Die Deutsche Bahn saniert von 2027 bis 2031 nur noch 13 statt 21 hoch belastete Korridore. Acht Vorhaben rücken ohne neuen Termin hinter 2031. Ab Anfang der 2030er-Jahre baut die Bahntochter InfraGO dabei gleich das Zugsicherungssystem ETCS ein, das ohne Lichtsignale am Gleis auskommt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Korridorsanierung, mit der die Bahn ihre wichtigsten Strecken jeweils in einem Zug erneuert, wird ein weiteres Mal kleiner. Im September hatte Bahnchefin Evelyn Palla angekündigt, nur noch zwei bis drei Korridore pro Jahr zu sperren. Am 9. Oktober legten Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und Palla fest, welche Strecken bis 2031 tatsächlich an die Reihe kommen.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Von 2027 bis 2031 stehen 13 statt 21 Korridorsanierungen im Plan, acht Vorhaben folgen später.
- Die Reihenfolge ab 2032 wollen Ministerium und InfraGO im kommenden Jahr festlegen.
- Nach der Sperrung fahren zuerst wieder Güterzüge, Personenzüge folgen schrittweise.
- Spätestens 100 Tage nach der Inbetriebnahme sollen die infrastrukturbedingten Störungen um 80 % sinken.
Welche Strecken saniert die Bahn bis 2031?

Den Anfang macht Lehrte–Berlin, wo die Bauarbeiten im Oktober begonnen haben; Fernzüge fahren dort 14 Monate lang über Magdeburg. Danach folgen unter anderem Fulda–Hanau, Köln–Koblenz, Hamburg–Hannover und München–Rosenheim in zwei Etappen. Die Reihenfolge richtet sich nach dem Nutzen für Stabilität und Pünktlichkeit. Im September kam nur gut jeder zweite Fernzug pünktlich an.
Gestrichen werde nichts, nur verschoben, betonen Ministerium und Bahn. Notwendige Ersatzinvestitionen laufen auf den acht zurückgestellten Korridoren weiter. Pendler und Verlader auf diesen Strecken müssen deshalb weiter mit dem alten Flickwerk rechnen: mit einzelnen Baustellen in kurzen Abständen statt einer langen Sperrung und anschließender Ruhe. Die Korridorsanierung sollte genau dieses Muster beenden.
Warum verträgt das Netz nicht mehr Großbaustellen?
Während einer Korridorsanierung bleibt eine Hauptstrecke monatelang gesperrt. Der Verkehr weicht auf Umleitungen aus, die oft selbst Baustellen haben. Wettbewerber im Güterverkehr hatten die Vorbereitung dieser Umleitungen kritisiert. Die InfraGO will Ausweichstrecken nun gründlicher vorbereiten und andere Bauvorhaben notfalls verschieben. Für Lehrte–Berlin steht ab Februar ein zweiter Umleitungsweg für den Güterverkehr bereit.[1]
Auf Hamburg–Berlin verzögerte Frost die Wiedereröffnung Anfang 2026 um rund sechs Wochen, danach häuften sich Verspätungen. Künftig begleitet ein Inbetriebnahme-Team den Übergang in den Regelbetrieb, Fahrpläne dürfen in den ersten Wochen zusätzliche Reserven enthalten. Nach der Sanierung soll ein Korridor bis zu zehn Jahre weitgehend baufrei bleiben. Schon der Infraplan des Bundes ließ die Zielwerte für Korridorsanierungen ab 2027 offen.
Mit 13 statt 21 Korridoren plant die Bahn endlich nach Netzkapazität, die übrigen acht Strecken verschleißen derweil ohne Sanierungstermin.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet ETCS für Verlader und Güterbahnen?
Ab Anfang der 2030er-Jahre baut die InfraGO bei jeder Korridorsanierung direkt ETCS Level 2 ohne Lichtsignale ein, vorbehaltlich der gesetzlich vorgeschriebenen Konsultation der Eisenbahnverkehrsunternehmen. Bis dahin bekommen sanierte Strecken ETCS-fähige Stellwerke, Abschnitte wie Troisdorf–Wiesbaden zunächst die Übergangstechnik mit Signalen.[1]
Den Takt gibt die EU-Verordnung über das transeuropäische Verkehrsnetz vor: ERTMS, zu dem ETCS gehört, muss im Kernnetz bis Ende 2030 und im erweiterten Kernnetz bis Ende 2040 eingerichtet sein. Strecken- und Fahrzeugausrüstung sollen dabei synchron laufen, die nationalen Altsysteme wie PZB und LZB müssen im Kernnetz bis Ende 2040 abgeschaltet sein.[2]
Auf einem Korridor ohne Signale fahren nur Züge mit ETCS-Bordgerät. Logistikleiter gleichen ihre Relationen am besten jetzt mit der Liste ab und klären mit ihrem Eisenbahnverkehrsunternehmen, ob dessen Flotte bis zum Sanierungstermin umgerüstet ist. Für Strecken nach 2031 bleibt die Planung offen, bis die Reihenfolge im kommenden Jahr steht.
Quellen
[1] Deutsche Bahn: „BMV und DB InfraGO entwickeln Strategie der Korridorsanierungen umfassend weiter“ (09.10.2026)
[2] Amtsblatt der Europäischen Union: „Verordnung (EU) 2024/1679 über Leitlinien der Union für den Aufbau des transeuropäischen Verkehrsnetzes“, Artikel 18
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