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Abgasklappen, die den Klang von Verbrennern steuern, sind das Hauptprodukt der Gersfelder Metallwaren. Nun hat der Zulieferer aus der Rhön Insolvenz beantragt. Für 145 Beschäftigte und vier Auszubildende geht die Arbeit vorerst weiter. Seit 2017 ist der Umsatz um mehr als ein Drittel geschrumpft.

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Am 26. Oktober ging der Antrag beim Amtsgericht Fulda ein. Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Silvio Höfer von der Kanzlei Anchor aus Hannover zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Am Mittwoch erfuhr die Belegschaft auf einer Versammlung davon. Zuerst berichtete Osthessen News über die Mitteilung des Verwalters.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Produktion und Lieferungen in Gersfeld laufen weiter.
  • Stellenabbau hat bisher niemand angekündigt.
  • Als Ursache nennt der Verwalter vor allem die schwache Nachfrage aus der Autoindustrie.
  • Die Fertigung im rumänischen Arad kehrt bis Ende 2026 nach Gersfeld zurück.

Was folgt auf den Insolvenzantrag?

Edelstahl-Absperrklappe mit angehängtem orangem Preisschild „Sanierung“
Insolvenzverwalter Höfer prüft Sanierungsmöglichkeiten für die Gersfelder Metallwaren GmbH und äußert Optimismus für eine Lösung

Das Verfahren steht am Anfang: Der Antrag ist gestellt, eröffnet hat das Gericht noch nicht. Höfer verschafft sich vor Ort einen Überblick und prüft die Sanierungsoptionen. „Ich bin optimistisch, dass wir für die Gersfelder Metallwaren GmbH eine tragfähige Sanierungslösung erreichen können“, erklärte er. Oberstes Ziel sei, den Betrieb „nahtlos zu stabilisieren“ und mit Kunden und Lieferanten fortzuführen. Die Beschäftigten hätten auf der Versammlung signalisiert, diesen Weg zu unterstützen.[1]

Zudem hat der Verwalter einen vorläufigen Gläubigerausschuss beantragt. Das Gesetz schreibt ihn vor, sobald ein Unternehmen zwei von drei Schwellen erreicht: 6 Millionen Euro Bilanzsumme, 12 Millionen Euro Umsatz, 50 Beschäftigte im Jahresmittel.[3] Mit Umsatz und Belegschaft liegt die Firma deutlich darüber. Über den Ausschuss reden die Gläubiger bei wichtigen Entscheidungen des Verwalters mit. Das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur sichert die Löhne, höchstens für die drei Monate vor der Eröffnung.[4]

Warum geriet der Zulieferer in Schieflage?

Elektroautos brauchen keine Abgasklappe, sie haben keinen Auspuff. Den rückläufigen Markt für dieses Hauptprodukt nennt Höfer als zentralen Grund, dazu geopolitische Unsicherheit und eine sinkende Investitionsbereitschaft der Kunden. Nach mehr als 42 Millionen Euro im Jahr 2017 sank der Umsatz 2024 auf 32,2 Millionen Euro und 2025 vorläufig auf 26,73 Millionen Euro. 2024 belastete zudem eine Abschreibung von rund 5,2 Millionen Euro auf die rumänische Tochter das Ergebnis. Deren Fertigung in Arad ist eingestellt und kommt bis Ende 2026 nach Gersfeld zurück.[1]

Seit 2014 leitet laut Fuldaer Zeitung Maximilian Pfeifer das 1970 gegründete Familienunternehmen in dritter Generation. Unabhängiger vom Verbrenner zu werden, hat die Firma mehrfach versucht: 2020 bestellte Tesla Hunderttausende Bremsgestänge für die Fabrik in Grünheide.[2] Heute fertigt das Unternehmen auch Zahnräder und Antriebselemente für Robotik und Maschinenbau, zu den Kunden zählen KUKA und der Landmaschinenhersteller John Deere.[1] Auch der Zylinderkopf-Hersteller Weber Magdeburg hängt an Verbrennerteilen und hat vor wenigen Wochen Insolvenz beantragt.

Gersfelder Metallwaren: Insolvenz eines Zulieferers
Was über das Verfahren des Familienunternehmens aus der Rhön bekannt ist
145 + 4
Beschäftigte und Auszubildende in Gersfeld, Stand September 2026
26,73 Mio. €
vorläufiger Umsatz 2025, nach mehr als 42 Mio. € im Jahr 2017
5,2 Mio. €
Abschreibung auf die rumänische Tochter im Jahr 2024
Stand des Verfahrens
Mitte 2026
Sanierungsgutachten, externe Berater, Gespräche mit den Banken
26. Oktober 2026
Insolvenzantrag beim Amtsgericht Fulda, Silvio Höfer wird vorläufiger Insolvenzverwalter
28. Oktober 2026
Betriebsversammlung, der Geschäftsbetrieb läuft weiter
bis Ende 2026
Fertigung aus dem rumänischen Arad kommt nach Gersfeld zurück
offen
Eröffnung des Verfahrens, danach Insolvenzplan oder Investor

Was bedeutet die Insolvenz für Gersfeld?

Bürgermeister Steffen Korell (CDU) spricht gegenüber der Fuldaer Zeitung von einer „Hiobsbotschaft für Gersfeld“. Korell hofft auf eine Sanierung oder einen Investor, der möglichst viele Arbeitsplätze erhält. Die Firma sei ein wesentlicher Gewerbesteuerzahler, während die Kreisumlage steige und Fördergeld des Landes ausbleibe.[2]

Im Herbst beantragte auch der Mercedes-Zulieferer Aios aus Überherrn ein Insolvenzverfahren. Für die 330 Beschäftigten des Auftragsfertigers Maschinenbau Leicht in Hallstadt ordnete das Amtsgericht Bamberg am 27. Oktober die vorläufige Insolvenzverwaltung an.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Osthessen NewsWirtschaftlich angeschlagen: Gersfelder Metallwaren stellt Insolvenzantrag (29.10.2026, Mitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters)
  2. Fuldaer ZeitungGersfelder Metallwaren sind insolvent – 150 Mitarbeiter betroffen (29.10.2026, teilweise hinter Bezahlschranke)
  3. Insolvenzordnung§ 22a Größenabhängiger Gläubigerausschuss (abgerufen 29.10.2026)
  4. Sozialgesetzbuch III§ 165 Anspruch (Insolvenzgeld, abgerufen 29.10.2026)

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