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Vor dem Spiegel spitzen Sie den Kajalstift einer bekannten Kosmetikmarke, auf dem lackierten Holz steht deren Name und sonst keiner. Den Hersteller verrät die Verpackung selten. Faber-Castell fertigt solche Stifte seit 1978 für fremde Marken, im Stammwerk Stein bei Nürnberg bis März 2027 noch eine zweistellige Millionenzahl im Jahr.

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Inhalt 12 Abschnitte
  1. Wer steckt hinter Faber-Castell und wie fing alles an?
  2. Wie wurde aus der Werkstatt ein Weltkonzern?
  3. Wie verdient Faber-Castell tatsächlich sein Geld?
  4. Wie groß ist die Marktmacht von Faber-Castell?
  5. Wer ist bei Faber-Castell eigentlich das Produkt?
  6. Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?
  7. Wer profitiert und wer zahlt drauf?
  8. Wie politisch ist Faber-Castell?
  9. Was könnte Faber-Castell zu Fall bringen?
  10. Was bedeutet Faber-Castell für deutsche Unternehmer und Verbraucher?
  11. Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Faber-Castell
  12. FAQ: Wie verdient Faber-Castell heute noch Geld mit Bleistiften?

Faber-Castell verlagert die Fertigung holzgefasster Kosmetikstifte von Stein nach Brasilien, rund 30 Arbeitsplätze fallen weg, berichtete die WirtschaftsWoche am 17. Oktober 2026. Vier Jahre lang hatte das Unternehmen mit einer Unternehmensberatung versucht, diese Fertigung in Franken rentabel zu machen.

Der Schritt gehört zu einem Umbau, bei dem bis Ende März 2027 rund 130 von etwa 1.200 Stellen in Deutschland wegfallen. Der Schritt öffnet den Blick auf ein Geschäftsmodell: Faber-Castell wurde mit Blei- und Farbstiften bekannt, nennt in seinen Mitteilungen keinen Gewinn und verdient einen Teil seines Umsatzes unter fremden Namen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Faber-Castell setzte im Geschäftsjahr 2024/25 (April bis März) 601,8 Millionen Euro um, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Den Rekord hält das Geschäftsjahr 2016/17 mit 667 Millionen Euro.
  • Eine Gewinnzahl nennt die nicht börsennotierte AG in ihren Pressemitteilungen nicht. Die Umsatzrendite fiel von einem hohen auf einen mittleren einstelligen Prozentwert, nach unserer Rechnung blieben 2024/25 rund 24 bis 36 Millionen Euro.
  • Neben Schreib- und Zeichengeräten fertigt der Konzern seit 1978 Kosmetikstifte für fremde Marken. Wie viel diese Sparte umsetzt, weist Faber-Castell nicht aus.
  • Rund 45 Prozent des Umsatzes kamen Anfang 2020 aus Südamerika, bezifferte der damalige Vorstandschef Daniel Rogger. Eigene Kiefernwälder in Brasilien liefern das Holz für das dortige Bleistiftwerk.
  • Bis Ende März 2027 fallen in Deutschland rund 130 Stellen weg, im Frühjahr 2027 geht auch Vorstandschef Stefan Leitz. Die Kontrolle liegt bei vier Geschwistern der neunten Generation.

Fünf Fragen zum Stiftehersteller aus Stein

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Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Faber-Castell?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Was legte Lothar von Faber im Jahr 1851 für den Bleistift fest? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Lothar von Faber normierte 1851 Länge, Stärke und Härtegrade des Bleistifts, dazu kamen Sechskant und Markenaufdruck. Die grüne Marke Castell entstand erst nach 1898.
2 Welchen Gruppenumsatz meldete Faber-Castell für das Geschäftsjahr 2024/25? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte die Gruppe 601,8 Millionen Euro um, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. 667 Millionen Euro waren der Rekord von 2016/17, 452 Millionen Euro der Tiefpunkt im Pandemiejahr 2020/21.
3 Welchen Anteil am Umsatz nannte der damalige Vorstandschef Daniel Rogger im Januar 2020 für Südamerika? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Rogger bezifferte den Anteil Südamerikas auf rund 45 Prozent des Umsatzes. Eine neuere Aufteilung nach Regionen hat Faber-Castell nicht veröffentlicht.
4 Seit wann fertigt Faber-Castell Kosmetikstifte für fremde Marken? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Die Auftragsfertigung für Kosmetikkonzerne begann 1978, im Jahr, in dem Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell die Leitung übernahm. Einen Spartenumsatz veröffentlicht das Unternehmen nicht.
5 Wie viele Hektar Wald bewirtschaftet Faber-Castell laut Nachhaltigkeitsbericht 2024/25 in Brasilien? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Faber-Castell bewirtschaftet in Brasilien 8.200 Hektar mit 4,5 Millionen Kiefern und pflanzt jährlich 300.000 Setzlinge. Die WirtschaftsWoche nennt für die Plantage mehr als 10.000 Hektar.

Wer steckt hinter Faber-Castell und wie fing alles an?

Faber-Castell begann 1761 als Bleistiftwerkstatt von Kaspar Faber in Stein bei Nürnberg. Lothar von Faber baute die Werkstatt im 19. Jahrhundert zur ersten internationalen Bleistiftmarke aus. Heute halten vier Geschwister der neunten Generation mittelbar die Mehrheit.

Eine Werkstatt vor den Toren Nürnbergs

Kaspar Faber fing 1761 in Stein an, Bleistifte herzustellen, mit seiner Frau Maria und dem Sohn Anton Wilhelm. Der Sohn baute daraus die Manufaktur A.W. Faber, und der Ort, an dem sie stand, ist bis heute der Firmensitz.

Nürnberg war damals schon eine Stadt der Bleistiftmacher, die Konkurrenz saß ein paar Kilometer entfernt.

Die Werkstatt lieferte zunächst für die Region. Bleistifte waren ein Handwerksprodukt ohne Norm, Länge und Härte schwankten von Stück zu Stück.

Lothar von Faber erfindet den Markenbleistift

Der Urenkel Lothar von Faber übernahm die Firma 1839, ein halbes Jahr nach dem Tod seines Vaters. Das Deutsche Historische Museum beschreibt ihn als den Mann, der 1851 Länge, Stärke und Härtegrade des Bleistifts festlegte, Maße, die bis heute gelten.

Hinzu kamen der Sechskant und der Aufdruck „A.W. Faber“ auf jedem Stift. Die Neue Deutsche Biographie nennt ihn den Schöpfer des ersten Markenbleistifts.

Faber eröffnete Verkaufsfilialen in New York 1849, in London 1851 und in Paris 1855, später Agenturen in Wien und Sankt Petersburg. 1861 ging im oberfränkischen Geroldsgrün eine Zweigfabrik in Betrieb, die bis heute produziert.

1856 fand der Geologe Alibert im Batugol-Gebirge bei Irkutsk Vorkommen von Graphit, Faber finanzierte den Abbau, die russische Regierung genehmigte den Kauf der Mine.

Fabers Petition für ein Markenschutzgesetz gegen Nachahmer hatte Erfolg, 1875 trat das Gesetz in Kraft, berichtet das Deutsche Historische Museum. 1881 wurde er in den erblichen Freiherrnstand erhoben. Lothar von Faber verstand seinen Namen früh als Ware, die Schutz braucht.

Geschichte
Von der Werkstatt in Stein zur Weltmarke
Stationen von Faber-Castell seit 1761.
  • 1761Kaspar Faber beginnt in Stein bei Nürnberg mit der Herstellung von Bleistiften.
  • 1839Lothar von Faber übernimmt die Firma A.W. Faber in vierter Generation.
  • 1849Erste Verkaufsfiliale in New York, 1851 folgt London, 1855 Paris.
  • 1851Lothar von Faber legt Länge, Stärke und Härtegrade des Bleistifts fest.
  • 1856Graphitfund bei Irkutsk, Faber finanziert den Abbau.
  • 1875Nach Fabers Petition tritt ein Markenschutzgesetz in Kraft.
  • 1898Ottilie von Faber heiratet Graf Alexander zu Castell-Rüdenhausen, der Name Faber-Castell entsteht.
  • 1945Bis 1949 dient das Schloss in Stein als Pressecamp der Nürnberger Prozesse.
  • 1978Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell übernimmt, Beginn der Kosmetikstifte für fremde Marken.
  • 2017Mit Daniel Rogger führt erstmals ein Manager von außerhalb der Familie den Vorstand.
  • 2027Bis Ende März endet der Umbau der deutschen Werke, im Frühjahr geht Vorstandschef Stefan Leitz.

Aus Faber wird Faber-Castell

Nach Lothars Tod 1896 führte seine Witwe die Firma. 1898 heiratete die Enkelin Ottilie von Faber den Grafen Alexander zu Castell-Rüdenhausen, aus der Verbindung entstanden der Familienname Graf und Gräfin von Faber-Castell und die Bleistiftmarke Castell. 1906 bezog das Paar das neue Schloss in Stein.

Von 1945 bis 1949 nutzte die US-Armee das Schloss als Pressecamp für die Nürnberger Prozesse, Reporter wie Erich Kästner, Erika Mann und John Dos Passos wohnten dort. Faber-Castell erinnerte 2020 selbst an diese Jahre.

Der Graf, der vier Jahrzehnte führte

Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell übernahm 1978 die Leitung in achter Generation. Im selben Jahr begann die Fertigung von Kosmetikstiften für fremde Marken, Mitte der 1980er Jahre kaufte er in Brasilien Land für eigene Kiefernwälder. Im Jahr 2000 vereinbarte der Konzern mit der IG Metall und der Bau- und Holzarbeiter-Internationale eine Sozialcharta, die die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation in allen Werken garantieren soll.

Der Graf starb am 21. Januar 2016 mit 74 Jahren in Houston. Im Juni 2017 übernahm mit Daniel Rogger erstmals ein Manager von außerhalb der Familie den Vorstandsvorsitz, seit März 2020 führt Stefan Leitz.

Einzige Aktionärin der nicht börsennotierten Faber-Castell AG ist die A.W. Faber-Castell Unternehmensverwaltung GmbH, mittelbar halten die vier Geschwister Charles, Katharina, Sarah und Victoria von Faber-Castell die Mehrheit. Charles und Sarah sitzen im Aufsichtsrat, den seit Anfang 2024 Dirk Engehausen leitet, kein Mitglied der Familie.

Auf den PunktWer hinter Faber-Castell steht
  • Gründung: 1761 Bleistiftwerkstatt von Kaspar Faber in Stein bei Nürnberg.
  • Marke: Lothar von Faber normierte 1851 den Bleistift und erstritt 1875 ein Markenschutzgesetz.
  • Eigentümer: Vier Geschwister der neunten Generation halten mittelbar die Mehrheit.

Wie wurde aus der Werkstatt ein Weltkonzern?

Stift im Anspitzer mit hellblauem Papierrest, Zahl 667, Text: Der Nachbar des Teufels
Vom Bleistiftmacher zum Konzern: 667 Millionen Euro Umsatz im Rekordjahr 2016/17.

Faber-Castell wuchs über Auslandswerke, vor allem in Lateinamerika, und über Marken für jede Preisklasse vom Schulbleistift bis zum vergoldeten Füller. Den höchsten Umsatz erzielte die Gruppe im Geschäftsjahr 2016/17 mit 667 Millionen Euro, seither schwankt er zwischen 452 und 649 Millionen.

Fabriken dort, wo die Kunden sitzen

Aus dem Vertriebsnetz des 19. Jahrhunderts wurde im 20. ein Netz eigener Werke. Faber-Castell zählte im Februar 2026 eigene Werke in neun Ländern und Vertriebsgesellschaften in 21, die Mitteilung vom September 2026 nennt zehn Produktionsstätten und 17 Vertriebsländer.

Wie auch immer gezählt: Das Unternehmen fertigt nah an seinen Absatzmärkten.

Das wichtigste Auslandswerk steht in Brasilien. Faber-Castell bezeichnete die brasilianische Gesellschaft Anfang 2020 als weltgrößten Bleistiftproduzenten, der Schreib- und Zeichengeräte in mehr als 70 Länder exportiert. Weitere Werke stehen unter anderem in Peru, wohin 2026 die Anlagen des österreichischen Werks Engelhartszell umziehen, dessen Schließung Faber-Castell für den Sommer 2026 angekündigt hatte.

Eine Marke für jede Preisklasse

Der Bleistift Castell 9000 ist seit Jahrzehnten das grüne Aushängeschild, die Farbstifte Polychromos sind für Künstler gedacht. Seit 1993 verkauft das Unternehmen unter der Luxusmarke Graf von Faber-Castell Schreibgeräte.

Im Februar 2026 kam dort die Serie Bloom hinzu, mit Schäften aus Hainbuche und 18 Karat vergoldeten Metallteilen, jeder Schaft einzeln von Hand gefertigt.

Am anderen Ende der Skala steht der Schulbleistift. Mit dem Grip 2001 hätten 90 Prozent der deutschen Schulkinder in den vergangenen 25 Jahren geschrieben, sagte Stefan Leitz im Februar 2026 dem DUP Unternehmer-Magazin. Eine unabhängige Erhebung dazu veröffentlichte der Konzern nicht.

2023 übernahm Faber-Castell die Robert E. Huber GmbH aus Königsbach, einen Hersteller feinmechanischer Schreibgeräte mit rund 50 Beschäftigten. Die mitgekaufte Marke ottohutt stellte der Konzern zwei Jahre später wieder ein, die Manufaktur blieb.

Zwischen Rekord und Corona-Loch

Für das Geschäftsjahr 2015/16 meldete Faber-Castell 631 Millionen Euro Umsatz und 10 Prozent Wachstum, ein Jahr später 667 Millionen Euro, bis heute der Rekordwert. Danach sank der Umsatz: 587,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018/19, 555 Millionen im Jahr darauf.

Die Pandemie drückte den Umsatz 2020/21 auf 452 Millionen Euro, weltweit strich das Unternehmen rund 1.100 Stellen, 110 davon in Deutschland.

Die Erholung kam schnell. 2021/22 wuchs der Umsatz um 15,6 Prozent auf 522,6 Millionen Euro, 2022/23 um 24,2 Prozent auf 649,2 Millionen, den zweithöchsten Wert der Firmengeschichte.

Seither schrumpft der Umsatz wieder, auf 618,4 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2023/24 und 601,8 Millionen im Geschäftsjahr 2024/25. Rechnet man Wechselkurse heraus, blieb der Umsatz 2024/25 mit einem Plus von 0,3 Prozent fast stabil. Wechselkurse kosteten in Euro gerechnet rund drei Prozentpunkte Wachstum.

Eine Zahl für das Geschäftsjahr 2025/26, das Ende März 2026 endete, hat Faber-Castell bis zum 31. Oktober 2026 nicht veröffentlicht.

Rund 6.000 Menschen arbeiteten im September 2026 für Faber-Castell. Das Unternehmen steht auf der Liste der deutschen Hidden Champions, den Umsatz der bekannten Marke kennt außerhalb der Branche aber kaum jemand. Bis 2024 nannte das Unternehmen rund 6.500 Beschäftigte, seit Oktober 2025 rund 6.200.

Kennzahlen
Umsatz der Faber-Castell-Gruppe
Gruppenumsatz in Millionen Euro, Geschäftsjahr jeweils April bis März. Für 2017/18 und 2025/26 liegt keine veröffentlichte Zahl vor.
  • 2015/16631 Mio. €
  • 2016/17667 Mio. €
  • 2018/19587,5 Mio. €
  • 2019/20555 Mio. €
  • 2020/21452 Mio. €
  • 2021/22522,6 Mio. €
  • 2022/23649,2 Mio. €
  • 2023/24618,4 Mio. €
  • 2024/25601,8 Mio. €
667 Mio. €
Rekordumsatz im Geschäftsjahr 2016/17
minus 2,7 %
Umsatzveränderung 2024/25, währungsbereinigt plus 0,3 %
rund 6.000
Beschäftigte im September 2026

Wie verdient Faber-Castell tatsächlich sein Geld?

Waage mit Bleistiften, einem Stift und einem blauen Schild mit Fragezeichen davor
Schreibwaren und Kosmetik: Wie sich 601,8 Millionen Euro Umsatz verteilen, verrät die AG nicht.

Faber-Castell verdient an zwei Geschäftsbereichen: Schreib- und Zeichengeräte unter eigenen Marken und Kosmetikstifte, die das Unternehmen für Kosmetikkonzerne fertigt. Wie sich der Umsatz von 601,8 Millionen Euro auf beide verteilt und was davon als Gewinn bleibt, nennt die AG in ihren Mitteilungen nicht.

Zwei Sparten, eine Summe

In den Mitteilungen des Unternehmens heißen die beiden Bereiche „Schreiben + Zeichnen“ und „Cosmetics“. Der erste gliedert sich in Kompetenzfelder: Künstlerbedarf, Spielen und Lernen, Premium sowie allgemeines Schreiben und Markieren. Zahlen nennt Faber-Castell für keines davon, nur den Gruppenumsatz und gelegentlich eine Richtung.

Im Geschäftsjahr 2022/23 etwa hätten beide Bereiche „gleichermaßen“ zum Wachstum von 24,2 Prozent beigetragen, meldete das Unternehmen.

Im Januar 2020 bezifferte der damalige Vorstandschef Daniel Rogger den Anteil Südamerikas auf rund 45 Prozent des Umsatzes. Eine neuere Aufteilung hat Faber-Castell nicht veröffentlicht. Die Mitteilungen seither nennen Lateinamerika und Asien als Regionen mit dem stärksten Wachstum, 2021/22 zusätzlich die USA.

Fast die Hälfte des Geschäfts hing Anfang 2020 an einem Kontinent mit schwankenden Währungen. Wechselkurse kosteten 2024/25 rund drei Prozentpunkte Wachstum, welche Währungen, sagt das Unternehmen nicht.

Die versteckte Erlösquelle: Kosmetik unter fremdem Namen

Die Produkte des zweiten Geschäftsbereichs zeigen nirgends den Namen Faber-Castell. Seit 1978 fertigt das Unternehmen Kosmetikstifte, die Kosmetikkonzerne unter ihren eigenen Marken verkaufen, Fachleute nennen das Auftragsfertigung. Faber-Castell nennt die Sparte eine „strategische Säule“ im Geschäft mit Firmenkunden.

Mary Gräfin von Faber-Castell, die Witwe des Grafen, leitete die Sparte 20 Jahre lang.

Im Oktober 2025 nannte das Unternehmen die Kosmetik ein „umsatzstarkes und profitables Geschäftsfeld“, das unter dem neuen Geschäftsführer Franco Lucá wachsen soll. Mehr gibt die AG nicht preis.

Schwan-Stabilo aus Heroldsberg, keine 20 Kilometer von Stein entfernt, setzte mit seinem Kosmetikgeschäft Schwan Cosmetics im Geschäftsjahr bis Ende Juni 2025 genau 369,3 Millionen Euro um, fast doppelt so viel wie mit den Stiften der Marke Stabilo. Die Zahl gehört zu Schwan-Stabilo, nicht zu Faber-Castell, sie zeigt aber, dass Lohnfertigung für die Kosmetikindustrie in Franken kein Nebengeschäft sein muss.

Die Marge, die niemand nennt

Zum Gewinn schweigt Faber-Castell in seinen Mitteilungen aus Prinzip. „Zum Geschäftsergebnis macht das Unternehmen traditionell keine Angaben“, stand 2022 in einer Pressemitteilung. Seitdem beschreibt der Konzern die Ertragslage nur mit Spannen. Für 2023/24 lag die Umsatzrendite „im hohen einstelligen Bereich“, für 2024/25 „unter dem Vorjahresniveau im mittleren einstelligen Prozentbereich“.

Welche Ergebnisgröße gemeint ist, ob vor oder nach Steuern, sagt die Mitteilung nicht.

Den Konzernabschluss zum 31. März 2025 hat die AG im April 2026 im Unternehmensregister offengelegt, wie die Registerauskunft North Data verzeichnet. In die Pressemitteilungen gelangen daraus keine Gewinnzahlen. Mit dieser Zurückhaltung steht das Unternehmen nicht allein, auch der Motorsägenhersteller Stihl zeigt seine Bilanz, aber keinen Gewinn.

Setzt man für „mittlerer einstelliger Bereich“ 4 bis 6 Prozent an und für „hoch einstellig“ 7 bis 9 Prozent, blieben nach unserer Rechnung 2023/24 43 bis 56 Millionen Euro, 2024/25 noch 24 bis 36 Millionen Euro. Der Rückgang liegt damit zwischen 7 und 32 Millionen Euro, je nachdem, wo in der Spanne die echten Werte liegen. Für einen Konzern mit rund 6.000 Beschäftigten, der gerade seine Werke umbaut, ist das ein dünnes Polster.

Erlösmodell
Was Faber-Castell offenlegt und was nicht
Umsatz und Umsatzrendite nach den Pressemitteilungen, Ergebnis als Redaktionsrechnung.
Ergebnis in Millionen Euro, Redaktionsrechnung
  • 2023/24 (Rendite hoch einstellig, 7 bis 9 %)43 bis 56 Mio. €
  • 2024/25 (Rendite mittel einstellig, 4 bis 6 %)24 bis 36 Mio. €
veröffentlicht
Gruppenumsatz
601,8 Mio. € im Geschäftsjahr 2024/25, Veränderung auch währungsbereinigt.
veröffentlicht
Renditespanne
Nur in Worten, ohne Angabe der Ergebnisgröße.
einmalig genannt
Regionen
Südamerika rund 45 % des Umsatzes, Stand Januar 2020.
nicht veröffentlicht
Kosmetik
Umsatz und Marge der Auftragsfertigung für fremde Marken.
nicht veröffentlicht
Gewinn
Keine Ergebniszahl in den Pressemitteilungen.
nicht veröffentlicht
Ausschüttung
Was die Unternehmensverwaltung der Familie erhält.

Wo die Größe hilft

Faber-Castell beziffert seine Produktion auf mehr als zwei Milliarden Blei- und Farbstifte im Jahr und nennt sich den bedeutendsten Hersteller holzgefasster Stifte. Eine unabhängige Quelle für diese Rangfolge hat die Redaktion nicht gefunden. Belegbar ist der Kostenvorteil beim Holz. In Brasilien bewirtschaftet der Konzern 8.200 Hektar Wald mit 4,5 Millionen Kiefern und pflanzt jedes Jahr 300.000 neue Setzlinge, so der Nachhaltigkeitsbericht für 2024/25.

Schon 2020 deckten die eigenen Wälder 87 Prozent des weltweiten Holzbedarfs der Gruppe.

Ein Wettbewerber, der Holz auf dem Weltmarkt kauft, zahlt Marktpreise und trägt das Risiko von Lieferengpässen. Faber-Castell bezahlt vor allem die Forstarbeit und braucht Geduld, eine Kiefer wächst Jahre bis zur Ernte.

Was sich seit 2020 verschoben hat

Die Pandemie traf beide Sparten zugleich. In einigen Ländern Südamerikas blieben Schulen monatelang geschlossen, das Geschäft zum Schulanfang brach ein, und die Kosmetiksparte habe „besonders gelitten“, schrieb Faber-Castell 2022. Nach der Erholung kamen 2025 die US-Zölle. Seit dem 1. April 2025 galten für Produkte, die Faber-Castell in China, Brasilien und Indien fertigen lässt, Zölle von 40 bis 50 Prozent, sagte Leitz im Februar 2026: „Wir spüren das im Umsatz und noch stärker im Ergebnis.“

Faber-Castell antwortet mit einer Verschiebung in zwei Richtungen. Nach oben baut der Konzern das Premiumgeschäft aus, mit der Serie Bloom oder einem Künstlerkoffer mit dem Reisegepäckhersteller RIMOWA für 2.400 Euro. Massenware verlegt Faber-Castell in Länder mit niedrigeren Löhnen, für den US-Markt zunehmend ins Absatzland selbst: Im Werk Elgin bei Chicago, das bisher vor allem Produkte abfüllte und inzwischen auch spritzgießt und bedruckt, sollen ab Ende 2026 auch Farbmassen für Kosmetikstifte entstehen, berichtete die WirtschaftsWoche. Das Ziel ist Ware mit der Aufschrift „Made in USA“.

Auf den PunktWoran Faber-Castell verdient
  • Umsatz: 601,8 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024/25, Anfang 2020 kamen rund 45 Prozent aus Südamerika.
  • Kosmetik: Auftragsfertigung für fremde Marken seit 1978, ohne veröffentlichten Spartenumsatz.
  • Ertrag: Umsatzrendite im mittleren einstelligen Bereich, rechnerisch 24 bis 36 Millionen Euro.
  • Rohstoff: 8.200 Hektar eigener Wald in Brasilien.

Wie groß ist die Marktmacht von Faber-Castell?

Sechs ungespitzte Bleistifte in unterschiedlichen Höhen auf weißem Hintergrund. Der blaue Stift hat ein Fähnchen mit dem Text „Stein“
BIC, Schwan-Stabilo, F.I.L.A. und Faber-Castell: ein Markt ohne Riesen.

Faber-Castell beherrscht keinen Markt. Mit 601,8 Millionen Euro Umsatz liegt der Konzern hinter BIC und Schwan-Stabilo und etwa gleichauf mit dem Lyra-Eigentümer F.I.L.A., unter Druck setzen ihn laut Vorstandschef Leitz vor allem Hersteller aus China.

Der Wettbewerb sitzt nebenan

Die Region Nürnberg ist seit Jahrhunderten Bleistiftland. Staedtler, Schwan-Stabilo und Lyra haben hier ihre Wurzeln, Lyra gehört seit 2008 zum italienischen Konzern F.I.L.A. Die Rivalität mit Staedtler ging bis vor Gericht. Als Staedtler 1995 sein 333-jähriges Bestehen feierte, klagte Faber-Castell, berichtete der US-Sender Marketplace. Staedtler beruft sich auf einen Bleistiftmacher, der 1662 in Nürnberger Akten auftaucht, Faber-Castell auf das Gründungsjahr 1761. Wie der Streit ausging, berichtete der Sender nicht.

Welche Firma die älteste Bleistiftfirma der Welt ist, bleibt damit eine Frage der Lesart. Faber-Castell nennt sich „eines der ältesten“ Industrieunternehmen der Welt, eine unabhängige Rangliste dazu kennt die Redaktion nicht.

Wer wie viel umsetzt

Die Geschäftsjahre der Konkurrenten enden verschieden: Faber-Castell rechnet von April bis März, Schwan-Stabilo von Juli bis Juni, BIC und F.I.L.A. nach dem Kalenderjahr. Die Tabelle stellt Zeiträume nebeneinander, die überwiegend das Jahr 2024 abdecken. Staedtler hat zuletzt eine Umsatzzahl für 2023 veröffentlicht, 361 Millionen Euro bei rund 2.000 Beschäftigten, Faber-Castell kam im Geschäftsjahr 2023/24 auf 618,4 Millionen Euro.

UnternehmenZeitraumUmsatzAnmerkung
BIC, Sparte SchreibgeräteKalenderjahr 2024813,9 Mio. €bereinigte EBIT-Marge 7,6 %, Konzern 2.197 Mio. €
Schwan-Stabilo, Gruppe07/2024 bis 06/2025757,5 Mio. €davon Kosmetik 369,3 Mio. €, Stabilo 199,1 Mio. €
F.I.L.A. (Lyra, Dixon, Canson)Kalenderjahr 2024612,6 Mio. €bereinigtes EBITDA 118,2 Mio. €
Faber-Castell04/2024 bis 03/2025601,8 Mio. €Umsatzrendite mittlerer einstelliger Bereich
StaedtlerKalenderjahr 2023361 Mio. €neuere Zahl nicht veröffentlicht

Einen Riesen hat dieser Markt nicht. Selbst die Schreibgeräte-Sparte von BIC, die Kugelschreiber in Massen verkauft, setzt weniger als eine Milliarde Euro um. Faber-Castell spielt in derselben Liga wie F.I.L.A., verdient nach den wenigen veröffentlichten Hinweisen aber deutlich weniger. Die Italiener kamen 2024 auf ein bereinigtes EBITDA von 19,3 Prozent des Umsatzes.

Weil EBITDA und Umsatzrendite verschiedene Größen messen, taugt der Vergleich nur als Richtung, nicht als exakte Rangfolge.

Der Heimatmarkt schrumpft

In Deutschland setzte die Branche für Papier, Büro und Schreibwaren 2025 rund 12,4 Milliarden Euro um, nach 12,5 Milliarden im Jahr davor und 13,2 Milliarden 2023, meldete der Handelsverband Büro und Schreibkultur. Auf Schreibgeräte und Zubehör für den Arbeitsplatz entfielen davon 1,3 Milliarden Euro, 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Chinesische Hersteller mit Überkapazitäten laden nach Schilderung von Leitz Kunden ein, zahlen Flug und Hotel und bieten Konsignationslager ohne Risiko an. „Es fühlt sich wie ein Fußballspiel an, in dem der Gegner keine Abseitsregel hat“, sagte er dem DUP Unternehmer-Magazin. Zugleich schließen in Deutschland Fachhändler, bei denen Kunden teure Schreibgeräte ausprobieren konnten.

Wie fest die Kunden gebunden sind

Vertraglich bindet ein Bleistift niemanden. Die Bindung entsteht über Gewohnheit, im Klassenzimmer, wo Lehrkräfte Stifte empfehlen, und am Zeichentisch, wo Illustratorinnen jahrelang mit derselben Farbstiftserie arbeiten. Diese Markentreue ist das eigentliche Kapital von Faber-Castell. In der Kosmetik dürfte die Bindung enger sein: Eine Kosmetikmarke, die ihre Stifte nach eigener Rezeptur fertigen lässt, müsste bei einem Wechsel Farbmassen, Holz und Verpackung neu abstimmen.

Wettbewerb
Wie groß die Rivalen sind
Umsatz in Millionen Euro, Zeiträume überwiegend 2024. Staedtler mit dem letzten veröffentlichten Jahr 2023.
  • BIC, Schreibgeräte (2024)813,9 Mio. €
  • Schwan-Stabilo, Gruppe (07/24 bis 06/25)757,5 Mio. €
  • F.I.L.A. (2024)612,6 Mio. €
  • Faber-Castell (04/24 bis 03/25)601,8 Mio. €
  • Schwan Cosmetics (07/24 bis 06/25)369,3 Mio. €
  • Staedtler (2023)361 Mio. €
12,4 Mrd. €
Markt für Papier, Büro und Schreibwaren in Deutschland 2025
1,3 Mrd. €
davon Schreibgeräte und Zubehör für den Arbeitsplatz
19,3 %
bereinigte EBITDA-Marge von F.I.L.A. 2024

Wer ist bei Faber-Castell eigentlich das Produkt?

Ein Schreibgerät in Holoptik in Verpackung, versehen mit dem Namen „Stein“
Kosmetikstifte für fremde Marken: Den Hersteller verrät die Verpackung selten.

Im Schreibwarengeschäft ist der Name selbst das Produkt: Eltern, Künstler und Sammler zahlen für die Marke. Kosmetikkonzerne zahlen dagegen für eine Fabrik, deren Namen ihre Kundinnen nie lesen. Abhängig ist Faber-Castell vom Handel, von großen Kosmetikkunden und von der Familie, die den Namen hergibt.

Wer zahlt wofür

Im Schreibwarengeschäft kaufen Sie als Kunde eine Marke. Den Preisunterschied zum Stift ohne bekannten Namen erklären Qualitätsversprechen und Gewohnheit, etwa bei Eltern, die beim Schulbedarf kein Experiment wollen. Leitz nennt Faber-Castell einen „Lebensbegleiter“ und meint damit genau diese Kette vom ersten Buntstift bis zum Füller.

In der Kosmetik dreht sich das Verhältnis um. Hier kauft ein Kosmetikkonzern Fertigungswissen, Rezepturen und Kapazität, die Marke Faber-Castell spielt keine Rolle.

Ihre Rolle beschreibt die Sparte in einer Mitteilung als „idealer Partner für unsere weltweiten Beauty-Kunden“, das Unternehmen betont eine eigene Forschung und Entwicklung für die Sparte. Namen von Kunden nennt Faber-Castell nicht. Im Badezimmer liegt also womöglich ein Produkt aus Stein, ohne dass die Verpackung davon erzählt.

Wer auf wen angewiesen ist

Der Konzern braucht den Handel, um seine Ware zu zeigen, und verliert gerade die Fachhändler. „Hochwertige Schreibgeräte möchte man ausprobieren“, sagte Leitz. Mit dem Fachhandel verschwänden die Orte, an denen Kunden die Stifte ausprobieren, deshalb müsse Faber-Castell stärker wie in den USA denken, wo hochwertige Schreibgeräte selbstverständlich online gekauft würden. In der Kosmetik hängt die Auslastung an großen Aufträgen einzelner Konzerne. Wie konzentriert dieses Geschäft ist, weist das Unternehmen nicht aus. Die Verlagerung der Holzstifte nach Brasilien deutet auf eine knappe Kalkulation.

Umgekehrt hängt ein Kosmetikkonzern an seinem Hersteller, solange dieser Rezeptur, Farbmasse und Holzfassung beherrscht. Ein Wechsel kostet Zeit für neue Muster und Prüfungen. Diese wechselseitige Bindung gibt Faber-Castell in Preisverhandlungen etwas Spielraum, mehr nicht.

Die Familie als Lieferant des Namens

Der Name auf jedem Markenstift ist zugleich der Name der Familie. Leitz führt das Unternehmen, wie er sagt, „erstmals ohne ein operativ tätiges Familienmitglied“, die Familie wacht im Aufsichtsrat und in der Unternehmensverwaltung über die Marke. Für einen angestellten Vorstand heißt das: Jede Werksschließung in Franken ist auch eine Frage an das Selbstbild einer Grafenfamilie.

Und die Beschäftigten? Die IG Metall erinnerte im November 2025 daran, dass Graf Anton-Wolfgang bei der weltweiten Expansion „stets die Beschäftigten im Blick“ gehabt habe.

Auf den PunktWer von wem abhängt
  • Schreibwaren: Kunden zahlen für die Marke, der Konzern braucht den Handel als Schaufenster.
  • Kosmetik: Kosmetikkonzerne zahlen für Fertigung und Rezepturen, ihr Name steht auf dem Stift.
  • Familie: Der Name auf jedem Markenprodukt ist der Name der Eigentümer.

Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Zerstückelter Holzbleistift und 19%-Fähnchen auf Schneidbrett vor weißem Grund
Vom Ladenpreis geht knapp ein Sechstel an den Fiskus, den Rest teilen Handel und Hersteller.

Vom Ladenpreis eines Stifts gehen knapp 16 Prozent an den Fiskus, 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Nettopreis, den Rest teilen sich Handel und Hersteller in einem Verhältnis, das keiner von beiden veröffentlicht. Beim Hersteller blieben 2024/25 nach unserer Rechnung 4 bis 6 Euro je 100 Euro Umsatz.

Was in einem Stift steckt

Für einen Bleistift, der im Laden 2,00 Euro kostet, lässt sich die Rechnung nur teilweise aufmachen. Sicher ist die Mehrwertsteuer: Bei 19 Prozent stecken im Preis 32 Cent Steuer, netto bleiben 1,68 Euro. Wie viel davon der Händler behält und wie viel Faber-Castell als Herstellerumsatz verbucht, verraten weder die Handelsketten noch das Unternehmen.

Der Preis von 2,00 Euro ist ein Rechenbeispiel, kein Listenpreis.

Am oberen Ende der Skala liegt der Künstlerkoffer, den Faber-Castell im September 2026 mit RIMOWA vorstellte. Er enthält 120 Polychromos-Farbstifte, Graphitstifte, einen platinbeschichteten Anspitzer und einen Radierer, die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 2.400 Euro. Davon sind 383,19 Euro Mehrwertsteuer, 2.016,81 Euro netto.

Wie sich der Nettobetrag zwischen dem Kofferhersteller aus Köln und dem Stiftehersteller aus Stein aufteilt, sagen beide Partner nicht.

BestandteilBleistift (Rechenbeispiel 2,00 €)RIMOWA-Künstlerkoffer (2.400 € UVP)Beleg
Mehrwertsteuer 19 %0,32 €383,19 €Umsatzsteuergesetz
Nettopreis für Handel und Hersteller1,68 €2.016,81 €Redaktionsrechnung
Anteil des Handelsnicht veröffentlichtnicht veröffentlichtkeine Angabe der Beteiligten
Material, Fertigung, Logistiknicht veröffentlichtnicht veröffentlichtkeine Angabe von Faber-Castell
Ergebnis des Herstellersrechnerisch 4 bis 6 % seines Umsatzesnicht ermittelbarUmsatzrendite 2024/25 „mittlerer einstelliger Bereich“, Annahme 4 bis 6 %
US-Zoll auf Ware aus Brasilien, China, Indien40 bis 50 % (Stand Februar 2026)nicht beziffertStefan Leitz, DUP Unternehmer-Magazin, 17.02.2026

Ein Unternehmen, dessen Stifte in jedem Schreibwarenregal liegen, legt seine Kostenstruktur in keiner Mitteilung offen. Für Verbraucher heißt das, dass sich der Wert eines Markenstifts nur am Regal vergleichen lässt, nicht an der Kalkulation.

Wer die Zölle bezahlt

„Gleichzeitig können wir die Konsumentenpreise nicht einfach um 50 Prozent erhöhen“, sagte Leitz im Februar 2026 über die US-Zölle. Einen Teil der Last trägt also das Unternehmen selbst, die Zölle belasteten den Umsatz und „noch stärker“ das Ergebnis.

Am 20. Februar 2026 erklärte der Oberste Gerichtshof der USA die Zölle nach dem Notstandsgesetz IEEPA für unzulässig, berichtete die Kanzlei Greenberg Traurig. Ob Faber-Castell bereits gezahlte Abgaben zurückverlangt und welche Sätze im Herbst 2026 auf Stifte aus Brasilien anfallen, hat das Unternehmen nicht mitgeteilt.

Wer den Umbau bezahlt

Die Kosten der Neuausrichtung tragen zu einem guten Teil die Beschäftigten in Franken. In Stein fallen 109 Vollzeitstellen weg, mehr als 11 Prozent der Belegschaft, in Geroldsgrün 22 Stellen, weil die Fertigung von Faserschreibern und Fasermalern dort komplett endet, rechnet die IG Metall vor.

Faber-Castell will den Abbau über Altersteilzeit, Ruhestandsregelungen und natürliche Fluktuation erreichen und betriebsbedingte Kündigungen „bestmöglich vermeiden“.

Gewinner des Umbaus sind die Werke in Brasilien und Peru, die neue Linien bekommen. Dort sind die Löhne niedriger, in Brasilien wächst das Holz zudem in eigenen Wäldern, so die WirtschaftsWoche.

Auf den PunktWas ein Stift kostet
  • Steuer: 19 Prozent Mehrwertsteuer, bei 2,00 Euro Ladenpreis 32 Cent.
  • Hersteller: Rechnerisch 4 bis 6 Euro Ergebnis je 100 Euro Umsatz.
  • Belegschaft: 109 Vollzeitstellen in Stein und 22 in Geroldsgrün fallen weg.

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Karton mit Holzblöcken und Schild „Brasilien“ auf Podest
Neue Linien für Brasilien und Peru, rund 130 Stellen weniger in Franken bis Ende März 2027.

Profitieren sollen die Werke in Brasilien, Peru und den USA sowie das Premiumgeschäft in Stein. Draufzahlen müssen die Beschäftigten der verlagerten Linien in Franken und Österreich, die Kursteilnehmer der Akademie und die Stadt Stein am Stammsitz.

Die Gewinner der neuen Landkarte

Das Werk in Brasilien bekommt die holzgefassten Kosmetikstifte aus Stein und kleinere Linien aus dem Bereich Schreiben und Zeichnen. Die Anlagen für Textmarker aus Engelhartszell und die Faserschreiber aus Geroldsgrün gehen nach Lima. In Peru produziert auch der Rivale Staedtler, der im Mai 2025 sechs Werke meldete, zwei davon in Peru.

In den USA wächst das Werk Elgin. Dort laufen inzwischen Spritzguss und Bedrucken, ab Ende 2026 sollen Farbmassen für Kosmetikstifte hinzukommen.

Stein selbst soll vom Umbau profitieren, zumindest nach dem Plan des Vorstands. Der Stammsitz wird zum „Kompetenz- und Innovationszentrum“ für Produkte im Premiumsegment, frei werdende Flächen sollen für hochwertige Linien mit Alleinstellungsmerkmalen genutzt werden. Wie viele Stellen dabei neu entstehen, hat Faber-Castell nicht beziffert.

Die Verlierer in Franken und Österreich

In Engelhartszell an der Donau erfuhren 41 Beschäftigte am 10. Oktober 2025 von der Schließung ihres Werks im Sommer 2026.

In Stein und Geroldsgrün fallen bis Ende März 2027 rund 130 Stellen weg. Die IG Metall warf dem Vorstand vor, die Entscheidung „einfach präsentiert“ zu haben, „ohne sich auch nur die Mühe zu machen, Alternativen zu diskutieren“. Faber-Castell erklärte, man sei in „konstruktiven Gesprächen“ mit den Arbeitnehmervertretungen.

Steins Bürgermeister Kurt Krömer zeigte sich laut den Nürnberger Nachrichten überrascht und besorgt: „Dahinter stehen Familien.“

Die Akademie Faber-Castell, 1995 gegründet, stellt ihren Bildungsbetrieb Ende 2026 ein. Als Gründe nannte das Unternehmen die Folgen der Pandemie, geopolitische Krisen, Investitionsbedarf und eine neue Risikobewertung. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht“, sagte Finanzvorstand Constantin Neubeck. Künftige Studierende für Gestaltung müssen sich eine andere Schule suchen.

GruppeEntwicklungEinordnung
Werke in Brasilien und Peruneue Linien aus Stein, Geroldsgrün und Engelhartszellniedrigere Löhne, eigenes Holz in Brasilien
Werk Elgin (USA)ab Ende 2026 Farbmassen für KosmetikstifteFertigung im Absatzmarkt gegen Zollrisiken
Stammsitz SteinPremium-Kompetenzzentrum, aber 109 Vollzeitstellen wenigerneue Stellen nicht beziffert
Geroldsgrün22 Stellen weniger, Faserschreiber endenKunststoffstifte für Kosmetik bleiben
Engelhartszell (Österreich)Schließung des Werks mit 41 Beschäftigten für Sommer 2026 angekündigtAnlagen gehen nach Lima
Akademie Faber-CastellBildungsbetrieb endet Ende 2026gegründet 1995
FamilieKontrolle über die UnternehmensverwaltungAusschüttungen nicht veröffentlicht

Die Familie und ihr Ertrag

Was die Eigentümer aus dem Unternehmen ziehen, bleibt verborgen. Die AG hat eine einzige Aktionärin, die Unternehmensverwaltung der Familie, Ausschüttungen nennt keine Pressemitteilung. Sicher ist nur, dass die Familie mit ihrer 2021 vorgestellten Inhaberstrategie die Kontrolle behalten will: Die vier Geschwister der neunten Generation bilden laut der damaligen Mitteilung eine „familienkontrollierte Governance-Struktur“ mit aktivem Gesellschafterkreis.

Dass der angestellte Vorstand die unpopulären Einschnitte vollzieht und die Familie im Aufsichtsrat sitzt, ist im Mittelstand kein Einzelfall. Bei Faber-Castell fällt die Rollenteilung auf, weil der Name auf jedem Markenprodukt steht und die Gewerkschaft ausdrücklich an den verstorbenen Grafen erinnert.

Faber-Castell druckt seinen Namen auf über zwei Milliarden Stifte im Jahr, seinen Gewinn nicht einmal in eine Pressemitteilung.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Wie politisch ist Faber-Castell?

Ein Bleistift als Fahnenmast mit blauer „Zoll“-Fahne in einem Ständer mit Schrankenmodell
Lobby über den Branchenverband, Zölle aus Washington und eine offene Nachfolge im Vorstand.

Politisch wird Faber-Castell vor allem über seinen Branchenverband, dem Vorstandschef Stefan Leitz im Vorstand angehört, und über die Zollpolitik der USA. Die wichtigste Machtfrage aber ist eine private: Wer folgt im Frühjahr 2027 auf Leitz, und wie viel Einfluss nimmt die Familie dabei?

Lobbyarbeit über den Verband

Einen eigenen Eintrag im Lobbyregister des Bundestags hat Faber-Castell nicht, eine Suche am 31. Oktober 2026 ergab nur den Industrieverband Schreiben, Zeichnen, Kreatives Gestalten. Dort steht Leitz als Vorstandsmitglied, die Faber-Castell AG gehört zu den namentlich genannten Beitragszahlern, neben Staedtler, Stabilo, edding und Schneider Schreibgeräte. Für 2025 meldete der Verband Ausgaben für Interessenvertretung von 40.001 bis 50.000 Euro, eine halbe Vollzeitstelle dafür und Mitgliedsbeiträge von 380.001 bis 390.000 Euro.

Der Verband will eine Klarstellung, wie Schreibgeräte unter den EU-Chemikalienregeln CLP und REACH einzustufen sind. Im Juni 2026 schickte der Verband Stellungnahmen an das Justiz- und das Wirtschaftsministerium zur Umsetzung der EU-Richtlinie gegen irreführende Umweltwerbung. Weil Stifte lange im Handel liegen, fordert die Branche Übergangs- und Abverkaufsfristen, damit keine Ware vernichtet werden muss, die nach dem Stichtag noch im Regal steht.

Nachhaltigkeit ist für Faber-Castell ein Verkaufsargument. Das Unternehmen ist seit 2003 Mitglied im UN Global Compact, 87 Prozent seines Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen, die Wälder in Brasilien sind FSC-zertifiziert. Strengere Regeln für Umweltwerbung treffen deshalb einen Konzern, der seine Waldflächen gern in Fußballfeldern ausrechnet, besonders direkt.

Zölle als Standortpolitik

Die US-Zölle ab April 2025 trafen Ware aus China, Brasilien und Indien, also genau aus den Ländern, in denen Faber-Castell günstig fertigen lässt. Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 20. Februar 2026 fielen die Notstandszölle, die Unsicherheit blieb. Der Konzern antwortet mit dem Werk in Elgin: Was in den USA verkauft wird, soll zunehmend dort entstehen, mit der Aufschrift „Made in USA“. So entscheidet die US-Handelspolitik mit über die Standorte eines fränkischen Familienunternehmens.

Nachfolge ohne Namen

Stefan Leitz will seinen Vertrag über das Frühjahr 2027 hinaus nicht verlängern, meldete die Lebensmittel Zeitung am 1. September 2026. Einen Nachfolger hat Faber-Castell bis Ende Oktober nicht genannt. Leitz ist erst der zweite Vorstandschef ohne den Familiennamen, nach Daniel Rogger, der seinen Vertrag 2020 „aus familiären Gründen“ nicht verlängert hatte.

Nach dem Tod des Grafen 2016 waren sich zwei Familienstämme über die Nachfolge uneinig, berichteten Medien, darunter das Manager Magazin. Eine Stellungnahme der Familie zu diesen Berichten liegt der Redaktion nicht vor.

2021 stellten die vier Geschwister eine gemeinsame Inhaberstrategie vor. Charles, der Sohn aus erster Ehe, wechselte in den Aufsichtsrat, Katharina, die älteste Tochter aus zweiter Ehe, in den Verwaltungsrat der Unternehmensverwaltung. Eine Familiencharta regelt seither auch Altersgrenzen: Mary Gräfin von Faber-Castell schied zum 1. Januar 2025 mit 74 Jahren aus dem Aufsichtsrat aus, ihre Tochter Sarah übernahm das Mandat.

Offen nur so weit wie nötig

Als nicht börsennotierte AG muss Faber-Castell keine Quartalszahlen und keinen Geschäftsbericht für Anleger vorlegen, nur den Abschluss im Unternehmensregister. Viele Familienunternehmen im Mittelstand verfahren ähnlich, auch der Dübelhersteller fischer nennt in seinen Bilanzmeldungen keinen Gewinn. Unsere Einschätzung: Für ein Unternehmen, das mit Werten wie Verantwortung und Generationendenken wirbt, wäre eine Ergebniszahl in der Mitteilung zu den Jahreszahlen kein großes Opfer.

Auf den PunktPolitik bei Faber-Castell
  • Lobby: Über den Branchenverband, Leitz sitzt in dessen Vorstand.
  • Zölle: US-Zölle von 40 bis 50 Prozent auf Ware aus China, Brasilien und Indien, Stand Februar 2026.
  • Nachfolge: Leitz geht im Frühjahr 2027, ein Nachfolger ist nicht benannt.

Was könnte Faber-Castell zu Fall bringen?

Anspitzer mit Bleistift und Warnzeichen auf grauem Sockel vor weißem Hintergrund
Dünne Rendite, Zölle, Währungen und ein Führungswechsel: die Risiken für Faber-Castell.

Ein einzelner Schlag dürfte Faber-Castell kaum fällen, gefährlich wird die Summe: sinkende Umsätze, eine dünne Rendite, Zölle, schwankende Währungen in Lateinamerika und Konkurrenz aus China. Hinzu kommt ein Führungswechsel mitten im Umbau.

Ein Markt, der schrumpft

Der deutsche Markt für Papier, Büro und Schreibwaren schrumpfte von 13,2 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 12,4 Milliarden Euro im Jahr 2025. Fachhändler schließen, und mit ihnen die Orte, an denen Kunden einen teuren Füller vor dem Kauf in die Hand nehmen.

Leitz hält dagegen, Stifte würden nicht verschwinden. „Handlettering ist das neue Yoga“, sagte er, in Südkorea, China und Japan verkauften sich Stifte in enormen Mengen.

Die These hat einen wahren Kern, sie ersetzt aber keine Umsatzzahl. Seit dem Rekordjahr 2016/17 hat Faber-Castell rund 65 Millionen Euro Jahresumsatz verloren.

Rendite ohne Puffer

Eine Umsatzrendite im mittleren einstelligen Bereich lässt wenig Raum für Fehler. Fällt der Umsatz weiter oder steigen Kosten für Holz, Graphit, Energie und Löhne, schrumpft das Ergebnis überproportional. Die Restrukturierung kostet zunächst Geld, etwa für Altersteilzeit und den Umzug von Anlagen, bevor sie Einsparungen bringt. Zugleich hängt fast die Hälfte des Geschäfts, gemessen am Stand von 2020, an Südamerika. Fallen dort Währungen gegenüber dem Euro, schrumpft der in Euro ausgewiesene Konzernumsatz, auch wenn vor Ort mehr Stifte verkauft werden. 2024/25 kostete dieser Effekt Faber-Castell jedes Wachstum.

Kunden mit Verhandlungsmacht

In der Kosmetik fertigt Faber-Castell für Konzerne, die ihre Lieferanten regelmäßig neu ausschreiben können. Schwan Cosmetics aus der Nachbarschaft fertigt ebenfalls Kosmetik für fremde Marken, mit mehr als 3.000 Beschäftigten in dieser Sparte. Verliert Faber-Castell einen großen Auftrag, fehlen Auslastung und Deckungsbeitrag zugleich, und die Werke in Brasilien und den USA, die gerade neue Linien bekommen, wären schlechter ausgelastet.

Ein Machtwechsel zur falschen Zeit

Im Frühjahr 2027 endet der Umbau in Deutschland, im selben Frühjahr geht Leitz. Sein Nachfolger übernimmt ein Unternehmen, dessen Werke gerade umziehen. Das Risiko liegt weniger in der Person als im Zeitpunkt: Neue Vorstandschefs prüfen gern noch einmal, was der Vorgänger beschlossen hat, und jede Verzögerung verlängert die Phase doppelter Kosten.

Risiken
Was Faber-Castell gefährlich werden könnte
Die wichtigsten Risiken nach Einschätzung der Redaktion, Stand 31.10.2026.
hoch
Dünne Rendite
Umsatzrendite 2024/25 im mittleren einstelligen Bereich, rechnerisch 24 bis 36 Mio. €.
hoch
Zölle in den USA
40 bis 50 % auf Ware aus China, Brasilien und Indien laut Leitz im Februar 2026, Lage seit dem Urteil vom 20.02.2026 offen.
mittel
Währungen in Lateinamerika
Südamerika stand 2020 für rund 45 % des Umsatzes, Wechselkurse kosteten 2024/25 rund drei Prozentpunkte.
mittel
Billigkonkurrenz aus China
Überkapazitäten, aggressive Konditionen für Händler.
mittel
Führungswechsel
Leitz geht im Frühjahr 2027, mitten in der Schlussphase des Umbaus.
mittel
Schrumpfender Heimatmarkt
Papier, Büro und Schreibwaren in Deutschland 2023 bis 2025 von 13,2 auf 12,4 Mrd. €.

Drei Szenarien bis 2031

Im günstigen Fall greifen Verlagerung und Premiumstrategie, die Umsatzrendite kehrt in den hohen einstelligen Bereich zurück, und der Umsatz wächst mit Asien und Lateinamerika wieder Richtung 650 Millionen Euro. Im mittleren Fall bleibt der Umsatz um 600 Millionen Euro, die Rendite verharrt im mittleren einstelligen Bereich, und Faber-Castell verkleinert seine deutsche Fertigung schrittweise weiter. Im ungünstigen Fall treffen neue Zölle das US-Geschäft, ein Kosmetik-Großkunde wechselt, und die Familie muss über einen Partner oder frisches Kapital nachdenken.

Alle drei Szenarien sind Einschätzungen der Redaktion, keine Prognosen des Unternehmens. Für das laufende Geschäftsjahr hat Faber-Castell keine Prognose veröffentlicht.

Was bedeutet Faber-Castell für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Wegweiser aus Stiften mit Texttafeln „Stein“ und „Lima“, darunter Warnschild und Anspitzreste
Was Verbraucher, Mittelständler und Händler aus dem Umbau bei Faber-Castell mitnehmen.

Für Verbraucher ändert sich wenig: Die Stifte bleiben im Regal, manche kommen künftig aus Brasilien statt aus Franken. Für Mittelständler ist Faber-Castell ein Lehrstück dafür, wie ein Familienunternehmen mit starker Marke auf Zölle, Billigkonkurrenz und schrumpfende Heimatmärkte reagiert.

Was Verbraucher wissen sollten

Der Name auf dem Stift sagt wenig über den Fertigungsort. Ein Farbstift von Faber-Castell kann aus Stein, aus São Carlos oder aus Lima stammen, ein Kajalstift einer bekannten Kosmetikmarke womöglich aus einem Werk des Konzerns, ohne dass Faber-Castell darauf steht.

Das Herkunftsland steht oft auf der Verpackung, den Hersteller erfahren Käufer am ehesten beim Händler.

Mit Preissprüngen rechnen wir kurzfristig nicht. Leitz hat selbst gesagt, dass sich Zölle nicht einfach an Konsumenten weitergeben lassen, und die Konkurrenz aus China begrenzt den Spielraum zusätzlich.

Was Mittelständler daraus lernen

Faber-Castell setzt Hebel an, die viele Industriebetriebe kennen. Zunächst die Fertigung im Absatzmarkt: Das Werk in Elgin soll Zollrisiken mindern und in den USA für den US-Markt produzieren. Daneben die Trennung von Massenware und Premium, einfache Linien wandern in Länder mit niedrigeren Löhnen, hochwertige bleiben am Stammsitz. Schließlich Geduld mit dem Rohstoff: Die eigenen Wälder in Brasilien wachsen seit den 1980er Jahren und deckten 2020 schon 87 Prozent des Holzbedarfs.

Vier Jahre Beratung haben eine Fertigung in Stein nicht gerettet, und die Art der Ankündigung hat der IG Metall die Angriffsfläche für den Vorwurf geboten, über Alternativen sei nicht gesprochen worden. Unternehmer, die früh mit Betriebsrat und Gewerkschaft reden, ersparen sich diesen Vorwurf.

Was Zulieferer und Händler beachten sollten

Zulieferer in Franken, die Material oder Dienstleistungen für die verlagerten Linien bereitstellen, dürften Aufträge verlieren. Händler sollten damit rechnen, dass Faber-Castell den Onlinevertrieb weiter ausbaut, weil der Fachhandel schrumpft. Leitz hat angekündigt, stärker wie im US-Markt zu denken.

Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate

Optimistisch: Die Zahlen für 2025/26 zeigen einen stabilen Umsatz um 600 Millionen Euro, ein Nachfolger für Leitz steht früh fest, und die Verlagerungen laufen bis März 2027 nach Plan. Realistisch: Der Umsatz sinkt leicht, die Rendite bleibt im mittleren einstelligen Bereich, und der Führungswechsel verzögert einzelne Entscheidungen. Pessimistisch: Neue US-Zölle auf Ware aus Brasilien treffen das Geschäft, und der Konzern kündigt weiteren Stellenabbau in Deutschland an.

Auch diese Szenarien sind Einschätzungen der Redaktion. Den Ausschlag gibt, ob Faber-Castell seine Marke im Premiumsegment schneller ausbaut, als das Geschäft mit Massenware schrumpft.

Auf den PunktZum Mitnehmen
  • Verbraucher: Der Markenname verrät den Fertigungsort nicht, oft aber die Verpackung.
  • Mittelstand: Fertigung im Absatzmarkt mindert Zollrisiken.
  • Handel: Der Konzern denkt stärker an den Onlinevertrieb.

Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Faber-Castell

Ein aufgeschlagenes Buch mit leerem Inhalt, darauf ein Stift und ein Anhänger „Glossar“
Von Altersteilzeit bis Umsatzrendite: die wichtigsten Fachbegriffe zu Faber-Castell.

Abweichendes Geschäftsjahr

Ein abweichendes Geschäftsjahr beginnt nicht am 1. Januar, sondern zu einem anderen Stichtag. Unternehmen wählen diesen Stichtag oft passend zu ihrem Saisongeschäft. Faber-Castell rechnet vom 1. April bis zum 31. März, das Geschäftsjahr 2024/25 endete also am 31. März 2025.

Altersteilzeit

Die Altersteilzeit erlaubt älteren Beschäftigten, ihre Arbeitszeit vor der Rente zu verringern, oft in einem Block aus voller Arbeit und anschließender Freistellung. Unternehmen nutzen das Modell, um Stellen ohne Kündigungen abzubauen. Faber-Castell will den Abbau in Deutschland unter anderem so umsetzen.

Auftragsfertigung

Bei der Auftragsfertigung produziert ein Unternehmen Waren, die ein anderes unter eigener Marke verkauft. Auf der Verpackung erscheint nur der Name des Auftraggebers. Faber-Castell fertigt seit 1978 Kosmetikstifte auf diese Weise für Kosmetikkonzerne.

Familiencharta

Eine Familiencharta ist eine schriftliche Vereinbarung der Eigentümerfamilie über Werte, Rollen und Regeln im Unternehmen, etwa über Nachfolge oder Altersgrenzen. Rechtlich bindet eine solche Charta meist nur über ergänzende Verträge. Bei Faber-Castell schied Mary Gräfin von Faber-Castell gemäß der Charta aus Altersgründen aus dem Aufsichtsrat aus.

FSC-Zertifikat

Das FSC-Zertifikat des Forest Stewardship Council bestätigt, dass Holz aus Wäldern stammt, die nach festgelegten ökologischen und sozialen Regeln bewirtschaftet werden. Unabhängige Prüfer kontrollieren die Einhaltung. Die Kiefernwälder von Faber-Castell in Brasilien sind nach diesem Standard zertifiziert.

Holzgefasster Stift

Ein holzgefasster Stift besteht aus einer Mine, die zwischen zwei verleimten Holzbrettchen liegt und mit ihnen in Form geschnitten wird. So entstehen Blei-, Farb- und Kosmetikstifte. Faber-Castell nennt sich den bedeutendsten Hersteller solcher Stifte, eine unabhängige Marktstatistik dazu fehlt.

Härtegrad

Der Härtegrad beschreibt, wie hart oder weich die Mine eines Bleistifts ist. Gebräuchlich sind Buchstaben wie H für hart und B für weich, HB liegt dazwischen. Lothar von Faber legte 1851 eine Skala fest, die den Bleistift zu einem vergleichbaren Markenprodukt machte.

Konzernabschluss

Der Konzernabschluss fasst die Zahlen aller Gesellschaften einer Unternehmensgruppe zusammen, als wäre sie ein einziges Unternehmen. Mutterunternehmen großer Konzerne müssen den Konzernabschluss offenlegen. Faber-Castell hat den Abschluss zum 31. März 2025 im April 2026 im Unternehmensregister veröffentlicht.

Lobbyregister

Das Lobbyregister des Bundestags verzeichnet seit 2022 Organisationen und Personen, die Einfluss auf Bundestag und Bundesregierung nehmen, samt Ausgaben und Themen. Faber-Castell hat keinen eigenen Eintrag, ist aber als Beitragszahler des Industrieverbands Schreiben, Zeichnen, Kreatives Gestalten genannt.

Sozialcharta

Eine Sozialcharta ist eine freiwillige Selbstverpflichtung eines Unternehmens zu Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen. Faber-Castell vereinbarte im Jahr 2000 mit der IG Metall und der Bau- und Holzarbeiter-Internationale eine solche Charta, die die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation in allen Werken sichern soll.

Umsatzrendite

Die Umsatzrendite gibt an, wie viel Prozent des Umsatzes als Ergebnis übrig bleiben. Je nach Unternehmen ist damit das Ergebnis vor oder nach Steuern gemeint. Faber-Castell nennt die Kennzahl nur in Spannen, für 2024/25 im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Unternehmensregister

Das Unternehmensregister ist die zentrale Plattform des Bundes, auf der Unternehmen ihre Jahres- und Konzernabschlüsse und andere Pflichtangaben veröffentlichen. Die Einsicht ist kostenlos. Auch nicht börsennotierte Aktiengesellschaften wie Faber-Castell legen dort ihre Abschlüsse offen.

Währungsbereinigter Umsatz

Für den währungsbereinigten Umsatz rechnet ein Unternehmen Erlöse in fremden Währungen mit gleichbleibenden Kursen um. Diese Kennzahl zeigt, wie sich das Geschäft ohne Wechselkurseffekte entwickelt hat. Faber-Castell wuchs 2024/25 währungsbereinigt um 0,3 Prozent, in Euro gerechnet sank der Umsatz um 2,7 Prozent.

FAQ: Wie verdient Faber-Castell heute noch Geld mit Bleistiften?

Ein Holzstift und ein dunkler Stift mit blauem Ende und „FAQ“-Schild auf weißem Podest
Häufige Fragen zu Faber-Castell: Eigentümer, Börse, Führung, Beschäftigte, Werke und Umsatz.

Wem gehört Faber-Castell?

Einzige Aktionärin der Faber-Castell AG ist die A.W. Faber-Castell Unternehmensverwaltung GmbH. Mittelbar halten die vier Geschwister Charles, Katharina, Sarah und Victoria von Faber-Castell aus der neunten Generation die Mehrheit. Die genaue Verteilung der Anteile ist nicht veröffentlicht.

Ist Faber-Castell an der Börse?

Nein. Die Faber-Castell AG ist nicht börsennotiert, Aktien lassen sich nicht über die Börse kaufen. Das Unternehmen veröffentlicht deshalb keine Quartalszahlen, sondern einmal im Jahr den Gruppenumsatz und eine Spanne für die Umsatzrendite.

Wer leitet Faber-Castell?

Vorstandsvorsitzender ist seit März 2020 Stefan Leitz, der zuvor unter anderem bei Kühne, Unilever und Procter und Gamble arbeitete. Laut Lebensmittel Zeitung verlängert er seinen Vertrag über das Frühjahr 2027 hinaus nicht. Den Aufsichtsrat führt seit Anfang 2024 Dirk Engehausen.

Wie viele Mitarbeiter hat Faber-Castell?

Faber-Castell beschäftigte im September 2026 rund 6.000 Menschen weltweit, davon etwa 1.200 in Deutschland. In Stein zählt die IG Metall rund 950 Beschäftigte, in Geroldsgrün rund 220. Bis Ende März 2027 fallen in Deutschland rund 130 Stellen weg.

Wo produziert Faber-Castell?

Der Stammsitz mit Werk liegt in Stein bei Nürnberg, ein weiteres deutsches Werk in Geroldsgrün in Oberfranken. Im Ausland produziert Faber-Castell unter anderem in Brasilien, Peru und den USA, insgesamt in neun Ländern mit, je nach Mitteilung, bis zu zehn Produktionsstätten.

Wie viel Umsatz macht Faber-Castell?

Im Geschäftsjahr 2024/25, das am 31. März 2025 endete, setzte Faber-Castell 601,8 Millionen Euro um. Im Jahr davor lag der Umsatz bei 618,4 Millionen Euro. Eine Zahl für das Geschäftsjahr 2025/26 lag Ende Oktober 2026 noch nicht vor.

Quellen

40 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 31.10.2026
  1. Faber-Castell AGFaber-Castell beschleunigt Transformation (Pressemitteilung vom 10.10.2025)
  2. WirtschaftsWocheVon Bayern nach Brasilien: Faber-Castell verlagert Kosmetikstiftproduktion17.10.2026
  3. Lebensmittel ZeitungSchreibwaren: Faber-Castell-CEO Stefan Leitz zieht sich 2027 zurück01.09.2026
  4. Faber-Castell AGFaber-Castell richtet deutsche Standorte neu aus (Pressemitteilung vom 25.11.2025)
  5. Faber-Castell AGFaber-Castell behauptet sich in schwierigem Umfeld (Pressemitteilung vom 26.08.2024)
  6. Faber-Castell AGStarker Umsatzsprung für Faber-Castell (Pressemitteilung vom 24.08.2023)
  7. Faber-Castell AGFaber-Castell wächst wieder zweistellig (Pressemitteilung vom 07.07.2022)
  8. Faber-Castell AGFaber-Castell erwartet 6% Wachstum (Pressemitteilung vom 12.10.2021)
  9. Faber-Castell AGFaber-Castell baut Klima-Engagement weiter aus (Pressemitteilung vom 13.01.2020)
  10. Faber-Castell AGHistorisches Hoch mit 631 Millionen Euro Umsatz und 10 Prozent WachstumPressemitteilung 2016
  11. Faber-Castell GroupFacts and figures
  12. HorizontFamilienunternehmen Faber-Castell gibt sich neue Inhaberstrategie02.08.2021
  13. Faber-Castell AGZukunftsorientierte Inhaberstrategie (Pressemitteilung vom 29.07.2021)
  14. Private Banking MagazinBei Familie Faber-Castell greift eine neue Inhaberstrategie05.08.2021
  15. turi2Zusammenfassung des Manager-Magazin-Berichts zum Nachfolgestreit bei Faber-Castell
  16. Faber-Castell AGÄnderungen im Aufsichtsrat von Faber-Castell (Pressemitteilung vom 20.01.2025)
  17. Faber-Castell AGFührungswechsel bei Faber-Castell: Stefan Leitz wird neuer Vorstandsvorsitzender (Pressemitteilung vom 12.12.2019)
  18. leadersnetDaniel Rogger wird neuer CEO von Faber-Castell2017
  19. DUP Unternehmer-MagazinFaber-Castell im Wettbewerb: Strategie, Zölle und Transformation, Interview mit Stefan Leitz17.02.2026
  20. Faber-Castell AGFaber-Castell zieht positives Fazit zur Fachmesse Ambiente (Pressemitteilung vom 12.02.2026)
  21. Faber-Castell AGDenken in Generationen: Nachhaltigkeit jenseits von Trends (Pressemitteilung vom 25.02.2026)
  22. Faber-Castell AGRIMOWA und Faber-Castell feiern mit ihrem Artist Case die Kraft der Kreativität (Pressemitteilung vom 14.09.2026)
  23. Faber-Castell AGNeuausrichtung im Premium-Bereich: Marke ottohutt wird eingestellt (Pressemitteilung vom 28.08.2025)
  24. Faber-Castell AGAkademie Faber-Castell beendet erfolgreiche Ära: Bildungsbetrieb wird 2026 eingestellt (Pressemitteilung vom 31.07.2025)
  25. Faber-Castell AG75 years press camp: when history was written in the Faber-Castell castle (Pressemitteilung vom 20.11.2020)
  26. Faber-Castell SingapurAn exciting family history, The sixth generation, The eighth generation
  27. IG Metall WestmittelfrankenFaber-Castell will über 130 Arbeitsplätze streichen (Pressemitteilung vom 25.11.2025)
  28. Nürnberger NachrichtenStellenabbau bei Faber-Castell: Steins Bürgermeister besorgt26.11.2025
  29. Neue Deutsche BiographieBernhard Hoffmann: Faber, Lothar Freiherr von (NDB 4, 1959)
  30. Deutsches Historisches MuseumGründerzeit: Biografie Lothar von Faber
  31. Lebensmittel ZeitungFaber-Castell: Familienunternehmer gestorben2016
  32. MarketplacePencil pushers: oldest corporate rivalry29.09.2010
  33. Schwan-StabiloPresseinformation zu den Umsatzergebnissen des Geschäftsjahres 2024/25November 2025
  34. StaedtlerZahlen und Fakten (Presseinformation, Mai 2025)
  35. Société BICQ4 and Full Year 2024 Results18.02.2025
  36. QuartrF.I.L.A. Q4 2024 earnings summary
  37. wll.newsPBS-Branche zeigt stabile Entwicklung trotz leichter Umsatzrückgänge09.02.2026
  38. Deutscher BundestagLobbyregister, Eintrag R000393 Industrieverband Schreiben, Zeichnen, Kreatives Gestalten e.V.
  39. Greenberg TraurigSupreme Court Invalidates Trump Administration’s IEEPA Tariffs20.02.2026
  40. North DataRegisterauskunft Faber-Castell AG, Amtsgericht Fürth HRB 8213 (Offenlegungen)
4,5 21 Bewertungen

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