Die Speicherhersteller verschieben größere Käufe von Maschinen für ihre HBM-Chips. Beim Chipausrüster ASMPT wuchs die Halbleitersparte im dritten Quartal nur noch um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal, bis Jahresende erwartet der Konzern dort keinen Zuwachs. Mehr Schwung brachten Bestückungsautomaten für KI-Server. Insgesamt setzte ASMPT umgerechnet 600 Millionen Euro um, 48,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenASMPT mit Sitz in Singapur und Notierung an der Hongkonger Börse hat die Zahlen am Mittwochmorgen Ortszeit veröffentlicht. Der Umsatz von 5,25 Milliarden Hongkong-Dollar lag über der Mitte der eigenen Prognosespanne. Neue Aufträge kamen für 8,85 Milliarden Hongkong-Dollar (1,01 Mrd. Euro) herein, so viel wie nie.[1] Laut Bloomberg blieb der Umsatz der Halbleitersparte leicht unter den Schätzungen der Analysten.[2] Die Zahlen sind noch nicht geprüft. Euro-Beträge zum Kurs vom 27. Oktober. Stand: Mittwoch, 2:30 Uhr.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Auftragseingang stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 137,9 %, je Euro Umsatz kamen 1,69 Euro an neuen Aufträgen herein.
- Ohne Sonderposten verdiente ASMPT netto 78,9 Mio. Euro, fast sechsmal so viel wie ein Jahr zuvor.
- Der Umsatz der Halbleitersparte wuchs gegenüber dem Vorquartal um 1,5 %, im zweiten Quartal waren es noch 34,9 %.[3]
- Für das vierte Quartal erwartet ASMPT 670 bis 730 Mio. US-Dollar (601 bis 655 Mio. Euro) Umsatz.
Warum zögern die Speicherhersteller?

Für gestapelten Speicher in KI-Beschleunigern, kurz HBM, braucht es Maschinen, die die Chips unter Hitze und Druck verbinden. Wann die Speicherhersteller solche Anlagen kaufen, hängt am Zeitplan der nächsten Generation HBM4. Laut ASMPT wägt die Branche Speicherdichte, Wärmeabfuhr und Kosten gerade neu gegeneinander ab.[1] Größere Investitionen in neue Technik haben die Kunden deshalb verschoben. ASMPT hält zusätzliche Kapazität und einzelne Nachrüstungen trotzdem für nötig und entwickelt die nächste Maschinengeneration.
An Geld fehlt es den Kunden nicht. SK Hynix behielt im selben Quartal fast 80 Cent je Umsatz-Euro als Betriebsgewinn. Offen ist eher, mit welchem Verfahren die Chips künftig gestapelt werden. Für Hybrid Bonding, bei dem die Kontakte ohne Lötkugeln haften, will Applied Materials seinen Anteil am Rivalen BESI auf rund 20 Prozent aufstocken. ASMPT erprobt mit Kunden die zweite Generation einer eigenen Anlage.[1]
Was trägt das Quartal stattdessen?
Bei Prozessoren für KI-Rechenzentren läuft es anders. Die Aufträge für Anlagen, die Chips mit ihrem Trägersubstrat verbinden, erreichten einen Rekord. Bestellt haben vor allem Auftragsfertiger, die Chips für einen nicht genannten großen Hersteller montieren und verpacken. Auch Anlagen für optische Transceiver, die Daten zwischen Servern per Licht übertragen, verkaufte ASMPT so gut wie nie.[1] Die Aufträge der Halbleitersparte stiegen um 31,3 % gegenüber dem Vorquartal. Beim Umsatz kommt das erst später an, ASMPT verweist auf längere Lieferzeiten.
Schneller wuchs die Bestückungssparte, deren Automaten Bauteile auf Leiterplatten setzen. Ihr Umsatz stieg um 13,2 % gegenüber dem Vorquartal, der Spartengewinn um 44,1 %. Zum dritten Mal in Folge meldete sie einen Auftragsrekord, vor allem dank der Nachfrage nach Hauptplatinen für KI-Server. Mehr als 100 Mio. US-Dollar davon sind Großaufträge und vorgezogene Bestellungen, im vierten Quartal sollen die Aufträge deshalb niedriger ausfallen.[1]
Umsatz der Halbleitersparte: Zuwachs gegenüber dem Vorquartal
Was heißt das für Elektronikfertiger in Deutschland?
Ein Teil der Bestückungssparte sitzt in München. ASMPT hatte Anfang 2011 das dortige Geschäft mit Siplace-Bestückungsautomaten von Siemens übernommen.[5] Seit Januar prüft der Konzern, was aus der Sparte wird: Verkauf, Gemeinschaftsunternehmen, Abspaltung mit Börsengang oder Verbleib im Konzern.[4] Ein Ergebnis nennt die Quartalsmitteilung nicht. Für Kunden folgt daraus:
- Elektronikfertiger, die 2027 neue Bestückungslinien brauchen, fragen jetzt nach Lieferterminen, denn ASMPT meldet bereits vorgezogene Bestellungen.
- Betriebe mit Siplace-Linien prüfen, ob ihre Service- und Softwareverträge auch bei einem Eigentümerwechsel gelten.
Die Speicherhersteller verdienen so gut wie nie und kaufen trotzdem zögerlich. Sie wollen erst wissen, wie die nächste Chipgeneration gestapelt wird.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- ASMPTAnnouncement Of Unaudited 2026 Third Quarter Results (Mitteilung an die Hongkonger Börse)
- BloombergASMPT Sales Jump 49% on AI Demand as Chip Unit Misses Estimate
- ASMPTAnnouncement Of 2026 Unaudited Interim Results (Mitteilung an die Hongkonger Börse zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026)
- ASMPTASMPT Announces Assessment of Strategic Options for SMT Solutions Segment
- Electronic SpecifierFour months after the SIPLACE acquisition, ASM Group sees its strategy confirmed
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