Ein Cyberangriff hat bei NetEase einen kompletten Spielserver auf den Sicherungsstand vom Vormittag zurückgeworfen. Vom 30. Juli an überflutete anomaler Datenverkehr den Server Sanqingshan des Online-Rollenspiels Nishuihan, bis das reguläre Speichern der Spielerdaten aussetzte und der Server abstürzte.[1]

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Für Sicherheitsverantwortliche ist der Fall gerade deshalb lehrreich, weil kein Datendieb am Werk war. Der Schaden entstand nicht durch gestohlene Daten, sondern durch verlorene.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Angriff begann laut NetEase am 30. Juli um 13:49 Uhr und legte den Server Sanqingshan durch anhaltende Überlastung lahm.
  • Weil große Mengen an Charakterdaten nicht mehr gespeichert wurden, setzte der Betreiber den ganzen Server auf den Stand von 9:30 Uhr zurück und schaltete ihn am 31. Juli um 10:30 Uhr wieder frei.
  • Betroffen war allein der neue Free-to-Play-Server; als Entschädigung erhielten alle Spieler ein umfangreiches Ingame-Paket.

Warum löscht ein Überlastungsangriff Daten, statt sie zu stehlen?

Sanduhr mit Schnecke und Notizzettel „Stand 9:30 Uhr“ vor weißem Hintergrund
DDoS-Attacke auf Spielserver führt zu Datenverlust: Überflutung mit anomalem Datenverkehr unterbricht Speicher-Checkpoints, wodurch Spielerfortschritte verloren gehen

Verfügbarkeit statt Vertraulichkeit stand hier unter Beschuss. Ein Strom aus anomalem Datenverkehr überlastet die Server so lange, bis Routineprozesse aussetzen. Das Speichern der Spielerdaten läuft bei Onlinespielen in festen Intervallen als Checkpoint, und reißt dieser Takt unter Last ab, landen Stunden an Fortschritt nie dauerhaft auf der Platte.

Der Rollback ist die Rechnung. Nach drei Stunden vergeblicher Reparatur ließ sich der beschädigte Zustand nicht mehr retten, also griff NetEase auf die letzte saubere Sicherung von 9:30 Uhr zurück. Ausgerechnet die Notfallmaßnahme kostete die Spieler ihren Vormittag. Getestete, engmaschige Sicherungen entscheiden damit direkt über den maximalen Verlust im Ernstfall.

Ist der Datenverlust bei NetEase ein Einzelfall?

Onlinedienste sind Dauerziel. Verfügbarkeit ist die am leichtesten angreifbare Schutzklasse, weil schon rohe Bandbreite als Waffe genügt. Erst kürzlich legte ein Cyberangriff die Server-Fertigung bei Foxconn still, und in Rumänien wog ein Angriff auf das digitale Grundbuch vor allem deshalb schwer, weil die Sicherungen selbst zerstört wurden.

Nicht das Leck, die Wiederherstellung entscheidet über den Schaden. Ob ein Zwischenfall glimpflich ausgeht, hängt am Notfallplan aus getesteten Backups und engen Sicherungsintervallen. Diese Grundlagen der Cybersecurity gehören in jeden Betrieb, längst nicht nur in den Großkonzern.

Der teuerste Teil eines Angriffs ist selten das Datenleck, sondern die Rettung danach. Ungetestete Backups zeigen ihre Lücken immer erst im Ernstfall, wenn der Server längst steht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der NetEase-Rollback in Zahlen
Wie ein Überlastungsangriff einen Spielserver um einen halben Tag zurückwarf
13:49 Uhr
Beginn des Überlastungsangriffs am 30. Juli
9:30 Uhr
Sicherungsstand, auf den der Server zurückgesetzt wurde
knapp 21 Std.
bis zur Wiederfreischaltung am 31. Juli um 10:30 Uhr
1 Server
betroffen: der neue Free-to-Play-Server Sanqingshan

Entschädigung ohne Wiederherstellung

Die verlorenen Daten kamen nicht zurück. Alle Spieler des Servers erhielten stattdessen ein virtuelles Ausgleichspaket, darunter eine Million der Ingame-Währung Jiaozi, Fertigkeitsseiten und Kosmetik sowie eine um 24 Stunden verlängerte Premium-Mitgliedschaft.

Was bedeutet der Fall für deutsche Unternehmen?

NIS2 macht Verfügbarkeit zur Pflicht. Die EU-Richtlinie verlangt von vielen Mittelständlern Konzepte für Betriebskontinuität und Datensicherung sowie klare Meldewege für Vorfälle. Ein spät gemeldeter Ausfall kann teuer werden, wie zuletzt der Fall Analog Devices zeigte.

Sofort umsetzbar: Kürzere Sicherungsintervalle begrenzen den maximalen Verlust, und eine echte Wiederherstellungsprobe pro Quartal deckt faule Backups auf, bevor sie im Ernstfall versagen. Ein vorgeschalteter DDoS-Schutz hält die Überlast von den Diensten fern, noch bevor der Speichertakt reißt. Der Datenverlust bei NetEase war kein Diebstahl, sondern ein Riss in der Wiederherstellungskette, und genau die lässt sich vorab härten.

Quelle

[1] Sina Tech: „NetEase Nishuihan: Golden-Server nach Netzangriff mit Datenverlust, Betreiber entschuldigt sich und setzt den Server zurück“

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