Beim Augsburger Bandstahl-Hersteller Eberle haben 160 Beschäftigte ihre Kündigung erhalten, 16 von ihnen bauen bis Ende Oktober noch Anlagen ab. Nur 74 Kolleginnen und Kollegen wechseln zum Sägenhersteller Wikus, der die Bimetall-Fertigung aus der Insolvenz gekauft hat. Die übernommenen Sägebänder fertigt der neue Eigentümer künftig in Nordhessen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDunkle Hallen und ein leerer Parkplatz: So schildert ein früherer Mitarbeiter der Augsburger Allgemeinen den Firmensitz im Stadtteil Pfersee. Gegründet 1836, stellte Eberle zuletzt mit rund 230 Beschäftigten Präzisionsbandstahl, Bimetall und Bandsägen für die Industrie her.
Das Wichtigste in Kürze
- Eberle hat rund 160 Beschäftigten gekündigt, die Sägen- und die C-Stahl-Fertigung in Augsburg laufen aus.
- 74 Beschäftigte wechseln in eine neue Wikus-Tochter, die das Bimetall-Band im Großraum Augsburg weiter herstellt.
- Die übernommenen Sägeband-Mengen will Wikus im hessischen Spangenberg fertigen.
- Der Sozialplan steht, die Insolvenzordnung deckelt ihn auf zweieinhalb Monatsverdienste je Gekündigtem.
Was bleibt von Eberle in Augsburg?

Ende April meldete die börsennotierte Muttergesellschaft Greiffenberger per Ad-hoc-Mitteilung, dass für die Holding keine positive Fortführungsprognose mehr besteht. Anfang Mai beantragte die J.N. Eberle & Cie. GmbH beim Amtsgericht Augsburg die Insolvenz, am 26. August eröffnete das Gericht das Verfahren. Insolvenzverwalter ist Georg Jakob Stemshorn von der Kanzlei Pluta.[1]
Am 4. September unterschrieb die Wikus-Sägenfabrik aus Spangenberg den Kaufvertrag für die Bimetall-Fertigung samt ausgewählter Anlagen und Teilen des Sägebandgeschäfts.[2] Den Kaufpreis nennen beide Seiten nicht. Die Sägen- und die C-Stahl-Produktion stellt Eberle ein, den C-Stahl fertigt der Betrieb noch geordnet aus.
„Dass nun dennoch rund 160 Arbeitsplätze verloren gehen, ist menschlich und wirtschaftlich ein schwerer Einschnitt“, sagt Ferdije Rrecaj, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Augsburg.[3] Die Gewerkschaft sieht die Ursachen auch in Versäumnissen der früheren Unternehmensführung. Eberle selbst hatte beim Insolvenzantrag auf hohe Energiepreise und die gesunkene Nachfrage der Industriekunden verwiesen.
Warum wandern die Sägebänder nach Hessen?
Bimetall-Band ist das Trägermaterial, aus dem Bandsägeblätter entstehen. Mit der Eberle-Fertigung holt Wikus diesen Vorproduktionsschritt in die eigene Gruppe und will so unabhängiger von externen Zulieferern werden.[2] Die zusätzlichen Sägeband-Mengen sollen dagegen im Stammwerk Spangenberg laufen und dort die Auslastung verbessern.
Ein Asset Deal erlaubt genau diese Auswahl: Der Käufer übernimmt Anlagen, Kundenstamm und 74 Beschäftigte, die Schulden bleiben bei der insolventen Gesellschaft. Für Augsburg bleibt damit die Vorstufe, die übernommenen Sägebänder fertigt ein bestehendes Werk in Hessen.
Was bedeutet das für die Region und die Gekündigten?
Im Bezirk der Agentur für Arbeit Augsburg arbeiteten Ende März 55.592 Menschen sozialversicherungspflichtig im verarbeitenden Gewerbe, 1.074 weniger als ein Jahr zuvor.[4] Im September meldeten Betriebe der Agentur 871 neue Stellen, 92 weniger als im Vorjahresmonat. In der Stadt Augsburg liegt die Arbeitslosenquote bei 7,2 Prozent.
Die Insolvenzordnung setzt den Abfindungen enge Grenzen. Ein Sozialplan nach Eröffnung des Verfahrens darf insgesamt höchstens zweieinhalb Monatsverdienste je entlassenem Beschäftigten umfassen und nicht mehr als ein Drittel der verteilbaren Masse.[5] Zum Vergleich: Thyssenkrupp zahlt beim Stellenabbau im Stahl Abfindungen von bis zu 220.000 Euro. Bei Eberle setzten Betriebsrat und IG Metall Transferhilfen wie Bewerbertrainings durch, für die früheren Beschäftigten fand zuletzt außerdem eine eigene Jobmesse statt.
Der Fall folgt einem Muster, das sich in der Industrie häuft: Ein Investor kauft aus der Insolvenz den Teil, der zu seinem Geschäft passt. Auch bei Varta entscheidet ein Käufer über rund 2.300 Stellen in Ellwangen und Nördlingen, für die Walzengießerei Coswig bei Dresden fand das Sanierungsteam keinen Käufer, das Werk schließt Ende November. Kunden mit Eberle-Sägebändern klären am besten jetzt mit Wikus, aus welchem Werk ihre Nachbestellungen künftig kommen.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- HeukingHeuking advises J.N. Eberle & Cie. GmbH on acquisition by WIKUS-Sägenfabrik
- WikusWIKUS übernimmt Bimetall-Fertigung und den Sägenvertrieb der J.N. Eberle & Cie. GmbH
- IG Metall AugsburgBis zuletzt gekämpft: Trotz großem Einsatz der Belegschaft gehen bei Eberle rund 160 Arbeitsplätze verloren (01.09.2026, PDF)
- Agentur für Arbeit AugsburgMinimaler Rückgang, Pressemitteilung Nr. 043/2026 (30.09.2026, PDF)
- Insolvenzordnung§ 123 Umfang des Sozialplans
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