Auf dem Preisschild am Regal steht, seit wann das Shampoo nicht teurer geworden ist, an der Kasse zeigen Sie die dm-App mit der verknüpften Payback-Karte vor. Beides gehört zum Geschäft. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte dm in Europa 19,2 Milliarden Euro um, einen Gewinn nennt die Drogeriekette in ihren Jahresmeldungen nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügendm will zu Beginn des Jahres 2027 einen eigenen KI-Einkaufsagenten in seine App einbauen. Auf dem Industriepartnerforum Anfang Oktober 2026 stellte die Drogeriekette ihren Lieferanten den Dienst „dm-mitgedacht“ vor, berichtete die Lebensmittel Zeitung. Zuerst soll der Dienst eine Einkaufsliste führen, später den Warenkorb nach Vorgaben umbauen und auf Wunsch selbst bestellen.
Am 9. Dezember will das Landgericht Karlsruhe entscheiden, ob dm über die tschechische Versandapotheke dm-med weiter apothekenpflichtige Arzneimittel an deutsche Kunden verkaufen darf. Geklagt hat die Wettbewerbszentrale.
Der Händler mit 4.189 Märkten in 14 Ländern wächst also in Richtung Apotheke und Software. Seinen Gewinn legt dm als Kommanditgesellschaft im Unternehmensregister offen, in den Pressemitteilungen fehlt die Zahl. Was verdient dm an seinen Kunden, und wer bezahlt die dauerhaft niedrigen Preise?
Das Wichtigste in Kürze
- dm setzte im Geschäftsjahr bis September 2025 einschließlich Mehrwertsteuer 19,2 Milliarden Euro um, 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gut zwei Drittel davon stammen aus Deutschland, das Ausland wächst mit 12,1 Prozent fast doppelt so schnell wie das Inland.
- Die jüngste öffentlich berichtete Gewinnzahl stammt aus dem Geschäftsjahr 2019/20: 141 Millionen Euro Jahresüberschuss bei 11,6 Milliarden Euro Umsatz, gut 1,2 Cent je Euro an der Kasse. Neuere Konzernabschlüsse liegen im Unternehmensregister, dm nennt die Zahlen nicht selbst.
- Mit 27,5 Prozent Marktanteil bei Drogeriewaren führt dm in Deutschland vor Rossmann. Je Markt setzte dm 2024/25 rund 6,2 Millionen Euro um, Rossmann 2025 rund 4,5 Millionen Euro.
- Die dm-App nutzen 12,5 Millionen Menschen, Payback ist seit 2000 Partner. Lieferanten bekommen Verkaufsdaten und sollen dafür Werbung buchen und Produktdaten für KI-Agenten pflegen.
- Mit der Versandapotheke dm-med, der Erweiterung in ChatGPT und dem geplanten Einkaufsagenten verschiebt dm sein Geschäft vom Regal in die App.
Fünf Fragen zwischen Regal und Kasse
1 In welchem Jahr eröffnete Götz W. Werner den ersten dm-Markt in Karlsruhe? Aufklappen ↓
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2 Wie viel blieb dm im Geschäftsjahr 2019/20 von einem Euro Umsatz als Jahresüberschuss? Aufklappen ↓
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3 Wie hoch war der Marktanteil von dm bei Drogeriewaren in Deutschland im Geschäftsjahr 2024/25? Aufklappen ↓
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4 Wie lange erhöht dm den Preis eines Artikels nach dem Dauerpreis-Versprechen nicht? Aufklappen ↓
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5 Von wo verschickt die Versandapotheke dm-med ihre Arzneimittel? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter dm und wie fing alles an?
Gegründet hat dm 1973 der Drogist Götz W. Werner in Karlsruhe, finanziert über Lieferantenkredite und ab 1974 über den Kaufmann Günther Lehmann. Heute halten die Werner-Seite und Lehmanns Sohn je 160 Millionen Euro Kommanditeinlage, geführt wird dm von Werners Sohn Christoph.
Ein Drogist ohne Bankkredit
Götz Werner, 1944 in Heidelberg geboren, lernte im Laden seines Vaters, einer Drogerie in dritter Generation, die später in die Pleite rutschte. Zwölf Jahre arbeitete er als Drogist, zuletzt beim Karlsruher Großhändler Idro. 1973 eröffnete er in Karlsruhe seinen ersten Drogeriemarkt mit niedrigen Preisen, Selbstbedienung und großen Mengen im Regal.
Einen Kredit bekam er dafür von keiner Bank. Den Aufbau finanzierte Werner mit Krediten seiner Lieferanten. 1974 fiel die Preisbindung für Drogeriewaren, und Händler durften ihre Preise selbst setzen. Dirk Roßmann verkaufte seit 1972 Drogerieartikel zu Discountpreisen, Werner kannte das Vorbild. Ab 1975 baute auch Anton Schlecker eine Kette auf. Den 100. Markt eröffnete dm 1978, Rossmann erst 1982, wie die Wirtschaftswoche 2017 nachzeichnete.
Die zweite Hälfte
Im November 1974 stieg Günther Lehmann ein, Juniorerbe der Karlsruher Lebensmittelkette Pfannkuch. Er gab Geld und bekam dafür die Hälfte der Anteile. Von drei Mitgründern blieb keiner: Hans Roth ging nach einem Jahr, Armin Föll 2004, Hildegard Oswald 2013.
Im April 2016 übertrug Lehmann seine Anteile an seinen minderjährigen Sohn. Das Handelsregister führt heute zwei Kommanditisten: Kevin David Lehmann und die dm-drogerie markt Werner GmbH, beide mit einer Einlage von je 160 Millionen Euro. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die dm-drogerie markt Verwaltungs-GmbH. Götz Werner selbst schied 2010 als Kommanditist aus. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte er damals, er habe seine Anteile in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht, seine sieben Kinder würden keine Eigentümer.
Vater, Nachfolger, Sohn
Nach 35 Jahren an der Spitze wechselte Werner 2008 in den Aufsichtsrat, Geschäftsführer wurde Erich Harsch. Seit 2019 führt Christoph Werner das Unternehmen, der Sohn des Gründers sitzt seit 2011 in der Geschäftsführung. Götz Werner starb am 8. Februar 2022 mit 78 Jahren.
Bekannt wurde der Gründer auch außerhalb des Handels.
Seit den frühen 1990er-Jahren warb er für ein bedingungsloses Grundeinkommen und schrieb darüber das Buch „Einkommen für alle“. Das Handelsblatt nahm ihn 2023 nachträglich in seine „Hall of Fame der Familienunternehmen“ auf.
Vom ersten Laden geblieben ist das Rezept, an vielen Kunden wenig zu verdienen und die Lieferanten an der Finanzierung zu beteiligen. Neu hinzugekommen sind Daten, eine App und ein Apothekenversand im Ausland.
Werner baute dm 1973 ohne Bankkredit auf, Lehmann finanzierte ab 1974 die Hälfte. Eigentümer sind heute eine Werner-Gesellschaft und Lehmanns Sohn, geführt wird dm von Christoph Werner.
Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

dm wuchs mit einem Preisversprechen statt mit Sonderangeboten, mit neuen Märkten im Ausland und mit dem Zusammenbruch von Schlecker 2012. Zwischen den Geschäftsjahren 2019/20 und 2024/25 stieg der Umsatz in Europa von 11,6 auf 19,2 Milliarden Euro.
Ein Preis für vier Monate
Mitte der 1990er-Jahre entschied sich dm gegen das, was im Handel bis heute üblich ist: wechselnde Aktionspreise. „Wir haben uns bereits vor 30 Jahren gegen kurzfristige Aktionen und für dauerhaft günstige Regalpreise entschieden“, sagte Harald Bauer, Chef von dm in Österreich, im November 2025.
Der Dauerpreis gilt bis heute. dm verspricht, den Preis eines Artikels mindestens vier Monate lang nicht zu erhöhen, im Markt, im Onlineshop und in der App. Auf jedem Preisschild steht, seit wann der Preis gleich geblieben ist.
Für Kunden ersetzt das Versprechen den Preisvergleich. Für dm entfällt ein Teil der Arbeit, die Aktionspreise im Handel verursachen: der Preiswechsel am Regal im Wochentakt.
Das Jahr, in dem der Rivale fiel
Am 23. Januar 2012 stellte die Schlecker-Gruppe beim Amtsgericht Ulm einen Insolvenzantrag. Die Kette aus Ehingen betrieb damals rund 6.000 Märkte in Deutschland und gab bis Ende Februar mehr als die Hälfte davon auf. Um die frei werdende Kundschaft warben vor allem dm und Rossmann.
Von den großen Drogerieketten blieben dm, Rossmann und der kleinere Müller.
Von Salzburg nach Osteuropa
Den Weg ins Ausland nahm dm über Österreich. Von Salzburg aus steuert die österreichische Tochter das Geschäft in Mittel- und Südosteuropa, an ihr waren laut einem Bericht der Wirtschaftswoche von 2017 auch die Handelsgruppe Spar und Günter Bauer beteiligt, ein früherer Ruderpartner von Götz Werner. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte dieser Teilkonzern mit Österreich und elf weiteren Ländern mehr als 5,85 Milliarden Euro um.
Insgesamt betreibt dm 4.189 Märkte in 14 Ländern, davon 2.154 in Deutschland. In ganz Europa arbeiten 93.426 Menschen für das Unternehmen, 63.648 davon in Deutschland, darunter 4.418 in der Ausbildung.
Fünf Jahre, 65 Prozent
Für das Geschäftsjahr 2021/22 meldete dm in Europa 13,6 Milliarden Euro Umsatz, für 2023/24 bereits 17,7 Milliarden Euro und für 2024/25 schließlich 19,2 Milliarden Euro.
In fünf Jahren wuchs der Umsatz damit um rund 65 Prozent. Die Zahl der Märkte stieg seit 2021/22 von gut 3.900 auf 4.189, um höchstens 7 Prozent. Mehr Umsatz je Markt kommt nicht nur aus höheren Preisen. Beim Marktanteil nach Menge gewann dm 2024/25 laut NielsenIQ 0,8 Prozentpunkte, beim Marktanteil nach Umsatz 0,4 Punkte auf 27,5 Prozent. dm verkauft also mehr Packungen, nicht nur teurere Packungen.
Unsere Einordnung: dm ist ohne Börsengang größer geworden als jeder deutsche Wettbewerber. Ein Unternehmen ohne Aktionäre am Kapitalmarkt muss seine Rendite niemandem vorrechnen, und dm nutzt diese Freiheit.
- 1973Götz W. Werner eröffnet in Karlsruhe den ersten dm-Markt, finanziert über Lieferantenkredite.
- 1974Die Preisbindung für Drogeriewaren fällt, Günther Lehmann steigt mit 50 Prozent ein.
- 1978dm eröffnet den 100. Markt, Rossmann folgt 1982.
- um 1995Dauerpreise statt kurzfristiger Aktionen.
- 2000Start der Zusammenarbeit mit dem Bonusprogramm Payback in Deutschland.
- 2008Werner wechselt in den Aufsichtsrat, Erich Harsch wird Geschäftsführer.
- 2010Werner scheidet als Kommanditist aus und bringt seine Anteile in eine Stiftung ein.
- 2012Insolvenzantrag von Schlecker im Januar.
- 2019Christoph Werner übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung.
- 202519,2 Milliarden Euro Umsatz in Europa, Start der Versandapotheke dm-med im Dezember.
- 2026Klage der Wettbewerbszentrale, Pläne für einen KI-Einkaufsagenten ab 2027.
Wie verdient dm tatsächlich sein Geld?

dm verdient am Verkauf von Drogeriewaren mit kleinem Aufschlag auf sehr großer Menge. 2024/25 kamen 13,3 Milliarden Euro Umsatz aus Deutschland und 5,9 Milliarden Euro aus 13 weiteren Ländern. Die Marge nennt dm nicht, 2019/20 blieben von einem Euro an der Kasse gut 1,2 Cent Jahresüberschuss.
Zwei Drittel aus Deutschland
Im Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025 setzte dm in Europa 19,197 Milliarden Euro um. Davon stammten 13,279 Milliarden Euro aus Deutschland, ein Anteil von 69 Prozent, und 5,918 Milliarden Euro aus den übrigen 13 Ländern.
Das Ausland wächst schneller. Dort legte der Umsatz um 12,1 Prozent zu, in Deutschland um 6,5 Prozent.
dm meldet den Bruttoumsatz, also einschließlich Mehrwertsteuer. Bei einem Duschgel für 2 Euro gehen bei 19 Prozent Steuersatz knapp 32 Cent an das Finanzamt, bei Babynahrung und Lebensmitteln mit 7 Prozent gut 13 Cent. Der Umsatz, den dm selbst behält, liegt deshalb deutlich unter den gemeldeten 19,2 Milliarden Euro.
Nach Sparten schlüsselt dm den Umsatz nicht auf. In den Märkten stehen mehr als 12.500 Artikel, im Onlineshop mehr als 18.000. Eine einzige Warengruppe beziffert das Unternehmen: Mit Bio-Lebensmitteln ohne Frischware setzte dm in Deutschland mehr als eine Milliarde Euro um, gut 7 Prozent des deutschen Umsatzes.
Was neben dem Regal verdient
Den Anteil der dm-Marken wie Balea, alverde oder Denkmit am Umsatz veröffentlicht dm nicht. Seit November 2025 verkauft dm unter Denkmit auch Waschmittel, mit Tensiden auf Basis von Kohlendioxid.
Eigenmarken bringen dem Händler doppelten Nutzen. dm bestimmt Rezeptur, Verpackung und Preis selbst und hat beim Einkauf ein Gegenangebot zu jeder Herstellermarke im Regal.
Eine zweite Einnahmequelle sind die Hersteller. Schon 2021 suchte dm Personal für ein neues Team, das digitale Werbeflächen vermarktet. Über das Partnerportal sollen Lieferanten Werbeplätze in Onlineshop und App selbst buchen, berichtete die Lebensmittel Zeitung im Februar 2024. Wie viel dm mit dieser Händlerwerbung, im Fachjargon Retail Media, einnimmt, nennt die Drogeriekette nicht.
Seit kurz vor Weihnachten 2025 verkauft die tschechische Tochter dm-med rezeptfreie, aber apothekenpflichtige Arzneimittel, verschickt aus dem Lager im tschechischen Bor. In ausgewählten Märkten testet dm Augenuntersuchungen, eine Hautanalyse per KI und Blutanalysen mit Partnern.
Daten aus 12,5 Millionen Apps
12,5 Millionen Menschen nutzen die dm-App, meldete dm im Oktober 2025. In Deutschland arbeitet dm seit 2000 mit dem Bonusprogramm Payback zusammen, 2024 verlängerten beide die Zusammenarbeit in neun Ländern. Mit verknüpftem Payback-Konto sammeln Kunden in der App Punkte, lösen Coupons ein und hinterlassen einen vollständigen Kassenbon.
Für Payback ist dm wichtiger geworden, seit Rewe und Penny die Zusammenarbeit Ende 2024 beendeten und ein eigenes Bonusprogramm starteten. Rewe soll an Payback zuletzt knapp 150 Millionen Euro im Jahr gezahlt haben, wie die Lebensmittel Praxis aus Unternehmenskreisen erfuhr.
Die Einkaufsdaten fließen an die Lieferanten zurück. dm gibt Herstellern über das Partnerportal immer feinere Verkaufszahlen aus Markt und Onlineshop und erwartet im Gegenzug Angebote, die auf diesen Daten aufbauen. Seit Oktober 2026 bietet dm außerdem eine Erweiterung in ChatGPT an, über die Kunden Empfehlungen bekommen, Produkte vergleichen und Angaben zu Märkten abrufen, teilte die Technik-Tochter dm Tech mit.
Für fremde KI-Agenten betreibt dm außerdem eine eigene Schnittstelle, einen sogenannten MCP-Server. Agenten können dort Produkte suchen, Preise und Bestände in den Märkten abfragen. Einen Warenkorb füllen oder bestellen können die Agenten dort nicht. Einen Wert für diese Daten weist dm nirgends aus. Sichtbar wird ihr Nutzen nur indirekt, im Umsatz je Markt und im Werbegeschäft mit den Herstellern.
Die Marge, die dm nicht nennt
Die dm-drogerie markt GmbH + Co. KG legt jedes Jahr einen Konzernabschluss offen, im Unternehmensregister sind die Abschlüsse der Geschäftsjahre 2016/17 bis 2024/25 verzeichnet. In den Jahresmeldungen der Drogeriekette kommt der Gewinn nicht vor.
Öffentlich berichtet wurde der Gewinn zuletzt für das Geschäftsjahr 2019/20.
Die Wirtschaftswoche wertete damals den Abschluss aus: Der Konzernjahresüberschuss stieg von 113 auf 141 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern von 161,1 auf 203 Millionen Euro.
Als Grund nannte dm vor allem den höheren Umsatz, auch auf bestehenden Flächen, und eine höhere Verkaufsspanne. Bei 11,6 Milliarden Euro Umsatz in Europa ergeben 203 und 141 Millionen Euro nach Rechnung der Redaktion 1,75 Cent Gewinn vor Steuern und gut 1,2 Cent nach Steuern je Euro an der Kasse.
Für das Geschäftsjahr 2016/17 hatte die Lebensmittel Zeitung einen Jahresüberschuss von 103,2 Millionen Euro gemeldet, 16,7 Prozent weniger als im Vorjahr trotz höheren Umsatzes. dm nahm den Rückgang laut dem Bericht bewusst hin, um die Marktführung gegen die Konkurrenz zu festigen.
Zum Vergleich: Müller meldete für das Geschäftsjahr bis Ende Juni 2024 einen Gewinn von 185,1 Millionen Euro bei rund 5 Milliarden Euro Nettoerlösen, rund 3,7 Prozent. Rossmann nennt keinen Gewinn, wohl aber ein Eigenkapital von 2,5 Milliarden Euro und keine Nettofinanzschulden. Die Zahlen beruhen auf unterschiedlichen Zeiträumen und Umsatzbegriffen und sind deshalb nur grob vergleichbar.
Mit seiner Zurückhaltung steht dm unter den Familienunternehmen nicht allein. Auch Stihl zeigt als Kommanditgesellschaft seine Bilanz, aber keine Gewinn- und Verlustrechnung.
Wer wen bezahlt
Rabatte gibt dm vor allem über Coupons und Payback-Punkte in der App, der Preis am Regal bleibt mindestens vier Monate stabil. Quersubventioniert wird trotzdem, nur leiser: Die Märkte erwirtschaften das Geld, mit dem dm Onlineversand, Abholstationen und Software aufbaut. Für 2025/26 plante dm mehr als 250 Millionen Euro an Investitionen, bezahlt aus dem laufenden Geschäft, nach rund 200 Millionen Euro im Vorjahr.
Der Onlinehandel wächst zweistellig und schneller als das Geschäft in den Märkten, seinen Anteil am Umsatz nennt dm nicht. In Deutschland stehen 1.847 Abholstationen, an denen Kunden online bestellte Ware im Markt abholen.
Unsere Einschätzung: Das Abholen im Markt ist für dm die billigere Form des Onlinehandels, weil der Weg zur Kundin über die Filiale führt, die ohnehin beliefert wird. Teurer ist der Versand nach Hause aus dem Lager in Bor, für den dm ein zweites Verteilzentrum in Heideloh bei Leipzig angekündigt hat.
Größe, die sich rechnet
An einem durchschnittlichen Tag kaufen in Deutschland rund 2,2 Millionen Menschen bei dm ein, in ganz Europa 3,7 Millionen Haushalte. Ein dm-Markt in Deutschland setzte 2024/25 im Schnitt 6,2 Millionen Euro um, nach Rechnung der Redaktion.
Jeder zusätzliche Kunde im bestehenden Markt kostet dm wenig. Miete, Personal im Grundbetrieb und Belieferung sind ohnehin bezahlt, vom Rohertrag des Mehrumsatzes bleibt deshalb ein großer Teil im Ergebnis. Genau diesen Effekt nannte dm im Abschluss 2019/20: mehr Umsatz auf bestehenden Flächen.
Was sich seit 2020 verschoben hat
„Wir werden unsere erfolgreiche Omnichannel-Strategie weiter ausbauen“, kündigte Christoph Werner im Oktober 2025 an, gemeint ist der Verkauf über Markt, Onlineshop und App zugleich. Bis 2027 sollen Selbstbedienungskassen in allen deutschen Märkten stehen, an sechs Standorten testet dm Abholstationen, die rund um die Uhr öffnen.
Auch die Kosten für Energie will dm planbarer machen. Ab 2026 soll ein langfristiger Stromliefervertrag mit dem Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 und Solarparks rund ein Fünftel des Strombedarfs decken.
Hinzugekommen sind seit 2020 der Versand aus Tschechien, die Versandapotheke, Gesundheitstests in den Märkten, Werbeplätze für Hersteller und die Schnittstellen für KI-Agenten. Der Kern blieb: ein Laden im Wohnviertel mit Dauerpreisen und hoher Frequenz.
- Umsatz: 19,2 Milliarden Euro einschließlich Mehrwertsteuer, 69 Prozent aus Deutschland.
- Gewinn: zuletzt öffentlich 141 Millionen Euro für 2019/20, gut 1,2 Cent je Euro.
- Daten: 12,5 Millionen App-Nutzer, Payback als Partner, Verkaufszahlen für Lieferanten.
- Neu: Versandapotheke, Gesundheitstests, Werbeplätze, Schnittstellen für KI-Agenten.
Wie groß ist die Marktmacht von dm?

dm hält in Deutschland 27,5 Prozent des Marktes für Drogeriewaren und liegt damit klar vor Rossmann mit 18,8 Prozent. Für Hersteller ist dm der größte Abnehmer der Branche, für Kunden ein Händler, den sie ohne Kosten wechseln könnten.
Zwei Ketten, ein Markt
Den Anteil von dm misst das Marktforschungsinstitut NielsenIQ für das Geschäftsjahr 2024/25 mit 27,5 Prozent, nach 27,1 Prozent im Vorjahr. Rossmann meldete für das Kalenderjahr 2025 einen Anteil von 18,8 Prozent, 0,6 Punkte mehr als 2024. Gemessen wird jeweils der Markt für Drogeriewaren, den sich die Drogerieketten mit Supermärkten und Discountern wie Lidl teilen.
Beim Umsatz in Deutschland ist der Abstand kleiner als beim Marktanteil. Rossmann setzte 2025 in 2.342 deutschen Filialen 10,5 Milliarden Euro um, dm im Geschäftsjahr 2024/25 in 2.154 Märkten 13,3 Milliarden Euro. Je Markt sind das bei dm rund 6,2 Millionen Euro, bei Rossmann rund 4,5 Millionen Euro. dm braucht also weniger Läden für mehr Umsatz. Der einzelne Markt ist voller, die Fixkosten verteilen sich auf mehr Kassenbons.
Müller spielt in einer anderen Liga. Die Kette erlöste im Geschäftsjahr bis Juni 2024 netto rund 5 Milliarden Euro mit 941 Filialen in acht Ländern.
Bindung ohne Vertrag
Ein Kunde kann jederzeit zu Rossmann gehen, eine Kündigung braucht er nicht. Gegen den Wechsel arbeiten Gewohnheit und Bequemlichkeit: der Markt im Wohnviertel, die Payback-Punkte, die Coupons in der App, die mit dem Dauerpreis eingeübte Gewissheit, nicht vergleichen zu müssen. Payback verstärkt die Bindung. Bei der Vertragsverlängerung mit dm meldete das Bonusprogramm 2024 rund 31 Millionen aktive Kunden, die Payback-App nutzten in Deutschland mehr als 11,7 Millionen Menschen.
Im Kundenmonitor 2025, einer jährlichen Befragung zur Kundenzufriedenheit, kam dm auf Platz 1 unter den Drogeriemärkten und unter allen stationären Händlern in Deutschland.
Härter wirkt die Bindung auf der anderen Seite des Regals. Ein Hersteller von Zahnpasta, Windeln oder Sonnencreme, der bei dm fehlt, verliert den Zugang zu mehr als einem Viertel des deutschen Drogeriemarkts. dm verlangt von den Lieferanten sorgfältig gepflegte Produktdaten und bietet ihnen Werbeplätze an, die sie über das Partnerportal buchen.
Der Verfolger investiert
Rossmann expandiert schneller.
Der Wettbewerber plant für 2026 Investitionen von 613 Millionen Euro und 342 neue Filialen im In- und Ausland. dm kündigte für 2025/26 mehr als 250 Millionen Euro Investitionen und nur einen moderaten Zuwachs an Standorten an, der Schwerpunkt liegt auf dem Umbau bestehender Märkte und der Software.
Der wichtigste Rechtsstreit, den dm derzeit führt, dreht sich um das Apothekenrecht. Kläger ist die Wettbewerbszentrale, verhandelt wird vor dem Landgericht Karlsruhe.
Unsere Einordnung: Die Marktmacht von dm wirkt stärker gegenüber den Herstellern als gegenüber der Kundschaft. Kunden bleiben, weil der Preis stimmt und die App bequem ist, Hersteller bleiben, weil sie keine Wahl haben.
- Marktanteil: 27,5 Prozent, Rossmann 18,8 Prozent.
- Je Markt: rund 6,2 Millionen Euro Umsatz, Rossmann rund 4,5 Millionen Euro.
- Kunden: Platz 1 im Kundenmonitor 2025, Bindung über App und Dauerpreis.
- Hersteller: ohne dm kein Zugang zu einem Viertel des Marktes.
Wer ist bei dm eigentlich das Produkt?

Die Kundschaft bezahlt bei dm mit Geld und, über App und Payback, mit ihren Einkaufsdaten. Einen Verkauf an Dritte meldet dm nicht, genutzt werden die Daten trotzdem: Hersteller bekommen Verkaufszahlen und sollen dafür Werbung buchen, während die dm-Marken im selben Regal gegen sie antreten.
Die Kundin mit dem Telefon an der Kasse
Die meisten Leserinnen und Leser kennen dm aus der Rolle der Kundschaft. In dieser Rolle zahlen Sie zweimal: an der Kasse mit Geld, in der App mit dem, was Sie kaufen, wann und in welchem Markt. Mit 12,5 Millionen App-Nutzern hat dm einen großen Teil seiner Stammkundschaft im eigenen System.
Die App funktioniert wie ein Haushaltsbuch, das die Kundin selbst führt und dm mitliest. Im Gegenzug bekommt die Kundin Coupons, Payback-Punkte und eine Einkaufsliste, aus der ab 2027 ein Einkaufsagent werden soll. Dass dm Kundendaten an Dritte verkauft, ist nicht bekannt. Das Geschäft mit den Daten läuft über die Lieferanten: Hersteller bekommen über das Partnerportal Auswertungen der Verkäufe und sollen damit Angebote machen, die auf dm zugeschnitten sind.
Der Hersteller als Kunde und Konkurrent
Für eine Markenfirma ist dm Abnehmer, Werbefläche und Rivale zugleich. dm kauft ihre Ware, verkauft ihr Werbeplätze in App und Onlineshop und stellt daneben eine eigene Marke wie Balea oder Denkmit, deren Rezeptur und Preis dm selbst festlegt.
Auf dem Industriepartnerforum im Oktober 2026 wurde der Ton deutlicher. „Wer heute schon Probleme mit der Pflege seiner Stammdaten hat, droht durch Agentic Commerce in den Hintergrund zu geraten“, sagte der für das Sortiment zuständige dm-Manager Marcel Rieser laut Lebensmittel Zeitung. Gemeint ist der Einkauf über KI-Agenten: Nach dieser Logik bevorzugt ein Agent, der Windeln nachbestellt, die Marke mit vollständigen Daten.
Ein Hersteller, der im dm-Agenten nicht auftaucht, verlöre Umsatz, ohne dass ein Mensch am Regal je die Wahl gehabt hätte.
Die Beschäftigten ohne Tarifvertrag
Die eigentliche Arbeit im Markt leisten 63.648 Beschäftigte in Deutschland. dm gehört keinem Arbeitgeberverband an und ist deshalb an keinen Flächentarif gebunden, berichtete das Handelsblatt 2023. Löhne legt dm selbst fest, 2023 lag die Erhöhung über der Empfehlung des Handelsverbands HDE für tarifgebundene Händler. Im Herbst 2023 erhöhte dm die Gehälter rückwirkend ab April um 6 Prozent und zahlte Vollzeitkräften zusätzlich 650 Euro Inflationsausgleich und 850 Euro zum Jahresende.
Bei Umfragen schneidet dm als Arbeitgeber gut ab. Statista und der Stern führten dm 2025 als beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands, 4.418 Menschen lernen bei dm einen Beruf.
Unsere Einordnung: Bei dm ist niemand bloß Ware, aber jeder liefert mehr als Geld. Die Kundschaft liefert Daten, die Hersteller liefern Werbebudgets und Produktdaten, die Beschäftigten liefern Arbeit zu Löhnen, die dm ohne Tarifpartner festsetzt.
Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Von 10 Euro an der dm-Kasse gehen bei Drogeriewaren 1,60 Euro Mehrwertsteuer an den Staat. Als Gewinn vor Steuern blieben 2019/20, im letzten öffentlich bekannten Jahr, rund 18 Cent. Den großen Rest verschlingen Ware, Löhne, Mieten und Logistik, deren Aufteilung dm nicht veröffentlicht.
Zehn Euro, zerlegt
Auf Shampoo, Zahnpasta und Waschmittel fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an, auf Lebensmittel und Babynahrung 7 Prozent. Von einem Bon über 10 Euro reicht dm deshalb je nach Warenkorb zwischen 65 Cent und 1,60 Euro an das Finanzamt weiter.
| Bestandteil | Betrag je 10 Euro Umsatz | Grundlage |
|---|---|---|
| Mehrwertsteuer bei 19 Prozent | 1,60 Euro | Regelsteuersatz, etwa für Körperpflege und Waschmittel |
| Mehrwertsteuer bei 7 Prozent | 0,65 Euro | ermäßigter Satz, etwa für Lebensmittel |
| Ware, Löhne, Mieten, Logistik, IT, Payback | rund 8,20 Euro bei 19 Prozent | von dm nicht aufgeschlüsselt, Rest nach Abzug von Steuer und Gewinn |
| Gewinn vor Steuern | rund 0,18 Euro | Konzern 2019/20: 203 Millionen Euro bei 11,6 Milliarden Euro Umsatz |
| davon Steuern auf den Gewinn | rund 0,05 Euro | Differenz zum Jahresüberschuss von 141 Millionen Euro |
| Investitionen | rund 0,10 Euro | 2024/25: rund 200 Millionen Euro bei 19,2 Milliarden Euro Umsatz |
Die Gewinnzahlen stammen aus einem anderen Jahr als die Investitionen. Eine jüngere Gewinnzahl hat dm nicht veröffentlicht, die Tabelle zeigt deshalb Größenordnungen, keine Bilanz.
Bei Drogeriewaren erhält der Staat von einem Bon rund neunmal so viel, wie dm 2019/20 als Gewinn vor Steuern behielt.
Ein Preis, der langsam steigt
Der Dauerpreis verschiebt die Kosten zeitlich.
Steigen die Einkaufspreise, darf dm den Regalpreis frühestens vier Monate nach der letzten Änderung anheben, eine Senkung ist jederzeit möglich. In Zeiten steigender Preise trägt dm damit einen Teil der Kosten vorübergehend selbst, sinken die Einkaufspreise, könnte der Vorteil eine Weile beim Händler bleiben.
Wie streng dm das Versprechen auslegt, wurde 2020 sichtbar. Die Lebensmittel Zeitung stellte damals fest, dass dm im Onlineshop binnen drei Wochen die Preise von mehr als 1.000 Artikeln um 10 bis 40 Cent erhöht hatte. dm wies zurück, die Preisführung aufgegeben zu haben, und verwies auf die Marktlage.
Für Österreich nannte dm im November 2025 eine Zahl: Der dm-Warenkorb verteuerte sich in zwölf Monaten um knapp 0,3 Prozent, während die Inflation bei 3 Prozent lag. Bei rund 16.000 Artikeln habe dm die Preise seit 23 Monaten nicht erhöht.
Wer die Rechnung bezahlt
Die Kundschaft bezahlt den Preis und die Steuer. Die Hersteller bezahlen mit Konditionen beim Einkauf und künftig mit Werbung im Partnerportal, ihre Beträge veröffentlicht weder dm noch die Industrie. Für Payback zahlen Händler Gebühren, wie viel dm überweist, ist nicht öffentlich. Eine Vergleichsgröße liefert Rewe: Knapp 150 Millionen Euro im Jahr soll die Supermarktkette an Payback gezahlt haben, bevor sie ausstieg.
Unsere Lesart: Bei dm ist die Verlässlichkeit des Preises das eigentliche Angebot. Dauerpreis, Coupons und Punkte ersparen der Kundschaft den Vergleich, und für diese Bequemlichkeit verzichtet sie auf das Schnäppchen der Woche bei der Konkurrenz.
Von 10 Euro Umsatz erhält der Staat bis zu 1,60 Euro, dm behielt 2019/20 rund 18 Cent vor Steuern. Der Dauerpreis verzögert Preiserhöhungen um mindestens vier Monate, Preissenkungen nicht.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Am meisten profitieren die beiden Eigentümerseiten, deren Gewinnanteile niemand kennt, und eine Kundschaft mit stabilen Preisen. Unter Druck stehen Markenhersteller, die Daten und Werbegeld liefern sollen, und Apotheken, denen dm mit dem Versand aus Tschechien rezeptfreie Arzneimittel streitig macht.
| Gruppe | Entwicklung | Einordnung |
|---|---|---|
| Eigentümer | je 160 Millionen Euro Kommanditeinlage, Gewinnverteilung nicht öffentlich | gewinnen, in unbekannter Höhe |
| Kundschaft | Dauerpreis für mindestens vier Monate, Coupons und Punkte in der App | gewinnt, liefert dafür Einkaufsdaten |
| Beschäftigte in Deutschland | 63.648 Menschen, 2023 plus 6 Prozent Gehalt und Sonderzahlungen | gewinnen in guten Jahren, ohne Tarifvertrag |
| Payback | dm bleibt Partner, nachdem Rewe und Penny 2024 ausgestiegen sind | behält einen großen Partner |
| Markenhersteller | Pflicht zu sauberen Produktdaten, Werbeplätze, Konkurrenz durch dm-Marken | abhängig vom größten Händler |
| Vor-Ort-Apotheken | dm-med verkauft seit Dezember 2025 rezeptfreie Arzneimittel per Versand | verlieren womöglich Umsatz, Urteil am 9. Dezember |
| Rossmann und Müller | 18,8 Prozent Marktanteil bei Rossmann gegen 27,5 Prozent bei dm | halten mit, Rossmann expandiert schneller |
Zwei Eigentümer, kein Börsenkurs
Als Kommanditgesellschaft zahlt dm im Inland keine Körperschaftsteuer auf seinen Gewinn. Die Steuern auf den Gewinnanteil zahlen die Gesellschafter, im Unternehmen fällt die Gewerbesteuer an. Wie viel die Kommanditisten entnehmen und wie viel im Unternehmen bleibt, lässt sich nur aus dem Abschluss im Unternehmensregister ablesen.
Für die Werner-Seite sagte der Gründer 2010, er habe seine Anteile in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht. Die andere Hälfte gehört seit 2016 einem jungen Erben der Familie Lehmann.
Die Beschäftigten profitieren auf ihre Weise von der Unabhängigkeit. dm kann Gehälter ohne Tarifverhandlung anheben, wie 2023 geschehen, und muss keine Dividende an Börsenanleger ausschütten.
Die Apotheke um die Ecke
Kurz vor Weihnachten 2025 startete dm-med, die tschechische Versandapotheke mit Sitz in Bor. Die Wettbewerbszentrale will den Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimittel an Endverbraucher verbieten lassen und verweist auf Gesundheitsrisiken, etwa durch falsche Dosierung.
Bei der Verhandlung am 23. September 2026 sagte der Vorsitzende Richter Steffen Wesche laut dpa: „Es geht um ein ganzes Geschäftsmodell.“ Geprüft wird, ob dm-med eine Ecke in einer Drogerie ist oder eine eigenständige Apotheke, die mit einer Drogerie zusammenarbeitet. dm verweist auf getrennte Warenkörbe und Rechnungen. Kritisch sah das Gericht eine Werbekampagne von Anfang September, die Drogerieartikel und Apothekenprodukte in einem Bestellvorgang bewarb.
Die Apotheken stehen ohnehin unter Druck. Mehr als 500 schlossen im vergangenen Jahr, sagte Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, laut dpa.
dm hält das deutsche Recht für das eigentliche Problem. „Man kann sich fragen, ob das deutsche Fremd- und Mehrbesitzverbot sinnvoll ist“, sagte Marcel Rieser im Februar 2026 der Pharmazeutischen Zeitung. Das Verbot erlaubt in Deutschland nur Apothekern, Apotheken zu besitzen, und höchstens vier.
Die Hersteller am kürzeren Hebel
An dm kommt die Industrie nicht vorbei.
Ein Hersteller muss seine Produktdaten so pflegen, dass ein Agent sie lesen kann, er soll Werbeplätze buchen, und er konkurriert im selben Regal mit einer dm-Marke, deren Preis dm bestimmt. Einen Ausweg bietet nur der Verzicht auf mehr als ein Viertel des Marktes.
Unsere Einordnung: Die Rechnung des dm-Modells geht für Kundschaft und Eigentümer auf. Welche Seite am Ende zahlt, zeigen erst die Konditionen mit den Herstellern, und die bleiben ebenso verschlossen wie der Gewinn.
dm hält jeden Regalpreis mindestens vier Monate stabil, über die eigene Marge schweigt die Drogeriekette in jeder Pressemitteilung.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist dm?

Im Lobbyregister des Bundestags fand die Redaktion am 29. Oktober 2026 keinen Eintrag von dm. Politisch wird dm über seine Geschäftsmodelle: Mit der Versandapotheke in Tschechien stellt die Kette das deutsche Apothekenrecht infrage.
Kein Eintrag im Register
Seit 2022 müssen sich Unternehmen und Verbände, die Kontakt zum Bundestag und zur Bundesregierung suchen, in das Lobbyregister eintragen und ihre Ausgaben dafür angeben. Eine Suche nach der dm-drogerie markt GmbH + Co. KG ergab dort am 29. Oktober 2026 keinen Treffer.
Positionen vertritt dm trotzdem, nur auf anderem Weg: über Interviews und Mitteilungen im eigenen Newsroom.
Im Magazin Focus empfahl Christoph Werner im April 2025 eine Befristung für Gesetze: Ein Gesetz soll automatisch auslaufen, sofern der Gesetzgeber das Gesetz nicht aktiv verlängert. dm verbreitete das Interview im eigenen Newsroom.
Zu den Gesundheitsplänen von dm sagte er im Oktober 2025, das Gesundheitssystem brauche einen fundamentalen Wandel.
Der Umweg über Bor
Das sichtbarste politische Signal setzt dm mit dem Standort seiner Versandapotheke. In Deutschland dürfen nur Apotheker Apotheken besitzen, eine Drogeriekette darf keine betreiben. dm gründete deshalb eine Tochter in Tschechien mit tschechischer Apothekenzulassung und verschickt aus Bor überwiegend nach Deutschland.
dm sieht darin kein Umgehen deutscher Vorschriften, sondern die Nutzung der europäischen Warenverkehrs- und Niederlassungsfreiheit. „Wir kommen nicht in den Markt und wollen die Regeln ändern“, sagte Marcel Rieser der Pharmazeutischen Zeitung. Für den bewussten Gang über die Grenze machte er den Gesetzgeber verantwortlich.
Die Wettbewerbszentrale sieht den Verkauf nicht sauber vom Drogeriegeschäft getrennt. Entscheidet das Landgericht Karlsruhe am 9. Dezember gegen dm, könnte der Fall bis zum Bundesgerichtshof gehen, weil die Frage höchstrichterlich nicht geklärt ist.
Sitz in Karlsruhe
Die Kommanditgesellschaft sitzt laut Handelsregister in Karlsruhe, ebenso die Komplementär-GmbH und die Kommanditistin der Werner-Seite. Die Auslandsgeschäfte in Mittel- und Südosteuropa bündelt die österreichische Tochter in Salzburg.
Ein Gründer mit politischer Idee
Götz Werner brachte den Gedanken des bedingungslosen Grundeinkommens über Jahre in die öffentliche Debatte. Als Buchautor und als Professor für Unternehmertum an der Universität Karlsruhe warb er für die Idee.
Unsere Einordnung: dm betreibt Politik vor allem durch Tatsachen. Eine Versandapotheke im Nachbarland zwingt Gerichte und Gesetzgeber zur Antwort, ganz ohne Termin bei Abgeordneten.
- Lobbyregister: am 29. Oktober 2026 kein Eintrag gefunden.
- Apothekenrecht: Versandapotheke in Tschechien, Urteil in Karlsruhe am 9. Dezember.
- Struktur: Kommanditgesellschaft mit Sitz in Karlsruhe, Auslandsgeschäft über Salzburg.
- Gründer: warb jahrelang für ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Was könnte dm zu Fall bringen?

Akut droht dm ein Urteil gegen die Versandapotheke, auf Dauer eine Verschiebung des Einkaufs zu fremden KI-Agenten. Hinzu kommen ein expandierender Rossmann, hohe feste Kosten für rund 4.200 Mietverträge und eine Eigentümerstruktur aus zwei gleich großen Hälften.
Das Urteil im Dezember
Am 9. Dezember 2026 entscheidet das Landgericht Karlsruhe über dm-med. Verliert dm, wäre der Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimittel in der bisherigen Form gefährdet, und mit ihm der Plan, zum „relevanten Gesundheitsbegleiter“ zu werden, wie Christoph Werner das Ziel 2025 beschrieb.
Beide Seiten können in Berufung gehen, der Rechtsweg bis zum Bundesgerichtshof dürfte Jahre dauern.
Der Agent eines anderen
Gefährlicher als jeder Konkurrent im Wohnviertel wäre ein Einkauf, der nicht mehr in der dm-App beginnt. Meta hat mit Muse einen persönlichen KI-Assistenten vorgestellt, Amazon sperrt den Agenten aus seinem Shop aus.
dm wählt einen Mittelweg: Fremde Agenten dürfen Produkte, Preise und Bestände abfragen, kassieren will dm selbst.
Geht der Plan auf, bleibt die Kundschaft in der App. Bestellen Kunden ihre Zahnpasta dagegen über einen fremden Assistenten, verlöre dm erst die Daten, dann die Preishoheit und zuletzt den Grund, warum Hersteller für Werbeplätze zahlen.
Feste Kosten, dünne Marge
Europaweit hat dm rund 4.200 Mietverträge abgeschlossen. Miete und Personal fallen an, egal wie viele Kunden kommen. Bei einem Gewinn vor Steuern von zuletzt bekannten 1,75 Cent je Euro Umsatz reicht ein kleiner Rückgang der Frequenz, um das Ergebnis spürbar zu drücken. Rossmann baut gleichzeitig aus. Mit 613 Millionen Euro Investitionen und 342 neuen Filialen für 2026 setzt der Wettbewerber auf Fläche, dm auf Umbau und Software.
Ein Lager für das Onlinegeschäft
Bis zur Jahresbilanz 2024/25 lief der gesamte Onlineversand von dm über ein einziges Verteilzentrum im tschechischen Bor. Fiele ein solcher Standort aus, stünde der wachsende Onlinehandel still. Das zweite Verteilzentrum in Heideloh bei Leipzig soll dieses Risiko verteilen, den Start hatte dm für Februar 2026 angekündigt.
Zwei Hälften
Ein weiteres Risiko liegt in der Eigentümerstruktur. Zwei Kommanditisten halten gleich hohe Einlagen von je 160 Millionen Euro. Wie Stimmrechte und Entscheidungen im Gesellschaftsvertrag geregelt sind, ist nicht öffentlich. Ein Streit zwischen den Hälften wäre bei dm der unwahrscheinliche, aber teure Fall.
Drei Szenarien bis 2031
Die folgenden Szenarien sind eine Einschätzung der Redaktion auf Grundlage der Zahlen bis zum Geschäftsjahr 2024/25.
| Szenario | Was passiert | Folge für dm |
|---|---|---|
| Optimistisch | dm-med bleibt erlaubt, der Einkaufsagent bindet die Kundschaft an die App | Gesundheit und Werbung werden zweite und dritte Einnahmequelle |
| Realistisch | dm-med muss Auftritt und Werbung stärker trennen, Agenten Dritter nehmen dm langsam Marktanteile ab | Wachstum vor allem im Ausland, Marge im Kern stabil |
| Pessimistisch | Verbot von dm-med, große Plattformen übernehmen den Einkauf per Agent | dm wird zum Lieferanten fremder Assistenten, Marge unter Druck |
Was bedeutet dm für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für Verbraucher bedeutet dm verlässliche Preise gegen Einkaufsdaten, für Hersteller den wichtigsten Händler der Branche mit wachsenden Ansprüchen an Daten und Werbebudgets. Die nächsten zwölf Monate entscheiden sich an drei Terminen: dem Urteil zu dm-med, den Zahlen für 2025/26 und dem Start des Einkaufsagenten.
Für die Kundschaft
Rund 2,2 Millionen Menschen kaufen in Deutschland an jedem Tag bei dm ein. Für die Kundschaft ist das Angebot klar: kein Prospektjagen, ein Preis, der mindestens vier Monate gilt, Coupons in der App. Mit verknüpftem Payback-Konto geben Kunden dafür ihren vollständigen Einkauf preis.
Mit dem Einkaufsagenten ab 2027 kommt eine neue Frage hinzu. Ein Agent, der den Warenkorb nach Vorgaben umbaut, entscheidet mit, welche Marke im Korb landet, und dm entscheidet mit, welche Kriterien der Agent kennt.
Bei rezeptfreien Arzneimitteln sollten Kunden den Unterschied zwischen dm und dm-med kennen. Die Arznei kommt aus einer tschechischen Versandapotheke, nicht vom Tresen einer Apotheke im Ort.
Für Hersteller und Lieferanten
Für Markenhersteller aus dem Mittelstand ist dm Pflichtadresse und Prüfstein zugleich. Die Drogeriekette verlangt saubere Produktdaten, bietet Verkaufszahlen über das Partnerportal und erwartet im Gegenzug Werbebudgets und Angebote, die auf diese Daten aufbauen.
Ein Lieferant, der seine Stammdaten jetzt nicht ordnet, riskiert, dass ihn der Agent 2027 nicht findet.
Das dm-Verteilzentrum in Wustermark bei Berlin erhielt im Oktober 2026 einen Wirtschaftsförderpreis, für den Onlineversand kündigte dm ein zweites Verteilzentrum in Heideloh bei Leipzig an.
Für Apotheken und Wettbewerber
Apotheken vor Ort erleben dm als neuen Wettbewerber bei rezeptfreien Arzneimitteln. Das stärkste Argument der Apotheken bleibt die Beratung. Drei Viertel der Patienten wollen sich laut Apothekerverband zur Selbstmedikation in der Apotheke vor Ort beraten lassen.
Rossmann und Müller werben um dieselbe Kundschaft. Rossmann setzt dabei auf Fläche und 342 neue Filialen im Jahr 2026.
Was die nächste Bilanz zeigen muss
Das Geschäftsjahr 2025/26 endete am 30. September 2026. Im Vorjahr legte dm die Zahlen am 21. Oktober vor, für das abgelaufene Jahr standen sie am 29. Oktober noch aus.
Neu wäre eine Zahl dazu, was Onlinehandel, Versandapotheke und Werbegeschäft zum Umsatz beitragen.
Für Beschäftigte in den Märkten ist eine andere Zahl wichtiger. Mit Selbstbedienungskassen in allen deutschen Märkten bis 2027 dürfte sich die Arbeit von der Kasse zu Regal, Beratung und Abholung verschieben. Wie viele Stellen dabei entstehen oder entfallen, hat dm nicht angekündigt.
Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate
Die Szenarien sind eine Einschätzung der Redaktion. Grundlage sind die Zahlen des Geschäftsjahres 2024/25 und die angekündigten Termine.
| Szenario | Was passiert | Folge für Kunden und Lieferanten |
|---|---|---|
| Optimistisch | Das Landgericht weist die Klage ab, die Zahlen für 2025/26 zeigen weiteres Wachstum, der Agent startet Anfang 2027 | mehr Angebote rund um Gesundheit, höhere Anforderungen an Produktdaten |
| Realistisch | Teilerfolg der Wettbewerbszentrale, dm-med muss Auftritt und Werbung stärker trennen, der Agent startet als Einkaufsliste | wenig Änderung im Markt, mehr Datenpflicht für Hersteller |
| Pessimistisch | Verbot des Arzneimittelverkaufs, langer Rechtsweg, Verzögerung beim Agenten | Gesundheitsstrategie gebremst, Kosten für den Umbau ohne neue Erlöse |
Was Leser jetzt tun können
- Kunden prüfen in den Einstellungen der App, welche Daten über Payback geteilt werden, und entscheiden bewusst über die Verknüpfung.
- Hersteller bringen ihre Produktdaten in eine Form, die KI-Agenten lesen können, bevor dm-mitgedacht startet.
- Apotheken heben die Beratung bei rezeptfreien Arzneimitteln hervor, statt mit dem Preis zu konkurrieren.
- Vermieter und Projektentwickler beobachten den Umbau statt Ausbau: dm plant nur moderat mehr Standorte.
dm verkauft Shampoo und Zahnpasta mit einem Aufschlag, den der Kassenbon nicht zeigt. Was das Unternehmen daran verdient, steht im Unternehmensregister, nicht in der Werbung. Für ein Unternehmen, das Vertrauen zum Kern seines Preisversprechens macht, wäre etwas mehr Offenheit über die eigene Rechnung ein naheliegender Schritt.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von dm

Apothekenpflicht
Die Apothekenpflicht legt fest, dass bestimmte Arzneimittel nur in Apotheken verkauft werden dürfen, auch wenn sie kein Rezept erfordern. Schmerzmittel und Erkältungsmittel gehören oft dazu. dm verkauft solche Produkte seit Dezember 2025 über die tschechische Versandapotheke dm-med und nicht in den eigenen Märkten.
Bonusprogramm
Ein Bonusprogramm belohnt Einkäufe mit Punkten, Gutschriften oder Rabatten und verknüpft sie mit einem Kundenkonto. Für den Händler entsteht so ein Bild des Einkaufsverhaltens. dm arbeitet in Deutschland seit 2000 mit Payback zusammen, Rewe und Penny verließen das Programm Ende 2024 und starteten ein eigenes.
Bruttoumsatz
Der Bruttoumsatz ist der Umsatz einschließlich Mehrwertsteuer, also das, was Kunden an der Kasse bezahlen. Die Steuer reicht der Händler an das Finanzamt weiter. dm meldet seine Umsätze brutto, die 19,2 Milliarden Euro des Geschäftsjahres 2024/25 enthalten deshalb die Mehrwertsteuer aller 14 Länder.
Dauerpreis
Ein Dauerpreis ist ein Preis, den ein Händler über einen festen Zeitraum nicht erhöht, statt mit wechselnden Aktionen zu arbeiten. Kunden müssen dann weniger vergleichen. dm verspricht beim Dauerpreis, einen Artikel mindestens vier Monate lang nicht teurer zu machen, und schreibt auf das Preisschild, seit wann der Preis gilt.
Eigenmarke
Eine Eigenmarke ist eine Produktlinie, die ein Händler unter eigenem Namen herstellen lässt und selbst bepreist. Die Eigenmarke steht im Regal neben den Marken der Industrie. Zu den dm-Marken zählen Balea, alverde und Denkmit, seit November 2025 auch Waschmittel mit Tensiden auf Basis von Kohlendioxid.
Fremdbesitzverbot
Das Fremdbesitzverbot erlaubt in Deutschland nur Apothekerinnen und Apothekern, eine Apotheke zu besitzen, dazu höchstens drei Filialen. Kapitalgesellschaften und Handelsketten dürfen keine Apotheke betreiben. dm umgeht das Verbot nach Ansicht der Wettbewerbszentrale mit der Tochter in Tschechien, dm beruft sich auf die europäische Niederlassungsfreiheit.
KI-Einkaufsagent
Ein KI-Einkaufsagent ist ein Programm, das im Auftrag eines Kunden Produkte sucht, vergleicht, in den Warenkorb legt und auf Wunsch bestellt. dm plant für Anfang 2027 einen eigenen Agenten namens „dm-mitgedacht“ in der App, der zuerst als Einkaufsliste startet und später selbst bestellen soll.
Kommanditgesellschaft
Eine Kommanditgesellschaft (KG) ist eine Personengesellschaft mit mindestens einem unbeschränkt haftenden Gesellschafter und Kommanditisten, die nur mit ihrer Einlage haften. Bei einer GmbH + Co. KG übernimmt eine GmbH die volle Haftung. dm ist so organisiert, die Kommanditisten halten Einlagen von je 160 Millionen Euro.
Konzernabschluss
Der Konzernabschluss fasst Bilanz und Ergebnis aller Gesellschaften eines Konzerns zusammen, als wären sie ein Unternehmen. Große Unternehmen müssen ihn offenlegen, auch ohne Börsennotierung. Für dm sind Konzernabschlüsse der Geschäftsjahre 2016/17 bis 2024/25 verzeichnet, die jüngste öffentlich berichtete Gewinnzahl betrifft 2019/20.
Marktanteil nach Menge
Der Marktanteil nach Menge misst, welchen Anteil der verkauften Packungen ein Händler erreicht, unabhängig vom Preis. Der Marktanteil nach Umsatz misst den Anteil am ausgegebenen Geld. Bei dm stieg der Mengenanteil 2024/25 laut NielsenIQ um 0,8 Punkte, der Umsatzanteil um 0,4 Punkte auf 27,5 Prozent.
MCP-Server
Ein MCP-Server ist eine Schnittstelle nach dem Model Context Protocol, über die KI-Assistenten Daten und Funktionen eines Anbieters nutzen können. dm betreibt einen solchen Server, über den Agenten Produkte suchen und Preise sowie Bestände in den Märkten abfragen. Warenkorb und Bestellung sind dort nicht freigeschaltet.
Retail Media
Retail Media bezeichnet Werbung, die Händler auf eigenen Websites, in Apps und in Märkten an Hersteller verkaufen, gestützt auf die Einkaufsdaten ihrer Kundschaft. dm baut dafür seit 2021 ein Team auf und will Lieferanten über das Partnerportal Werbeplätze selbst buchen lassen. Einnahmen aus dem Geschäft nennt dm nicht.
Stammdaten
Stammdaten sind die dauerhaften Grunddaten eines Produkts, etwa Name, Inhaltsstoffe, Maße, Bilder und Artikelnummer. Händler und Hersteller tauschen diese Angaben über Datenbanken aus. Für KI-Agenten entscheiden saubere Daten darüber, ob ein Produkt gefunden wird: dm mahnte die Lieferanten im Oktober 2026, ihre Produktdaten sorgfältiger zu pflegen.
Unternehmensregister
Das Unternehmensregister ist die zentrale Plattform, auf der Unternehmen in Deutschland ihre Jahres- und Konzernabschlüsse offenlegen. Einsehen kann die Abschlüsse dort jeder. dm hinterlegt dort seine Konzernabschlüsse, in den Pressemitteilungen zur Jahresbilanz nennt die Drogeriekette aber keinen Gewinn.
Versandapotheke
Eine Versandapotheke verkauft Arzneimittel über das Internet und verschickt sie per Post, statt sie am Tresen abzugeben. Aus anderen EU-Staaten dürfen solche Apotheken an deutsche Kunden liefern. dm-med versendet seit Dezember 2025 aus dem tschechischen Bor, die Wettbewerbszentrale hat dagegen geklagt.
Wettbewerbszentrale
Die Wettbewerbszentrale ist ein Verein von Unternehmen und Verbänden, der gegen unlauteren Wettbewerb vorgeht und dafür vor Gericht klagen darf. Gegen dm klagt der Verein vor dem Landgericht Karlsruhe, weil er Drogerie- und Apothekenangebot nicht ausreichend getrennt sieht. Das Urteil ist für den 9. Dezember 2026 angekündigt.
FAQ: Was verdient dm an 19 Milliarden Euro Umsatz?

Wem gehört dm?
Kommanditisten der dm-drogerie markt GmbH + Co. KG sind laut Handelsregister Kevin David Lehmann und die dm-drogerie markt Werner GmbH mit je 160 Millionen Euro Einlage. Gründer Götz Werner brachte seine Anteile nach eigenen Worten 2010 in eine gemeinnützige Stiftung ein. Günther Lehmann übertrug seine Hälfte 2016 an seinen Sohn.
Wie viele Mitarbeiter hat dm?
Zum 30. September 2025 arbeiteten in Europa 93.426 Menschen für dm, ein Jahr zuvor 89.197. In Deutschland beschäftigte dm 63.648 Menschen, davon 4.418 in der Ausbildung.
Wer ist der Chef von dm?
Christoph Werner, Sohn des Gründers Götz W. Werner, führt dm seit 2019 als Vorsitzender der Geschäftsführung. Er gehört der Geschäftsführung seit 2011 an. Vor ihm leitete Erich Harsch das Unternehmen, der 2008 auf Götz Werner gefolgt war.
Wie viele Filialen hat dm?
Zum Ende des Geschäftsjahres 2024/25 betrieb dm in 14 europäischen Ländern 4.189 Märkte, davon 2.154 in Deutschland. Ein Jahr zuvor zählte dm 4.116 Märkte in Europa und 2.131 in Deutschland. Europaweit hat dm rund 4.200 Mietverträge.
Ist dm größer als Rossmann?
Ja, beim Umsatz und beim Marktanteil. dm setzte im Geschäftsjahr bis September 2025 in Europa 19,2 Milliarden Euro um, Rossmann im Kalenderjahr 2025 16,6 Milliarden Euro. In Deutschland lag dm mit 13,3 Milliarden Euro vor Rossmann mit 10,5 Milliarden Euro, Rossmann hat aber mehr Filialen.
Wann gibt dm die Zahlen für 2025/26 bekannt?
Das Geschäftsjahr 2025/26 endete am 30. September 2026. Die Zahlen für das Vorjahr hatte dm am 21. Oktober 2025 veröffentlicht. Für das abgelaufene Geschäftsjahr lagen bis zum 29. Oktober 2026 noch keine Zahlen vor.
Quellen
30 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 29.10.2026
- dm-drogerie marktdm stellt Weichen für Erneuerung: Schwerpunkte Gesundheit und internationale Digitalisierung (Pressemitteilung zum Geschäftsjahr 2024/25, 21.10.2025)
- Lebensmittel ZeitungAgentic Commerce: dm baut eigenen Einkaufsagenten
- Lebensmittel ZeitungAgentic Commerce: dm öffnet sich für Chat GPT
- ZDFheute / dpaStreit um Online-Apotheke dm-med vor dem Landgericht Karlsruhe
- Pharmazeutische Zeitungdm-Manager hinterfragt Fremdbesitzverbot
- Online-HandelsregisterHandelsregisterauszug dm-drogerie markt GmbH + Co. KG, HRA 102711, Amtsgericht Mannheim (Kommanditisten, Konzernabschlüsse)
- WirtschaftswocheDrogeriemarktkette dm macht mehr Gewinn denn je
- Lebensmittel ZeitungKonzernabschluss: Drogerieprimus dm büßt Gewinn ein
- apotheke adhoc / dpadm-Gründer Götz Werner ist tot
- apotheke adhocDrogerieketten: Teenager erbt dm (28.08.2017, nach Wirtschaftswoche)
- Lebensmittel Zeitungdm: Werner stiftet seine Anteile
- StartingUpdm-Gründer Götz W. Werner: Visionär mit Bodenhaftung (Ausgabe 03/2009)
- dm-drogerie marktHandelsblatt ehrt dm-Gründer posthum
- dm-drogerie marktChristoph Werner empfiehlt Sunset-Klausel für Gesetze
- dm-drogerie marktWirtschaftsförderpreis 2026 für das dm-Verteilzentrum Wustermark
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- Lebensmittel PraxisDrogeriemarktkette Rossmann steigert Umsatz auf 16,6 Milliarden Euro
- CIO / dpaDrogeriemarktkette Müller verbucht Gewinnrückgang
- Paybackdm-drogerie markt und Payback verlängern erfolgreiche Zusammenarbeit in gleich mehreren Märkten
- Lebensmittel PraxisKundenbindung im Handel: Rewe startet eigenes Bonusprogramm mit Euro-Gutschriften
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- VerkehrsRundschauSchlecker schließt Hälfte der Filialen
- Deutscher BundestagLobbyregister, Suche nach dm-drogerie markt (abgefragt am 29.10.2026)
