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Ein formelles Angebot für T-Mobile US legt die Deutsche Telekom vorerst nicht vor. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen und nennt als einen Grund den Widerstand des Betriebsrats. Der Bonner Konzern hält gut 54 Prozent an seiner US-Tochter.

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Auf rund 300 Mrd. Dollar beziffert Bloomberg den möglichen Zusammenschluss der Telekom mit T-Mobile US.[1] Nach dem Bericht hat sich der Konzern einstweilen gegen ein formelles Angebot entschieden, einen neuen Anlauf zu einem späteren Zeitpunkt schließen die Informanten nicht aus. Telekom und T-Mobile US äußerten sich auf Anfrage des Handelsblatts zunächst nicht.[2]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Bloomberg legt die Telekom vorerst kein formelles Angebot für T-Mobile US vor, ein späterer Anlauf bleibt möglich.[1]
  • Als einen Grund nennt die Agentur den Widerstand des Betriebsrats, auch die US-Führung von T-Mobile soll den Plan nicht mehr unterstützen.
  • Einige große Anleger mit Minderheitsbeteiligungen an T-Mobile US lehnen die Fusion laut Bloomberg ebenfalls ab.
  • Die T-Mobile-Aktie hat seit Jahresbeginn fast 30 Prozent verloren, ihr Börsenwert liegt bei rund 156 Mrd. Dollar.

Was steht für die Arbeitnehmer auf dem Spiel?

Zwei unverbundene, weiße Puzzleteile mit einem orangefarbenen Aufsteller „Vorerst nicht“ dazwischen
Betriebsrat blockiert geplante Fusion: VW und Audi hätten gemeinsame Holding in Irland oder Luxemburg gegründet und Aktionäre umgewandelt

Warum der Betriebsrat bremst, schreibt Bloomberg nicht. Diskutiert wurde nach Angaben des Handelsblatts eine neue gemeinsame Gesellschaft mit Sitz in Irland oder Luxemburg.[2] Bereits im April hatte Bloomberg berichtet, eine solche Holding solle den Aktionären beider Konzerne ihre Aktien im Tausch gegen die bisherigen Papiere anbieten.[1]

Das deutsche Mitbestimmungsgesetz gilt nur für Gesellschaften deutschen Rechts. Bei der Telekom stellen die Arbeitnehmer zehn von 20 Sitzen im Aufsichtsrat. Das Gesetz schreibt diese Aufteilung für Unternehmen mit mehr als 20.000 Beschäftigten vor.[3] Über der Telekom AG entstünde mit einer Holding im Ausland eine neue Konzernspitze, für deren Gremien das deutsche Gesetz keine Arbeitnehmersitze vorschreibt.

Überstimmen lassen sich die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat allerdings: Bei Stimmengleichheit entscheidet die zweite Stimme des Vorsitzenden, den in der Praxis die Anteilseigner stellen.[3]

Welche Widerstände kommen von außerhalb?

Die US-Führung von T-Mobile soll die Fusion laut Bloomberg nicht mehr unterstützen, einige große institutionelle Anleger mit Minderheitsbeteiligungen lehnen sie ab.[1] US-Behörden wie der Ausschuss für Auslandsinvestitionen CFIUS würden nach Angaben von US-Regierungsvertretern wohl Zusicherungen verlangen, dass das Geld aus dem US-Geschäft von T-Mobile im Land bleibt oder dort reinvestiert wird.

Hinzu kommen die Aktionäre in Deutschland. Der Investor Elliott hat sich im September bei der Telekom eingekauft und gegen die Fusion gestellt, er verlangt stattdessen Aktienrückkäufe. Der Bund hält direkt und über die KfW rund 28 Prozent und verlöre in einer gemeinsamen Holding seine Sperrminorität.

Einen solchen Konflikt hat Linde schon hinter sich. Im Juni 2017 stimmte der Aufsichtsrat der Fusion mit Praxair gegen den heftigen Widerstand von Betriebsräten und Gewerkschaften zu.[4] Die gemeinsame Linde plc hat ihren Sitz in Irland.

Der Fusionsplan der Telekom unter Druck
Eckdaten laut Bloomberg und Handelsblatt, Stand 28. Oktober 2026
≈ 300 Mrd. $
möglicher Umfang des Zusammenschlusses mit T-Mobile US
gut 54 %
Anteil der Telekom an T-Mobile US
10 von 20
Sitze im Aufsichtsrat der Telekom, die nach dem Mitbestimmungsgesetz die Arbeitnehmer stellen
fast −30 %
Kursverlust der T-Mobile-Aktie seit Jahresbeginn

Stationen des Plans

April 2026
Bloomberg: Eine Holding soll den Aktionären beider Konzerne ihre Aktien im Tausch gegen die bisherigen Papiere anbieten
September 2026
Der Investor Elliott steigt bei der Telekom ein und verlangt Aktienrückkäufe statt der Fusion
28. Oktober 2026
Bloomberg: Die Telekom legt vorerst kein formelles Angebot vor

Die Telekom könnte die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat überstimmen, wie Linde 2017. Dass der Konzern vorerst darauf verzichtet, spricht für einen Plan, der an Rückhalt verloren hat.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet der Stopp für Entscheider in der DACH-Region?

Für Geschäftskunden und Partner ändert der Bericht zunächst nichts. Die Telekom bleibt Mehrheitsaktionärin einer eigenständig börsennotierten US-Tochter, die Konzernspitze sitzt weiter in Bonn.

Offen ist die Kapitalverwendung: Elliott verlangt Rückkäufe, das Wachstum des Konzerns kommt zum großen Teil aus den USA. Dazu läuft in Delaware noch eine Sammelklage von T-Mobile-Minderheitsaktionären gegen die Telekom. Aufsichtsräte anderer Konzerne mit großer US-Beteiligung können aus dem Fall lernen: Eine Holding im Ausland verschiebt die Mitbestimmung. Die Arbeitnehmerseite gehört deshalb früh in die Planung, nicht erst in die Abstimmung im Aufsichtsrat.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Bloomberg (hier über die Zusammenfassung von Seeking Alpha)Deutsche Telekom Said to Hit Brakes on Giant T-Mobile Merger28.10.2026
  2. HandelsblattÜbernahme: Fusion der Telekom mit T-Mobile US in Gefahr28.10.2026
  3. Bundesministerium der JustizGesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer (Mitbestimmungsgesetz), § 7 Absatz 1 und § 29 Absatz 2
  4. dpa (über chemie.de)Linde besiegelt gegen Widerstand der Arbeitnehmer Fusion mit Praxair02.06.2017

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