Im hauseigenen Callcenter fallen 71 Stellen weg, in der Zentrale 49: Der Bochumer Lotterievermittler Faber kündigt mehr als einem Drittel seiner 315 Beschäftigten. Als Gründe nennt das Unternehmen das schrumpfende Geschäft per Post und geänderte Regeln für den Verkauf am Telefon.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAm Dienstagvormittag rief Faber die Beschäftigten in Bochum zusammen. Gegen 11 Uhr erfuhr die Belegschaft von den Plänen, einige hielten danach schon ihr Kündigungsschreiben in der Hand. Zuerst berichtete die WAZ über den Abbau.[1] BILD liegen das Schreiben und eine Stellungnahme des Unternehmens vor.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Faber streicht 71 Stellen im Callcenter Direct Call und 49 in der Zentrale.
- Viele Beschäftigte im Callcenter verlieren ihre Stelle laut BILD zum Jahresende.
- Die angebotene Abfindung entspricht dem gesetzlichen Satz von einem halben Monatsverdienst je Beschäftigungsjahr, sofern Gekündigte nicht klagen.
- Künftig will sich Faber stärker auf das digitale Lotteriegeschäft konzentrieren.
Wen trifft der Stellenabbau bei Faber?

Die meisten Kündigungen gehen an Beschäftigte von Direct Call, dem Callcenter der Faber-Gruppe. Nach BILD-Informationen endet die Arbeit dort für viele schon zum Jahreswechsel. Firmengründer Norman Faber sagte BILD: „Es schmerzt sehr und macht mich traurig, langjährige bewährte Mitarbeiter entlassen zu müssen.“ Eine Sprecherin betonte, die Betroffenen hätten das Unternehmen „mit ihrer Erfahrung, ihrem Engagement und ihrer Nähe zu den Kunden entscheidend mitgeprägt“.[2]
Die Kündigungen sind betriebsbedingt und gelten zum nächstzulässigen Termin. Unterschrieben hat Geschäftsführer Kai Faber. Im Schreiben bietet Faber eine Abfindung von 0,5 Monatsverdiensten je Beschäftigungsjahr nach § 1a Kündigungsschutzgesetz an.[2] Diesen Anspruch erwerben Gekündigte nur, wenn sie innerhalb von drei Wochen keine Kündigungsschutzklage erheben. Mehr als sechs Monate zählen dabei als volles Jahr.[3] Freiwillige Programme können deutlich darüber liegen: Mercedes bietet in Untertürkheim und Berlin bis zu 330.000 Euro.
Warum rechnet sich der Vertrieb per Post und Telefon schlechter?
Faber veranstaltet keine Lotterien, sondern verkauft als Vermittler Tipps und Lose für staatlich erlaubte Spiele wie Lotto 6aus49, Eurojackpot und die Klassenlotterien NKL und SKL. „Neben dem rückläufigen schriftlichen Geschäft belasten gestiegene Kosten für Werbung und Versand sowie veränderte glücksspielrechtliche Vorgaben für den telefonischen Vertrieb die Wirtschaftlichkeit einzelner Angebote“, teilte das Unternehmen BILD mit.[2]
Für den Telefonverkauf setzt der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 enge Grenzen. Werbung über Telefon und andere Telekommunikationsanlagen ist verboten. Erlaubt bleiben Gespräche im Rahmen eines bestehenden Vertrags und Anrufe, mit denen sich Spieler selbst beim Vermittler melden.[4] Neue Kunden gewinnt ein Callcenter am Telefon also nur, wenn sie von sich aus anrufen. Welche Vorgabe sich zuletzt geändert hat, nannte Faber nicht.
Im digitalen Lotteriemarkt sieht das Unternehmen dagegen neue Möglichkeiten und will sich stärker darauf konzentrieren. „Faber handelt jetzt, solange das Unternehmen seine weitere Entwicklung aus eigener Kraft bestimmen kann“, schreibt Faber in der Stellungnahme.[2]
Was folgt für die Beschäftigten in Bochum?
Bei dieser Größenordnung dürfte die Anzeigepflicht des Kündigungsschutzgesetzes greifen. In Betrieben mit 60 bis 499 Beschäftigten muss der Arbeitgeber Entlassungen vorab der Agentur für Arbeit melden, sobald er innerhalb von 30 Tagen mehr als 25 Beschäftigte oder zehn Prozent der Belegschaft entlässt. Einen bestehenden Betriebsrat hat das Unternehmen vorher über Gründe, Zahl und Zeitraum zu unterrichten.[5] Ob Faber die Anzeige erstattet hat und ob ein Betriebsrat beteiligt ist, haben weder WAZ noch BILD berichtet.
Die WAZ zählte Faber über Jahre zu den Vorzeigefirmen in Bochum und in der Lotto-Branche.[1] Auch der Versicherer Generali Deutschland baut gerade Bürostellen ab.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- WAZMassiver Stellenabbau bei Faber in Bochum: Unternehmen streicht 120 Arbeitsplätze (28.10.2026, hinter Bezahlschranke)
- BILDDeutscher Lotto-Anbieter kündigt 120 Mitarbeitern (28.10.2026, mit Stellungnahme von Faber und Auszügen aus dem Kündigungsschreiben)
- Kündigungsschutzgesetz§ 1a Abfindungsanspruch bei betriebsbedingter Kündigung (abgerufen 29.10.2026)
- Glücksspielstaatsvertrag 2021§ 5 Werbung (Abs. 1 Sätze 4 bis 6, abgerufen 29.10.2026)
- Kündigungsschutzgesetz§ 17 Anzeigepflicht (abgerufen 29.10.2026)
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