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Auf der Hausmesse AI World in Las Vegas schlug Oracle-Gründer Larry Ellison vor, Steuern künftig auf die Wertschöpfung von Robotern zu erheben statt auf menschliche Arbeit. Der 82-Jährige stellte dafür ein hohes Einkommen für alle in Aussicht, allerdings erst in mehr als zehn Jahren. Hierzulande ist Arbeit schon heute stärker belastet als in fast jedem anderen Industrieland.

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Fünf Minuten waren für Larry Ellisons Auftritt zum Gesundheitsgeschäft am Dienstag eingeplant, am Ende sprach der Oracle-Mitgründer mehr als 26 Minuten.[2] Nach Krebsmedizin und Klinik-Software kam Ellison auf die Frage, wer die Steuern zahlt, sobald Roboter mehr Arbeit übernehmen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Ellison will die Steuerlast von der menschlichen Arbeit auf die Wertschöpfung verlagern.
  • Ein hohes Einkommen für alle hält er für möglich, frühestens in mehr als zehn Jahren.
  • Die Angst vor dem Ende der Software-Abos hält Ellison für unbegründet.
  • In Deutschland gehen laut OECD 49,3 % der Arbeitskosten an Fiskus und Sozialkassen.

Was schlägt Larry Ellison vor?

Roboterarm hält Papierband mit orangem Text „MwSt. 19 %“, Logo „Sparmodus“ am Arm
Oracles Technikchef Ellison hält die Angst vor vollständiger KI-Ersetzung von Arbeitskräften für unbegründet. Er verweist auf Autopiloten, die Piloten nicht überflüssig machten

Die Vorstellung, KI ersetze bald alle Beschäftigten, nannte der Technikchef und Verwaltungsratsvorsitzende von Oracle unsinnig.[1] Als Beleg führte Ellison den Autopiloten an, der Piloten nicht überflüssig gemacht habe. Einzelne Stellen fielen trotzdem weg, räumte er ein.

Ändern müssten sich nach Ellisons Ansicht die Steuersysteme, weg von der Besteuerung menschlicher Arbeit und hin zur Besteuerung der Wertschöpfung, wie Diginomica und The National übereinstimmend berichten.[2][3] Was Roboter an Wert schaffen, sei bares Geld, sagte der Milliardär. Der Oracle-Gründer verwies auf die negative Einkommensteuer des Ökonomen Milton Friedman und versprach, mit den richtigen Steuer- und Computersystemen würden alle wohlhabender.

Ähnlich klingt Elon Musk, der seit Jahren ein hohes Grundeinkommen dank KI ankündigt. Wie weit solche Zusagen reichen, zeigt der Realitätscheck der KI-Utopie.

Warum verteidigt Ellison die Software-Abos?

Ellison wies auch die These zurück, Unternehmen würden ihre Anwendungen künftig mit KI selbst bauen und die Abos kündigen, so wie einzelne Firmen ihr CRM schon selbst programmieren. KI erlaube den Anbietern vielmehr, ihre Anwendungen Branche für Branche zu vervollständigen: zuerst im Gesundheitswesen, danach bei Banken, Handel, Hotellerie und Behörden.[2]

Hinter der Kampfansage steckt das Anwendungsgeschäft, eine Säule im Geschäftsmodell von Oracle. Für das Gesundheitswesen kaufte der Konzern 2022 den Klinik-Softwareanbieter Cerner für 28 Mrd. Dollar, rund 24 Mrd. €. Ein neues Onkologie-Modul soll Anfang 2027 auch in US-Kliniken mit Software des Konkurrenten Epic laufen, laut Ellison ohne Datenumzug und ohne neue Schulung.[2]

Deutschland besteuert die Wertschöpfung seit 1968 und die Arbeit trotzdem fast am höchsten. Ellisons Rezept wirkt nur, falls die Lohnlast tatsächlich sinkt.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Wie zwei Milliardäre die KI-Arbeit besteuern wollen
Larry Ellison und Bill Gates im Vergleich, dazu die deutsche Ausgangslage

Larry Ellison, Oracle

Idee: Wertschöpfung besteuern statt menschlicher Arbeit

Ziel: hohes Einkommen für alle

Zeitraum: mehr als zehn Jahre

Bühne: Oracle AI World, 27. Oktober 2026

Bill Gates, Microsoft-Mitgründer

Idee: Roboter zahlen dieselben Sozialabgaben wie Menschen

Ziel: Umschulungen bezahlen, Entlassungen bremsen

Zeitraum: ohne Termin

Bühne: Podcast der New York Times, 29. September 2026

49,3 %
der Arbeitskosten gehen in Deutschland an Fiskus und Sozialkassen (alleinstehend, Durchschnittslohn, 2025)
35,1 %
beträgt dieser Anteil im Schnitt der OECD-Länder
seit 1968
besteuert Deutschland die Wertschöpfung mit der Mehrwertsteuer, heute regulär 19 %

Was hieße Ellisons Modell für Deutschland?

Die Mehrwertsteuer, heute regulär 19 %, besteuert hierzulande längst die Wertschöpfung. Trotzdem gehen bei einem alleinstehenden Durchschnittsverdiener laut OECD 49,3 % der Arbeitskosten an Fiskus und Sozialkassen, mehr als in jedem anderen OECD-Land außer Belgien.[4] Der OECD-Schnitt liegt bei 35,1 %.

Auf deutsche Verhältnisse übertragen hieße Ellisons Idee: weniger Lohnsteuer und Sozialbeiträge, mehr Steuern auf Umsatz oder Maschinenleistung. Bill Gates schlug im September den anderen Weg vor und will Roboter mit denselben Sozialabgaben belegen wie Menschen. Skeptisch bleibt die Internationale Arbeitsorganisation ILO: In einem Forschungsbericht vom Mai hält die UN-Behörde ein Grundeinkommen nicht für die passende Antwort auf KI.[5]

In Deutschland liegt kein Gesetzentwurf in Ellisons Richtung vor, an Ihrer Kalkulation ändert sich also vorerst nichts. Rechnen Sie bei Automatisierungsprojekten trotzdem gerne beide Seiten durch: Eine Stelle mit Durchschnittslohn kostet Sie hierzulande fast das Doppelte des Nettolohns, auf ein KI-Abo fallen dagegen keine Sozialbeiträge an.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. OracleOracle AI World 2026: Keynote Speakers, Programm vom 27.10.2026
  2. Diginomica, Derek du PreezOracle AI World 26 – Larry Ellison on curing cancer, taxing robots, making everyone wealthy and fixing healthcare27.10.2026
  3. The National, Aarti NagrajAI will bring in universal income and everyone will get wealthier, Oracle’s Larry Ellison says28.10.2026
  4. OECDTaxing Wages 2026, Executive SummaryApril 2026
  5. Internationale Arbeitsorganisation (ILO), Tuğba Özay und Ekkehard ErnstWhy Universal Basic Income is not the answer to the impact of AI on the labour market07.05.2026

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