Europas Autoindustrie hätte 2035 bis zu 185.000 Arbeitsplätze weniger als 2025, falls die EU ihre CO2-Ziele für Neuwagen um fünf Jahre verschiebt. Auf diese Zahl kommt eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT). Am stärksten träfe der Aufschub Deutschland.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenFünf Elektroautos, vier Verbrenner oder drei Plug-in-Hybride: So viele Fahrzeuge entfallen in der Fertigung rechnerisch auf eine Vollzeitstelle im Jahr, schreibt das ICCT.[1] Befürworter eines Aufschubs warnen, der schnelle Umstieg auf Elektroautos gefährde Stellen in Europa. Die Studie „Powering jobs“ hält trotzdem dagegen.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Mit fünf Jahren Aufschub hätte die Branche 2035 bis zu 185.000 Stellen weniger als 2025, mit Industriepolitik rund 321.000 mehr.
- Deutschland verlöre beim Aufschub gegenüber den geltenden Zielen rund 77.000 Stellen.
- Das EU-Parlament steuert auf 87,5 statt 100 Prozent CO2-Minderung bis 2035 zu.
Welche drei Szenarien hat das ICCT durchgerechnet?

Gezählt hat das Team um Hauptautorin Sandra Wappelhorst die direkten Stellen in Fahrzeugbau, Batteriefertigung, Recycling und Ladenetz, 2025 rund 3,29 Millionen in der EU.[1] Mit den geltenden Zielen, 55 Prozent weniger CO2 bis 2030 und 100 Prozent bis 2035, stiege die Zahl bis dahin um rund 2 Prozent.
Ergänzt die EU die Ziele um Industriepolitik wie Herkunftsvorgaben und Werkszuschüsse, kämen 321.000 Stellen gegenüber 2025 hinzu. Im dritten Szenario verschiebt die EU alle Ziele um fünf Jahre. Für diesen Aufschub errechnet das ICCT bis zu 185.000 Stellen weniger als 2025.[2]
„Die Abschwächung der CO2-Vorgaben wird als Mittel dargestellt, Arbeitsplätze zu sichern, aber unsere Analyse zeigt das Gegenteil“, sagt Wappelhorst.
Warum kostet ein Aufschub mehr Stellen, als er rettet?
Bis 2030 liegen die drei Szenarien nah beieinander. Danach entscheiden der Anteil der Elektroautos an den Neuwagen und die Frage, wie viele davon in der EU vom Band laufen. Mit den geltenden Zielen kämen 2035 laut Studie 68 Prozent der in der EU verkauften Elektroautos und Plug-in-Hybride aus EU-Werken, beim Aufschub nur 56 Prozent.[1]
Ein Aufschub hält die Verbrennerfertigung länger in Betrieb, bremst aber Batteriewerke, Recycling und Ladenetz. Unterm Strich überwiegt nach der Rechnung des ICCT der Verlust.
Was bedeutet das für Deutschland?
Beim Aufschub errechnet das ICCT für Deutschland als größten Autostandort 2035 rund 77.000 Stellen weniger als mit den geltenden Zielen, fast 55.000 davon im Fahrzeugbau. Frankreich verlöre 28.000, Polen und Italien je 21.000.[1]
Mit Industriepolitik gewänne Deutschland 90.000 Stellen gegenüber den geltenden Zielen. Voraussetzung dafür sind Batteriezellen aus Deutschland, die preislich mit Zellen aus China mithalten. Mercedes-Chef Ola Källenius warnt zudem vor höheren Kosten durch Made-in-Europe-Regeln.
Die Schonfrist verlängert das Verbrennergeschäft um ein paar Jahre. Die Werke für Elektroautos und Batterien entstehen dann woanders.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was sollten Unternehmen jetzt beachten?
Den Aufschub um fünf Jahre nennt das ICCT selbst eine vereinfachende Annahme.[2] Automatisierung und Rohstoffe klammert die Studie aus. Tatsächlich steuert das EU-Parlament auf 87,5 Prozent weniger CO2 am Auspuff zu, sofern Hersteller grünen Stahl aus der EU verbauen. Zwei Ausschüsse haben dem Kompromiss zugestimmt, der Umweltausschuss stimmt Anfang November ab.
Als Zulieferer prüfen Sie am besten, wie viel Ihres Umsatzes am Verbrenner hängt, und rechnen mit Herkunftsvorgaben bei Förderung und Beschaffung. Bis zur Einigung mit dem Rat gilt die Verordnung von 2023. In Deutschland war im September schon mehr als jeder dritte Neuwagen elektrisch.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- ICCTPowering jobs: employment under the EU’s passenger car CO2 standards (englisch, PDF)
- ICCTWeakening the EU’s CO2 standards could cost up to 185,000 jobs in Europe’s automotive sector by 2035, new ICCT study finds (englisch, Pressemitteilung)
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