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Im Jahr 2022 rückte die ADAC-Straßenwacht 1.038-mal zu Autos aus, denen Diebe den Katalysator abgesägt hatten. Im März 2021 hatte das Rhodium darin knapp 30.000 Dollar je Unze gekostet, umgerechnet knapp 27.000 Euro. Heute zahlen Händler beim Ankauf noch 8.625 Dollar, rund 7.700 Euro. Die Diebstähle sind seltener geworden, die Abhängigkeit von Südafrika ist geblieben.

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Ende September sagte die kanadische Bank TD Securities für 2027 den ersten Überschuss am Rhodiummarkt seit vier Jahren voraus. Vier Wochen später meldete der südafrikanische Konzern Valterra Platinum für das dritte Quartal 49 Prozent weniger raffiniertes Rhodium. Diese Stoffgeschichte folgt dem Metall vom Bushveld über das Londoner Labor von William Hyde Wollaston bis zu der Frage, was die neue Abgasnorm Euro 7 und das Elektroauto für Deutschland bedeuten, und warum der Rohstoff trotz fallender Preise ein Risiko bleibt.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Anlass: TD Securities erwartet für 2027 einen Überschuss von 20.000 Unzen und einen Preis von umgerechnet 6.816 Euro je Unze. Gleichzeitig raffinierte Valterra im dritten Quartal 2026 nur 31.500 Unzen, nach 61.600 im Vorjahresquartal.
  • Der Markt: Weltweit kamen 2025 rund 701.000 Unzen Rhodium aus Minen, gut vier Fünftel davon aus Südafrika. 85 Prozent der Nachfrage gehen in Autokatalysatoren.
  • Der Preis: Händler bieten im Oktober 2026 rund 7.735 Euro je Unze. Im Februar lag der Preis bei umgerechnet 10.762 Euro, beim Rekord im März 2021 bei knapp 27.000 Euro.
  • Die offene Frage: Ab dem 29. November 2026 gilt Euro 7 für neue Pkw-Typen. Wie lange Verbrennerautos in Europa Rhodium brauchen, hängt an der laufenden Abstimmung über die CO2-Ziele für 2035.

Kurzer Härtetest: Wie gut kennen Sie Rhodium?

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Rhodium im Härtetest
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1 Wie viel Rhodium steckt in einer Tonne Erz aus dem UG2-Flöz? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Mintek beziffert den Gehalt auf 0,54 Gramm je Tonne. Für eine Feinunze müssten Bergleute rechnerisch rund 58 Tonnen Erz fördern, mehr dazu im Kapitel zur Entstehung.
2 Wer entdeckte Rhodium im Jahr 1803? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Der Londoner Chemiker William Hyde Wollaston isolierte das Metall aus südamerikanischem Rohplatin. Hans Merensky fand 1924 die Erzlage in Südafrika.
3 Welcher Anteil der Rhodiumnachfrage ging 2025 in Autokatalysatoren? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Johnson Matthey zählt 899.000 von 1.063.000 Unzen für die Autoindustrie. Chemie, Glas und Elektrik teilen sich den Rest.
4 Um wie viel Prozent sank die raffinierte Rhodiumproduktion von Valterra im dritten Quartal 2026? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Valterra raffinierte 31.500 Unzen nach 61.600 im Vorjahresquartal. Grund war eine ins dritte Quartal verlegte Wartung, kein Mangel im Erz.
5 Welche Aufgabe übernimmt Rhodium im Dreiwegekatalysator? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Platin und Palladium oxidieren Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe, Rhodium zerlegt die Stickoxide. Ein gleichwertiger Ersatz dafür fehlt bis heute.

Was ist Rhodium und wie entsteht das seltene Metall?

Rhodium ist ein silberweißes Edelmetall aus der Gruppe der Platinmetalle, mit der Ordnungszahl 45 und einem Schmelzpunkt von 1.964 Grad Celsius. In der Erdkruste kommen auf eine Milliarde Teile nur 0,7 Teile Rhodium. Gut vier Fünftel des Rhodiums aus Bergwerken stammen aus einer einzigen Gesteinsformation in Südafrika, die vor rund zwei Milliarden Jahren aus Magma erstarrte.

Rhodium ist hart, mit einer Dichte von 12,45 Gramm je Kubikzentimeter schwerer als Blei, und reflektiert Licht stark. Laut dem Branchenverband IPA setzen Hersteller Rhodiumschichten dort ein, wo Korrosion und Abrieb dem Material besonders zusetzen. Diese Beständigkeit macht Rhodium wertvoll für Glasschmelzen und elektrische Kontakte und erschwert zugleich die Trennung vom Erz.

Die Lagerstätte heißt Bushveld-Komplex. Das Earth Observatory der Nasa beschreibt den Komplex als rund 2,06 Milliarden Jahre alten Gesteinskörper, etwa so groß wie der US-Bundesstaat West Virginia und mehrere Kilometer mächtig.

Beim Abkühlen der Schmelze sanken schwere Minerale nach unten und bildeten dünne Erzlagen, die Bergleute Riffe nennen.

Zwei dieser Lagen liefern den Großteil des weltweit geförderten Rhodiums: das Merensky Reef und das UG2-Chromititflöz. Der Metallurge Rodney Jones vom südafrikanischen Forschungsinstitut Mintek beziffert den Rhodiumgehalt im UG2-Erz auf 0,54 Gramm je Tonne, im Merensky-Erz auf 0,17 Gramm. Das UG2-Erz enthält damit gut dreimal so viel Rhodium wie das Merensky-Erz und gilt als reichste Rhodiumquelle der Erde.

Für eine Feinunze, also 31,1 Gramm, müssten Bergleute rechnerisch rund 58 Tonnen UG2-Erz fördern, bei vollständiger Ausbeute und mit Gehalten aus dem Jahr 1999. Heute liegen die abgebauten Gehalte niedriger.

ErzlageRhodium je Tonne ErzErz je Feinunze Rhodium (rechnerisch)
UG2-Flöz0,54 grund 58 t
Merensky Reef0,17 grund 183 t

Rhodium wird fast nie allein gefördert. Laut der International Platinum Group Metals Association (IPA) macht Rhodium nur rund fünf Prozent der Masse aller geförderten Platinmetalle aus, der Rest sind vor allem Platin und Palladium. Bergbaukonzerne planen ihre Schächte deshalb nach allen Platinmetallen im Erz, nicht nach dem Rhodium.

Vom Erz bis zum reinen Metall vergehen bis zu sechs Monate: Mahlen, Flotation, Schmelzen zu einem Nickel-Kupfer-Stein, Abtrennen der Basismetalle, dann die Raffination der einzelnen Platinmetalle. Ein neuer Tiefschacht braucht sechs bis acht Jahre bis zur ersten Förderung.

Der US Geological Survey beziffert die weltweiten Reserven an Platinmetallen für 2025 auf mehr als 76.000 Tonnen, davon 63.000 Tonnen in Südafrika, rund 83 Prozent. Russland folgt mit 11.000 Tonnen, Simbabwe mit 1.300. Begrenzt wird die Förderung durch die Tiefe der Schächte, den Strombedarf und die Kosten.

Auf den Punkt

Rhodium fällt als kleiner Anteil im Platinerz an, vier Fünftel davon in einem einzigen südafrikanischen Gesteinskörper. Mehr Rhodium liefern die Minen nur, wenn sie auch mehr Platin und Palladium fördern.

Wer entdeckte Rhodium und wie wurde das Metall zum Industrierohstoff?

Erlenmeyerkolben mit pinker Flüssigkeit und Etikett neben pinker Rose auf weißem Tisch
1803 isolierte William Hyde Wollaston in London das Rhodium aus südamerikanischem Rohplatin

Der Londoner Arzt und Chemiker William Hyde Wollaston fand Rhodium 1803 in Rohplatin aus Südamerika. Zum Industriemetall machten Rhodium erst das Thermoelement, die Glasfaser und vor allem der Abgaskatalysator, den die USA ab dem Modelljahr 1975 vorschrieben. Die Erzlage, aus der das Metall heute stammt, entdeckte 1924 der Geologe Hans Merensky.

Um 1800 kauften Wollaston und sein Geschäftspartner Smithson Tennant Platinerz, das aus Südamerika geschmuggelt worden war, schreibt die Linda Hall Library in Kansas City. Bei der Reinigung des Platins isolierte Wollaston 1802 das Palladium und 1803 ein zweites Metall, dessen Salze sich rosenrot färbten. Als Namen wählte er das griechische Wort für Rose, rhodon.

1804 beschrieb Wollaston das Metall in den Philosophical Transactions der Royal Society. Reich wurde er mit schmiedbarem Platin, dessen Herstellung er bis 1826 geheim hielt.

In London entstand zur selben Zeit das Haus, das den Markt bis heute prägt. 1817 eröffnete Percival Norton Johnson ein Geschäft als Goldprobierer, 1851 stieg George Matthey ein, ab 1860 hieß die Firma Johnson Matthey. Der Konzern veröffentlicht bis heute einen jährlichen Marktbericht für Platinmetalle, auf den sich auch dieser Artikel stützt.

Ab den 1880er-Jahren maßen Thermoelemente aus Platin und einer Platin-Rhodium-Legierung hohe Temperaturen, heute reichen sie bis rund 1.700 Grad Celsius. Später kamen Netze aus Platin und Rhodium hinzu, an denen Ammoniak zu Salpetersäure oxidiert, dem Vorprodukt der Stickstoffdünger.

Die Spur, die Südafrika zur Rhodium-Macht machte, fand sich im Juni 1924. Auf der Farm Maandagshoek bei Lydenburg fand A. F. Lombaard Platin in einem trockenen Flussbett. Am 7. Juni ging eine Probe an Hans Merensky, der ein Syndikat gründete und ab August selbst im Gelände suchte. In der ersten Septemberhälfte 1924 lag das Riff frei, das heute nach ihm benannt ist.

Merensky veröffentlichte den Fund 1926 auf Deutsch, in der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Der Geologe Richard Grant Cawthorn nennt die Entdeckung „vor ihrer Zeit“: Um 1930 brachen Platinpreis und Verbrauch ein, der große Bergbau im Bushveld begann erst Anfang der 1970er-Jahre.

JahrStation
1803William Hyde Wollaston isoliert Rhodium in London
1817Percival Norton Johnson gründet das spätere Johnson Matthey
1924Fund des Merensky Reef im Bushveld
1975USA verlangen Katalysatoren für alle neuen Autos
1993Euro 1 macht den Dreiwegekatalysator für Benziner in Europa zur Pflicht
2021Rekordpreis von knapp 27.000 Euro je Feinunze im März

Den Anstoß für den Massenbedarf gaben die USA. Der Clean Air Act von 1970 verschärfte die Abgasregeln, und die Umweltbehörde EPA verlangte ab dem Modelljahr 1975 Katalysatoren für alle neuen Autos. Rhodium übernahm darin eine Aufgabe, die kein anderes Metall so gut erfüllt: die Stickoxide zu zerlegen.

In Deutschland stritt die Politik in den 1980er-Jahren über die Katalysatorpflicht. Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann kündigte an, ab dem 1. Januar 1986 nur noch Neuwagen mit Katalysator zuzulassen. Die Bundesregierung beschloss im Juli und September 1984 stattdessen eine freiwillige Lösung mit steuerlichen Anreizen, dokumentiert in einer Bundestagsdrucksache vom Juni 1985.

Pflicht wurde der geregelte Dreiwegekatalysator für Benziner erst mit der europäischen Norm Euro 1. Ab dem 1. Januar 1993 mussten alle neu zugelassenen Pkw die Grenzwerte einhalten.

Mit der Zahl der Katalysatorautos stieg der Bedarf. Im Juni 1990 erreichte Rhodium laut dem US Bureau of Mines umgerechnet kurz mehr als 6.270 Euro je Unze. 2008 lag der Preis über 8.950 Euro, danach sparten die Autohersteller Rhodium ein, wo sie konnten. 2016 fiel der Jahresdurchschnitt auf umgerechnet 625 Euro. 2021 lag das Jahresmittel bei umgerechnet 18.165 Euro, im März zeitweise bei knapp 27.000 Euro, ein Rekord.

Auf den Punkt

Gut 170 Jahre lang blieb Rhodium ein Spezialmetall für Messfühler und Säurewerke. Erst Abgasgesetze in den USA und Europa machten aus dem Rückstand im Platinerz einen Rohstoff, um den Autohersteller konkurrieren.

Wie hat Rhodium die Weltkarte verändert?

Metallglobus mit orange markiertem Land im südlichen Afrika und 81 %-Preisschild
Gut vier Fünftel des Rhodiums aus Minen kamen 2025 aus Südafrika

Rhodium hat Politik gemacht. Mangels anderer Lieferanten nahmen die USA Platin und Rhodium 1986 faktisch von ihren Apartheid-Sanktionen aus. Heute hängen Preis und Versorgung an Streiks, Stromausfällen und Grubenunglücken in einer einzigen Bergbauregion, und Russlands Anteil steht seit 2022 unter westlichem Druck.

Ausnahme im Sanktionsgesetz

Der Comprehensive Anti-Apartheid Act vom 2. Oktober 1986 verbot Importe von staatlichen südafrikanischen Unternehmen in die USA. Abschnitt 303 machte eine Ausnahme für strategische Mineralien, bei denen der Präsident bescheinigte, dass sie von verlässlichen Lieferanten nicht zu bekommen sind. Für die meisten dieser Mineralien sah der US-Rechnungshof GAO 1988 andere Lieferanten, für Platin und Rhodium nicht. Die Abhängigkeit vom Rohstoff wog schwerer als der politische Druck.

Die Abhängigkeit ist geblieben. Johnson Matthey zählt für 2025 ein Primärangebot von 701.000 Unzen Rhodium, davon 566.000 aus Südafrika, 68.000 aus Russland, 45.000 aus Simbabwe und 15.000 aus Nordamerika. Einen Überblick über alle sechs Metalle liefert die Stoffgeschichte über die Abhängigkeit Europas von Südafrika bei den Platingruppenmetallen.

Marikana und der lange Streik

Am 16. August 2012 erschoss die südafrikanische Polizei vor der Lonmin-Mine Marikana 34 streikende Bergleute, 78 wurden schwer verletzt. Die Untersuchungskommission unter Richter Ian Farlam warf Lonmin vor, nicht ausreichend mit Arbeitern und Gewerkschaften verhandelt zu haben.

Präsident Jacob Zuma machte den Bericht am 31. März 2015 öffentlich.

Anderthalb Jahre nach Marikana legte die Gewerkschaft AMCU die Platinminen fünf Monate lang still. Vom 23. Januar bis zum 24. Juni 2014 streikten fast 70.000 Beschäftigte bei Implats, Amplats und Lonmin. Das Archiv South African History Online beziffert den Lohnausfall auf 10,6 Milliarden Rand und den Umsatzausfall der Konzerne auf 24,1 Milliarden Rand. Für Platin und Rhodium aus dem Bushveld fand der Weltmarkt während des längsten Lohnstreiks der Landesgeschichte keinen Ersatz.

JahrStörung im PlatingürtelFolge
2012Marikana, Polizei erschießt 34 BergleuteUntersuchungskommission, Bericht 2015
2014Streik der AMCU, fünf Monate24,1 Mrd. Rand Umsatzausfall
2023Stromabschaltungen bei Eskom29 Produktionstage bei Anglo American Platinum in einem Quartal
2025Überflutung des Tumela-Schachts in AmandelbultPrognose von 580.000 auf 450.000 bis 480.000 Unzen gesenkt
2026Stillstände aus Sicherheitsgründen in AmandelbultFörderung im dritten Quartal minus 10 Prozent

Strom, Wasser und Sicherheit

Die Risiken haben sich seitdem verlagert, vom Arbeitskampf zur Infrastruktur. Im zweiten Quartal 2023 kosteten die Stromabschaltungen des Versorgers Eskom allein Anglo American Platinum, heute Valterra, 29 Produktionstage und rund 21.500 Unzen Platinmetalle im Konzentrat.

Anfang 2025 fielen an der Mine Amandelbult an einem Tag rund 300 Millimeter Regen, der Tumela-Schacht lief voll. Valterra-Chef Craig Miller sprach von einem Ereignis, das statistisch einmal in 100.000 Jahren vorkommt.

Valterra senkte die Prognose für Amandelbult von 580.000 auf 450.000 bis 480.000 Unzen Platinmetalle, meldete das Portal Miningmx.

2026 kamen Stillstände aus Sicherheitsgründen hinzu. Nach einem tödlichen Unfall am Tumela-Schacht im Juli verhängte die Bergbehörde Stillstände nach Abschnitt 54 des Bergsicherheitsgesetzes, Valterra legte selbst weitere Abschnitte still. Die Förderung in Amandelbult fiel im dritten Quartal um zehn Prozent.

Ende September lief die Mine laut Miller wieder im Normalbetrieb.

Russland und die Londoner Liste

Russlands Rhodium fördert Norilsk Nickel, raffiniert wird das Metall bei Krastsvetmet. Am 8. April 2022 strich der Londoner Platin- und Palladiummarkt LPPM die staatlichen Raffinerien Krastsvetmet und Prioksky mit sofortiger Wirkung von seiner Good-Delivery-Liste, dem Verzeichnis der Hütten, deren Barren in London und Zürich gehandelt werden dürfen.

Großbritannien erhöhte im Mai 2022 die Zölle auf Platin und Palladium aus Russland um 35 Prozentpunkte. Ein ausdrückliches Importverbot für russische Platinmetalle hat die EU nicht erlassen. Russisches Rhodium bleibt damit auf dem Weltmarkt, nur nicht mehr über die Londoner Liste.

Washington und Brüssel ordnen den Rohstoffhandel neu

Am 14. Januar 2026 stellte US-Präsident Donald Trump nach Abschnitt 232 des Handelsgesetzes fest, dass Importe verarbeiteter kritischer Mineralien die nationale Sicherheit gefährden. Zölle verhängte er nicht. Das Handelsministerium und der Handelsbeauftragte sollen stattdessen Abkommen aushandeln, auch mit Mindestpreisen.

Die EU setzt mit dem Gesetz über kritische Rohstoffe, der Verordnung 2024/1252, an anderer Stelle an. Platinmetalle stehen dort auf beiden Listen, bei den kritischen und bei den strategischen Rohstoffen. Bis 2030 soll die EU mindestens zehn Prozent ihres Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst fördern und höchstens 65 Prozent aus einem einzigen Drittland beziehen. Beim Rhodium verfehlt die EU beide Richtwerte: In Europa fehlt eine Lagerstätte, und Südafrika liefert gut vier Fünftel des Rhodiums aus Bergwerken.

Förderländer und Abhängigkeiten
Vier von fünf Unzen kommen aus Südafrika
Primärangebot an Rhodium 2025 nach Ländern laut Johnson Matthey, in tausend Unzen. Darunter die Momente, in denen Rhodium zur Machtfrage wurde.
Südafrika
566
Russland
68
Simbabwe
45
Nordamerika
15
Sonstige
7
Wann Rhodium zur Machtfrage wurde
Pretoria→Washington
1986 nahm das US-Sanktionsgesetz gegen die Apartheid strategische Mineralien wie die Platinmetalle von den Importverboten aus.
Marikana✕Lonmin
Am 16. August 2012 erschoss die Polizei 34 streikende Bergleute vor einer Platinmine.
AMCU✕Minen
2014 streikten fast 70.000 Beschäftigte fünf Monate lang, der Umsatzausfall lag bei 24,1 Milliarden Rand.
Moskau→London
Im April 2022 strich der Londoner Markt die russischen Raffinerien Krastsvetmet und Prioksky von seiner Lieferliste.
Eskom✕Minen
2023 kosteten Stromabschaltungen allein Anglo American Platinum in einem Quartal 29 Produktionstage.
Brüssel→Liste
Seit 2024 führt das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe die Platinmetalle als kritisch und strategisch.

Warum ist Rhodium für die Weltwirtschaft so wichtig?

Balkenwaage mit Pulverhäufchen und gestapelten Gewichten sowie orangefarbenem „33 t“-Schild
Rund 33 Tonnen Rhodium verbrauchte die Welt 2025, 85 Prozent davon in Autokatalysatoren

Gemessen an der Menge ist der Rhodiummarkt ein Zwerg: Die Welt verbrauchte 2025 rund 1,06 Millionen Unzen, gut 33 Tonnen. Zum heutigen Preis entspricht das einem Jahreswert von rund 8,2 Milliarden Euro. Ohne Rhodium hielte in Europa, den USA und China fast kein neuer Benziner die Abgasgrenzwerte ein.

Johnson Matthey beziffert die Rhodiumnachfrage 2025 auf 1.063.000 Unzen. Davon gingen 899.000 in Autokatalysatoren, 91.000 in die Chemie, 38.000 in die Glasindustrie, 9.000 in die Elektrik und 26.000 in sonstige Anwendungen. In den vergangenen zehn Jahren entfielen 85 bis 95 Prozent des Verbrauchs auf die Autoindustrie.

Bilanz in tausend Unzen202420252026 (Prognose)
Primärangebot aus Minen729701681
Recycling aus Altkatalysatoren292312339
Gesamtangebot1.0211.0131.020
Nachfrage1.0301.0631.005
Bilanz−9−50+15

Für 2026 erwartet Johnson Matthey einen kleinen Überschuss von 15.000 Unzen. Die Nachfrage fällt auf gut eine Million Unzen, den tiefsten Stand seit zehn Jahren.

Die Minen liefern rund drei Prozent weniger, das Recycling liefert so viel wie seit vier Jahren nicht.

Die Zahlen standen im März 2026 fest. Der im Mai veröffentlichte Bericht nennt den Iran-Krieg und die Schließung der Straße von Hormus als Risiko für die Chemienachfrage.

Gehandelt wird Rhodium nicht an einer Börse wie Kupfer oder Gold. Käufer und Verkäufer einigen sich direkt, die großen Händler Johnson Matthey, BASF und Heraeus veröffentlichen eigene Grundpreise in Dollar je Feinunze. Seit Januar 2023 akkreditiert der Londoner Markt LPPM Hersteller von Rhodiumschwamm, der gängigen Handelsform als poröses Metallpulver.

Der Preis reagiert deshalb heftig. Anfang 2025 lag Rhodium laut Johnson Matthey über umgerechnet 4.480 Euro, Ende Juli über 6.270, im Oktober bei 7.175 und in den letzten Dezembertagen über 8.070 Euro. Ende Februar 2026 erreichte der Preis mit 10.762 Euro ein Dreijahreshoch. Am 28. Oktober zeigte der Händlerdienst Kitco einen Ankaufspreis von 7.735 und einen Verkaufspreis von 8.632 Euro.

Die Händler notieren in Dollar. Dieser Artikel rechnet alle Dollarbeträge zum Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 27. Oktober 2026 um, ein Euro entsprach 1,1150 Dollar.

ZeitpunktRhodiumpreis je FeinunzeQuelle
Juni 1990über 6.270 €US Bureau of Mines
2016, Jahresmittel625 €USGS
2021, Jahresmittel18.165 €USGS
2024, Jahresmittel4.179 €USGS
Ende Februar 202610.762 €Johnson Matthey
28. Oktober 2026, Ankauf7.735 €Kitco

Knapp ein Drittel des Angebots stammt aus dem Recycling. Altkatalysatoren lieferten 2025 laut Johnson Matthey 312.000 Unzen, knapp zehn Tonnen. Hinzu kommt ein geschlossener Kreislauf, in dem Glas- und Chemiewerke ihr Metall zur Aufarbeitung schicken und zurückbekommen. Die IPA beziffert den Anteil dieses Kreislaufs unter Berufung auf Johnson Matthey auf drei Viertel des Rhodium-Recyclings. In den Marktbilanzen taucht er nicht auf.

Europa verbraucht rund 15 Prozent des weltweiten Rhodiums. Die EU benötigt seit 2020 im Schnitt fünf Tonnen im Jahr, davon stammen rund zwei Tonnen aus dem Recycling eigener Altautos. Die übrigen rund drei Tonnen importiert die EU, vor allem aus Südafrika und den USA.

Die größten Empfänger in der EU sind Deutschland und Italien.

Ein Ausfall träfe die Autoindustrie sofort. Die oberirdischen Bestände decken laut einer Auswertung der TD-Prognose beim Fachportal Geomechanics nur gut drei Monate Industrieverbrauch, die Verarbeitung vom Erz zum Metall dauert bei Rhodium länger als bei Platin und Palladium. Eine Lücke im Bushveld lässt sich deshalb nicht in wenigen Wochen schließen.

Auf den Punkt
  • Klein: 33 Tonnen Jahresbedarf, zum heutigen Preis rund 8,2 Milliarden Euro.
  • Konzentriert: 85 Prozent gehen in Katalysatoren, gut vier Fünftel des Rhodiums aus Bergwerken kommen aus Südafrika.
  • Ohne Börse: Händler setzen die Preise, die Spanne zwischen Ankauf und Verkauf lag im Oktober bei rund 900 Euro.

In welchen Produkten steckt Rhodium und was verschwindet ohne das Metall?

Ein Katalysator im Querschnitt mit Wabenstruktur und Rh-Schild auf weißem Hintergrund
Im Dreiwegekatalysator zerlegt Rhodium die Stickoxide aus dem Abgas

Rhodium steckt im Abgaskatalysator fast jedes Benziners, in den Spinndüsen der Glasfaserwerke, in den Katalysatornetzen der Düngerindustrie und in Steckkontakten. Fiele das Metall aus, bekämen vor allem neue Benziner keine Zulassung mehr, weil sich die Abgasnormen ohne Rhodium nicht zuverlässig einhalten lassen. Düngerwerke hätten ebenfalls keinen gleichwertigen Ersatz.

Wo Rhodium drinsteckt

Im Dreiwegekatalysator wandeln Platin, Palladium und Rhodium die Abgase in drei Reaktionen um. Rhodium ist laut IPA vor allem für die Minderung der Stickoxide zuständig. Wie viel Rhodium in einem einzelnen Katalysator steckt, veröffentlichen die Hersteller nicht.

Eine grobe eigene Rechnung gibt eine Größenordnung. Johnson Matthey zählt für 2025 eine Rhodiumnachfrage der Autoindustrie von 899.000 Unzen, rund 28 Tonnen, bei 68,7 Millionen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen mit Benzinmotor. Auf ein Fahrzeug kämen damit rund 0,4 Gramm, Lastwagen und Dieselautos nicht herausgerechnet.

Katalysatoren chinesischer Hersteller enthalten laut Johnson Matthey deutlich weniger Platinmetalle als die ihrer Exportmodelle.

ProduktbereichBeispielRolle des Rhodiums
AutoAbgaskatalysator im Benziner und Hybridzerlegt Stickoxide, 899.000 Unzen 2025
ChemieOxoalkohole, Essigsäurehomogener Katalysator, 91.000 Unzen 2025
DüngerSalpetersäure für StickstoffdüngerPlatin-Rhodium-Netze mit 3 bis 10 Prozent Rhodium
GlasGlasfaser, DisplayglasSpinndüsen und Rührer aus Platin mit 5 bis 20 Prozent Rhodium
ElektrikSteckverbinder, Ladekontakteharte, korrosionsfeste Beschichtung
MesstechnikThermoelemente in Öfen und GießereienTemperaturmessung bis rund 1.700 Grad

In der Chemie arbeitet Rhodium als Katalysator bei der Oxosynthese, die aus Gasen Aldehyde und daraus Oxoalkohole macht. Auch Essigsäure entsteht im Monsanto-Verfahren mit Rhodium.

Das konkurrierende Cativa-Verfahren von BP arbeitet mit Iridium und Ruthenium, deren hohe Preise das Rhodium-Verfahren laut Johnson Matthey wieder wettbewerbsfähiger machen.

Die Glasindustrie ist der launischste Abnehmer. Von 2021 bis 2024 war ihre Nachfrage negativ, weil chinesische Glasfaserhersteller überschüssiges Metall zurückverkauften. Einige produzieren gängige Glasfasern heute mit reinem Platin. Für hochfeste E-Glasfasern bleiben laut Johnson Matthey Legierungen mit mindestens zehn Prozent Rhodium üblich, das Einsparpotenzial ist dort ausgereizt.

Was ohne Rhodium stillstünde

Am stärksten träfe ein Ausfall das Auto. Für das Rhodium im Benziner-Katalysator existiert kein fertiger Ersatz, der die Stickoxid-Grenzwerte von Euro 6 und künftig Euro 7 zuverlässig einhält. Palladium kann Rhodium teilweise ersetzen, die Umstellung dauert laut der TD-Analyse aber 18 bis 24 Monate, weil jeder Katalysator neu ausgelegt und das Fahrzeug neu zugelassen werden muss.

In der Düngerindustrie sieht die IPA bei den Platin-Rhodium-Netzen ein geringes Ersatzpotenzial. Ohne die Netze entstünde keine Salpetersäure und damit kein Vorprodukt für Stickstoffdünger und Sprengstoffe.

Bei Glas und Chemie treibt ein Mangel vor allem die Kosten. Platin kann einen Teil ersetzen, Iridium und Ruthenium einen anderen. Teurer würden Glasfaser, Oxoalkohole und Essigsäure, verschwinden würden diese Produkte nicht.

Das Batterie-Elektroauto fährt ohne Abgasanlage und braucht deshalb kein Rhodium. Die IPA nennt den Wechsel dorthin das größte langfristige Risiko für die Nachfrage.

China baute 2025 laut Johnson Matthey mehr als zehn Millionen Elektro-Pkw, fast 70 Prozent der Weltproduktion.

Alltag voller Rhodium
Wo das seltene Metall im Alltag arbeitet
Bekannte Produkte, die heute an Rhodium hängen, mit der jüngsten verfügbaren Menge oder Legierung. Darunter die Aufteilung der Nachfrage 2025 nach Johnson Matthey.
899.000 oz
Abgaskatalysator
Stickoxid-Minderung im Benziner, ohne gleichwertigen Ersatz für Euro 6 und Euro 7
3 bis 10 %
Düngernetze
Rhodiumanteil der Netze für Salpetersäure, geringes Ersatzpotenzial
ab 10 %
Glasfaser
Rhodium in den Düsen für hochfeste E-Glasfasern, einfache Fasern gehen auch mit Platin
91.000 oz
Chemie
Oxoalkohole und Essigsäure, teilweise ersetzbar durch Iridium und Ruthenium
1.700 °C
Thermoelement
Messfühler aus Platin und Rhodium für Öfen und Gießereien
9.000 oz
Steckkontakte
harte Rhodiumschicht auf Steckverbindern und Ladekontakten
Wohin die Nachfrage 2025 ging
Autokatalysatoren: 85 %Chemie, Glas, Elektrik, Sonstiges: 15 %
Rund 0,4 Gramm Rhodium je Benzinfahrzeug sind nach eigener Rechnung rund 100 Euro wert. Das Batterie-Elektroauto fährt ohne Katalysator und damit ohne Rhodium.

Wie setzt sich der Preis des Rhodiums im Katalysator zusammen?

Metalleckständer mit zwei orangefarbenen Anhängern: links „Ankauf“, rechts „Verkauf“. Am Fuß eine Lupe und der handgeschriebene Zettel „Letzter Preis?“
Händler kauften Rhodium im Oktober für 7.735 Euro je Unze an und verlangten beim Verkauf gut elf Prozent mehr

Das Rhodium in einem Benziner-Katalysator ist nach grober eigener Rechnung rund 100 Euro wert. Den Preis setzen Händler in Dollar, der Wechselkurs übersetzt ihn in Euro. Für Valterra machte Rhodium im dritten Quartal 2026 nach Rechnung von Dr. Web rund 18 Prozent des Verkaufserlöses aus, bei rund fünf Prozent der Menge.

Bei 0,4 Gramm je Fahrzeug und einem Ankaufspreis von 7.735 Euro je Feinunze kommt das Rhodium auf rund 100 Euro, eigene Rechnung. Der Kunde zahlt in der Werkstatt aber nicht den Metallwert, sondern das Bauteil. Im Ersatzteilpreis stecken zusätzlich Platin oder Palladium, die Keramikwabe, das Gehäuse, Arbeit, Marge und Mehrwertsteuer.

Eine öffentliche Aufschlüsselung gibt kein Hersteller heraus.

Besser sichtbar ist die Rechnung auf der Seite der Minen. Valterra verkaufte im dritten Quartal 2026 insgesamt 683.300 Unzen Platinmetalle zu einem Korbpreis von umgerechnet 2.137 Euro je Unze. Darunter waren 34.100 Unzen Rhodium zu je 7.568 Euro.

Auf Rhodium entfielen damit rund 258 Millionen Euro von gut 1,46 Milliarden Euro Erlös, eigene Rechnung nach dem Produktionsbericht. Das Metall bringt also gut dreimal so viel ein, wie sein Mengenanteil erwarten lässt.

Valterra, drittes Quartal 2026MengeErlöspreis je UnzeErlös (eigene Rechnung)
Platinmetalle gesamt683.300 oz2.137 €rund 1.460 Mio. €
davon Rhodium34.100 oz7.568 €rund 258 Mio. €
Rhodiumanteil5 %3,5-facher Korbpreisrund 18 %

Der erzielte Rhodiumpreis bei Valterra stieg von umgerechnet 5.493 Euro im dritten Quartal 2025 auf 8.981 Euro im zweiten Quartal 2026 und fiel dann auf 7.568 Euro. Im Schnitt der ersten neun Monate lag er bei 8.536 Euro, nach 4.950 Euro im Vorjahreszeitraum.

Zusätzlich verschiebt der Dollarkurs die Rechnung. Die Minen rechnen in Rand, verkaufen in Dollar, europäische Käufer bezahlen in Euro. Ein schwacher Dollar senkt den Euro-Preis für deutsche Käufer, ein schwacher Rand hebt die Marge der südafrikanischen Minen, ohne dass sich an Angebot oder Nachfrage etwas ändert.

An der Spanne zwischen Ankauf und Verkauf lässt sich ablesen, wie knapp der Markt ist. Kitco nannte am 28. Oktober 7.735 Euro im Ankauf und 8.632 Euro im Verkauf, ein Unterschied von gut elf Prozent.

Auch Katalysatordiebe folgen dem Preis. Die ADAC-Straßenwacht zählte 2018 noch 77 Einsätze wegen gestohlener Katalysatoren, 2021 schon 959 und 2022 dann 1.038. In Berlin sank die Zahl laut dem Fachmagazin Autohaus 2023 auf 931 Fälle nach 1.449 im Vorjahr.

Als Grund nennt das Magazin den Preisverfall bei Rhodium und Palladium.

Preis und Verbrauch
Das Auto schluckt 85 Prozent, der Preis schwankte seit 2016 um den Faktor 29
Wohin das Rhodium 2025 ging, nach Sektoren laut Johnson Matthey. Darunter, wie der Rhodiumpreis seit 2016 schwankte, in Euro je Feinunze.
Nachfrage 2025 nach Sektoren: 1,063 Millionen Unzen
Autokatalysatoren
899.000 oz
84,6 Prozent, vor allem Benziner und Hybride
Chemie
91.000 oz
8,6 Prozent, Oxoalkohole und Essigsäure
Glas
38.000 oz
3,6 Prozent, nach vier Jahren mit Rückverkäufen
Elektrik und Sonstiges
35.000 oz
3,3 Prozent, Kontakte, Messtechnik, Schmuck
Rhodiumpreis je Feinunze in Euro
2016, Mittel
625 €
2021, Mittel
18.165 €
2024, Mittel
4.179 €
Februar 2026
10.762 €
Oktober 2026
7.735 €
Dollarpreise zum EZB-Referenzkurs vom 27.10.2026 umgerechnet (1 Euro = 1,1150 Dollar).

Wer verdient an Rhodium und wer zahlt drauf?

Grauer Helm mit Aufklebern „Bushveld“ und „Notgroschen-Beauftragter“ neben Münzstapel vor Weiß
Im Platingürtel Südafrikas hängen Löhne und Zulieferer an wenigen Minenkonzernen

Am Rhodium verdienen vor allem die südafrikanischen Minenkonzerne, die großen Händler und Recycler wie Johnson Matthey, Heraeus und Umicore sowie Anleger, die vor einem Anstieg kaufen. Autokäufer zahlen über teurere Katalysatoren drauf. Die Bergleute leisten gefährliche Arbeit, und die Fördergebiete hängen an wenigen Arbeitgebern.

Die Gewinner

Valterra profitierte in den ersten neun Monaten 2026 von einem Rhodiumpreis, der im Schnitt um gut 70 Prozent über dem Vorjahreswert lag, von umgerechnet 4.950 auf 8.536 Euro. Weil Rhodium bei Valterra rund fünf Prozent der Menge und fast ein Fünftel des Erlöses ausmacht, wirkt jede Preisbewegung direkt auf den Gewinn.

Die Händler verdienen an der Knappheit. Heraeus aus Hanau setzte 2025 laut Finanzbericht 43,2 Milliarden Euro um, 46,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Ohne den Edelmetallwert blieben 2,83 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern lag bei 259 Millionen Euro.

Das Unternehmen nennt die Schwankungen der Edelmetallpreise als Treiber des Handelsgeschäfts.

Auch Anleger stiegen ein. Die Rhodium-Bestände börsengehandelter Wertpapiere lagen Ende 2025 laut Johnson Matthey bei rund 22.000 Unzen, so hoch wie seit mehr als fünf Jahren nicht. Gekauft hatten vor allem südafrikanische Anleger.

Die Verlierer

Die Bergleute zahlen den höchsten Preis. Die Arbeit in den Tiefschächten des Platingürtels ist körperlich hart und gefährlich. Die tödlichen Unfälle bei Valterra im ersten Halbjahr und im Juli 2026 zeigen, dass die Grubensicherheit ein ungelöstes Problem bleibt.

Der Streik von 2014 kostete die Beschäftigten 10,6 Milliarden Rand an Löhnen.

Autokäufer bezahlen das Rhodium mit, ohne den Preis zu sehen. Der Metallwert steckt im Fahrzeugpreis und im Ersatzteil, und die Opfer der Diebstähle bezahlen ihn ein zweites Mal.

Valterra raffinierte im dritten Quartal 49 Prozent weniger Rhodium, nur weil eine Wartung verlegt wurde.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Ressourcenfluch in der Platinregion

Vom Ressourcenfluch spricht die Ökonomie, sobald Rohstoffreichtum ein Land ärmer statt reicher macht, und von der Holländischen Krankheit, sobald ein Rohstoffboom andere Branchen verdrängt. Südafrika als Ganzes hängt nicht allein am Platin, das Land hat Autowerke, Banken und Landwirtschaft. Der Platingürtel im Nordwesten aber lebt von wenigen Konzernen, deren Schächte den Takt für Löhne, Wohnungen und Zulieferer vorgeben.

Marikana zeigte, wie schnell ein Lohnkonflikt in dieser Abhängigkeit eskaliert. Ein Lohnkonflikt in einer Mine endete mit 34 Toten, anderthalb Jahre später folgte der längste Lohnstreik der Landesgeschichte.

FörderlandAnteil am Rhodium 2025Wie das Metall anfälltGrößtes Risiko
Südafrika81 %Koppelprodukt im Platinerz des BushveldStrom, Sicherheit, Arbeitskämpfe
Russland10 %Nebenprodukt der Nickel- und Kupferförderung in NorilskSanktionen, Handelswege
Simbabwe6 %Platinerz im Great DykeWirtschaftspolitik, Währung
Nordamerika2 %Stillwater in Montana, Nickelminen in KanadaKosten, geringe Mengen
Auf den Punkt

Rhodium bringt den Minen weit mehr ein, als seine Menge vermuten lässt. Das Risiko dafür liegt bei den Bergleuten im Platingürtel, die Rendite bei Konzernen, Händlern und Anlegern.

Wie mächtig ist die Rhodium-Lobby?

Graues Rednerpult mit Auspuff-Mikrofon und einem orangen Schild „Euro 7“ davor
Ab dem 29. November 2026 gilt Euro 7 für neue Pkw-Typen, die Abgasgrenzwerte bleiben gleich

Eine Rhodium-Lobby im engen Sinn existiert nicht, wohl aber eine Platinmetall-Branche mit klaren Interessen. Die Branche wirbt für strenge Abgasnormen und gegen neue Lasten für ihre Lieferketten. Auf der anderen Seite kämpfte die deutsche Autoindustrie gegen strengere Euro-7-Grenzwerte, die nach Ansicht der IPA mit vorhandener Technik erreichbar gewesen wären.

Der Weltverband International Platinum Group Metals Association vertritt Minen, Raffinerien und Verarbeiter. Zur Abgasnorm Euro 7 begrüßte die IPA die neuen Regeln für feinste Partikel und den Abrieb von Reifen und Bremsen. Enttäuscht zeigte sich der Verband, dass für Pkw die Grenzwerte und Prüfbedingungen von Euro 6 bleiben: Die Technik für weitere Senkungen sei da, der Anreiz fehle.

Die Autoindustrie sah das anders. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), warf der EU-Kommission im November 2022 vor, mit ihrem Vorschlag auf „unrealistische Extrem-Ziele“ zu setzen.

Die Verordnung 2024/1257, die das Parlament und der Rat 2024 beschlossen, ließ die Pkw-Grenzwerte für Abgase am Ende unverändert.

Im Lobbyregister des Bundestags tauchen die deutschen Verarbeiter mit kleinen Budgets auf. Umicore aus Hanau, Mitglied der IPA und der Fachvereinigung Edelmetalle, gab für 2025 einen Aufwand von 150.001 bis 160.000 Euro an. Das Unternehmen fordert, das CO2-Grenzausgleichssystem CBAM nicht auf die Lieferkette für Konzentrate der Platinmetalle auszuweiten und das Gesetz über kritische Rohstoffe zügig umzusetzen.

Heraeus ließ sich im Oktober 2025 eintragen und gab für 2025 einen Aufwand von 40.001 bis 50.000 Euro bei 0,04 Vollzeitstellen an. Konkrete Regelungsvorhaben nennt der Eintrag nicht. Heraeus ist Mitglied im Verband der Chemischen Industrie und im Industrieverband BDI.

AkteurPositionBeleg
IPA (Weltverband)strengere Euro-7-Grenzwerte für PkwStellungnahme zu Euro 7
VDAgegen „unrealistische Extrem-Ziele“Hildegard Müller, November 2022
Umicorekein CBAM für Konzentrate, Rohstoffgesetz zügig umsetzenLobbyregister R002150
Heraeuskeine Vorhaben eingetragenLobbyregister R007640

Der größere Hebel liegt bei den CO2-Zielen für Neuwagen. Bisher gilt die Regel von 2023, nach der ab 2035 neue Pkw kein CO2 mehr ausstoßen dürfen. Die EU-Kommission schlug im Dezember 2025 vor, das Ziel auf 90 Prozent Minderung zu senken. Am 22. Oktober 2026 stimmten Industrie- und Verkehrsausschuss des Europaparlaments für 95 Prozent.

Der Umweltausschuss und das Plenum entscheiden in den kommenden Wochen, danach der Rat.

Für Rhodium hängt an dieser Abstimmung mehr als an jeder Abgasnorm. Jeder Benziner und jeder Plug-in-Hybrid, der nach 2035 neu zugelassen werden darf, braucht einen Katalysator, und damit Rhodium.

Auf den Punkt

Die Pkw-Grenzwerte von Euro 7 blieben auf dem Stand von Euro 6, wie vom VDA verlangt und gegen den Wunsch der IPA. Über die Zukunft des Rohstoffs entscheidet die laufende Abstimmung über die CO2-Ziele für 2035.

Wie kommen wir von Rhodium los?

Katalysator in Tonne mit E-Auto-Sticker, daneben ein Ladekabel mit Stecker
Recycling gewinnt rund 95 Prozent der Platinmetalle aus einem Altkatalysator zurück

Vom Rhodium löst sich die Welt auf drei Wegen: mit Elektroautos ohne Katalysator, mit Einsparung und Ersatz durch Palladium oder Platin und mit mehr Recycling. Am schnellsten wirkt das Elektroauto, am langsamsten wirken Chemie und Dünger. Ganz verzichten kann die Industrie bei Düngernetzen und Spezialglas auf absehbare Zeit nicht.

Der Verkehr macht die schnellsten Fortschritte. Jedes Batterie-Elektroauto, das einen Benziner ersetzt, spart dessen Rhodium vollständig ein. Die Nachfrage der Autoindustrie sinkt laut Johnson Matthey 2026 um rund fünf Prozent auf 856.000 Unzen. Hybride brauchen weiter einen Katalysator.

Die Hersteller sparen außerdem. Nach der Preisspitze von 2008 senkten die Autohersteller die Rhodiumbeladung, nach dem Rekord von 2021 ein zweites Mal. Palladium ersetzt einen Teil der Aufgabe, die Umstellung dauert laut TD-Analyse 18 bis 24 Monate. Wie viel Palladium für eine eingesparte Unze Rhodium nötig ist, belegt keine unabhängige Quelle.

Die Machtverhältnisse beim Ersatzmetall beschreibt die Stoffgeschichte über Palladium, das Metall im Katalysator.

Das Recycling wächst. 2026 sollen Altkatalysatoren laut Johnson Matthey 339.000 Unzen liefern, so viel wie seit vier Jahren nicht. Heutige Verfahren gewinnen laut IPA rund 95 Prozent der Platinmetalle aus einem Altkatalysator zurück, sofern das Altauto bei einem Recycler ankommt.

SektorWeg vom RhodiumTempoHürde
PkwBatterie-Elektroautoschnell, in China am schnellstenCO2-Ziele 2035, Hybride brauchen weiter Katalysatoren
Pkw mit VerbrennerEinsparung, Palladium18 bis 24 Monate je ModellStickoxid-Grenzwerte, Neuzulassung
Glasreines Platin für einfache Fasernbereits erfolgthochfeste Fasern brauchen mindestens 10 % Rhodium
ChemieIridium, Ruthenium, andere VerfahrenlangsamErsatzmetalle teuer, Anlagen laufen Jahrzehnte
Düngerkein gleichwertiger ErsatzoffenNetze für Salpetersäure

Am längsten bleibt die Düngerindustrie abhängig. Solange Stickstoffdünger über Salpetersäure entsteht, braucht die Branche Platin-Rhodium-Netze. Der Bedarf ist klein, aber ohne Ausweichmöglichkeit.

Einen vollständigen Ausstieg wird die Industrie nicht schaffen. Wahrscheinlich schrumpft der Markt mit der Autonachfrage und speist sich stärker aus Altmetall. Wie widersprüchlich sich Preis und Knappheit beim Nachbarmetall entwickeln, zeigt die Stoffgeschichte über den fallenden Platinpreis bei knappem Angebot.

Auf den Punkt
  • Elektroauto: spart Rhodium vollständig ein, Hybride nicht.
  • Recycling: liefert 2026 ein Drittel des Angebots, Tendenz steigend.
  • Dünger: bleibt auf Platin-Rhodium-Netze angewiesen.

Was bedeutet der Preisrückgang beim Rhodium für Deutschland?

Metallenes Spielzeugauto, Minisäge und oranges Schild mit „1.038“ auf weißem Grund
2022 zählte die ADAC-Straßenwacht 1.038 Einsätze wegen gestohlener Katalysatoren

Für deutsche Verbraucher bedeutet der Rückgang vor allem weniger Katalysator-Diebstähle. Für deutsche Unternehmen bleibt das Risiko: Die EU importiert rund drei Tonnen Rhodium im Jahr, gut vier Fünftel des Rhodiums aus Bergwerken kommen aus Südafrika. Der Valterra-Bericht vom Oktober zeigt, wie stark schon eine verlegte Wartung die Rhodiummenge eines großen Lieferanten in einem Quartal drückt.

Der Anlass dieser Geschichte liegt vier Wochen zurück. Ende September erwartete TD Securities für 2027 einen Überschuss von 20.000 Unzen und einen Preisrückgang von derzeit umgerechnet rund 8.070 Euro auf 6.816 Euro im Jahr 2027 und auf 5.830 Euro im Jahr 2028.

Die Bank warnte zugleich, die dünnen Bestände machten den Markt anfällig für plötzliche Preissprünge.

Am 23. Oktober legte Valterra Zahlen vor, die zeigen, wie stark die Menge schwankt. Das Unternehmen raffinierte im dritten Quartal 31.500 Unzen Rhodium, 49 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Grund war keine Knappheit im Erz: Valterra hatte Wartungsarbeiten und die jährliche Inventur aus dem ersten ins dritte Quartal verlegt. In den ersten neun Monaten lag das Minus bei zehn Prozent.

TerminWas ansteht
29. November 2026Euro 7 gilt für neue Pkw-Typen
November und Dezember 2026Umweltausschuss und Plenum des Europaparlaments stimmen über die CO2-Ziele für 2035 ab, danach der Rat
2027TD Securities erwartet einen Überschuss von 20.000 Unzen
29. November 2027Euro 7 gilt für alle Neuwagen
2030Richtwerte des EU-Gesetzes über kritische Rohstoffe

Für Verbraucher und Unternehmen

Deutsche Autofahrer spüren das Rhodium vor allem beim Ersatzteil und beim Diebstahlrisiko. Mit dem Preisverfall seit 2021 sanken die Fallzahlen, Berlin zählte 2023 rund ein Drittel weniger Taten als 2022.

Ein Anstieg auf das Niveau vom Februar würde den Anreiz wieder erhöhen.

Deutschland führte 2013 nach einer Bewertung der Deutschen Rohstoffagentur DERA rund vier Tonnen Rhodium im Wert von 104,7 Millionen Euro ein, damals 12,9 Prozent der Weltimporte. Der größte Teil kam mit 41,8 Prozent aus Belgien, wo große Raffinerien sitzen, erst danach folgte Südafrika. In Hanau sitzen mit Heraeus und Umicore zwei große Verarbeiter, dazu kommt die Katalysatorsparte der BASF, die seit September 2026 Metivo heißt.

Ab dem 29. November 2026 gilt Euro 7 für neue Pkw-Typen, ab dem 29. November 2027 für alle Neuwagen. Die unveränderten Grenzwerte selbst erhöhen den Rhodiumbedarf je Auto nicht.

Neu sind Vorgaben für Partikel, Reifen- und Bremsabrieb sowie die Haltbarkeit der Abgasanlage.

Drei Szenarien für die kommenden Monate

Optimistisch: Die Minen in Südafrika laufen nach den Stillständen aus Sicherheitsgründen stabil, das Recycling wächst wie erwartet, und der Preis gleitet in Richtung der TD-Prognose von 6.816 Euro für 2027. Katalysator-Diebstähle bleiben selten.

Realistisch: Der Preis schwankt um den heutigen Ankaufspreis von 7.735 Euro, nahe der Obergrenze der Spanne von umgerechnet 5.381 bis 8.072 Euro, die Heraeus für 2026 vorhergesagt hatte. Kleine Störungen in einzelnen Minen sorgen für kurze Ausschläge.

Pessimistisch: Ein neuer Stromengpass, ein Unglück oder ein Streik nimmt dem Bushveld für mehrere Monate Produktion. Bei Beständen für gut drei Monate könnte der Preis rasch auf das Niveau vom Februar 2026 springen, rund 10.800 Euro. Vor solchen Sprüngen warnt TD Securities.

Was Sie jetzt tun können

Als Anleger sollten Sie die Kosten kennen. Rhodiumbarren fallen nicht unter die Steuerbefreiung für Anlagegold nach Paragraf 25c des Umsatzsteuergesetzes, die Befreiung gilt nur für Gold. Hinzu kommt die Händlerspanne, die bei Kitco im Oktober gut elf Prozent betrug. Ein Kauf rechnet sich erst nach einem deutlichen Preisanstieg.

Als Autofahrer senken Sie das Diebstahlrisiko mit einem Stellplatz in der Garage oder auf einem gut einsehbaren Parkplatz. Ein Anstieg des Rhodiumpreises ist ein Signal, darauf wieder mehr zu achten.

Unternehmen mit Rhodiumbedarf prüfen am besten zuerst den eigenen Kreislauf. Glas- und Chemiewerke, die ihr Metall zur Aufarbeitung schicken, machen sich unabhängiger vom Minenangebot. Lieferverträge mit Preisbindung an einen Händlerpreis und klaren Regeln für Lieferausfälle verringern das Risiko aus Südafrika.

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Rhodium

Aufgeschlagenes Buch mit einem Glasfläschchen voll grauem Granulat und einer Notiz mit der Zahl 12
Zwölf Fachbegriffe von Bushveld bis UG2, kurz erklärt

Bushveld-Komplex

Der Bushveld-Komplex ist ein rund 2,06 Milliarden Jahre alter Gesteinskörper im Norden Südafrikas, etwa so groß wie West Virginia. In ihm liegen die größten bekannten Vorkommen an Platinmetallen und rund 83 Prozent der weltweiten Reserven.

Dreiwegekatalysator

Ein Dreiwegekatalysator wandelt im Abgas von Benzinmotoren Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxide gleichzeitig in weniger schädliche Stoffe um. Platin und Palladium oxidieren, Rhodium zerlegt die Stickoxide. In der EU ist er seit 1993 für neue Benziner Pflicht.

Feinunze

Die Feinunze ist die Handelseinheit für Edelmetalle und entspricht 31,1 Gramm. Rhodiumpreise, Fördermengen und Marktbilanzen werden fast immer in Feinunzen angegeben.

Good-Delivery-Liste

Die Good-Delivery-Liste des Londoner Platin- und Palladiummarkts LPPM führt die Hütten, deren Barren in London und Zürich gehandelt werden dürfen. Im April 2022 strich der LPPM die russischen Raffinerien Krastsvetmet und Prioksky von der Liste.

Grundpreis

Der Grundpreis ist der Preis, den große Händler wie Johnson Matthey, BASF oder Heraeus täglich für Rhodium veröffentlichen. Weil kein Börsenhandel existiert, dienen diese Händlerpreise als Bezugsgröße für Lieferverträge.

Korbpreis

Der Korbpreis ist der durchschnittliche Erlös einer Mine je Unze aller verkauften Platinmetalle. Valterra erzielte im dritten Quartal 2026 einen Korbpreis von umgerechnet 2.137 Euro.

Merensky Reef

Das Merensky Reef ist eine Erzlage im Bushveld-Komplex, entdeckt 1924 und benannt nach dem Geologen Hans Merensky. Das Riff liefert vor allem Platin, der Rhodiumgehalt liegt mit rund 0,17 Gramm je Tonne niedriger als im UG2-Flöz.

Platinmetalle

Die Platinmetalle sind sechs chemisch verwandte Elemente: Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium. Die sechs Metalle kommen meist im selben Erz vor und werden gemeinsam gefördert.

Raffination

Die Raffination trennt die einzelnen Platinmetalle aus dem Konzentrat und reinigt sie. Bei Rhodium dauert der Weg vom Erz zum reinen Metall bis zu sechs Monate, länger als bei Platin und Palladium.

Rhodiumschwamm

Rhodiumschwamm ist die übliche Handelsform des Metalls, ein poröses, graues Pulver aus fast reinem Rhodium. Seit Januar 2023 akkreditiert der LPPM die Hersteller.

Sekundärangebot

Das Sekundärangebot ist Rhodium aus dem Recycling, vor allem aus Altkatalysatoren. Johnson Matthey erwartet für 2026 rund 339.000 Unzen, ein Drittel des Weltangebots.

UG2-Flöz

Das UG2-Flöz ist eine chromreiche Erzlage im Bushveld-Komplex und die reichste Rhodiumquelle der Welt. Das Erz enthält rund 0,54 Gramm Rhodium je Tonne.

FAQ: Rhodium kostet gut 70 Prozent weniger als beim Rekord 2021

Große orangefarbene Buchstaben „FAQ“ neben einem kleinen Fläschchen mit der Aufschrift „Antwort-Pulver“ auf weißem Hintergrund
Häufige Fragen zu Rhodium: Preis, Herkunft, Katalysator und Elektroauto

Wofür braucht man Rhodium?

Rund 85 Prozent des Rhodiums gehen in Abgaskatalysatoren, vor allem für Benziner und Hybride, wo das Metall die Stickoxide zerlegt. Die übrigen Mengen verbrauchen Chemiewerke für Oxoalkohole und Essigsäure, Glasfaserwerke für Spinndüsen sowie Hersteller von Steckkontakten und Thermoelementen.

Warum ist Rhodium so teuer?

Rhodium ist sehr selten und macht nur rund fünf Prozent der geförderten Platinmetalle aus. Die Minen können die Förderung nicht gezielt erhöhen, gut vier Fünftel kommen aus Südafrika, und gehandelt wird ohne Börse. Kleine Störungen bewegen den Preis deshalb stark.

Wo wird Rhodium abgebaut?

Johnson Matthey zählt für 2025 rund 566.000 von 701.000 Unzen aus Südafrika, vor allem aus dem Bushveld-Komplex. Russland folgt mit 68.000, Simbabwe mit 45.000 und Nordamerika mit 15.000 Unzen. In Europa fördert keine Mine Rhodium.

Wie viel Rhodium steckt in einem Katalysator?

Die Hersteller veröffentlichen keine Werte. Eine grobe Rechnung nach den Zahlen von Johnson Matthey ergibt rund 0,4 Gramm je Benzinfahrzeug, Diesel und Lastwagen nicht herausgerechnet. Zum Ankaufspreis vom Oktober 2026 entspricht das einem Metallwert von rund 100 Euro.

Lohnt sich Rhodium als Geldanlage?

Rhodium schwankt stark, der Preis fiel von umgerechnet knapp 27.000 Euro im März 2021 auf 7.735 Euro im Oktober 2026. Barren sind anders als Anlagegold nicht von der Umsatzsteuer befreit, und die Spanne zwischen Ankauf und Verkauf lag im Oktober bei gut elf Prozent. Eine Anlageempfehlung gibt Dr. Web nicht.

Wird Rhodium durch Elektroautos überflüssig?

Batterie-Elektroautos brauchen keinen Katalysator und damit kein Rhodium. Hybride und Benziner brauchen das Metall weiter. Johnson Matthey erwartet für 2026 einen Rückgang der Autonachfrage um rund fünf Prozent, Düngernetze und Spezialglas bleiben auf Rhodium angewiesen.

Quellen

48 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 28.10.2026
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  2. The Northern MinerTD sees rhodium surplus ending four-year squeeze (09/2026)
  3. Valterra PlatinumThird Quarter Production Report23.10.2026
  4. Business DayValterra keeps guidance unchanged despite lower third-quarter PGM output23.10.2026
  5. MiningmxValterra Platinum throttles back refined PGM output23.10.2026
  6. Johnson MattheyPGM market report May 202614.05.2026
  7. Johnson MattheyJohnson Matthey publishes 2026 PGM market report14.05.2026
  8. IPA / SFA OxfordPGM Fact Sheet Rhodium (05/2026)
  9. Heraeus Precious MetalsPrecious Metals Forecast 202608.12.2025
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  11. Europäische ZentralbankEuro foreign exchange reference rates27.10.2026
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  14. US Bureau of Mines (OSTI)Minerals Yearbook 1990: Platinum-Group Metals
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  29. MiningmxRains wash away Valterra Platinum’s first-half earnings18.07.2025
  30. LPPMGood Delivery Platinum and Palladium update08.04.2022
  31. UK GovernmentUK punishes Putin with new round of sanctions on £1.7 billion of goods08.05.2022
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  37. VerkehrsrundschauReaktionen auf EU-Pläne: Kritik an geplanter Euro-7-Norm10.11.2022
  38. Dr. WebVerbrenner-Aus: EU-Ausschüsse stimmen für 95 Prozent CO2-Minderung23.10.2026
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  42. National Law ReviewBASF Environmental Catalyst and Metal Solutions rebrands as Metivo15.09.2026
  43. DERARohstoffinformationen 26: Platingruppenmetalle2015
  44. Motor1Katalysator-Diebstahl 2022: Zahlen des ADAC20.01.2023
  45. AutohausRückgang bei Kat-Diebstählen: Edelmetall-Klau lohnt nicht mehr29.02.2024
  46. Bundesministerium der JustizUmsatzsteuergesetz, § 25c
  47. Argus MediaRhodium prices recoup recent losses22.03.2021
  48. Daily MaverickSA Reserve Bank flags rhodium’s rave in second quarter28.09.2021
4,2 20 Bewertungen

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