Bis zum 31. Dezember verkauft Baidu 1.000 Abfragen seiner Such-API für 4,9 Yuan, umgerechnet rund 66 Cent. Regulär verlangt Chinas größter Suchmaschinenbetreiber für dieselbe Menge 40 Yuan. Über die Schnittstelle holen KI-Agenten anderer Anbieter Treffer aus Baidus Suchindex, ohne dass ein Mensch die Baidu-App öffnet.
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Vorgestellt hat Baidu das Angebot am 30. Oktober bei einer Produktvorstellung in Peking, berichtet das Finanzportal Wallstreetcn.[1] Die Aktionspakete stehen seit demselben Tag auf einer eigenen Seite der Cloud-Sparte Baidu AI Cloud.[2] Website-Inhalte gelangen so auf einem weiteren Weg in KI-Antworten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stufe „Erweitert“ kostet bis Jahresende 4,9 statt 40 Yuan je 1.000 Abfragen, höchstens für eine Million Abrufe.
- Die Premium-Stufe kostet in der Aktion 9,9 statt 72 Yuan und setzt einen Einladungscode voraus.
- Die Schnittstelle liefert Adresse, Titel, Textauszug und Datum einer Seite.
- Die Baidu-App verlor binnen eines Jahres rund 91 Millionen monatlich aktive Nutzer.
Was bekommen Entwickler für 4,9 Yuan?

Baidus Such-API gibt zu jedem Treffer die Adresse, den Seitentitel, einen Textauszug und das Veröffentlichungsdatum zurück, dazu Bilder und Videos.[3] Entwickler legen die Zahl der Treffer fest, suchen auf Wunsch nur auf einer bestimmten Website oder filtern nach dem Datum. Angebunden wird die Suche per Programmierschnittstelle oder über das Model Context Protocol (MCP), mit dem KI-Agenten externe Werkzeuge aufrufen.
Das Aktionspaket der Stufe „Erweitert“ lässt sich mehrfach kaufen, insgesamt aber nur für eine Million Abrufe.[2] Ein Kunde zahlt für das volle Kontingent 4.900 Yuan, rund 659 Euro. Ist das Kontingent aufgebraucht, rechnet Baidu zum Listenpreis ab. Umgerechnet wird zum EZB-Kurs vom 30. Oktober (1 Yuan = 0,1345 Euro).
Warum verkauft Baidu seine Suche an fremde KI-Dienste?
Die eigene App verliert Nutzer. Im Juni 2026 zählte die Baidu-App laut Wallstreetcn 644 Millionen monatlich aktive Nutzer, nach 735 Millionen ein Jahr zuvor.[1] Die Erlöse aus Onlinewerbung sanken im zweiten Quartal um 19 Prozent auf 13,1 Milliarden Yuan, rund 1,8 Milliarden Euro. Schon seit 2021 schrumpft Baidus Anteil am chinesischen Suchmarkt, weil Nutzer zu sozialen Apps und KI-Assistenten abwandern.
Wallstreetcn sieht in der API eine zweite Einnahmequelle: Baidu verdient an Suchanfragen, die nie in der eigenen App ankommen.[1] Laut Baidu ist der Dienst zu 99,999 Prozent verfügbar, der Anteil verlässlicher Treffer sei um 50 Prozent gestiegen. Wie Baidu diese Werte gemessen hat, blieb bei der Vorstellung offen.
Baidu verkauft seine Suche an genau die KI-Dienste, die der eigenen App die Nutzer abnehmen. Für Websites in China entscheidet damit der Index über die Sichtbarkeit, nicht mehr die Trefferliste.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Preis für Sichtbarkeit in China und für Entwickler in Europa?
Baidu ist mit dem Schritt nicht allein. Am 17. Oktober öffnete DeepSeek seine Suchmaschine für KI-Agenten und verlangt seither 0,75 US-Dollar je 1.000 Abfragen, rund 65 Cent.[4] Google nimmt für seine Custom Search JSON API dagegen keine Neukunden mehr an und stellt die Schnittstelle zum 1. Januar 2027 ein. Bestandskunden zahlen bis dahin 5 Dollar je 1.000 Abfragen.[5]
Für Unternehmen mit chinesischsprachigen Seiten heißt das: Was Baidu indexiert, gelangt über die API in die Antworten chinesischer KI-Agenten. Ein klarer Titel und ein gepflegtes Veröffentlichungsdatum erhöhen die Chance, dass ein Agent die Seite als Quelle auswählt, denn beides liefert die API mit jedem Treffer.
Entwickler in Europa, die Baidus Suche in eigene Agenten einbauen, schicken Suchanfragen an einen Dienst in China. Die EU-Kommission hat für China keinen Angemessenheitsbeschluss erlassen. Enthalten die Anfragen personenbezogene Daten, braucht der Anbieter Garantien nach Art. 46 DSGVO.[6] Ein eigenes Kontingent gibt Baidu zudem nur für Konten mit geprüfter Identität frei.[3]
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Wallstreetcn千次4.9元,百度这回想把搜索API打到地板价 (4,9 Yuan je 1.000 Abfragen: Baidu drückt den Preis seiner Such-API) (chinesisch)
- Baidu AI CloudAktionsseite „百度AI搜索“ mit den Preisen der Aktionspakete (chinesisch, Aktion vom 30. Oktober bis)
- Baidu AI Cloud百度搜索, Preisdokumentation der Such-API mit Listenpreisen, Paketen und häufigen Fragen (chinesisch, Stand 30. Oktober 2026)
- DeepSeekModels & Pricing (Stand 19. Oktober 2026)
- Google for DevelopersCustom Search JSON API: Overview, Abschnitt „Pricing“ (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- Europäische UnionVerordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), Art. 45 und 46
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