Oracles Ko-Chef Clay Magouyrk und OpenAI-Präsident Greg Brockman stellten am Dienstag in Las Vegas ein gemeinsames Produktpaket vor. Beschäftigte sollen in Oracles Unternehmenssoftware Fusion und im Mittelstands-ERP NetSuite künftig per ChatGPT Bestände prüfen und Aufträge ändern. Kleinen Firmen stellt Oracle dafür 12.000 Dollar Cloud-Guthaben im Jahr in Aussicht, umgerechnet rund 10.440 Euro.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenEin Lieferant meldet Verzug, ein Kundenauftrag droht zu platzen: An diesem Fall führt Oracle vor, wie die Arbeit künftig laufen soll. Die Sachbearbeiterin schildert das Problem in ChatGPT, bekommt Ersatzartikel und Lagerbestand angezeigt und ändert den Auftrag im Chat. Oracle nennt in der Mitteilung weder Termine noch Preise für die neuen Dienste.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Der Oracle AI Workspace macht Fusion und NetSuite über Erweiterungen in ChatGPT bedienbar.
- Mit App Composer erstellt Codex, das KI-Modell von OpenAI fürs Programmieren, Anwendungen für Beschäftigte ohne Programmierkenntnisse.
- AI Security Mesh sucht mit spezialisierten KI-Modellen von OpenAI nach Schwachstellen.
Was bringen Oracle und OpenAI auf den Markt?

Kern des Pakets ist der Oracle AI Workspace. Über Erweiterungen in ChatGPT rufen Beschäftigte Daten aus Fusion, NetSuite, der Oracle-Datenbank und der Oracle-Cloud ab. Genehmigungen und Zugriffsrechte sollen dabei in Oracles Systemen bleiben.[1]
Mit App Composer beschreiben Beschäftigte eine Anwendung, die Codex erstellt. Betrieb und Rechteverwaltung übernimmt Oracle. AI Security Mesh prüft Anwendungen in der Oracle-Cloud, in fremden Clouds und im Rechenzentrum des Kunden auf Angriffspunkte. Wie weit die Prüfung reicht, legt der Kunde selbst fest.
„OpenAI verändert, wie Unternehmen ihre Probleme lösen, vom Chat über das Programmieren und die Analyse bis zu autonomen Agenten“, sagt Magouyrk. Brockman will OpenAIs stärkste Modelle in den Arbeitsalltag der Firmen bringen, „damit Teams schneller Software entwickeln, ihre Sicherheit stärken und anspruchsvollere Wissensarbeit übernehmen“.
Warum öffnet Oracle seine Software für ChatGPT?
Bisher banden lange Einführungsprojekte und geschulte Anwender die Kunden an ihr ERP-System. Rückt ChatGPT vor das ERP-System, verliert Oracles eigene Bedienoberfläche an Gewicht. Die Modelle bekommen Kunden auch anderswo, Google Cloud etwa verkauft ebenfalls OpenAI-Modelle.
Für Oracle rechnet sich das Paket doppelt. OpenAI ist der wichtigste Großkunde der Oracle-Cloud: Ein Fünfjahresvertrag über laut Medienberichten rund 261 Milliarden Euro lässt den Auftragsbestand wachsen, wie unsere Analyse des Oracle-Geschäftsmodells vorrechnet. Jede Abfrage, die Beschäftigte aus Fusion über ChatGPT stellen, erhöht den Bedarf an Rechenleistung, die OpenAI auch bei Oracle einkauft.
Bei den Chips streut Oracle sein Angebot auf mehrere Hersteller. Ab 2027 bietet Oracle als erster Cloud-Anbieter außer Google selbst dessen KI-Chips zur Miete an.[2] Laut CNBC kommen Chips von OpenAI und Cerebras hinzu. Dass OpenAI selbst Googles TPU-Chips kaufen will, berichtete The Information am Dienstagabend.
Was müssen Firmen in der EU vor dem Einsatz klären?
Fließen Auftrags- und Kundendaten aus dem ERP durch ChatGPT, wird OpenAI zum Auftragsverarbeiter nach Artikel 28 DSGVO. Eine Speicherung in Europa bietet OpenAI seit Februar 2025 für ChatGPT Enterprise, ChatGPT Edu und die Programmierschnittstelle an.[3] Für ChatGPT Business, das im Paket für kleine Firmen steckt, hat OpenAI die Speicherung in Europa damals nicht angekündigt.
Beim Angriffstest zählt die Erlaubnis. Kunden dürfen nur Systeme testen lassen, die ihnen gehören oder deren Betreiber dem Test zugestimmt hat. Bei Hostern und Cloud-Anbietern gelten zusätzlich deren Regeln für Penetrationstests. Die NIS2-Richtlinie verlangt von betroffenen Firmen bereits ein Verfahren für den Umgang mit Schwachstellen.
Oracle verkauft seinen Kunden ChatGPT als Bedienoberfläche und OpenAI die Rechenzentren dahinter. An beidem verdient der Konzern.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Am besten legen Sie Rollen und Freigaben fest, bevor Beschäftigte Aufträge per Chat ändern. Den Speicherort der Daten lassen Sie sich schriftlich bestätigen. Steht bei Ihnen ein Systemwechsel an, grenzt unser Vergleich der ERP-Systeme die Auswahl ein.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- OracleOracle Reinvents Enterprise Computing for the AI Era with OpenAI (Pressemitteilung)
- OracleOracle Brings Google TPUs to Oracle Cloud Infrastructure (Pressemitteilung)
- OpenAIIntroducing data residency in Europe (Blogbeitrag)
Mehr Newshunger?
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