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Mit Narkose- und Beatmungsgeräten, Patientenmonitoren und Klinikzubehör setzte Dräger 2025 knapp zwei Milliarden Euro um und behielt davon 57 Millionen Euro als operatives Ergebnis. Die kleinere Sparte mit Atemschutz, Gaswarngeräten und Alkoholtestern verdiente mit 1,5 Milliarden Euro Umsatz dreimal so viel. Nach neun Monaten 2026 rutscht die Medizintechnik sogar in die roten Zahlen.

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Inhalt 12 Abschnitte
  1. Wer steckt hinter Dräger und wie fing alles an?
  2. Wie wurde aus der Lübecker Werkstatt ein Weltkonzern?
  3. Wie verdient Dräger tatsächlich sein Geld?
  4. Wie groß ist die Marktmacht von Dräger?
  5. Wer ist bei Dräger eigentlich das Produkt?
  6. Was kostet die Technik aus Lübeck wirklich, und wer trägt die Kosten?
  7. Wer profitiert und wer zahlt drauf?
  8. Wie politisch ist Dräger?
  9. Was könnte Dräger zu Fall bringen?
  10. Was bedeutet Dräger für deutsche Unternehmer und Verbraucher?
  11. Glossar: 17 Fachbegriffe aus Bilanz, Klinik und Atemschutz
  12. FAQ: Warum verdient Dräger mit Atemschutz mehr als mit Beatmung?

Dräger legte am 29. Oktober 2026 seine Zahlen für die ersten neun Monate vor: 2.453,9 Millionen Euro Umsatz, 111,8 Millionen Euro EBIT und eine EBIT-Marge von 4,6 Prozent, in der Medizintechnik minus 0,7 Prozent, in der Sicherheitstechnik plus 11,2 Prozent. Gut ein Fünftel des Ergebnisses stammt aus US-Zöllen, die Dräger für frühere Jahre zurückerhielt.

Das Geschäftsmodell dahinter erklärt, warum ein Familienkonzern aus Lübeck mit Intensivstationen mehr Umsatz macht als mit Feuerwehren und Chemiewerken, aber am Atemschutz verdient.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Dräger setzte 2025 3.481,9 Millionen Euro um, so viel wie nie, und erzielte ein EBIT von 233,4 Millionen Euro. Gut drei Viertel des Umsatzes entstehen außerhalb Deutschlands.
  • Die Medizintechnik bringt 57 Prozent des Umsatzes, aber nur knapp ein Viertel des operativen Ergebnisses. Die Sicherheitstechnik erzielte 2025 eine EBIT-Marge von 11,9 Prozent, die Medizintechnik von 2,9 Prozent.
  • Service, Zubehör und Ersatzteile brachten 2025 1.440,7 Millionen Euro, 41 Prozent des Umsatzes. Kliniken und Feuerwehren hängen über Jahre an ihrem installierten Gerätebestand.
  • Die Familie Dräger kontrolliert den Konzern über die Rechtsform der KGaA und 71,6 Prozent der Stammaktien. Die Vorzugsaktien ohne Stimmrecht liegen vollständig im Streubesitz.
  • Für 2026 hält Dräger an einer EBIT-Marge von 6 bis 8 Prozent fest. Nach neun Monaten stehen 4,6 Prozent, das Schlussquartal entscheidet.

Fünf Fragen an den Atemschutzkonzern aus Lübeck

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Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Dräger?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wofür entwickelten Johann Heinrich und Bernhard Dräger um 1889 das Lubeca-Ventil? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Das Lubeca-Ventil war ein Druckminderer, der beim Bierzapfen die verbrauchte Kohlensäure automatisch ergänzte. Narkose und Grubenrettung folgten erst nach 1900.
2 Welche EBIT-Marge erzielte die Medizintechnik von Dräger im Jahr 2025? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Die Medizintechnik verdiente 57,0 Millionen Euro bei 1.995,6 Millionen Euro Umsatz, eine Marge von 2,9 Prozent. 11,9 Prozent erreichte die Sicherheitstechnik, 6,7 Prozent der Konzern.
3 Wie viel setzte Dräger 2025 mit Dienstleistungen, Zubehör und Ersatzteilen um? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Mit Dienstleistungen, Zubehör und Ersatzteilen erzielte Dräger 1.440,7 Millionen Euro, 41,4 Prozent des Umsatzes. 945,4 Millionen Euro davon entfielen auf die Medizintechnik.
4 Wie viel Geld musste Dräger nach der Kündigung aller Genussscheine an die Inhaber zurückzahlen? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Die Rückzahlung summierte sich auf 467,6 Millionen Euro, gezahlt im Januar 2021 und im Januar 2023. 76,5 Millionen Euro brachte die Kapitalerhöhung des Jahres 2020.
5 Welcher Anteil der stimmberechtigten Stammaktien ist der Familie Dräger zuzurechnen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Ende 2025 waren 71,62 Prozent der Stammaktien der Familie zuzurechnen, davon 68,67 Prozent über die Dr. Heinrich Dräger GmbH. Die Vorzugsaktien liegen vollständig im Streubesitz.

Wer steckt hinter Dräger und wie fing alles an?

Dräger begann 1889 in Lübeck mit einem Ventil für Bierzapfanlagen. Aus der Kunst, Gas unter Druck sicher zu dosieren, entstanden Narkosegeräte, Atemschutz für Bergleute und Beatmung. Heute führt Stefan Dräger den Konzern in fünfter Generation.

Kohlensäure für die Kneipe

Am Anfang stand das Bier. Johann Heinrich Dräger gründete 1889 mit Carl Adolf Gerling in Lübeck die Firma Dräger & Gerling, die unter anderem Bierzapfanlagen mit komprimiertem Kohlendioxid baute. Vater und Sohn Bernhard entwickelten dafür das Lubeca-Ventil, nach der Darstellung des Deutschen Patent- und Markenamts den ersten betriebssicheren Druckminderer, der beim Zapfen die verbrauchte Kohlensäure automatisch ergänzte.

1892 arbeiteten zehn Menschen in der Fabrik, drei Jahre später hieß das Unternehmen Drägerwerk.

Das Ventil erklärt mehr über den heutigen Konzern als jede Imagebroschüre. Eine Mechanik, die Kohlensäure aus einer Hochdruckflasche gleichmäßig in ein Fass leitet, gibt auch Sauerstoff an einen Patienten oder Atemluft an einen Bergmann ab. Das Prinzip bleibt gleich, nur ein Fehler wiegt schwerer.

Vom Zapfhahn zur Narkosemaske

Bernhard Dräger, 1870 in Kirchwerder bei Hamburg geboren, verlegte den Schwerpunkt bald auf Sauerstoff. 1899 kam das Finimeter auf den Markt, das den Füllstand von Sauerstoffflaschen anzeigte. Ab 1901 konzentrierte sich der Sohn auf den Atemschutz, 1902 folgte der Roth-Dräger-Mischnarkose-Apparat, der erstmals Sauerstoff und Narkosemittel zuverlässig dosierte. Der Rettungsapparat Modell 1904 brachte den Durchbruch im Grubenrettungswesen. 1907 setzte die Berliner Feuerwehr erstmals den Pulmotor ein, ein Notfallbeatmungsgerät aus der Werkstatt von Heinrich Dräger. Im selben Jahr gründete das Drägerwerk in den USA die Draeger Oxygen Apparatus Co. und baute Tauchretter für U-Boot-Besatzungen.

Dräger beziffert die Schutzrechte, die Vater und Sohn zwischen 1900 und 1928 erhielten, auf 261 deutsche und 443 ausländische Patente sowie 912 Gebrauchsmuster. Bernhard Dräger starb am 12. Januar 1928 mit 57 Jahren.

Geschichte
Vom Bierventil zum Atemschutzkonzern
Stationen von Dräger seit der Gründung 1889 in Lübeck.
  • 1889Johann Heinrich Dräger und Carl Adolf Gerling gründen in Lübeck Dräger & Gerling, das Lubeca-Ventil regelt den Druck in Bierzapfanlagen.
  • 1895Das Unternehmen heißt Drägerwerk.
  • 1902Der Roth-Dräger-Mischnarkose-Apparat dosiert Sauerstoff und Narkosemittel.
  • 1904Ein Rettungsapparat für Bergleute bringt den Durchbruch im Atemschutz.
  • 1907Die Berliner Feuerwehr setzt erstmals den Pulmotor ein, Gründung einer Niederlassung in den USA.
  • 1944Außenlager des KZ Neuengamme in Hamburg-Wandsbek: rund 550 Frauen fertigen Gasmasken für das Drägerwerk.
  • 1979Die Vorzugsaktien kommen an die Börse.
  • 2003Siemens bringt seine Elektromedizin in die gemeinsame Dräger Medical ein.
  • 2009Dräger kauft den Siemens-Anteil von 25 Prozent zurück.
  • 2020Corona-Jahr: 3,41 Mrd. € Umsatz, 396,6 Mio. € EBIT, Kündigung aller Genussscheine.
  • 2022Lieferkettenkrise, EBIT minus 88,6 Mio. €.
  • 2025Rekordumsatz von 3,48 Mrd. €, Vorzugsaktie im TecDAX.

Gasmasken aus dem Außenlager

Zur Geschichte gehört auch die NS-Zeit. Vom 8. Juni 1944 bis zum 30. April 1945 bestand auf dem Gelände der Hamburger Niederlassung in Wandsbek ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Rund 550 Frauen, die meisten aus Polen und der Sowjetunion, mussten dort Gasmasken für das Drägerwerk fertigen, wie die KZ-Gedenkstätte Neuengamme dokumentiert.

Im März 1945 ließ das Drägerwerk nach den Unterlagen der Gedenkstätte Häftlinge des Lagers in einem gasdichten Luftschutzraum ohne Belüftung einschließen, um zu messen, wie lange Menschen dort überleben. Ein Gedenkort neben dem früheren Lagergelände entstand 2010. Die Inschrift war umstritten, weil das Unternehmen Misshandlung, Arbeit und Unterbringung der Frauen zunächst nicht erwähnt sehen wollte, so die Gedenkstätte.

Die fünfte Generation

Heute führt Stefan Dräger das Unternehmen, das der Geschäftsbericht 2025 als Familienunternehmen in fünfter Generation beschreibt. Er arbeitet seit 1992 bei Dräger, übernahm 2005 den Vorstandsvorsitz und ist bis Ende Februar 2030 bestellt. Mit 16.687 Beschäftigten und 3,5 Milliarden Euro Umsatz gehört Dräger zu den deutschen Hidden Champions, die Dr. Web in dieser Reihe porträtiert.

Anders als Claas oder Stihl ist das Familienunternehmen an der Börse notiert: die Vorzugsaktien seit 1979, die Stammaktien erst seit 2010.

Auf den PunktWer hinter Dräger steht
  • Gründung: 1889 in Lübeck mit einem Druckminderventil für Bierzapfanlagen.
  • Erfindungen: Narkoseapparat 1902, Grubenrettung 1904, Pulmotor 1907.
  • Familie: Stefan Dräger führt den Konzern in fünfter Generation, bestellt bis Februar 2030.

Wie wurde aus der Lübecker Werkstatt ein Weltkonzern?

Silberner Hahn mit grüner Fahne 1889 auf weißem Sockel, rechts weißer Wellschlauchring
Vom Ventil für Bierzapfanlagen zum Konzern mit 3,48 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025.

Dräger wuchs mit Atemschutz und Narkosetechnik über Grenzen hinweg, holte 2003 Siemens in die Medizintechnik und kaufte den Partner 2009 wieder heraus. Die Pandemie bescherte 2020 einen Rekordgewinn, zwei Jahre später folgte ein Verlust von 88,6 Millionen Euro.

Siemens kam und ging

2003 brachte Siemens seine elektromedizinischen Aktivitäten in die Medizintechnik von Dräger ein und erhielt dafür 35 Prozent an der neuen Dräger Medical. 2007 senkte Siemens den Anteil auf 25 Prozent.

Am 29. Dezember 2009 einigten sich beide Konzerne auf den Rückkauf. Siemens erhielt 175 Millionen Euro in bar, stellte Dräger weitere 68,5 Millionen Euro als Kredit zur Verfügung und sicherte sich eine Option über bis zu 50 Millionen Euro, deren Wert vom Kurs der Dräger-Vorzugsaktie abhing. Seitdem gehört die Medizintechnik wieder vollständig zum Konzern.

Seit 2010 notieren auch die Stammaktien an der Börse. Die Mehrheit daran behielt die Familie.

Der Sprung in die Welt

Heute unterhält Dräger in rund 50 Ländern eigene Vertriebs- und Servicegesellschaften und ist nach dem Geschäftsbericht in nahezu allen Ländern vertreten. Entwickelt und gefertigt wird an 16 Standorten, darunter Lübeck, Peking, Shanghai, Vilnius, Belgrad, Kingston in Kanada und Andover in den USA. 53,4 Prozent der Beschäftigten arbeiteten Ende 2025 außerhalb Deutschlands.

Die Belegschaft blieb dabei bemerkenswert stabil. Ende 2021 zählte der Konzern 15.900 Mitarbeiter, Ende 2025 bereits 16.687, ein Plus von knapp fünf Prozent in vier Jahren.

Kennzahlen
Umsatz und EBIT seit 2019
Konzernwerte der Drägerwerk AG & Co. KGaA nach IFRS in Millionen Euro, Geschäftsjahr gleich Kalenderjahr.
Umsatz
  • 20192.781 Mio. €
  • 20203.406 Mio. €
  • 20213.328 Mio. €
  • 20223.045 Mio. €
  • 20233.374 Mio. €
  • 20243.371 Mio. €
  • 20253.482 Mio. €
EBIT
  • 201967 Mio. €
  • 2020397 Mio. €
  • 2021272 Mio. €
  • 2022minus 89 Mio. €
  • 2023166 Mio. €
  • 2024194 Mio. €
  • 2025233 Mio. €
11,6 %
EBIT-Marge im Corona-Jahr 2020
minus 2,9 %
EBIT-Marge 2022
6,7 %
EBIT-Marge 2025

Das Corona-Jahr

Im März 2020 bestellte die Bundesregierung 10.000 Beatmungsgeräte, berichtete das Deutsche Ärzteblatt. In der Pandemie konnte Dräger die Produktion von Beatmungsgeräten kurzfristig annähernd vervierfachen, weil der Konzern den Bau seiner sogenannten Zukunftsfabrik früh beschlossen hatte, so der Geschäftsbericht 2025.

Der Umsatz stieg 2020 um 22,5 Prozent auf 3.406,3 Millionen Euro, das EBIT erreichte 396,6 Millionen Euro bei einer Marge von 11,6 Prozent. Allein die Medizintechnik verdiente 329,4 Millionen Euro, eine Marge von 14,3 Prozent, die das Segment seither nicht mehr annähernd erreicht hat.

Mitten in der Pandemie räumte Dräger zudem seine Kapitalstruktur auf. Im März und April 2020 kündigte der Konzern sämtliche Genussscheine der Serien A, K und D, die ihren Inhabern eine Gewinnbeteiligung ohne Stimmrecht verbrieften. Die Rückzahlung summierte sich laut Jahresabschluss 2020 der Drägerwerk AG & Co. KGaA auf 467,6 Millionen Euro: 158,0 Millionen Euro flossen am 4. Januar 2021, 309,5 Millionen Euro am 2. Januar 2023.

Zugleich gab Dräger eine Million neue Vorzugsaktien zu 76,50 Euro aus und nahm damit 76,5 Millionen Euro ein.

Der Absturz von 2022

Der Umsatz sank 2021 auf 3.328,4 Millionen Euro und 2022 auf 3.045,2 Millionen Euro, das EBIT fiel 2022 auf minus 88,6 Millionen Euro. Der Geschäftsbericht 2022 nennt als Gründe gestörte Lieferketten, fehlende Elektronikkomponenten, höhere Beschaffungskosten und den Rückgang des coronabezogenen Geschäfts, obwohl der Auftragseingang stieg.

2025 übertraf der Umsatz mit 3.481,9 Millionen Euro das Corona-Jahr um rund 75 Millionen Euro, der Gewinn blieb mit 233,4 Millionen Euro EBIT gut 160 Millionen Euro unter dem Wert von 2020. Ende 2025 bewertete die Börse beide Aktiengattungen zusammen mit 1,17 Milliarden Euro, die Vorzugsaktie stieg im Mai 2025 in den TecDAX auf.

Auf den PunktDer Weg zum Konzern
  • Siemens: Gemeinschaftsunternehmen ab 2003, Rückkauf des Anteils 2009.
  • Corona: 2020 EBIT von 396,6 Millionen Euro, 2022 minus 88,6 Millionen Euro.
  • Kapital: 467,6 Millionen Euro für die Ablösung aller Genussscheine.

Wie verdient Dräger tatsächlich sein Geld?

Ein Filter mit Zettel „Ersatz“ neben einem Stapel grüner Chips
Service, Zubehör und Ersatzteile brachten Dräger 2025 rund 41 Prozent des Umsatzes.

Dräger verdient vor allem an Gasmesstechnik, Atemschutz und dem Folgegeschäft: Service, Zubehör und Ersatzteile brachten 2025 41 Prozent des Umsatzes. Die größere Medizintechnik setzte 1,99 Milliarden Euro um, erzielte aber nur 2,9 Prozent EBIT-Marge, die Sicherheitstechnik 11,9 Prozent.

Zwei Sparten, zwei Welten

Der Geschäftsbericht 2025 teilt den Umsatz von 3.481,9 Millionen Euro auf zwei Segmente auf. Die Medizintechnik kam auf 1.995,6 Millionen Euro oder 57,3 Prozent.

Zum Segment gehören Anästhesie- und Beatmungsgeräte, Geräte zur Wärmetherapie, Patientenmonitore, Versorgungseinheiten und OP-Leuchten sowie Verbrauchsmaterial und Zubehör für Kliniken.

Die Sicherheitstechnik setzte 1.486,3 Millionen Euro um, 42,7 Prozent des Konzernumsatzes. Das Segment liefert Geräte für die stationäre und mobile Gasmessung, Atemschutz und persönliche Schutzausrüstung, Alkohol- und Drogentestgeräte, dazu Trainingsanlagen und Dienstleistungen für Feuerwehren, Bergbau, Chemie, Öl und Gas sowie das Militär.

Deutschland brachte 2025 804,3 Millionen Euro oder 23,1 Prozent, die Region Europa, Naher Osten und Afrika 1.396,7 Millionen Euro, Amerika 737,4 Millionen Euro und Asien-Pazifik 543,4 Millionen Euro.

Außer Deutschland erreichen nur die USA mit 447,0 Millionen Euro mehr als zehn Prozent des Umsatzes.

Erlösmodell
Wo Dräger sein Geld verdient
Umsatz und EBIT-Marge der beiden Segmente 2025 und in den ersten neun Monaten 2026.
Umsatz 2025
  • Medizintechnik1.996 Mio. €
  • Sicherheitstechnik1.486 Mio. €
EBIT 2025
  • Medizintechnik57 Mio. €
  • Sicherheitstechnik176 Mio. €
EBIT-Marge
  • Medizintechnik 20252,9 %
  • Sicherheitstechnik 202511,9 %
  • Medizintechnik 9 Monate 2026minus 0,7 %
  • Sicherheitstechnik 9 Monate 202611,2 %
41,4 %
Umsatzanteil von Service, Zubehör und Ersatzteilen 2025
23,9 %
Kapitalrendite der Sicherheitstechnik 2025
6,2 %
Kapitalrendite der Medizintechnik 2025

Das Folgegeschäft

Mit Produkten und Handelswaren setzte Dräger 2025 1.855,7 Millionen Euro um, 53,3 Prozent. Dienstleistungen, Zubehör und Ersatzteile brachten 1.440,7 Millionen Euro oder 41,4 Prozent, dazu kamen 129,8 Millionen Euro aus Projekten und 55,7 Millionen Euro aus der Vermietung von Geräten.

In der Medizintechnik übertrifft das Folgegeschäft sogar den Verkauf neuer Geräte: 945,4 Millionen Euro gegen 933,0 Millionen Euro.

Verbrauchsmaterial und Ersatzteile allein machten in der Medizintechnik 283,8 Millionen Euro aus, in der Sicherheitstechnik 172,7 Millionen Euro. Kliniken kaufen für ihre Geräte Atemgasfilter und anderes Verbrauchsmaterial nach, Feuerwehren und Industriebetriebe Filter und Ersatzteile für Atemschutz und Gasmessgeräte. Die Vermietung stammt zu fast neun Zehnteln aus der Sicherheitstechnik, die Gaswarngeräte und Atemschutz etwa für Revisionen in Chemieanlagen bereitstellt.

Verträge über langfristige Service- und Fertigungsaufträge sicherten Ende 2025 künftige Umsätze von 351,1 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. In das Jahr fiel ein Großauftrag für Krankenhausinfrastruktur aus Mexiko, dessen Volumen Dräger im mittleren zweistelligen Millionenbereich beziffert und über mehrere Jahre abarbeitet.

Breit gestreut ist auch die Kundschaft. Im Regelfall bringt kein Kunde mehr als ein Prozent und kein Produkt mehr als drei Prozent des Umsatzes.

Daten aus dem Gerätepark

Ein digitales Geschäftsmodell betreibt Dräger nicht, wohl aber eines mit vernetzten Geräten. Über den Kommunikationsstandard SDC tauschen Beatmungsgeräte, Monitore und Infusionspumpen verschiedener Hersteller Daten aus, über die Plattform Dräger Connect wertet der Konzern Narkosemittelverbrauch, Alarmhäufigkeit und Nutzungszeiten aus. Einen eigenen Umsatz für diese Software weist der Geschäftsbericht nicht aus.

Wo die Marge entsteht

2025MedizintechnikSicherheitstechnik
Umsatz1.995,6 Mio. €1.486,3 Mio. €
Bruttomarge43,6 %47,3 %
EBIT57,0 Mio. €176,4 Mio. €
EBIT-Marge2,9 %11,9 %
Kapitalrendite6,2 %23,9 %
Dräger Value Addedminus 22,9 Mio. €plus 113,0 Mio. €

Die Medizintechnik behielt 2025 nach den Herstellkosten 43,6 Prozent ihres Umsatzes, die Sicherheitstechnik 47,3 Prozent. Nach Vertrieb, Verwaltung und Entwicklung blieben in der Medizintechnik 57,0 Millionen Euro EBIT übrig, in der Sicherheitstechnik 176,4 Millionen Euro. Gut drei Viertel des operativen Ergebnisses stammen damit aus der kleineren Sparte.

Die Sicherheitstechnik erwirtschaftete 2025 eine Kapitalrendite von 23,9 Prozent, die Medizintechnik von 6,2 Prozent. Dräger rechnet intern mit Kapitalkosten von 9,0 Prozent. Die Kennzahl Dräger Value Added, das EBIT abzüglich dieser Kapitalkosten, lag in der Sicherheitstechnik bei plus 113,0 Millionen Euro, in der Medizintechnik bei minus 22,9 Millionen Euro.

Nach dieser eigenen Rechnung des Konzerns verdient die Medizintechnik ihre Kapitalkosten also nicht.

Von den rund 25,5 Millionen Euro, die US-Importzölle das Konzern-EBIT kosteten, entfielen 20,7 Millionen Euro auf die Medizintechnik. Ungünstige Wechselkurse schmälerten das Ergebnis um weitere rund 45 Millionen Euro, davon 28 Millionen Euro in der Medizintechnik.

Wer wen finanziert

Rechnerisch finanziert der Atemschutz die Intensivstation. Ohne die Sicherheitstechnik blieben vom Konzern-EBIT 2025 nur 57,0 Millionen Euro übrig, ohne die Medizintechnik 176,4 Millionen Euro.

Eine bewusste Quersubventionierung beschreibt der Geschäftsbericht nicht. Der Vorstand will die Marge des Konzerns jedes Jahr um einen Prozentpunkt steigern und kündigt an, unrentable Aktivitäten zu restrukturieren oder aufzugeben.

Unsere Einschätzung: Ein Finanzinvestor würde eine Sparte mit 2,9 Prozent Marge und negativem Wertbeitrag zumindest infrage stellen. Die Familie hält an der Medizintechnik fest, und dafür spricht mehr als Tradition: Beide Segmente greifen auf eine gemeinsame Grundlagenentwicklung in Lübeck zurück, und die Gasdosierung im Narkosegerät ist mit der im Atemschutz verwandt.

Was sich seit 2020 verschoben hat

SegmentUmsatz 2020Umsatz 2025EBIT 2020EBIT 2025
Medizintechnik2.302,2 Mio. €1.995,6 Mio. €329,4 Mio. €57,0 Mio. €
Sicherheitstechnik1.104,1 Mio. €1.486,3 Mio. €67,2 Mio. €176,4 Mio. €

Im Corona-Jahr 2020 stammten 67,6 Prozent des Umsatzes und mehr als vier Fünftel des operativen Ergebnisses aus der Medizintechnik. 2025 lag der Umsatzanteil bei 57,3 Prozent, der Ergebnisanteil bei knapp einem Viertel.

Die Bestellungen der ersten neun Monate 2026 verstärken die Verschiebung. Der Auftragseingang der Sicherheitstechnik stieg währungsbereinigt um 13,1 Prozent auf 1.242,8 Millionen Euro, in Deutschland im dritten Quartal um rund 59 Prozent, ausgelöst durch einen Großauftrag im Verteidigungsgeschäft. Die Medizintechnik verbuchte 3,5 Prozent weniger Aufträge, auch weil der Mexiko-Auftrag den Vorjahreswert erhöht hatte und im Nahen Osten wegen des Iran-Konflikts Bestellungen ausblieben.

Wie stark das dritte Quartal von Sondereffekten geprägt war, hat Dr. Web in der Meldung zum Quartalsergebnis von Dräger nachgerechnet. Als neue Wachstumsfelder nennt der Vorstand Verteidigung und Cleantech, etwa Gasmesstechnik für Wasserstoffanlagen und Batteriefabriken, also wieder Felder der Sicherheitstechnik.

Größe und Kalender

Ein großer Teil der Kosten fällt unabhängig vom Absatz an. Die Funktionskosten für Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung lagen 2025 bei 1.346,3 Millionen Euro oder 38,7 Prozent des Umsatzes. Jeder zusätzliche Euro Umsatz bei gleichbleibenden Fixkosten schlägt deshalb überproportional auf das Ergebnis durch.

Dräger lebt von einem starken Jahresendgeschäft und erzielte im vierten Quartal 2025 einen Umsatz von 1.138,4 Millionen Euro und ein EBIT von 156,3 Millionen Euro, eine Marge von 13,7 Prozent.

Zwei Drittel des Jahresergebnisses entstanden in drei Monaten.

Auf den PunktWoran Dräger verdient
  • Sparten: Die Medizintechnik bringt 57,3 Prozent des Umsatzes, die Sicherheitstechnik drei Viertel des EBIT.
  • Folgegeschäft: Service, Zubehör und Ersatzteile brachten 2025 1.440,7 Millionen Euro.
  • Kapital: Kapitalrendite von 23,9 Prozent in der Sicherheitstechnik, 6,2 Prozent in der Medizintechnik.
  • Kalender: Zwei Drittel des EBIT 2025 entstanden im vierten Quartal.

Wie groß ist die Marktmacht von Dräger?

Weißer Schubladenschrank mit einem grünen, verschlossenen Fach und Anhänger
Zulassungen, Ersatzteile und installierte Geräte binden Kliniken und Feuerwehren an ihren Hersteller.

Dräger zählt sich in Anästhesie, Intensivbeatmung, Gasmesstechnik und Atemschutz zu den führenden Anbietern, unabhängige Marktanteile dazu haben wir nicht gefunden. Die Macht steckt im Gerätebestand in den Kliniken und in Zulassungen. Der US-Rivale MSA Safety setzt mit Sicherheitstechnik ähnlich viel um wie Dräger und verdient deutlich mehr.

Führend nach eigener Darstellung

Der Geschäftsbericht 2025 beschreibt Dräger als international führenden Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik. In der Medizintechnik sieht sich der Konzern in Anästhesie, Intensivbeatmung und Thermoregulation unter den führenden Anbietern, in der Sicherheitstechnik bei Gasmesstechnik, Atemschutz sowie Alkohol- und Drogenmesstechnik. Belastbare Marktanteile aus unabhängiger Quelle haben wir für keine dieser Sparten gefunden.

In der Stärken-Schwächen-Analyse desselben Berichts stehen als Schwächen eine hohe Kostenbasis in Euro, die starke Abhängigkeit vom europäischen Markt und Marktführerschaft „in nur langsam wachsenden Märkten“.

Die Gegner im Vergleich

Im Atemschutz und in der Gasmesstechnik heißt der wichtigste börsennotierte Wettbewerber MSA Safety. Das US-Unternehmen setzte 2025 umgerechnet rund 1.659 Millionen Euro um, davon rund 676 Millionen Euro mit Gasmesstechnik und rund 573 Millionen Euro im Feuerwehrgeschäft mit Atemschutzgeräten und Helmen. Die operative Marge lag bei 19,8 Prozent, Dräger erreichte in der Sicherheitstechnik 11,9 Prozent EBIT-Marge bei 1.486,3 Millionen Euro Umsatz. Beide Kennzahlen sind unterschiedlich abgegrenzt, der Abstand bleibt trotzdem groß.

MSA beschäftigt rund 5.300 Menschen, Dräger nennt für seine Sicherheitstechnik keine eigene Beschäftigtenzahl.

In der Medizintechnik zeigen die Gegner höhere Margen oder mehr Umsatz. Der schwedische Konzern Getinge, der unter anderem Beatmungs- und Narkosegeräte baut, kam 2025 auf eine bereinigte EBITA-Marge von 14,0 Prozent. Mindray aus Shenzhen, Hersteller unter anderem von Patientenmonitoren und Beatmungsgeräten, setzte 2025 umgerechnet rund 4,10 Milliarden Euro um, 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Unternehmen 2025UmsatzMargeAbgrenzung
Dräger, Sicherheitstechnik1.486,3 Mio. €11,9 %EBIT-Marge
MSA Safety, Konzernrund 1.659 Mio. €19,8 %operative Marge nach US-Bilanzierung
Dräger, Medizintechnik1.995,6 Mio. €2,9 %EBIT-Marge
Getinge, Konzernkeine Umrechnung14,0 %bereinigte EBITA-Marge
Mindray, Konzernrund 4,10 Mrd. €nicht ausgewertetUmsatz minus 9,4 %

Warum Kliniken selten wechseln

Die eigentliche Marktmacht liegt im Bestand. Der Geschäftsbericht nennt den großen installierten Gerätebestand, langfristige Kundenbeziehungen und Kunden, die lieber Lösungen vertrauen, die sich in der Praxis bewährt haben. Hinzu kommen hohe Eintrittsbarrieren durch die Medizinprodukteverordnung der EU, geschützte Technologien und aufwendige Zulassungen in jedem einzelnen Markt.

Für eine Intensivstation ist der Wechsel des Beatmungsherstellers nach unserer Einschätzung kein Einkaufsvorgang, sondern ein Umbau. Pflegekräfte müssen geschult, Schnittstellen zu Monitoren und zum Krankenhausinformationssystem neu eingerichtet, Ersatzteile und Verbrauchsmaterial umgestellt werden.

Mit dem offenen Standard SDC arbeitet Dräger selbst an einer herstellerübergreifenden Vernetzung. Der Konzern setzt darauf, dass Kliniken für vernetzte Systemlösungen zahlen, und nimmt aus unserer Sicht in Kauf, dass sich einzelne Geräte leichter durch Fremdgeräte ersetzen lassen. Im Geschäftsbericht begründet der Vorstand den Systemansatz ausdrücklich mit dem Preiskampf, der droht, sobald Einzelprodukte austauschbar werden.

Wo die Macht endet

Laut Geschäftsbericht hat China Unternehmen aus der EU von großen öffentlichen Ausschreibungen für Medizintechnik ausgeschlossen, als Reaktion auf ähnliche Beschränkungen der EU. In der Region Asien-Pazifik sank der Umsatz von Dräger in den ersten neun Monaten 2026 um 5,1 Prozent auf 345,9 Millionen Euro.

Von einem laufenden Kartellverfahren berichtet Dräger im Geschäftsbericht 2025 nicht. Auf der Einkaufsseite wächst dagegen die Gegenmacht: Als Risiko nennt der Konzern zentrale Einkaufsstrategien großer Kunden und den Trend zu Einkaufsverbünden öffentlicher Unternehmen.

Auf den PunktDie Lage im Wettbewerb
  • Selbstbild: Dräger sieht sich als führend, unabhängige Marktanteile fehlen.
  • Rivale: MSA Safety setzt mit Sicherheitstechnik ähnlich viel um, bei höherer Marge.
  • Bindung: Installierte Geräte, Zulassungen und Ersatzteile halten Kliniken und Feuerwehren.

Wer ist bei Dräger eigentlich das Produkt?

Modell eines Krankenhausbetts auf Podest mit grünem Anhänger „Einkauf“
Über Beatmungsgeräte entscheidet der Einkauf der Klinik, nicht der Patient im Bett.

Bei Dräger zahlt selten, wer das Gerät benutzt. Patienten, Pflegekräfte und Feuerwehrleute verlassen sich auf die Technik, die Rechnung begleichen Klinikeinkauf, Kommune oder Betrieb. Umgekehrt hängt Dräger an öffentlichen Budgets, an Zulassungsbehörden und an einzelnen Lieferanten für Bauteile.

Wer nutzt, wer zahlt

Der Patient auf der Intensivstation hat sich sein Beatmungsgerät nicht ausgesucht, die Pflegekraft meist auch nicht. Entschieden hat der Einkauf der Klinik, oft im Verbund mit anderen Kliniken. Bei der Feuerwehr wählt die Kommune den Pressluftatmer, im Chemiewerk die Abteilung für Arbeitssicherheit das Gaswarngerät, das der Schichtarbeiter am Gürtel bei sich hat.

Der Nutzer ist damit weder Kunde noch Ware, sondern der Grund, warum der Kunde zahlt.

Die Klinik hängt am Gerätepark

Ist ein Gerätepark installiert, beginnt die Abhängigkeit in die andere Richtung. Kliniken brauchen Wartung, Ersatzteile, Softwarestände und geschultes Personal, und jedes Medizingerät braucht eine gültige Zulassung. 59,0 Prozent der weltweit 16.687 Dräger-Beschäftigten arbeiteten Ende 2025 in Vertrieb, Marketing und Service, mehr als dreimal so viele wie in Produktion, Qualitätssicherung, Logistik und Einkauf. In der Medizintechnik brachten Dienstleistungen, Zubehör und Ersatzteile 2025 sogar mehr Geld als neue Geräte.

Für Bauteile, deren Fertigung ein Lieferant einstellt, deckt sich Dräger laut Geschäftsbericht mit dem geschätzten Bedarf für den restlichen Produktlebenszyklus ein und lagert die Teile ein. Für Kunden sichert diese Vorratshaltung Ersatzteile über Jahre, im Konzern bindet sie Kapital. Im Schnitt lagen 2025 Vorräte von 707,2 Millionen Euro in den Lagern, genug für 74 Tage Umsatz.

Abhängigkeiten
Wer bei Dräger auf wen angewiesen ist
Die Beteiligten am Geschäftsmodell und ihre Rolle, Stand Oktober 2026.
kauft und zahlt
Kliniken und Einkaufsverbünde
Wählen Narkose-, Beatmungs- und Überwachungstechnik und kaufen über Jahre Service und Verbrauchsmaterial nach.
nutzen die Technik
Patienten und Pflegekräfte
Verlassen sich auf die Geräte, entscheiden aber selten über ihre Anschaffung.
kaufen Schutz
Feuerwehren, Industrie, Militär
Atemschutz, Gasmesstechnik und Schutzausrüstung, Sicherheitstechnik mit 1,49 Mrd. € Umsatz 2025.
kontrolliert
Familie Dräger
71,62 Prozent der Stammaktien und die persönlich haftende Gesellschafterin.
liefern zu
Lieferanten
Teils einzige Bezugsquelle für Module der Medizintechnik, Materialkosten 2025 von 1,08 Mrd. €.
lassen zu
Behörden
EU-Medizinprodukteverordnung, FDA in den USA, lokale Zulassungen in jedem Markt.

Dräger hängt an Lieferanten und Behörden

Auch der Konzern ist auf einzelne Zulieferer angewiesen. Zugekaufte Modulkomponenten der Medizintechnik bezieht Dräger teilweise bei jeweils einem einzigen Lieferanten, und weil diese Teile in mehreren Produkten stecken, könnte ein Engpass die Produktion zeitweise unterbrechen, warnt der Geschäftsbericht. 2025 vergab Dräger einem Lieferanten ein Darlehen über 20,6 Millionen Euro.

Mit keinem Lieferanten sollen mehr als fünf Prozent des Einkaufsvolumens abgewickelt werden, so die Vorgabe des Konzerns.

Die zweite Abhängigkeit heißt Zulassung. Im ersten Quartal 2020 erhielt Dräger ein Warnschreiben der US-Arzneimittelbehörde FDA, das sich auf das Patientenmonitoring am Standort Andover bezog. Laut Geschäftsbericht 2025 verlief eine Inspektion im November 2024 ohne formale Mängel, der Konzern rechnete mit einer Aufhebung des Schreibens im Jahr 2026, sobald eine ausstehende Produktzulassung erteilt ist.

Die Belegschaft als Aktionär

Eine dritte Gruppe sitzt auf beiden Seiten. Seit 2013 können Beschäftigte an den deutschen Standorten Vorzugsaktien kaufen und erhalten für je drei Aktien eine Bonusaktie. Rund 69 Prozent der Berechtigten haben laut Geschäftsbericht mindestens einmal teilgenommen, zusammen halten sie rechnerisch knapp neun Prozent der Vorzugsaktien. Mitbestimmen können die Beschäftigten über diese Papiere nicht, denn Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht.

Auf den PunktWer von wem abhängt
  • Kunden: Kliniken und Feuerwehren hängen an Service, Ersatzteilen und Zulassungen.
  • Konzern: Dräger hängt an Einzellieferanten für Module und an Behörden wie der FDA.
  • Belegschaft: Beschäftigte halten knapp neun Prozent der Vorzugsaktien, ohne Stimmrecht.

Was kostet die Technik aus Lübeck wirklich, und wer trägt die Kosten?

Ein Messbecher auf grauem Sockel vor weißem Hintergrund, gefüllt mit verschiedenen Schichten
Von 100 Euro Umsatz blieben Dräger 2025 rechnerisch 6,70 Euro als EBIT.

Von 100 Euro Umsatz gab Dräger 2025 rechnerisch 54,78 Euro für Material, Fertigung und Gewährleistung aus und 20,95 Euro für Marketing und Vertrieb. Als EBIT blieben 6,70 Euro, als Jahresüberschuss 4,03 Euro. Die Kosten tragen am Ende Kliniken und ihre Träger, Kommunen und Arbeitgeber.

Keine Listenpreise, aber Preisanpassungen

Öffentliche Listenpreise für Narkosegeräte, Beatmungssysteme oder Gaswarnanlagen veröffentlicht Dräger nicht, verhandelt wird mit Klinikverbünden, Behörden und Konzernen. Die Bruttomarge der Sicherheitstechnik blieb 2025 trotz Zollkosten und Währungseffekten bei 47,3 Prozent, laut Geschäftsbericht wegen eines günstigeren Produktmixes und Preisanpassungen. Die Medizintechnik steigerte ihre Bruttomarge auf 43,6 Prozent.

Die Marge will Dräger künftig auch über Preisdurchsetzung und sorgfältiges Kostenmanagement stützen, schreibt der Vorstand im Kapitel zu den Unternehmenszielen.

Die Rechnung je 100 Euro

Die Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung 2025 erlaubt eine Aufteilung, die Dr. Web auf 100 Euro Umsatz umgerechnet hat. Den größten Posten bilden Material und Fertigung, gefolgt vom Vertrieb, der bei einem Konzern mit eigenen Gesellschaften in rund 50 Ländern teuer ist.

Kostenblock 2025Mio. €je 100 € Umsatz
Material (Einzel- und Gemeinkosten)1.075,330,88 €
Fertigung (Einzel- und Gemeinkosten)731,621,01 €
Gewährleistung, Wertberichtigungen, sonstige Herstellkosten100,62,89 €
Forschung und Entwicklung333,89,59 €
Marketing und Vertrieb729,520,95 €
Allgemeine Verwaltung285,08,19 €
Saldo übriger Erträge und Aufwendungen+7,3+0,21 €
EBIT233,46,70 €
Zinsen und Ertragsteuern93,02,67 €
Jahresüberschuss140,44,03 €

Der Personalaufwand lag 2025 bei 1.425,5 Millionen Euro, das sind rechnerisch 40,94 Euro je 100 Euro Umsatz und mehr als das Sechsfache des operativen Ergebnisses. Jede Tariferhöhung in der deutschen Metall- und Elektroindustrie schlägt deshalb unmittelbar auf die Marge durch, 2025 stiegen die Kosten je Mitarbeiter um 1,9 Prozent.

Der Zoll als Kostenposten

Die US-Importzölle kosteten Dräger 2025 rund 25,5 Millionen Euro EBIT, rechnerisch 73 Cent je 100 Euro Konzernumsatz. Bezogen auf die 447,0 Millionen Euro, die Dräger in den USA umsetzte, entspricht das 5,7 Prozent.

Für 2026 erwartete der Vorstand im Geschäftsbericht ähnlich hohe Zollbelastungen und kündigte an, einen Teil über Preiserhöhungen und andere Maßnahmen auszugleichen.

Dräger erhielt bis Ende September 2026 Zölle von 27,9 Millionen Euro zurück, zahlte im selben Zeitraum aber 25,8 Millionen Euro an Zöllen, die nach heutiger Rechtslage nicht erstattungsfähig sind. Den Rechtsgrund der Erstattungen nennt Dräger nicht. Die Rückzahlungen folgten auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA vom 20. Februar 2026, das die Zölle nach dem Notstandsgesetz IEEPA für unzulässig erklärte.

Im März sprach ein US-Handelsgericht allen betroffenen Importeuren Erstattungen zu.

Wer die Rechnung bezahlt

Die Kosten eines Beatmungsgeräts landen im Gesundheitssystem: bei Kliniken und ihren Trägern, die die Investitionen bezahlen, und über die Behandlungskosten bei den Beitragszahlern der Krankenkassen. Atemschutz für die Berufsfeuerwehr bezahlt die Kommune, das Gaswarngerät im Chemiepark der Arbeitgeber, der die Schutzausrüstung nach Arbeitsschutzrecht stellen muss. An den laufenden Kosten verdient Dräger mit. Ein gekaufter Pressluftatmer braucht Prüfungen, Ersatzteile und Schulungen, und diese Leistungen bringen dem Konzern verlässlich Umsatz, während Neuanschaffungen öffentlicher Kunden von Haushaltsjahren abhängen.

Den Rückschlag im dritten Quartal 2026 erklären ebenfalls die Kosten. In den ersten neun Monaten stiegen die Kosten für Vertrieb, Verwaltung und Entwicklung um 5,6 Prozent, vor allem für Personal, Logistik und IT, und damit schneller als der Umsatz mit plus 4,7 Prozent.

Auf den PunktWas die Technik kostet
  • Ergebnis: Von 100 Euro Umsatz blieben 2025 rechnerisch 6,70 Euro EBIT.
  • Personal: 1.425,5 Millionen Euro Personalaufwand, mehr als das Sechsfache des EBIT.
  • Zölle: Rund 25,5 Millionen Euro Zollkosten 2025, 27,9 Millionen Euro Erstattung bis September 2026.

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Waage hält Münzstapel links und Fabrikmodell „Lübeck“ rechts im Gleichgewicht
Dividende für die Familie, Rückschlag für die Vorzugsaktie, offene Fragen zur Corona-Bestellung des Bundes.

Gewonnen haben 2025 die Familie Dräger, die Aktionäre und die Belegschaft mit steigenden Löhnen. 2026 fiel die Vorzugsaktie nach den Quartalszahlen um fast 15 Prozent. Was der Bund für eine nie abgerufene Corona-Bestellung gezahlt hat, ist offiziell nicht bestätigt.

Die Familie und ihre Dividende

Für 2025 schlugen Vorstand und Aufsichtsrat 2,21 Euro je Stammaktie und 2,27 Euro je Vorzugsaktie vor, zusammen knapp 42,0 Millionen Euro oder 30,1 Prozent des Jahresüberschusses. Auf die Familie entfallen bei 71,62 Prozent der Stammaktien rechnerisch rund 16,1 Millionen Euro.

Rund 70 Prozent des Gewinns bleiben im Unternehmen, die Eigenkapitalquote stieg auf 51,5 Prozent.

Der größere Hebel der Familie liegt in der Rechtsform. In einer Kommanditgesellschaft auf Aktien führt die Komplementärin die Geschäfte, hier die Drägerwerk Verwaltungs AG, deren Anteile seit dem 15. Dezember 2025 direkt bei Stefan Dräger liegen. Für Geschäftsführung und Haftung erhält die Verwaltungs AG eine feste Vergütung von 6 Prozent ihres Eigenkapitals, für 2025 waren das 122.000 Euro.

Die Aktionäre zwischen Rekord und Rückschlag

2025 legten die Vorzugsaktien um 49 Prozent auf 69,40 Euro zu, die Stammaktien um 37 Prozent. Nach den vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal fiel die Vorzugsaktie am 15. Oktober 2026 laut dpa-AFX um fast 15 Prozent auf knapp unter 100 Euro. Seit Jahresbeginn stand trotzdem ein Plus von 44 Prozent.

Der Analyst Harald Hof von MWB Research hält die Jahresziele weiter für erreichbar, berichtete die Nachrichtenagentur, mahnte aber eine strengere Kostenkontrolle an. Dräger habe in der Vergangenheit bis zu 60 Prozent des jährlichen EBIT im Schlussquartal erwirtschaftet, so der Analyst.

GruppeEntwicklungEinordnung
Familie Dräger71,62 % der Stammaktien, rechnerisch rund 16,1 Mio. € der vorgeschlagenen Dividende für 2025kontrolliert zudem die persönlich haftende Gesellschafterin
VorzugsaktionäreKurs 2025 plus 49 %, Mitte Oktober 2026 knapp unter 100 €kein Stimmrecht, Mehrdividende von 6 Cent je Aktie
VorstandGesamtbezüge 9,0 Mio. € nach 7,5 Mio. €Bonus hängt unter anderem am Dräger Value Added
Belegschaft weltweit16.687 Beschäftigte, 89 mehr als 2024Personalaufwand plus 3,1 % auf 1.425,5 Mio. €
Fertigung in Deutschland35 Stellen weniger in Produktion, Logistik und EinkaufZuwachs in Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb
Bund und Steuerzahler2020 Bestellung von 10.000 Beatmungsgeräten, später in eine Option umgewandeltZahlung von 90 Mio. € laut RND, offiziell nicht bestätigt

Die Belegschaft

Ende 2025 arbeiteten 7.768 Menschen in Deutschland. Im Inland wuchs die Verwaltung um 32 Stellen, die Entwicklung um 27, der Vertrieb um 22, während Produktion, Qualitätssicherung, Logistik und Einkauf 35 Stellen verloren. Die Fluktuation in Deutschland stieg von 3,4 auf 4,9 Prozent, die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei 14 Jahren.

Die Personalkosten je Mitarbeiter stiegen 2025 um 1,9 Prozent, vor allem durch die Tariferhöhung in der Metall- und Elektroindustrie.

Die Corona-Bestellung

Im Frühjahr 2020 bestellte die Bundesregierung 10.000 Beatmungsgeräte bei Dräger. Nach Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, über die das Deutsche Ärzteblatt im Oktober 2024 berichtete, wurde der Auftrag später in eine Option umgewandelt, Geräte im Wert von bis zu 200 Millionen Euro innerhalb eines Jahres abzurufen.

Für diese Option soll das Gesundheitsministerium eine Prämie von 90 Millionen Euro gezahlt haben, abgerufen worden sei nichts.

Offiziell bestätigt sind diese Zahlen nicht. Dräger und das Ministerium verwiesen auf Vertraulichkeitsvereinbarungen, der damalige Minister Jens Spahn erklärte, die Menge sei „einvernehmlich und mit entsprechenden Kosteneinsparungen“ reduziert worden.

Lübeck als Standort

Lübeck ist Sitz der Zentrale und der einzige deutsche Entwicklungs- und Fertigungsstandort des Konzerns, dort sitzen auch IT, Finanzen, Personal und die Grundlagenentwicklung. Wie viele der 7.768 Beschäftigten in Deutschland in der Hansestadt arbeiten, weist der Geschäftsbericht nicht aus.

Für die Region zählt deshalb vor allem, ob der Konzern Fertigung im Inland hält, während er im Ausland Vertrieb und Service ausbaut.

Die Intensivstation macht Dräger bekannt, das Geld verdienen Atemschutz und Gaswarngeräte: 176 von 233 Millionen Euro EBIT.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Wie politisch ist Dräger?

Grünes PFAS-Messgerät auf weißem Stehpult vor weißem Hintergrund, isometrisch
PFAS-Verbot, US-Zölle und Verteidigung prägen die Politik von Dräger, die Familie sichert sich über die KGaA ab.

Dräger gab 2025 laut Lobbyregister des Bundestags 40.001 bis 50.000 Euro für Interessenvertretung aus, Hauptthema ist ein drohendes EU-Verbot von PFAS. Politisch wichtiger sind US-Zölle, die Verteidigung und die Rechtsform: Über die KGaA sichert sich die Familie die Kontrolle, auch ohne Kapitalmehrheit.

Ein kleines Lobbybudget mit einem großen Thema

Die Drägerwerk AG & Co. KGaA ist im Lobbyregister des Bundestags unter der Nummer R003983 eingetragen. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete der Konzern Ausgaben von 40.001 bis 50.000 Euro und eine halbe Vollzeitstelle für die Interessenvertretung.

Als Regelungsvorhaben nennt der Eintrag das geplante PFAS-Verbot der EU, die Änderung der Medizinprodukte-Betreiberverordnung und die im Koalitionsvertrag angekündigte Pharma- und Medizintechnikstrategie.

Das PFAS-Verbot berührt die Substanz des Portfolios. Die Mehrzahl der Dräger-Produkte enthält Bauteile oder Beschichtungen aus Fluorpolymeren wie PTFE, vor allem in Sensoren und gasführenden Komponenten. Ein Verbot nach dem ursprünglichen Vorschlag der EU könnte nach Darstellung des Geschäftsberichts die Marktfähigkeit eines erheblichen Teils der Produkte gefährden. Eine Empfehlung der Europäischen Chemikalienagentur erwartet Dräger bis Ende 2026, eine Entscheidung der Kommission frühestens 2027.

Das erklärte Ziel im Lobbyregister lautet, „ein generelles PFAS-Verbot zu verhindern“.

Zölle und Gerichte

Die US-Handelspolitik bestimmt das Ergebnis direkter als jede Lobbyarbeit in Berlin. 2025 kosteten die Zölle rund 25,5 Millionen Euro EBIT, 2026 flossen bis Ende September 27,9 Millionen Euro zurück. Im Juli hob Dräger die Margenprognose wegen zurückgezahlter US-Zölle an, den Umsatzausblick ließ der Konzern unverändert.

Der Geschäftsbericht sieht als Risiko, steigende Zölle nicht über Preiserhöhungen ausgleichen zu können.

Die Familie und die Rechtsform

GremiumRolle bei Dräger
Drägerwerk Verwaltungs AGKomplementärin, führt die Geschäfte, Anteile bei Stefan Dräger
Aufsichtsrat der Verwaltungs AGbestellt und beruft den Vorstand
Aufsichtsrat der KGaAparitätisch besetzt, darf den Vorstand weder bestellen noch abberufen
Gemeinsamer Ausschussje vier Mitglieder beider Aufsichtsräte, stimmt bestimmten Geschäften zu
Hauptversammlungnur Stammaktien stimmen, 71,62 % davon der Familie zuzurechnen

Der paritätisch besetzte Aufsichtsrat der KGaA darf die Komplementärin und deren Vorstand weder bestellen noch abberufen, zuständig ist der Aufsichtsrat der Drägerwerk Verwaltungs AG. Über zustimmungspflichtige Geschäfte entscheidet ein Gemeinsamer Ausschuss aus je vier Mitgliedern beider Aufsichtsräte.

Die Dr. Heinrich Dräger GmbH hält 68,67 Prozent der Stammaktien, das sind 37,19 Prozent des gesamten Grundkapitals. 59,72 Prozent dieser Gesellschaft gehören der Stefan Dräger GmbH.

Weil Stefan Dräger zugleich die Komplementärin besitzt, darf er bei bestimmten Beschlüssen der Hauptversammlung nicht mitstimmen. Eine Gestaltung auf Ebene der Dr. Heinrich Dräger GmbH sorgt dafür, dass er in diesen Fällen auch keinen Einfluss auf deren Stimmrechte nimmt.

Ein Kontrollwechsel hätte auch Folgen für die Finanzierung. Kreditlinien von 540 Millionen Euro können die Banken kündigen, sobald ein Dritter mindestens 50 Prozent der Stimmrechte an der Komplementärin hält.

Hinweise auf eine Steuergestaltung über Niedrigsteuerländer haben wir im Geschäftsbericht nicht gefunden. Die Steuerquote lag 2025 bei 34,9 Prozent, auch weil die Steuersatzsenkung in Deutschland ab 2028 die Bewertung latenter Steuern veränderte und mehr Gewinn im Inland anfiel.

Verteidigung als Wachstumsmarkt

Im Verteidigungsgeschäft liefert Dräger ABC-Schutzmasken, Tauchgeräte für Soldaten sowie Filter- und Gasschutzanlagen für gepanzerte Fahrzeuge. Der Konzern will sich als Partner in strategischen Verteidigungsprogrammen positionieren. Im dritten Quartal 2026 trieb ein Großauftrag aus diesem Bereich die Bestellungen der Sicherheitstechnik in Deutschland um rund 59 Prozent nach oben.

Wie groß der Auftrag ist, hat Dräger nicht beziffert.

Der Geschäftsbericht nennt Ausfuhrkontrollbestimmungen als Rechtsrisiko, und für einzelne Länder verlangen Vorschriften zu Exportkontrolle und Datensicherheit zunehmend lokale IT-Systeme. In China, Indien und Indonesien beobachtet Dräger eine Wirtschaftspolitik, die einheimische Anbieter bevorzugt oder eine lokale Fertigung verlangt. In China fertigt der Konzern bereits in Peking und Shanghai.

Auf den PunktPolitik bei Dräger
  • Lobby: 40.001 bis 50.000 Euro im Jahr 2025, Hauptthema ist das PFAS-Verbot.
  • Verteidigung: Großauftrag im dritten Quartal 2026, das Angebot reicht von ABC-Schutzmasken bis zu Filteranlagen.
  • Kontrolle: Die KGaA sichert der Familie die Führung, Stefan Dräger besitzt die Komplementärin.

Was könnte Dräger zu Fall bringen?

Sanduhr mit Metallteilen und „Dezember“-Schild auf weißem Grund
Zwei Drittel des EBIT im Schlussquartal, PFAS und Zölle: was Dräger gefährlich werden könnte.

Zu Fall bringt Dräger so schnell nichts, die Eigenkapitalquote liegt bei 51,5 Prozent. Gefährlich ist eine Medizintechnik, die dauerhaft wenig verdient, dazu die Abhängigkeit vom Schlussquartal, ein drohendes PFAS-Verbot, Abschottung in China und ein starker Euro bei hohen Kosten in Deutschland.

Die Sparte ohne Rendite

Das größte strukturelle Risiko sitzt in der Medizintechnik selbst: Das Segment verdiente 2024 und 2025 seine Kapitalkosten nicht. Nach 9,3 Prozent EBIT-Marge im Jahr 2021 folgten minus 5,0, plus 1,9, plus 1,5 und plus 2,9 Prozent. Nach neun Monaten 2026 stand die Medizintechnik bei minus 0,7 Prozent, bei einem Umsatz von 1.367,0 Millionen Euro. Für 2026 erwartete Dräger zudem, dass die US-Zölle die Medizintechnik wesentlich stärker belasten als die Sicherheitstechnik.

Gelingt die Wende nicht, muss die Familie nach unserer Einschätzung über die Aufstellung der Medizintechnik entscheiden.

Ein Jahr, das im Dezember entschieden wird

2025 erzielte Dräger 67 Prozent des Jahres-EBIT im vierten Quartal. Bleibt der Umsatz im vierten Quartal 2026 auf dem Vorjahresniveau von 1.138,4 Millionen Euro, käme der Konzern auf rund 3,59 Milliarden Euro Jahresumsatz. Für die untere Grenze der Prognose von 6 Prozent EBIT-Marge bräuchte Dräger nach unserer Rechnung in den letzten drei Monaten rund 104 Millionen Euro EBIT, für die Obergrenze von 8 Prozent rund 176 Millionen Euro, mehr als im vierten Quartal 2025.

Eine Verschiebung von Klinikbudgets oder Behördenaufträgen ins Folgejahr würde damit unmittelbar die Jahresziele treffen.

Chemie, Öl und Gas

Die Sicherheitstechnik hängt an Industrien, die in Europa unter Druck stehen. Der Verband der Chemischen Industrie meldete laut Geschäftsbericht, dass 20 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen planen, Produktion zu verlagern oder ganz stillzulegen. Zugleich sieht Dräger die Gefahr, dass die Energiewende das Geschäft mit Öl und Gas schrumpfen lässt, bevor Wasserstoff und Batteriefabriken als neue Kunden nachwachsen.

Risiken
Was Dräger gefährlich werden könnte
Die wichtigsten Risiken nach Einschätzung der Redaktion, Stand 30.10.2026.
hoch
Medizintechnik ohne Marge
Nach neun Monaten 2026 minus 0,7 Prozent EBIT-Marge, 2024 und 2025 unter den Kapitalkosten.
hoch
Abhängigkeit vom Schlussquartal
2025 entstanden zwei Drittel des EBIT im vierten Quartal, die Prognose 2026 hängt am Jahresende.
mittel
PFAS-Verbot der EU
Fluorpolymere stecken in der Mehrzahl der Produkte, Entscheidung der Kommission frühestens 2027.
mittel
Zölle und Wechselkurse
2025 rund 25,5 Mio. € Zollkosten und rund 45 Mio. € Währungseffekte im EBIT.
mittel
Abschottung in Asien
China schließt EU-Firmen von großen Ausschreibungen aus, Umsatz Asien-Pazifik nach neun Monaten 2026 minus 5,1 Prozent.
niedrig
Finanzierung
Eigenkapitalquote 51,5 Prozent, Nettofinanzverbindlichkeiten 123,0 Mio. € Ende 2025.

Abschottung und Lieferketten

In China, Indien und Indonesien bevorzugt die Wirtschaftspolitik lokale Anbieter, Saudi-Arabien verlangt laut Geschäftsbericht einen festgelegten Anteil lokaler Wertschöpfung. Ein Konflikt um Taiwan würde nach Einschätzung des Vorstands die Knappheit elektronischer Komponenten erneut verschärfen.

Den Preis einer solchen Knappheit kennt Dräger aus dem Jahr 2022. Fehlende Elektronik drückte den Umsatz damals um 8,5 Prozent, das EBIT kippte ins Minus.

Der Iran-Konflikt kostet bereits Aufträge: Im dritten Quartal 2026 ging die Nachfrage nach Medizintechnik im Nahen Osten stark zurück.

Euro, Chemikalien, Cyberangriffe

Die eigene Stärken-Schwächen-Analyse nennt eine hohe Kostenbasis in Euro. Steigt der Euro gegenüber Dollar, Rupie, Peso und Yuan, schrumpfen die Erlöse in Euro, die Kosten in Lübeck bleiben. 2025 kosteten Wechselkurse rund 45 Millionen Euro EBIT. Hinzu kommen das mögliche PFAS-Verbot, das einen erheblichen Teil der Produkte betreffen könnte, und das Risiko von Cyberangriffen auf vernetzte Medizingeräte, das der Konzern zu seinen wesentlichen Risiken zählt.

Drei Szenarien bis 2030

Die Szenarien sind eine Einschätzung der Redaktion. Im optimistischen Fall erreicht die Medizintechnik dank Service, Verbrauchsmaterial und vernetzter Systeme wieder Margen von fünf Prozent und mehr, während Verteidigung und Cleantech die Sicherheitstechnik weiter wachsen lassen. Der Konzern käme dann dem Ziel nahe, die EBIT-Marge jedes Jahr um einen Prozentpunkt zu steigern.

Im realistischen Fall bleibt die Medizintechnik ein Geschäft mit dünner Marge, das die Sicherheitstechnik mitfinanziert, und die Konzernmarge pendelt zwischen fünf und acht Prozent.

Im pessimistischen Fall treffen ein PFAS-Verbot ohne ausreichende Ausnahmen, höhere Zölle und eine weitere Abschottung Chinas zusammen. Dann müsste die Familie über Teile der Medizintechnik entscheiden, die seit mehr als einem Jahrhundert zum Kern von Dräger gehören.

Auf den PunktDie größten Risiken
  • Sparte: Medizintechnik nach neun Monaten 2026 mit minus 0,7 Prozent Marge.
  • Kalender: Für 6 Prozent Jahresmarge braucht Dräger rund 104 Millionen Euro EBIT im vierten Quartal.
  • Umfeld: PFAS-Verbot, Abschottung in Asien und ein starker Euro.

Was bedeutet Dräger für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Schilderposten mit grünen Pfeilschildern „Kaufen“ (links) und „Mieten“ (rechts) sowie Etikett
Kaufen, mieten oder Service verhandeln: was Kliniken, Industrie und Anleger aus dem Fall Dräger mitnehmen.

Für deutsche Kliniken, Feuerwehren und Industriebetriebe ist Dräger ein Lieferant, an dem über Jahre Service und Ersatzteile hängen. Mittelständische Zulieferer finden einen Kunden mit fester Einkaufsregel. Verbraucher begegnen Dräger meist indirekt, im Krankenhaus oder beim Atemalkoholtest.

Der Heimatmarkt in Zahlen

In Deutschland setzte Dräger 2025 804,3 Millionen Euro um, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Medizintechnik wuchs hierzulande um 6,9 Prozent auf 435,0 Millionen Euro, die Sicherheitstechnik stagnierte bei 369,4 Millionen Euro. Deren Bestellungen gingen um 4,4 Prozent zurück, weil im Vorjahr ein Großauftrag für ABC-Schutzfilter angefallen war. In den ersten neun Monaten 2026 drehte das Bild: Der Auftragseingang aus Deutschland stieg um 14,6 Prozent auf 673,5 Millionen Euro, unter anderem durch den Großauftrag aus dem Verteidigungsgeschäft.

Kliniken und Feuerwehren als Kunden

In der Medizintechnik erlöste Dräger 2025 mit Service, Zubehör und Ersatzteilen mehr als mit neuen Geräten, und genau dort entstehen die Folgekosten. Einkaufsverbünde verhandeln deshalb am besten Neugerät, Wartung und Verbrauchsmaterial gemeinsam und lassen sich die Versorgung mit Ersatzteilen über die geplante Laufzeit schriftlich zusichern.

Kliniken, die ihre Geräte vernetzen wollen, achten auf Schnittstellen nach dem offenen Standard SDC. Je herstellerübergreifender die Vernetzung, desto leichter fällt später der Wechsel einzelner Geräte.

Für Feuerwehren und Werkfeuerwehren gehören nach unserer Einschätzung Prüfungen, Ersatzteile und Schulungen schon in die Ausschreibung, und ein gemischter Bestand von Pressluftatmern verschiedener Hersteller erhöht den Schulungs- und Wartungsaufwand.

Industrie und Zulieferer

Chemie- und Energiebetriebe kennen Dräger auch als Vermieter. Für Revisionen und Anlagenstillstände stellt der Konzern Gaswarngeräte, Atemschutz und Sicherheitsdienstleistungen bereit, 2025 brachte die Vermietung in der Sicherheitstechnik 49,0 Millionen Euro. Für Betriebe, die nur einmal im Jahr eine große Revision fahren, kann Miete günstiger sein als ein eigener Gerätepark, der elf Monate im Lager liegt.

Mittelständischen Zulieferern setzt Dräger klare Regeln. Mit allen strategischen Lieferanten schließt Dräger in der Regel einjährige Preisvereinbarungen, und mit keinem Lieferanten soll mehr als fünf Prozent des Einkaufsvolumens abgewickelt werden. Für Zulieferer bedeutet die Regel: Das Wachstum mit Dräger stößt an eine Obergrenze, die der Konzern selbst setzt.

GruppeBezug zu DrägerWorauf achten
KlinikenMedizintechnik in Deutschland 435,0 Mio. € Umsatz 2025Wartung, Verbrauchsmaterial und Ersatzteile mitverhandeln
FeuerwehrenAtemschutz, Prüfung und SchulungFolgekosten in die Ausschreibung
IndustrieSicherheitstechnik in Deutschland 369,4 Mio. € Umsatz 2025Miete für Revisionen prüfen
Zuliefererhöchstens 5 % des Einkaufsvolumens je Lieferant als Zieleinjährige Preisvereinbarungen
AnlegerVorzugsaktie ohne Stimmrecht, 6 Cent MehrdividendeMarge der Medizintechnik, Zollerstattungen

Verbraucher und Anleger

Privat begegnen die meisten Menschen Dräger auf der Intensivstation oder beim Atemalkoholtest. Seit 2025 verkauft der Konzern mit dem Alcotest 1000 ein einfaches Alkoholmessgerät für den privaten Gebrauch, ausschließlich über digitale Kanäle.

Anleger wählen zwischen zwei Aktien. Die Stammaktie liegt zu 71,62 Prozent bei der Familie, die Vorzugsaktie ohne Stimmrecht gehört zum TecDAX und bringt sechs Cent mehr Dividende. Mit diesem Papier überlassen Anleger der Familie die Entscheidungen, der Aufschlag ist der Preis dafür.

Drei Szenarien für die kommenden zwölf Monate

Optimistisch: Das Schlussquartal läuft wie 2025, Dräger erreicht 2026 die Mitte der Prognose von 6 bis 8 Prozent, und die Medizintechnik schließt das Jahr mit einer positiven Marge ab. Der hohe Auftragseingang der Sicherheitstechnik sichert den Start ins Jahr 2027.

Realistisch: Dräger landet am unteren Ende der Prognose, weil die Funktionskosten weiter schneller wachsen als der Umsatz. Die Medizintechnik bleibt nahe der Nulllinie.

Pessimistisch: Kliniken in Europa und im Nahen Osten verschieben Bestellungen, neue US-Zölle treffen die Medizintechnik, und Dräger verfehlt die Prognose. Die Vorzugsaktie dürfte dann unter das Niveau von Mitte Oktober fallen.

Was Leser jetzt tun können

Einkäufer in Kliniken und Industrie verhandeln Serviceverträge und Ersatzteilfristen vor dem Gerätekauf, nicht danach. Zulieferer mit Dräger als Kunden behalten die Kostenentwicklung im Blick, weil Analysten wie MWB Research eine strengere Kostenkontrolle anmahnen und der Vorstand Preisdurchsetzung zum Ziel erklärt hat.

Anleger achten im Geschäftsbericht für 2026 zuerst auf die Marge der Medizintechnik und auf den Anteil der Zollerstattungen am Ergebnis.

Unsere Einordnung: Dräger ist ein Familienkonzern, der sich eine schwache Sparte leistet, weil eine starke Sparte sie bezahlt. Solange die Sicherheitstechnik zweistellige Margen liefert, hält diese Rechnung. Bricht dort die Nachfrage aus Chemie und Industrie weg, fehlt dem Konzern der Puffer, den die Familie für ihre Beatmungsgeräte braucht.

Auf den PunktZum Mitnehmen
  • Einkauf: Folgekosten für Service und Ersatzteile gehören in den Kaufvertrag.
  • Industrie: Miete statt Kauf lohnt sich bei seltenen Revisionen.
  • Anleger: Auf die Marge der Medizintechnik und den Anteil der Zollerstattungen achten.

Glossar: 17 Fachbegriffe aus Bilanz, Klinik und Atemschutz

Offenes weißes Buch auf Sockel mit grünem „Glossar“-Lesezeichen und Schlauch
Von Auftragseingang bis Zollrückerstattung: die wichtigsten Fachbegriffe zu Dräger.

Auftragseingang

Der Auftragseingang umfasst alle Bestellungen, die ein Unternehmen in einem Zeitraum fest angenommen hat. Er zeigt früher als der Umsatz, wie sich das Geschäft entwickeln wird. Bei Dräger stieg der Wert in den ersten neun Monaten 2026 auf 2.673,5 Millionen Euro, vor allem dank der Sicherheitstechnik.

Bruttomarge

Die Bruttomarge ist der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der Herstellkosten übrig bleibt, also vor Vertrieb, Verwaltung und Entwicklung. Die Kennzahl zeigt, wie viel ein Produkt im Verhältnis zu seinen Material- und Fertigungskosten einbringt. Dräger kam 2025 auf 45,2 Prozent, die Sicherheitstechnik auf 47,3 Prozent.

Dräger Value Added

Der Dräger Value Added ist die zentrale Steuerungskennzahl des Konzerns: das EBIT der letzten zwölf Monate abzüglich der Kosten für das eingesetzte Kapital. Ein negativer Wert bedeutet, dass ein Bereich weniger verdient, als das Kapital kostet. 2025 lag der Wert im Konzern bei 90,1 Millionen Euro.

EBIT

Das EBIT (Earnings before Interest and Taxes) ist das Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern. Die Kennzahl zeigt, was das operative Geschäft erwirtschaftet, unabhängig von Finanzierung und Steuern. Dräger erzielte 2025 ein EBIT von 233,4 Millionen Euro, die EBIT-Marge lag bei 6,7 Prozent des Umsatzes.

Free Cashflow

Der Free Cashflow ist das Geld, das nach den laufenden Investitionen aus dem Geschäft übrig bleibt. Er zeigt, wie viel ein Unternehmen für Dividenden, Schuldenabbau oder Zukäufe zur Verfügung hat. Dräger erwirtschaftete 2025 einen Free Cashflow von 140,2 Millionen Euro, nach 123,9 Millionen Euro im Vorjahr.

Gasmesstechnik

Die Gasmesstechnik umfasst Geräte, die giftige, brennbare oder sauerstoffverdrängende Gase in der Luft erkennen und Alarm auslösen. Neben tragbaren Geräten für einzelne Beschäftigte gibt das Angebot fest installierte Warnanlagen für ganze Werke her. Bei Dräger war die Gasmesstechnik 2025 einer der größten Treiber des Auftragseingangs der Sicherheitstechnik.

Genussschein

Ein Genussschein ist ein Wertpapier, das am Gewinn eines Unternehmens beteiligt, aber kein Stimmrecht gewährt. Rechtlich steht er zwischen Aktie und Anleihe. Dräger kündigte 2020 sämtliche Genussscheine der Serien A, K und D und zahlte den Inhabern bis Januar 2023 zusammen 467,6 Millionen Euro zurück.

Kapitalkostensatz

Der Kapitalkostensatz gibt an, welche Rendite Eigen- und Fremdkapitalgeber im Durchschnitt erwarten. Unternehmen nutzen ihn als Mindestrendite für ihre Geschäfte. Dräger rechnete 2025 mit einem Satz von 9,0 Prozent vor Steuern, die Medizintechnik erreichte mit einer Kapitalrendite von 6,2 Prozent diesen Wert nicht.

Kommanditgesellschaft auf Aktien

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) verbindet eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit einem persönlich haftenden Gesellschafter, der die Geschäfte führt. Aktionäre bringen Kapital, haben aber weniger Einfluss als bei einer AG. Familien nutzen die Rechtsform, um die Kontrolle zu behalten, so auch bei der Drägerwerk AG & Co. KGaA.

Komplementärin

Die Komplementärin ist die persönlich haftende Gesellschafterin einer Kommanditgesellschaft oder KGaA und führt die Geschäfte. Bei Dräger übernimmt die Drägerwerk Verwaltungs AG diese Rolle, deren Anteile Stefan Dräger hält. Für Geschäftsführung und Haftung erhielt die Verwaltungs AG 2025 eine Vergütung von 122.000 Euro.

Medizinprodukteverordnung

Die Medizinprodukteverordnung (EU) 2017/745, kurz MDR, regelt seit 2021 die Zulassung von Medizinprodukten in der EU. Die Verordnung verlangt mehr klinische Daten, strengere Prüfungen und ausführlichere Dokumentation als die Vorgängerrichtlinien. Dräger sieht in den höheren Anforderungen Kosten, aber auch eine Hürde für neue Wettbewerber.

PFAS

PFAS sind per- und polyfluorierte Stoffe, eine Gruppe von mehreren Tausend Industriechemikalien, die sich in der Umwelt kaum abbauen. Die EU prüft ein weitreichendes Verbot. Dräger verwendet Fluorpolymere wie PTFE in der Mehrzahl seiner Produkte, vor allem in Sensoren und gasführenden Bauteilen, und betreibt Lobbyarbeit gegen ein generelles Verbot.

Pressluftatmer

Ein Pressluftatmer ist ein Atemschutzgerät, bei dem die Atemluft aus einer mitgeführten Druckluftflasche kommt, unabhängig von der Umgebungsluft. Feuerwehren setzen solche Geräte bei Bränden und Gasaustritten ein. Dräger erhielt 2025 für seinen Pressluftatmer PSS AirBoss die Zulassung für den nordamerikanischen Markt.

Quersubventionierung

Bei einer Quersubventionierung finanziert ein profitabler Unternehmensteil einen anderen, der wenig oder nichts verdient. Das kann gewollt sein, etwa um einen Markt zu halten, oder sich aus der Entwicklung ergeben. Bei Dräger erwirtschaftete die Sicherheitstechnik 2025 gut drei Viertel des operativen Ergebnisses.

SDC

SDC (Service-oriented Device Connectivity) ist ein internationaler Kommunikationsstandard nach ISO/IEEE 11073, über den Medizingeräte verschiedener Hersteller Daten austauschen. Monitore, Beatmungsgeräte und Infusionspumpen lassen sich damit am Patientenbett vernetzen. Dräger hat 2025 mit B. Braun und Ascom eine erste herstellerübergreifende Anwendung vorgestellt.

Vorzugsaktie

Eine Vorzugsaktie gewährt kein Stimmrecht in der Hauptversammlung, dafür einen Vorteil bei der Gewinnverteilung. Bei Dräger erhalten Vorzugsaktionäre vorab 13 Cent je Aktie und darüber hinaus sechs Cent mehr Dividende als Stammaktionäre. Die 8,6 Millionen Vorzugsaktien von Dräger liegen vollständig im Streubesitz.

Zollrückerstattung

Eine Zollrückerstattung ist die Rückzahlung bereits gezahlter Einfuhrabgaben durch die Zollbehörde, etwa nach einer gerichtlichen Entscheidung oder einer korrigierten Einstufung. Im Ergebnis wirkt die Erstattung als Einmaleffekt. Dräger erhielt bis Ende September 2026 US-Zölle von 27,9 Millionen Euro zurück, davon 20,1 Millionen Euro im dritten Quartal.

FAQ: Warum verdient Dräger mit Atemschutz mehr als mit Beatmung?

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Häufige Fragen zu Dräger: Eigentümer, Börse, Führung, Beschäftigte, Sitz und Umsatz.

Wem gehört Dräger?

Die Kontrolle liegt bei der Familie Dräger. Ihr sind 71,62 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien zuzurechnen, vor allem über die Dr. Heinrich Dräger GmbH. Die persönlich haftende Gesellschafterin gehört Stefan Dräger. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien liegen vollständig im Streubesitz.

Ist Dräger an der Börse?

Ja. Die Vorzugsaktien von Dräger notieren seit 1979, die Stammaktien seit 2010, beide im Prime Standard in Frankfurt. Die Vorzugsaktie gehört zum SDAX und seit Mai 2025 auch zum TecDAX.

Wer leitet Dräger?

Vorstandsvorsitzender ist Stefan Dräger, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt. Er arbeitet seit 1992 im Konzern, leitet den Vorstand seit 2005 und ist bis Ende Februar 2030 bestellt. Den Aufsichtsrat führt seit Januar 2025 Maria Dietz.

Wie viele Mitarbeiter hat Dräger?

Ende 2025 beschäftigte Dräger weltweit 16.687 Menschen, davon 7.768 in Deutschland. Ende September 2026 zählte der Konzern 16.716 Beschäftigte. Gut die Hälfte der Belegschaft arbeitet außerhalb Deutschlands.

Wo hat Dräger seinen Sitz?

Der Konzern sitzt in Lübeck, wo Johann Heinrich Dräger das Unternehmen 1889 gründete. Entwicklungs- und Fertigungsstandorte hat Dräger unter anderem in China, den USA, Großbritannien, Schweden, Tschechien, Litauen, Serbien, Chile, Indien und Südafrika.

Wie viel Umsatz macht Dräger?

2025 setzte Dräger 3.481,9 Millionen Euro um, so viel wie nie zuvor, und erzielte ein EBIT von 233,4 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten 2026 lag der Umsatz bei 2.453,9 Millionen Euro.

Quellen

18 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 30.10.2026
  1. Drägerwerk AG & Co. KGaAGeschäftsbericht 2025
  2. Drägerwerk AG & Co. KGaADräger mit höherem Umsatz und Ergebnis in den ersten neun Monaten 2026 (EQS-News vom 29.10.2026)
  3. dpa-AFX, Börse OnlineAktie im Fokus: Drägerwerk brechen nach Quartalszahlen zweistellig ein15.10.2026
  4. Drägerwerk AG & Co. KGaAPreliminary figures Q3 2026: Earnings below prior year, net sales up, forecast confirmed (Ad-hoc-Mitteilung vom 14.10.2026)
  5. Drägerwerk AG & Co. KGaAGeschäftsbericht 2022 (Fünfjahresüberblick 2018 bis 2022)
  6. Drägerwerk AG & Co. KGaAJahresabschluss und zusammengefasster Lagebericht 2020
  7. Deutsches Patent- und MarkenamtMeilensteine: Bernhard Dräger
  8. KZ-Gedenkstätte NeuengammeAußenlager Hamburg-Wandsbek
  9. Siemens AGSiemens to sell its stake in Dräger Medical AG & Co. KG to Dräger29.12.2009
  10. Deutsches ÄrzteblattDrägerwerk liefert 10.000 Beatmungsgeräte für Krankenhäuser13.03.2020
  11. Deutsches ÄrzteblattMinisterium zahlte in Pandemie Millionensumme für nicht gelieferte Beatmungsgeräte07.10.2024
  12. Deutscher BundestagLobbyregister, Registereintrag R003983 Drägerwerk AG & Co. KGaA
  13. MSA SafetyMSA Safety Announces Fourth Quarter and Full-Year 2025 Results11.02.2026
  14. GetingeQ4 and Full Year Report 202527.01.2026
  15. Shenzhen Mindray Bio-Medical ElectronicsGeschäftsbericht 2025
  16. Greenberg TraurigSupreme Court Invalidates Trump Administration’s IEEPA Tariffs20.02.2026
  17. Associated Press, ClickOnDetroitJudge rules companies are entitled to refunds for Trump tariffs overturned by the Supreme Court04.03.2026
  18. Medical Design & OutsourcingDräger Medical cited in FDA warning letter29.01.2020
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