Bis Anfang November sollte das Insolvenzgeld beim Autohaus König reichen, nun soll die Bundesagentur für Arbeit auch die Novembergehälter der rund 1.200 Beschäftigten übernehmen. Mit Stellantis und Renault hat die Insolvenzverwaltung Vereinbarungen geschlossen. Für 3.000 bis 4.000 Kunden, die ihr Auto ganz oder teilweise bezahlt haben, steigt damit die Chance auf das Fahrzeug.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAuf einer internen Mitarbeiterversammlung, über die die Welt berichtet, sagte Insolvenzverwalter Rainer Eckert: „Wir werden noch einen weiteren Monat Insolvenzgeld zur Verfügung stellen können.“[2] Eine Sprecherin der Insolvenzverwaltung bestätigte der Bild-Zeitung am 28. Oktober die Vereinbarungen mit den beiden Herstellern, wie t-online berichtet.[1] Mitte Oktober stand noch der 2. November als Stichtag im Raum, an dem das Insolvenzgeld enden und eine Einigung mit einem der drei Bieter für die Berliner Händlergruppe stehen sollte.
Das Wichtigste in Kürze
- Die schriftliche Zusage der Bundesagentur für Arbeit lag zur Mitarbeiterversammlung noch nicht vor, im vorläufigen Gläubigerausschuss hat die Behörde laut Eckert bereits zugestimmt.
- Eröffnen soll das Amtsgericht das Verfahren laut Welt erst am 1. Dezember.
- Ob ein Kunde sein Auto bekommt, entscheidet die Insolvenzverwaltung erst nach Prüfung jedes einzelnen Kaufvertrags.
- Ein Käufer steht nicht fest, als Interessent gilt weiter die Augsburger AVAG Holding.
Wie lange sind die Löhne gesichert?

Das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit ersetzt offene Löhne für die drei Monate vor dem Insolvenzereignis, in der Regel der Eröffnung des Verfahrens.[3] Rückt dieser Termin nach hinten, verschiebt sich der Zeitraum mit. Laut Welt soll das Amtsgericht Charlottenburg das Verfahren erst am 1. Dezember eröffnen. Bei diesem Termin deckt die Arbeitsagentur September, Oktober und November ab. Die Verlängerung verschaffe mehr Zeit für den Verkauf, sagte Eckert.[2]
Endgültig ist die Verlängerung noch nicht. Zum Zeitpunkt der Versammlung lag die schriftliche Zusage der Bundesagentur noch nicht vor. Eckert verwies darauf, dass die Behörde im vorläufigen Gläubigerausschuss sitze und dort bereits zugestimmt habe.[2]
Warum müssen die Beschäftigten Abtretungen unterschreiben?
Für den zusätzlichen Monat brauchen die Beschäftigten laut Welt voraussichtlich neue Abtretungserklärungen.[2] Solche Erklärungen gehören zur Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes: Die Beschäftigten treten ihre Lohnansprüche an eine Bank ab, die Bank zahlt die Gehälter sofort aus und erhält später das Insolvenzgeld. Diesen Weg muss die Arbeitsagentur genehmigen. Nach § 170 Abs. 4 SGB III stimmt die Behörde nur zu, falls Tatsachen dafür sprechen, dass durch die Vorfinanzierung ein erheblicher Teil der Arbeitsplätze erhalten bleibt.[4]
Bis Ende November muss König die Löhne dank Insolvenzgeld nicht aus eigener Kraft zahlen. Bei der Warenhauskette Galeria läuft das Modell bereits: Dort streckt eine Bank das Geld vor, nachdem die Arbeitsagentur Mitte Oktober für 9.650 Beschäftigte Insolvenzgeld bewilligt hatte.
Was bedeuten die Vereinbarungen für die Kunden?
Zwischen 3.000 und 4.000 Kunden warten nach Branchenberichten auf Autos, die sie ganz oder teilweise bezahlt haben.[1] Laut Welt hat die Insolvenzverwaltung mit Stellantis, dem Mutterkonzern von Opel, Peugeot, Citroën und Fiat, eine Vereinbarung unterzeichnet und auch mit Renault eine Lösung gefunden.[2] Wie viele Kunden davon profitieren, ist offen. Die Insolvenzverwaltung prüft jeden Kaufvertrag einzeln, danach sollen die Kunden schrittweise erfahren, ob ihr Auto kommt oder was mit ihrer Anzahlung geschieht.[1]
Das Tagesgeschäft läuft laut Geschäftsführer Dirk Steeger langsam wieder an. Die Banken finanzieren den Fahrzeugverkauf erneut, sodass die Gruppe Autos auch auf Kredit verkaufen kann.[2]
Welche Käufer sind im Gespräch?
Gegenüber t-online bestätigte die Insolvenzverwaltung laufende Gespräche, Namen nannte sie mit Verweis auf die Vertraulichkeit nicht.[1] Als möglicher Investor gilt nach Berichten der Welt die AVAG Holding aus Augsburg, die europaweit rund 190 Standorte betreibt. Das Interesse der niederländischen Van Mossel Automotive Group sei zuletzt zurückgegangen. Steeger nannte die Gespräche demnach „besser als gedacht“ und sagte vor der Belegschaft: „Wir haben mehr Interessenten als Autohäuser.“[2]
Unterschrieben hat bisher kein Käufer. Offen ist auch, ob ein Investor alle Standorte übernimmt oder ob die Gruppe in Teilen verkauft wird. Laut Steeger muss jeder Käufer seinen Einstieg eng mit den Herstellern abstimmen, denn sie vergeben die Händlerverträge, ohne die niemand ihre Marken weiterführen kann.[2] Bis zum geplanten Termin am 1. Dezember bleibt das Insolvenzverfahren im vorläufigen Stadium.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- t-onlineBezahlt, aber kein Auto: Autohaus König findet möglichen Retter (28.10.2026, mit Angaben der Insolvenzverwaltung gegenüber Bild)
- Mannheim24 (Ippen Media)Autohaus König insolvent: Einigung mit Herstellern bringt Hoffnung für Tausende Autokäufer (28.10.2026, gibt den Bericht der Welt über die Mitarbeiterversammlung wieder)
- Sozialgesetzbuch III§ 165 Anspruch (Insolvenzgeld, abgerufen 29.10.2026)
- Sozialgesetzbuch III§ 170 Verfügungen über das Arbeitsentgelt (Vorfinanzierung, abgerufen 29.10.2026)
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