Cloudflare hat im dritten Quartal 18,2 Millionen DDoS-Angriffe auf Netzwerkebene abgewehrt, gut dreimal so viele wie ein Jahr zuvor. 96 Prozent der Angriffe endeten nach weniger als zehn Minuten. Angriffe mit mehr als einem Terabit pro Sekunde zählte der Dienstleister dagegen nur noch 251, nach 805 im Vorquartal.
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Stellen Sie sich vor, Ihr Onlineshop fällt für acht Minuten aus und läuft wieder, bevor Ihr Hoster die Störung bemerkt. Nach dem DDoS-Bericht, den Cloudflare am Donnerstag veröffentlicht hat, ist ein solcher Kurzangriff inzwischen der Normalfall.[1] Der US-Konzern verkauft Schutz gegen solche Angriffe und misst sie im eigenen Netz.
Das Wichtigste in Kürze
- Cloudflare zählte von Juli bis September rund 8.200 Angriffe pro Stunde.
- Im März schalteten Ermittler aus den USA, Kanada und Deutschland vier große Botnetze ab.
- Angreifer nutzen statt Domain-Controllern jetzt häufiger offene DNS-Server, um ihren Datenstrom zu vervielfachen.
Was zeigt der Bericht für das dritte Quartal?

Im dritten Quartal 2025 hatte der Dienstleister 5,9 Millionen Angriffe auf Netzwerkebene gezählt.[3] Im ersten Halbjahr 2026 lag der Schnitt bei rund 5.300 Angriffen pro Stunde, im dritten Quartal bei rund 8.200.[2] Hinzu kamen 14,4 Billionen Anfragen, mit denen Angreifer Websites über HTTP lahmlegen wollten.[1]
Die einzelnen Angriffe fielen kurz und schwach aus. 98 Prozent blieben unter einem Gigabit pro Sekunde. Diese Bandbreite genügt nach Cloudflares Einschätzung trotzdem, um einen einzelnen Server zu überlasten. Cloudflare ordnet das Muster Mietdiensten zu, bei denen Kunden einen Angriff auf ein Ziel ihrer Wahl buchen.[1]
Warum werden die ganz großen Angriffe seltener?
Den Rückgang der Angriffe über einem Terabit bringt Cloudflare mit einer Aktion von Ermittlern in Verbindung. Am 19. März 2026 legten US-Behörden die Steuerungsserver der Botnetze Aisuru, KimWolf, JackSkid und Mossad still. Laut US-Justizministerium hatten die Betreiber mehr als drei Millionen Geräte gekapert, vor allem Videorekorder, Webcams und WLAN-Router, und den Zugriff an andere Kriminelle verkauft. Einzelne Angriffe erreichten rund 30 Terabit pro Sekunde.[4] Der Zusammenhang ist allerdings nicht eindeutig: Das Rekordquartal mit 805 Angriffen über einem Terabit folgte erst nach der Abschaltung.[2]
An der Aktion im März waren das Bundeskriminalamt und die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime der Staatsanwaltschaft Köln beteiligt.[4] Gegen die Mietdienste selbst richtet sich die Operation PowerOFF. An gemeinsamen Einsatztagen im April gingen 21 Länder vor, darunter Deutschland und Österreich. Europol meldete vier Festnahmen, 53 abgeschaltete Domains und mehr als 75.000 Warnschreiben an ermittelte Nutzer.[5]
96 Prozent der Angriffe sind nach zehn Minuten vorbei. Ein DDoS-Schutz, den erst ein Anruf beim Hoster einschaltet, kommt zu spät.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen und Website-Betreiber?
Fragen Sie am besten bei Ihrem Hoster nach, ob der DDoS-Filter dauerhaft läuft oder erst nach einem Hinweis eingeschaltet wird. Diese Frage gehört zu den Punkten, die Sie bei einem günstigen dedizierten Server vorab klären sollten.
Auch die eigenen Systeme können zum Werkzeug werden. Bei Reflexionsangriffen schicken Angreifer kleine Anfragen mit gefälschter Absenderadresse an offene Dienste, die eine viel größere Antwort an das Opfer zurückschicken. Beim Verfahren über CLDAP, einen Verzeichnisdienst im Windows-Netz, antworten Domain-Controller, die aus dem Internet erreichbar sind, bei der DNS-Verstärkung offene DNS-Server.[1] Lassen Sie deshalb gerne prüfen, ob Ihre Domain-Controller und DNS-Server Anfragen von außen beantworten.
Strafbar macht sich auch der Kunde eines Mietdienstes, sobald er einen Angriff auslöst. Für die erhebliche Störung einer Datenverarbeitung, die für ein fremdes Unternehmen wesentlich ist, sieht § 303b StGB bis zu fünf Jahre Haft vor, bei gewerbsmäßiger Tat bis zu zehn Jahre.[6] Europol hat Daten zu mehr als 3 Millionen Nutzerkonten aus beschlagnahmten Datenbanken an die nationalen Behörden weitergegeben.[5]
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- CloudflareCloudflare DDoS Threat Report 2026 Q3: More swarms, fewer giants (Cloudflare-Blog)
- CloudflareCloudflare DDoS Threat Report H1 2026: 1 Tbps attacks soar as DNS floods and geopolitical tensions drive a new wave (Cloudflare-Blog)
- CloudflareCloudflare’s 2025 Q3 DDoS threat report, including Aisuru, the apex of botnets (Cloudflare-Blog)
- U.S. Attorney’s Office, District of AlaskaAuthorities disrupt world’s largest IoT DDoS botnets responsible for record breaking attacks targeting victims worldwide (Pressemitteilung des US-Justizministeriums)
- EuropolEuropol-supported global operation targets over 75 000 users engaged in DDoS attacks (Pressemitteilung)
- Bundesministerium der Justiz§ 303b StGB Computersabotage (Gesetze im Internet, abgerufen am 31. Oktober 2026)
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