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Das Amtsgericht Bamberg hat am Dienstag die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Maschinenbau Leicht GmbH angeordnet. Für die 330 Beschäftigten des Auftragsfertigers aus Hallstadt kommt die Nachricht nicht aus heiterem Himmel: Im Juli kamen die Löhne laut Fränkischem Tag verspätet, 2021 strich Leicht rund 120 von 420 Stellen.

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Nach Angaben des Fränkischen Tags arbeiten noch 330 Menschen bei Leicht,[1] die Fertigung läuft laut Radio Bamberg weiter.[2] In Hallstadt, direkt nördlich von Bamberg, fertigt Leicht im Auftrag anderer Hersteller Maschinenteile, Baugruppen und komplette Anlagen, vor allem für die Werkzeugmaschinenindustrie.[3]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein vorläufiger Insolvenzverwalter sichert das Vermögen, eröffnet ist das Verfahren noch nicht.
  • Anders als Vollmer in Biberach führt Leicht das Verfahren nicht in Eigenverwaltung.
  • Wichtigste Kundenbranche ist der Werkzeugmaschinenbau, dessen Produktion im ersten Halbjahr 2026 um 7 Prozent sank.
  • Einen Investor oder einen Sanierungsplan hat bisher niemand öffentlich genannt.

Was bedeutet die vorläufige Insolvenzverwaltung?

Kleines Zahnrad auf Mini-Werkbank mit orangefarbenem Band und Tag „VORLÄUFIG“
Gericht bestellt Rechtsanwalt Stefan Debus zum vorläufigen Verwalter unter Aktenzeichen IN 358/26, um Vermögen zu sichern und Verfahrenskosten zu prüfen

Unter dem Aktenzeichen IN 358/26 bestellte das Gericht am 27. Oktober um 9:30 Uhr den Nürnberger Rechtsanwalt Stefan Debus zum vorläufigen Verwalter.[4] Bis das Gericht das Verfahren eröffnet, sichert Debus das Vermögen und prüft, ob die Masse die Verfahrenskosten deckt.[5] Eine Woche zuvor hatte der Maschinenbauer Vollmer aus Biberach Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt und seine Geschäftsführung behalten. In Hallstadt muss die Geschäftsführung dagegen jede größere Entscheidung mit Debus abstimmen.

Für die Beschäftigten zählt zunächst das Insolvenzgeld: Die Bundesagentur für Arbeit zahlt die Löhne für die drei Monate vor der Eröffnung des Verfahrens.[6] Bis dahin prüft Debus in seinem Gutachten für das Gericht, ob Leicht aus eigener Kraft weiterarbeiten kann oder einen Käufer braucht. Das Verfahren steckt damit noch im Eröffnungsverfahren.

Warum geraten Auftragsfertiger zuerst in Not?

Zu den Kunden von Leicht zählten 2020 Werkzeugmaschinenbauer wie DMG Mori und dessen Tochter Sauer.[7] Solche Hersteller lassen Schweißarbeiten und die Montage von Großteilen bei Lohnfertigern erledigen, solange die eigenen Hallen voll sind. Laut dem Branchenverband VDW waren die Werke der Branche im ersten Halbjahr 2026 aber nur zu rund 75 Prozent ausgelastet, die Produktion fiel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf rund 5,9 Milliarden Euro. Bei einem Viertel freier Kapazität können die Hersteller Arbeit ins eigene Werk zurückholen, die sonst an Zulieferer wie Leicht ginge.

Zwar stiegen die Bestellungen im selben Zeitraum gegenüber dem schwachen Vorjahr um 14 Prozent, in die Fertigung gelangen diese Aufträge aber erst mit Verzögerung. „Für Entwarnung ist es dennoch zu früh“, kommentierte VDW-Statistiker Bernhard Geis im September. In Schieflage geriet Leicht schon vor dieser Flaute: Im März 2021 sprach die IG Metall von einem seit Jahren defizitären Betrieb.[3]

Maschinenbau Leicht: Insolvenz in Hallstadt
Der Auftragsfertiger und seine wichtigste Kundenbranche in Zahlen
330
Beschäftigte arbeiten laut Fränkischem Tag noch in Hallstadt
120 von 420
Stellen strich Leicht schon im März 2021
−7 %
Produktion im deutschen Werkzeugmaschinenbau im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem ersten Halbjahr 2025
75 %
Auslastung der Werkzeugmaschinenbauer im ersten Halbjahr 2026
Stand des Verfahrens
März 2021
Leicht baut rund 120 Stellen ab, die IG Metall nennt den Betrieb seit Jahren defizitär.
Juli 2026
Die Löhne kommen laut Fränkischem Tag verspätet.
27. Oktober 2026
Das Amtsgericht Bamberg bestellt Stefan Debus zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
offen
Das Gericht entscheidet über die Eröffnung. Für die drei Monate davor zahlt die Arbeitsagentur Insolvenzgeld.

Was folgt für die Region und für Geschäftspartner?

Im benachbarten Bamberg hat Bosch für rund 5.500 Beschäftigte betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2032 ausgeschlossen, dafür arbeiten die Tarifbeschäftigten weiterhin 32 Stunden pro Woche. Eine solche Absicherung fehlt bei Leicht. In Mindelheim verzichtet die Belegschaft der Grob-Werke auf 30 Millionen Euro, damit der Werkzeugmaschinenbauer die Arbeitsplätze bis 2028 sichert.

Beziehen Sie Teile aus Hallstadt, stimmen Sie laufende Aufträge am besten jetzt mit Debus ab und prüfen Sie für kritische Baugruppen einen Zweitlieferanten. Ihre Forderungen melden Lieferanten erst nach der Eröffnung beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle an.[8] Vor jeder neuen Lieferung lohnt sich die Rückfrage, ob Debus dem Geschäft zustimmt.

Quellen

8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Fränkischer TagMaschinenbau Leicht Hallstadt meldet Insolvenz an (27.10.2026, hinter Bezahlschranke)
  2. Radio BambergMeldung zur Insolvenz von Maschinenbau Leicht, Betrieb läuft weiter27.10.2026
  3. inFrankenHallstadt: Maschinenbauer Leicht streicht rund 120 Jobs15.03.2021
  4. Amtsgericht Bamberg, InsolvenzgerichtBekanntmachung im Verfahren IN 358/26, Maschinenbau Leicht GmbH, HRB 8194 (27.10.2026, Suche über das Insolvenzportal der Länder)
  5. Insolvenzordnung§ 22 Rechtsstellung des vorläufigen Insolvenzverwalters (abgerufen 28.10.2026)
  6. Sozialgesetzbuch III§ 165 Anspruch (Insolvenzgeld, abgerufen 28.10.2026)
  7. inFrankenIn welche Richtung steuert Maschinenbau Leicht?29.01.2020
  8. Insolvenzordnung§ 174 Anmeldung der Forderungen (abgerufen 28.10.2026)

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