Die Harting Technologiegruppe aus Espelkamp liefert im Juni 2027 die letzten Magnetspulen für Verbrennungsmotoren aus. Etwa 47 Arbeitsplätze in Deutschland fallen weg, einzelne Aufgaben übernimmt der Standort in Rumänien. Die Autosparte baut danach nur noch Ladetechnik für Elektroautos.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Diesem Druck können wir nicht allein durch Preisanpassungen begegnen“, schreibt Firmenchef Philip Harting in der Mitteilung vom Dienstag.[1] Gemeint ist der Kostendruck durch Konkurrenten aus Asien bei Bauteilen für den Verbrennungsmotor. Für die betroffenen Beschäftigten der Harting Automotive GmbH laufen die Verträge schrittweise aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Harting beendet das Geschäft mit Magnetspulen für Verbrennungsmotoren, die letzten Lieferungen sind für Juni 2027 geplant.
- Betroffen sind etwa 47 Arbeitsplätze in Deutschland, einzelne Funktionen wandern nach Rumänien.
- Die Autosparte konzentriert sich künftig auf Ladetechnik für Elektroautos.
- Der Betriebsrat ist eingebunden, eine Einigung mit der Arbeitnehmerseite steht noch aus.
Was gibt Harting genau auf?

Die Spulen, im Englischen Solenoids genannt, waren auf Anwendungen rund um den Verbrennungsmotor ausgerichtet.[1] Bestehende Verträge und Lieferpläne will Harting vollständig erfüllen, den Ausstieg schließt das Unternehmen bis Ende 2027 ab. Welche Anpassungen der rumänische Standort braucht, arbeitet Harting nach eigenen Angaben noch aus.
Ihren Sitz hat die Autosparte in Espelkamp, dort arbeiten Vertrieb, Entwicklung, Einkauf, Musterbau und Kleinserienfertigung. Die Großserie läuft im rumänischen Agnita, wo Harting Ladekabel und Magnetsysteme fertigt.[2] Gemessen an den 2.334 Harting-Beschäftigten in Deutschland zum 30. September 2024 betrifft der Abbau rund 2 Prozent der Inlandsbelegschaft.[3]
„Selbstverständlich ist unser Betriebsrat eng in alle Schritte eingebunden und geltendes Arbeits- und Mitbestimmungsrecht wird berücksichtigt“, sagt Marco Grinblats, Geschäftsführer der Harting Automotive GmbH.[1] Einen Interessenausgleich oder Sozialplan erwähnt Harting nicht, der Umbau steht damit erst auf der Stufe der Ankündigung. Eine Stellungnahme von Betriebsrat oder IG Metall lag bis Mittwochmorgen nicht vor.
Warum trifft die Antriebswende zuerst die Zulieferer?
Schon für das Geschäftsjahr 2024/25 meldete Harting im Autogeschäft nicht ausgelastete Produktionskapazitäten, obwohl der Konzern insgesamt auf rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz wuchs.[4] Mit jedem Elektroauto, das einen Verbrenner ersetzt, sinkt die Nachfrage nach Teilen, die nur im Verbrennungsmotor sitzen. Wie stark die CO2-Flottenziele über Arbeitsplätze in der Branche entscheiden, zeigt eine aktuelle Berechnung des Forschungsinstituts ICCT.
Den Kostenabstand zu Rumänien beziffert das Statistische Bundesamt: Eine Arbeitsstunde kostete 2025 in Deutschland im Schnitt 45,00 Euro, in Rumänien 13,60 Euro.[5] Bei jeder Funktion, die ein Konzern ohne Nähe zum Kunden erledigen kann, fällt dieser Abstand ins Gewicht. Ins Ausland ziehen derzeit auch andere Fertigungen: SUSS MicroTec verlagert die Produktion aus Garching nach Taiwan, Villiger bringt die Zigarrenfertigung aus Waldshut-Tiengen nach Java.
Für Harting ist der Schritt die zweite Abbaurunde seit 2024: Damals kündigte das Unternehmen an, in den Verwaltungsbereichen rund 100 Stellen in Deutschland und anderen Ländern bis Ende 2025 abzubauen.[3] Beim Autozulieferer Magna in Dorfprozelten fallen 216 Stellen Mitte 2027 weg.
Was bedeutet der Ausstieg für Kunden und die Region?
Beziehen Sie Magnetspulen von Harting, bleibt bis Juni 2027 Zeit, die Versorgung neu zu ordnen. Ein neuer Lieferant muss in der Autoindustrie erst eine Teilefreigabe durchlaufen. Eine Abschlussbestellung auf Vorrat oder ein Ersatzlieferant gehört deshalb schon jetzt in die Einkaufsplanung.
Mit der Bilanz für 2024/25 kündigte Harting für Espelkamp eine Investition von 75 Millionen Euro an, verteilt auf fünf Jahre, für die „Fabrik der Zukunft“ im bisherigen Werk 2.[4] Die 47 Arbeitsplätze in der Autosparte sichert das Geld nicht. Welche Angebote die einzelnen Beschäftigten erhalten, will Grinblats nach eigenen Worten nun gemeinsam mit der Personalabteilung ausarbeiten.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Harting TechnologiegruppeHARTING strukturiert Geschäftsbereich Automotive um
- Harting AutomotiveStandorte (abgerufen 28.10.2026)
- Harting TechnologiegruppeHARTING blickt nach herausforderndem Geschäftsjahr optimistisch auf 2025 (Geschäftsjahr 2023/24)
- Harting TechnologiegruppeHARTING beendet Geschäftsjahr mit kräftigem Wachstum (Geschäftsjahr 2024/25)
- Statistisches BundesamtEine Arbeitsstunde kostete im Jahr 2025 durchschnittlich 45,00 Euro (Pressemitteilung Nr. 148 vom 29.04.2026)
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