Zehn Jahre ohne größere Baustelle versprach die Deutsche Bahn nach jeder Korridorsanierung. Inzwischen gelten fünf Jahre als Ziel, doch selbst diese Frist verfehlt die Netztochter DB InfraGO laut einem Bericht des Bundesrechnungshofs an den Haushaltsausschuss. Die Wirtschaftlichkeitsrechnungen hinter den Milliardenprojekten nennen die Prüfer „fehlerhaft und nicht belastbar“.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenMit der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim begann 2024 das Programm, das die wichtigsten Strecken in einem Zug erneuern sollte. Gut zwei Jahre später fällt die erste Bilanz der Bonner Prüfer hart aus: „Die ersten Korridorsanierungen zeigen gravierende Fehlentwicklungen“, lautet der Befund in dem Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Bei den ersten abgeschlossenen Korridorsanierungen stiegen die Kosten laut Rechnungshof zum Teil erheblich.[1]
- Die zugesagte baustellenfreie Zeit schrumpfte von zehn auf fünf Jahre, auch diese Zusage hält die Bahn nicht ein.
- Das Verkehrsministerium soll die Wirtschaftlichkeit jeder einzelnen Sanierung gesondert nachweisen.
Was beanstandet der Rechnungshof?

Für die Milliardeninvestitionen fehlt nach Ansicht der Prüfer eine tragfähige Entscheidungsgrundlage. Dem Haushaltsausschuss fehlten wesentliche Informationen für seine Kontrolle, und die Kosten einzelner Projekte überschritten häufig die Planung. Das Bundesverkehrsministerium hat die Feststellungen laut Bericht nicht entkräftet, sondern Mängel bei Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und Erfolgskontrolle bestätigt.[1]
Bei der Zusage, sanierte Strecken baustellenfrei zu halten, verweist der Rechnungshof auf nachgelagerte Arbeiten und die Beseitigung von Mängeln, die schon die verkürzte Frist von fünf Jahren durchlöchern. Die Bahn hält dagegen: Nürnberg–Regensburg sowie Hagen–Wuppertal–Köln seien günstiger als geplant ausgefallen. Am Ziel, sanierte Strecken „möglichst bis zu zehn Jahre weitgehend frei von größeren baubedingten Einschränkungen“ zu halten, will der Konzern festhalten und fordert zugleich mehr Realismus.[1]
Warum fehlt eine belastbare Rechnung?
Die Bundeshaushaltsordnung verlangt in § 7 für jede finanzwirksame Maßnahme eine angemessene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und danach eine Erfolgskontrolle. Bei der Korridorsanierung zeigt sich der Nutzen, also weniger Störungen und pünktlichere Züge, erst nach der monatelangen Vollsperrung. Ohne Erfolgskontrolle fehlt deshalb genau die Zahl, an der sich die nächste Sanierung messen ließe.
Neu ist die Kritik nicht. Schon im Juni 2025 hatte der Rechnungshof in einem Beratungsbericht zur Riedbahn bemängelt, dass das Ministerium keine Erfolgskontrolle einforderte, und weitere Bundesmittel an den Nachweis von Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit geknüpft.[2] Seither wurde das Programm mehrfach verlangsamt: Von 2027 bis 2031 stehen nur noch 13 statt 21 Korridore im Plan. Den Nutzen müssen die Sanierungen erst noch zeigen, im September kamen nur 52,4 Prozent der Fernzüge pünktlich an.
Vom Pilotprojekt zur Rüge
Eine Generalsanierung ohne Erfolgskontrolle ist eine Wette mit Steuergeld, und die Bahn hat ihre Zusagen schon zweimal gekürzt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Pendler und Verlader?
Für Unternehmen an den Hauptstrecken ist die zugesagte Ruhe nach der Sanierung kein fester Planungswert mehr. Auf Lehrte–Berlin fahren Fernzüge seit Oktober 14 Monate lang über Magdeburg. Verlangt der Haushaltsausschuss den Nachweis je Projekt, kann sich die Freigabe von Geld für spätere Korridore verzögern. Die Messlatte hat der Bund gerade neu gesetzt: Der neue Infrastrukturplan des Bundes misst das Netz an acht Kennzahlen.
Für Ihre Planung folgt daraus:
- Rechnen Sie auf frisch sanierten Strecken weiter mit kurzen Sperrungen für Nacharbeiten und vereinbaren Sie mit Ihrem Eisenbahnverkehrsunternehmen Ausweichrouten auch für die Jahre nach der Sanierung.
- Prüfen Sie für zeitkritische Transporte, ab welcher Distanz sich die Schiene rechnet, und halten Sie eine Lkw-Alternative bereit.
Wie der Haushaltsausschuss mit der Empfehlung umgeht, entscheidet mit über das Tempo der Korridore ab 2027.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Deutsche Presse-Agentur (dpa), veröffentlicht bei VerkehrsRundschauKorridorsanierungen der Bahn: Rechnungshof fordert konsequentes Nachsteuern (27. Oktober 2026), mit Auszügen aus dem Bericht des Bundesrechnungshofs an den Haushaltsausschuss
- BundesrechnungshofGeneralsanierung von Schienen-Hochleistungskorridoren (Beratungsbericht an den Haushaltsausschuss)
Mehr Newshunger?
- Korridorsanierung: Die Bahn saniert bis 2031 nur 13 statt 21 Strecken
- Bahn-Fahrplan 2027: Fernverkehrspreise bleiben stabil, obwohl die Trassenpreise steigen
- Gericht kippt Wettbewerberklausel: Die Bahn muss keine Fernverkehrstrassen für Konkurrenten freihalten
- Infraplan 2026 bis 2030: Der Bund misst die Bahn-Infrastruktur an acht Kennzahlen
- Bahn-Pünktlichkeit im September: 52,4 Prozent im Fernverkehr, das 60-Prozent-Ziel gerät außer Reichweite
- Bahnstrecke Hannover–Berlin: Fernzüge fahren 14 Monate über Magdeburg, weil die Ausweichstrecke fehlt
