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Zum 30. Juni hatte Anthropic 131,7 Milliarden Dollar an flüssigen Mitteln und kurzfristigen Anlagen, umgerechnet 114,6 Milliarden Euro. Unter den US-Konzernen außerhalb der Bankbranche liegen laut CNBC nur Berkshire Hathaway und Alphabet darüber. Im selben Prospekt stehen Zahlungsverpflichtungen für Rechenleistung über mehr als eine halbe Billion Dollar.

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Die Zahlen stammen aus dem Börsenprospekt, den Anthropic am Montag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat.[1] Der US-Sender CNBC hat sie mit Zahlen von S&P Capital IQ den großen US-Konzernen gegenübergestellt.[2] Stand: Mittwoch, 28. Oktober, 2 Uhr; wie viel der Börsengang selbst einbringt, legt Anthropic laut CNBC in rund zwei Wochen offen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic hatte am 30. Juni 97,8 Mrd. € an flüssigen Mitteln und 16,8 Mrd. € in kurzfristigen Anlagen.
  • Laut CNBC übertrifft Anthropic damit Amazon, Meta, Microsoft und sogar Nvidia und Apple zusammen.
  • Ende 2025 waren es 17,6 Mrd. €, der Zuwachs stammt fast ganz von Geldgebern.
  • Für Rechenleistung hat sich Anthropic zu 510,7 Mrd. € verpflichtet, nach dem Stichtag kam mehr hinzu.

Woher kommt das Geld?

Sparschwein mit Kühlung und Warnaufkleber, umgeben von Papier mit Text RECHENLEISTUNG
Anthropic erhielt im ersten Halbjahr 2026 96,4 Mrd. € Finanzierungsmittel und 3,4 Mrd. € aus Geschäftstätigkeit. Seit Gründung sammelte das Unternehmen 122,8 Mrd. € ein

Im ersten Halbjahr 2026 flossen Anthropic 96,4 Mrd. € aus Finanzierungstätigkeit zu, aus laufender Geschäftstätigkeit 3,4 Mrd. €.[1] Der Geldberg ist also zum größten Teil eingesammeltes Kapital.

Seit der Gründung hat Anthropic 122,8 Mrd. € aufgenommen, der Bestand Ende Juni entsprach 93 Prozent dieser Summe. Rechenleistung bezahlt Anthropic laut Prospekt bislang vor allem über Vereinbarungen mit seinen Cloud-Anbietern.[1]

Allein die Zinserträge lagen im ersten Halbjahr bei 967 Mio. € und damit über dem operativen Verlust von 603 Mio. €. Der Milliardenverlust unter dem Strich geht zum größten Teil auf Neubewertungen von Wandelanleihen und ähnlichen Papieren zurück.[1]

Wie weit reicht das Geld für die Rechenzentren?

Zum 30. Juni hatte Anthropic Mietverträge für Rechenleistung über voraussichtlich 279,6 Mrd. € unterschrieben, die noch nicht laufen und spätestens 2028 beginnen, dazu feste oder garantierte Mindestabnahmen über 231,1 Mrd. €. Die Laufzeiten betragen bis zu 20 Jahre. Nach dem Stichtag kamen Verträge mit Mindestzahlungen von rund 213 Mrd. € hinzu, eine Gesamtsumme nennt der Prospekt nicht.[1]

In der Gewinn- und Verlustrechnung taucht davon bisher wenig auf. Anthropic bestellt Rechenleistung meist 12 bis 18 Monate im Voraus, als Aufwand erscheint sie erst mit der Bereitstellung, im ersten Halbjahr mit 7,8 Mrd. €.[1] Die flüssigen Mittel und Anlagen decken gut ein Fünftel der Verpflichtungen vom 30. Juni. Die Chips selbst finanzieren teils Dritte: Für Anthropics Broadcom-Chips stellen Banken und Blackstone 54,8 Mrd. € bereit, Anthropic mietet sie ab 2027.

Berichten zufolge könnte der Börsengang mehr als 87 Mrd. € einbringen, der Bestand stiege dann laut CNBC auf mehr als 200 Mrd. €. Einen Teil des Erlöses erhalten allerdings Altaktionäre, die ihre Anteile verkaufen.[2]

Anthropics Geldberg und seine Verpflichtungen
Zahlen aus dem Börsenprospekt zum 30. Juni 2026, umgerechnet mit 0,87 Euro je Dollar
114,6 Mrd. €
flüssige Mittel und kurzfristige Anlagen am 30. Juni 2026
17,6 Mrd. €
waren es ein halbes Jahr zuvor, Ende 2025
510,7 Mrd. €
muss Anthropic für Rechenleistung zahlen, mit Laufzeiten bis zu 20 Jahren
967 Mio. €
Zinserträge im ersten Halbjahr, mehr als der operative Verlust von 603 Mio. €

So wuchs der Bestand

1
Ende 2024: 2,7 Mrd. € flüssige Mittel.
2
Ende 2025: 17,6 Mrd. € samt kurzfristiger Anlagen.
3
Erstes Halbjahr 2026: 96,4 Mrd. € kommen von Geldgebern, 3,4 Mrd. € aus dem Geschäft selbst.
4
30. Juni 2026: 114,6 Mrd. €.
5
Offen: der Erlös aus dem Börsengang. Laut CNBC könnte der Bestand auf mehr als 200 Mrd. € steigen.

Anthropics Kasse ist voll und doch verplant: Jedem Dollar darin stehen mehr als vier Dollar Zahlungsverpflichtungen für Rechenleistung gegenüber.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet das für Unternehmen im deutschsprachigen Raum?

Für Firmen, die Sprachmodelle wie Claude einsetzen, spricht der Geldbestand gegen ein schnelles Aus des Anbieters. Anthropic selbst erwartet, dass die Mittel mindestens für die nächsten zwölf Monate reichen.[1] Zugleich muss Anthropic die bestellte Rechenleistung auslasten. Die Preise sind binnen Monaten um bis zu 80 Prozent gefallen, weitere Nachlässe liegen deshalb näher als Aufschläge.

Banken und Versicherer müssen nach der EU-Verordnung DORA ihre IT-Dienstleister vor Vertragsschluss prüfen und für kritische Funktionen eine Ausstiegsstrategie festlegen.[3] Der Prospekt liefert dafür erstmals öffentliche Bilanzzahlen. Zwei Schritte lohnen sich:

  • Die Bilanz des Anbieters in die Lieferantenbewertung aufnehmen, sobald Anthropic nach dem Börsengang Quartalszahlen vorlegt
  • Bei Jahresverträgen über Claude Preise und Kündigungsrechte festschreiben und einen zweiten Modellanbieter technisch vorbereiten

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Anthropic, PBCBörsenprospekt (Formular S-1) bei der US-Börsenaufsicht SEC26.10.2026
  2. CNBCChart: Anthropic’s cash pile towers over nearly every U.S. company, Leslie Picker27.10.2026
  3. Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2022/2554 über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA), Artikel 28

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