million mehr Frauen als Männer.
Frauen je 1.000 Männer: eigene Berechnung nach dem Datensatz der Bevölkerungspyramide des Statistischen Bundesamts.
Über 11 Millionen deutsche Soldaten waren bei Kriegsende in Gefangenschaft, die letzten kamen 1956 zurück. Im Jahrgang 1920 kamen 1950 rechnerisch 1.452 Frauen auf 1.000 Männer.
Wie lebten die Frauen dieser Generation nach dem Krieg?

Oft allein. Nach der Volkszählung 1950 lebten im Bundesgebiet 3,0 Millionen mehr Frauen als Männer, 1,94 Millionen davon in den Jahrgängen 1900 bis 1925. 3,0 Millionen Frauen waren verwitwet.
Die Volkszählung vom 13. September 1950 zählte im Bundesgebiet 47,7 Millionen Einwohner und 1.134 Frauen je 1.000 Männer. 1939 hatte der Frauenüberschuss bei 0,7 Millionen gelegen. Im Alter von 18 bis unter 55 Jahren kamen auf 100 unverheiratete Männer 130 unverheiratete Frauen, die Heiratsaussichten der Frauenjahrgänge 1921 bis 1925 nannte das Statistische Bundesamt „ganz besonders schlecht“.
Das Amt schrieb 1952 nüchtern: „Der Überschuß von 1,9 Millionen Frauen allein in den Geburtsjahrgängen von 1900–1925 bedeutet, daß diese Frauen auf die Ehe verzichten müssen oder als Kriegerwitwe ein ähnliches Los haben.“
12,0 Prozent aller Frauen waren 1950 verwitwet, mit den rund 300.000 Ehefrauen von Vermissten 13,2 Prozent.
Arbeiteten die Frauen mehr?
Naheliegend wäre, dass mehr Frauen ohne Ehemann auch mehr berufstätige Frauen bedeuten. Die Volkszählung zeigte das Gegenteil. Von 1939 bis 1950 stieg die Zahl der weiblichen Erwerbspersonen im Bundesgebiet nur um rund 10 Prozent auf 7,9 Millionen, die weibliche Bevölkerung dagegen um 26,7 Prozent. Der Anteil der erwerbstätigen Frauen sank von 36,2 auf 31,4 Prozent.
Von den verheirateten Frauen war 1950 nur noch jede vierte erwerbstätig, 1939 fast jede dritte.
Das Statistische Bundesamt vermutete 1952, viele Witwen und Geschiedene hätten Kinder, derentwegen sie keine Arbeit annehmen könnten oder wollten, und viele lebten von Hinterbliebenenversorgung, Soforthilfe oder Pension. Die Zahl der Frauen, die ohne Beruf von Renten, Pensionen oder Unterstützung lebten, verdoppelte sich von 1,7 auf 3,4 Millionen.
Anfang 1952 bezogen 998.468 Witwen und Witwer eine Rente nach dem Bundesversorgungsgesetz. Die Kinder der jüngeren Jahrgänge dieser Generation gehören zu den Babyboomern, die heute in Rente gehen. Was das für den Arbeitsmarkt bedeutet, steht in unserem Beitrag über die Rente der Babyboomer und die Lücke am Arbeitsmarkt.
1950 lebten im Bundesgebiet 3,0 Millionen mehr Frauen als Männer, fast zwei Drittel davon in den Jahrgängen 1900 bis 1925. Jede achte Frau war verwitwet.
Was gab der Staat den Überlebenden zurück?

Renten für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene, einen Lastenausgleich und ab 1957 eine Rente, die mit den Löhnen wuchs. Die Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz läuft für einige wenige bis heute.
Das Bundesversorgungsgesetz von 1950 regelte Renten und Hilfen für Kriegsbeschädigte, Witwen und Waisen. Anfang 1952 bezogen im Bundesgebiet rund 2,6 Millionen Hinterbliebene Leistungen. Zum 1. Januar 2024 ging das Gesetz im neuen Vierzehnten Buch des Sozialgesetzbuchs zur Sozialen Entschädigung auf. Ausgezahlt wird weiter, an immer weniger Berechtigte.
Eine bundesweite Zahl für heute haben wir nicht gefunden, wohl aber eine aus Bayern. Das Zentrum Bayern Familie und Soziales zahlte 2025 rund 29,2 Millionen Euro an etwa 2.500 Berechtigte. Die älteste Witwe war 109 Jahre alt, der älteste Geschädigte 106, die älteste Waise 98.
Mit dem Lastenausgleich ab 1952 glich die Bundesrepublik Vermögensverluste aus, finanziert zu einem Drittel aus Abgaben auf Vermögen, das den Krieg überstanden hatte. Die Rentenreform vom Januar 1957 hob die Renten um rund 60 Prozent und koppelte sie an die Löhne. Die Ältesten dieser Generation gingen ab Mitte der 1960er-Jahre mit der neuen Rente in den Ruhestand, die Jüngeren zahlten noch Jahrzehnte Beiträge.
Der Blick in die USA
Die USA gingen mit ihren Kriegsheimkehrern einen anderen Weg. Am 22. Juni 1944 wurde die GI Bill Gesetz, ein Programm zur Wiedereingliederung der Soldaten. Bis zum Ende des ursprünglichen Programms im Juli 1956 nahmen 7,8 Millionen der 16 Millionen Veteranen an Bildungs- oder Ausbildungsprogrammen teil.
Im Spitzenjahr 1947 stellten Veteranen 49 Prozent der Neueinschreibungen an den Colleges.
Bis 1952 bürgte das Veteranenministerium außerdem für fast 2,4 Millionen Kredite zum Hauskauf. Hinter dem Ehrennamen Greatest Generation stand also auch ein großes staatliches Förderprogramm.
Die Bundesrepublik versorgte Kriegsopfer nach dem Bundesversorgungsgesetz, in Bayern zahlt der Staat noch heute an etwa 2.500 Berechtigte. In den USA schickte die GI Bill 7,8 Millionen Veteranen in Ausbildung und Studium.
Wie viele von ihnen leben noch?

Anfang 2025 lebten in Deutschland 77.883 Menschen der Jahrgänge bis 1927, alle 97 Jahre und älter. Rund 17.900 Menschen waren Ende 2024 mindestens 100 Jahre alt, 83,8 Prozent davon Frauen.
Die Zahl der Hundertjährigen ist gewachsen. Ende 2011 zählte das Statistische Bundesamt noch 14.400, bis Ende 2024 stieg sie um 24,0 Prozent auf 17.900. Auf 10.000 Einwohner kommen damit 2,1 Menschen, die mindestens 100 sind. Die meisten leben in Nordrhein-Westfalen mit 3.900, in Bayern mit 2.400 und in Baden-Württemberg mit 2.300.
Die Kohortensterbetafel des Statistischen Bundesamts zeigt, wie wenige so alt werden konnten. Von 100.000 Jungen des Jahrgangs 1926 erreichten rund 62.000 das Alter von 65, von 100.000 Mädchen rund 74.000. Die Lebenserwartung bei Geburt lag für diesen Jahrgang bei 61,6 Jahren für Männer und 69,2 für Frauen, gefallene Soldaten fehlen darin, die Werte der Männer sind also zu hoch.
Der hohe Frauenanteil hat zwei Gründe. Frauen leben im Schnitt länger, und unter den Männern dieser Jahrgänge hat der Krieg große Lücken gerissen.
In den USA lebten 2026 nach einer Schätzung des US-Veteranenministeriums noch 30.607 der 16,4 Millionen Amerikaner, die im Zweiten Weltkrieg gedient hatten. Eine vergleichbare Zahl ehemaliger Wehrmachtssoldaten haben wir für Deutschland nicht gefunden. Mit ihnen geht die letzte Generation, die den Krieg als Erwachsene erlebt hat.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| 97 bis 99 Jahre alt, 1. Januar 2025 | 59.982 Menschen |
| 100 Jahre und älter, 1. Januar 2025 | 17.901 Menschen |
| Jahrgänge bis 1927 zusammen | 77.883 Menschen |
| Mindestens Hundertjährige Ende 2011 | rund 14.400 |
| Frauenanteil unter den Hundertjährigen 2024 | 83,8 Prozent |
Von den Jahrgängen bis 1927 lebten Anfang 2025 noch 77.883 Menschen. Rund 17.900 Menschen sind 100 oder älter, gut vier von fünf davon Frauen.
Was blieb von den Jahrgängen 1901 bis 1927?

Eine Rente, die mit den Löhnen wächst, eine Versorgung für Kriegsopfer bis ins hohe Alter und eine schwere Bilanz von Verlusten. Die Jahrgänge waren Opfer von Inflation, Krise und Krieg und zugleich die Soldaten, Mitläufer und Täter des NS-Regimes.
Die Inflation von 1923 vernichtete die Ersparnisse zahlloser Familien. Vor allem die völlige Entwertung der Kriegsanleihen, die als besonders sicher galten, führte laut Deutschem Historischem Museum zu einem „immensen Vertrauensverlust in den Staat“. In der Weltwirtschaftskrise war 1932 jeder dritte Arbeitnehmer ohne Beschäftigung.
Dann kamen Diktatur und Krieg.
Für Arbeitgeber und Führungskräfte heute ist diese Generation Geschichte, aber keine ferne. Viele Familien kennen die Erzählungen der Großeltern über Inflation, Arbeitslosigkeit und Krieg. Der Blick auf die echten Zahlen hilft, sie einzuordnen, auch die Vorstellung, früher sei alles einfacher gewesen.
Das Bild der Nachkriegsfrau, die selbstverständlich arbeiten ging, hält der Volkszählung von 1950 nicht stand: Sie zeigt einen sinkenden Anteil erwerbstätiger Frauen. Ein anderes ist die Inflation: Steigende Preise von heute lassen sich mit einem Jahr, in dem 500 Gramm Brot 400 Milliarden Mark kostete, nicht ernsthaft vergleichen.
Unsere Einordnung: Opfer und Täter kamen aus denselben Jahrgängen, beides gehört zur Bilanz. Die USA nennen ihre Altersgenossen die großartigste Generation, für Deutschland passt kein Ehrenname. Geblieben sind die Lehren, die die Bundesrepublik aus diesem Jahrhundert zog, und die Frauen, die ihre Männer am längsten überlebten.
Die Kriegsgeneration erlebte Inflation, Massenarbeitslosigkeit, Diktatur und Krieg, als Opfer und als Täter. Geblieben sind eine an die Löhne gekoppelte Rente, eine Versorgung für Kriegsopfer und eine Generation von Frauen, die die Männer ihrer Jahrgänge lange überlebten.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Kriegsgeneration, Inflation und Kriegsfolgen

Bundesversorgungsgesetz
Bundesversorgungsgesetz heißt das Gesetz von 1950, das Renten und Hilfen für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene regelte. Anfang 1952 bezogen rund 2,6 Millionen Hinterbliebene Leistungen. Seit dem 1. Januar 2024 gilt an seiner Stelle das Vierzehnte Buch des Sozialgesetzbuchs.
Frauenüberschuss
Frauenüberschuss nennt die Statistik die Zahl, um die Frauen die Männer übertreffen. Nach der Volkszählung 1950 lebten im Bundesgebiet 3,0 Millionen mehr Frauen als Männer, 1939 nur 0,7 Millionen. 1,94 Millionen des Überschusses entfielen auf die Jahrgänge 1900 bis 1925.
GI Bill
GI Bill heißt das amerikanische Gesetz vom 22. Juni 1944 zur Wiedereingliederung der Soldaten. Bis 1956 nahmen 7,8 Millionen der 16 Millionen Weltkriegsveteranen an Bildungs- oder Ausbildungsprogrammen teil, dazu bürgte der Staat für fast 2,4 Millionen Kredite zum Hauskauf.
Greatest Generation
Greatest Generation heißen in den USA die Jahrgänge, die Weltwirtschaftskrise und Zweiten Weltkrieg als junge Erwachsene erlebten, je nach Abgrenzung 1901 bis 1927. Bekannt machte den Namen Tom Brokaws Buch von 1998, der Ausdruck ist aber schon 1940 belegt.
Hyperinflation
Hyperinflation nennt man eine Geldentwertung, bei der die Preise in kurzer Zeit ins Unermessliche steigen. In Deutschland erreichte sie im November 1923 ihren Höhepunkt, 500 Gramm Brot kostete 400 Milliarden Mark. Mit der Rentenmark wurde die Währung neu geordnet.
Kapitulationsgefangene
Kapitulationsgefangene hießen die deutschen Soldaten, die nach der Kapitulation im Mai 1945 in Gefangenschaft gerieten. Laut Deutschem Historischem Museum kamen rund 7,5 Millionen in westalliierten Gewahrsam. Insgesamt waren bei Kriegsende über 11 Millionen deutsche Soldaten gefangen.
Kriegsanleihe
Kriegsanleihe heißt eine Staatsanleihe, mit der ein Land einen Krieg finanziert. Im Ersten Weltkrieg brachte das Reich so 97 Milliarden Mark auf. In der Inflation bis 1923 wurden die Anleihen völlig entwertet, was zu einem großen Vertrauensverlust in den Staat führte.
Reichsarbeitsdienst
Reichsarbeitsdienst hieß der halbjährige Pflichtdienst, den das NS-Regime ab 1935 für junge Männer von 18 bis 25 Jahren einführte. Die Abteilungen legten Moore trocken und bauten an Autobahnen und Westwall. Ab Kriegsbeginn galt die Pflicht auch für junge Frauen.
Rentenmark
Rentenmark hieß die Übergangswährung, die ab dem 15. November 1923 die Hyperinflation beendete. Eine Rentenmark entsprach einer Billion Papiermark. Gedeckt war sie durch eine Hypothek auf Grundbesitz von 3,2 Milliarden Rentenmark.
Verlorene Generation
Verlorene Generation heißen die Jahrgänge 1883 bis 1900, nach einem Satz von Gertrude Stein, den Ernest Hemingway 1926 seinem Roman „The Sun Also Rises“ voranstellte. Auf Deutsch erschien das Buch als „Fiesta“. Auf sie folgt die Kriegsgeneration.
Volkszählung
Volkszählung heißt die vollständige Erhebung der Bevölkerung an einem Stichtag. Die Zählung vom 13. September 1950 ergab im Bundesgebiet 47,7 Millionen Einwohner und 1.134 Frauen je 1.000 Männer. Die Zählung ist eine wichtige Quelle für die Folgen des Kriegs in der Bevölkerung.
Wehrpflicht
Wehrpflicht heißt die gesetzliche Pflicht junger Männer zum Dienst in den Streitkräften. Das Deutsche Reich führte sie am 16. März 1935 wieder ein, entgegen dem Versailler Vertrag. Die ersten Wehrpflichtigen stellte der Jahrgang 1914, ab 1936 dauerte der Dienst zwei Jahre.
FAQ: Die Kriegsgeneration: Was blieb von den Jahrgängen 1901 bis 1927?

Welche Jahrgänge gehören zur Kriegsgeneration?
Grob die Jahrgänge 1901 bis 1927, so grenzt Wordorigins die amerikanische Greatest Generation ab. Das Pew Research Center zählt alle vor 1928 Geborenen dazu. Eine amtliche Abgrenzung gibt der Staat nicht vor.
Warum heißt sie in den USA Greatest Generation?
Der Journalist Tom Brokaw nannte sie 1998 in seinem gleichnamigen Buch die großartigste Generation, die eine Gesellschaft je hervorgebracht habe. Gemeint sind die Amerikaner, die Weltwirtschaftskrise und Zweiten Weltkrieg durchstanden.
Wie viele Menschen der Kriegsgeneration leben noch?
Anfang 2025 lebten in Deutschland 77.883 Menschen der Jahrgänge bis 1927, alle 97 Jahre und älter. Rund 17.900 Menschen waren Ende 2024 mindestens 100 Jahre alt, 83,8 Prozent davon Frauen.
Wie teuer war Brot in der Inflation 1923?
Laut Bundesbank kostete 500 Gramm Brot im November 1923 400 Milliarden Mark, 1914 noch 15 Pfennig. Das Deutsche Historische Museum nennt für ein Kilo im August 1923 rund 69.000 Mark.
Wann kehrten die letzten Kriegsgefangenen zurück?
Im Januar 1956, mehr als zehn Jahre nach Kriegsende. Bei Kriegsende waren über 11 Millionen deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft.
Warum lebten nach dem Krieg so viele Frauen allein?
Weil viele Männer gefallen oder in Gefangenschaft waren. 1950 lebten im Bundesgebiet 3,0 Millionen mehr Frauen als Männer, 1,94 Millionen davon in den Jahrgängen 1900 bis 1925. 3,0 Millionen Frauen waren verwitwet.
Quellen
28 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 26.10.2026
- Wordorigins.orgGenerational Cohorts
- Pew Research CenterThe Whys and Hows of Generations Research
- NPRRaphelson: From GIs To Gen Z, How Generations Get Nicknames
- Open LibraryBrokaw: The Greatest Generation, Random House 1998
- Project GutenbergHemingway: The Sun Also Rises
- PerlentaucherHemingway: Fiesta
- Bundeszentrale für politische Bildungvon Hodenberg: Zur Generation der 45er (APuZ, 17.01.2020)
- Statistisches BundesamtStatistisches Jahrbuch 1984, Sterbetafeln in abgekürzter Form
- Deutsches Historisches MuseumLeMO: Verkauf im Tausch gegen Lebensmittel, 1923
- Deutsches Historisches MuseumLeMO: Die Inflation
- Deutsches Historisches MuseumLeMO: Die Währungsreform 1923
- Deutsche BundesbankGlanzstücke aus der Numismatischen Sammlung
- Deutsches Historisches MuseumLeMO: Jahreschronik 1932
- Deutsches Historisches MuseumLeMO: Der Reichsarbeitsdienst
- Deutsches Historisches MuseumLeMO: Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935
- Bundeszentrale für politische BildungLuftwaffenhelfer im Einsatz (APuZ 45/1976)
- Deutsches Historisches MuseumLeMO: Kriegsgefangenschaft
- Statistisches BundesamtDatensatz der Bevölkerungspyramide (16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung)
- Statistisches BundesamtDie Frau im wirtschaftlichen und sozialen Leben der Bundesrepublik
- Zentrum Bayern Familie und SozialesPressemitteilung 10.26 zur Sozialen Entschädigung
- BundesarchivBartels: Überblick über den Lastenausgleich
- Deutsche RentenversicherungReform mit großer Wirkung (65 Jahre Rentenreform)
- U.S. Department of Veterans AffairsBorn of Controversy: The GI Bill of Rights
- U.S. Department of Veterans AffairsVA Celebrates 66th Anniversary of GI Bill
- The National WWII MuseumWWII Veteran Statistics
- EurostatBevölkerung am 1. Januar nach Alter (demo_pjan)
- Statistisches Bundesamt17.900 mindestens Hundertjährige lebten Ende 2024 in Deutschland
- Statistisches BundesamtStatistischer Bericht: Kohortensterbetafeln für Deutschland 1926 bis 2026
