Etwa 130 Beschäftigte am Kiefel-Stammsitz in Freilassing müssen um ihre Stelle fürchten, berichtet die Passauer Neue Presse. Der Thermoform-Spezialist aus der Brückner Group will sich in Oberbayern auf Entwicklung und Spezialmaschinen konzentrieren. Für die Belegschaft folgt damit die zweite Abbaurunde binnen zwei Jahren.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm Dienstag informierte die Geschäftsführung die Belegschaft in einer Mitarbeitendenversammlung über den Plan.[1] Beschlossen ist der Abbau noch nicht: Mit Wirtschaftsausschuss und Betriebsrat laufen die Gespräche, Ende Oktober will Kiefel die konkreten nächsten Schritte nennen.
Das Wichtigste in Kürze
- Kiefel will rund ein Drittel der Stellen am Standort Freilassing streichen, laut Passauer Neuer Presse etwa 130.
- Der Hauptsitz soll ein „Technology Center of Excellence“ für Spezialmaschinen, Engineering und Verfahrenstechnik werden.
- Fertigen will Kiefel stärker in der Nähe seiner Kunden außerhalb Europas, etwa in Asien.
- Schon im November 2024 hatte Kiefel den Abbau von rund 100 Stellen in Freilassing angekündigt.
Was plant Kiefel in Freilassing?

Kiefel baut Maschinen zum Thermoformen und Fügen, etwa für Verpackungen, Medizintechnik und Kühlschränke. Am Stammsitz bleiben sollen Kernkompetenzen: Produktstrategie, Spezialmaschinen, konzeptionelles Engineering, Verfahrenstechnik und Systemkompetenz. Alles, was nicht „hundertprozentig“ zur Wettbewerbsfähigkeit beiträgt, will das Unternehmen aufgeben.[1]
„Freilassing ist die Wiege von Kiefel und diese wollen wir langfristig erhalten“, sagt Kiefel-Chef Matt Sieverding. Zum Abbau ergänzt er: „Wir wissen, dass hinter jeder Stelle Menschen stehen und deshalb fällt uns die geplante Umsetzung auch sehr schwer.“
Eine absolute Zahl nennt Kiefel nicht. Stimmen die 130 Betroffenen der Passauer Neuen Presse, arbeiten in Freilassing rechnerisch knapp 400 Menschen. Zu Abfindungen, Altersteilzeit oder einem Sozialplan hat sich Kiefel noch nicht geäußert, eine Stellungnahme von Betriebsrat oder IG Metall lag bis Mittwochmorgen nicht vor.
Warum rückt die Fertigung näher an Asien?
Kiefel nennt Handelskonflikte, geopolitische Unsicherheit und die Entwicklung der Märkte.[1] Die Zahlen des Branchenverbands VDMA zeigen, wo die Nachfrage wächst: Von Juni bis August 2026 bestellten Kunden außerhalb des Euroraums real 19 Prozent mehr Maschinen als im Vorjahreszeitraum, aus den Euro-Ländern kamen 9 Prozent weniger Aufträge. Eine Fertigung vor Ort verkürzt Lieferzeiten und kann Anlagen aus Zollstreitigkeiten heraushalten.
Im Januar eröffnete Kiefel im thailändischen Rayong ein Kundenzentrum für den asiatisch-pazifischen Raum, auf dem Gelände der Brückner Group.[3] Dort testen Kunden Produkte und Werkzeuge unter seriennahen Bedingungen.
Was bedeutet der Abbau für die Region und die Branche?
Im November 2024 kündigte Kiefel den Wegfall von rund 100 Stellen in Freilassing an, ein Viertel davon über Renteneintritte und auslaufende Verträge.[2] Zeitgleich gab das Unternehmen die Schließung seiner österreichischen Packaging-Tochter in Micheldorf mit rund 130 Beschäftigten bekannt. Die neue Abbaurunde fällt größer aus als die erste.
Im deutschen Maschinenbau wiederholt sich das Muster: Entwicklung bleibt im Land, Montage und Fertigung folgen den Kunden. Krones montiert seine Abfüllanlagen künftig auch bei Bangalore, Körber will laut Südkurier die Fertigung in Konstanz schließen. Im Schwarzwald prüft Zahoransky den Abbau von bis zu 120 Stellen.
Kunden mit laufenden Kiefel-Projekten klären am besten jetzt, an welchem Standort ihre Anlage gebaut wird und wer den Service übernimmt. Zulieferer aus der Region müssen mit kleineren Aufträgen rechnen, sobald Teile der Fertigung nach Asien wandern. Ende Oktober will Kiefel sagen, welche Abteilungen der Abbau trifft.
Quellen
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