Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Konzern Dräger erwartet für 2026 eine höhere Gewinnmarge. Getragen wird die bessere Aussicht aber nicht vom operativen Geschäft, sondern von Zöllen, die der US-Zoll zurückzahlt. Für Entscheider ist das ein Lehrstück über die Qualität von Gewinnen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine angehobene Gewinnprognose klingt nach einem stärkeren Geschäft, doch bei Dräger stammt das Plus aus einer Zollrückerstattung. Die Lübecker heben ihr Margenziel, weil in den USA zu viel gezahlter Zoll zurückfließt. Das Tagesgeschäft wächst dadurch keinen Deut schneller.
Das Wichtigste in Kürze
- Dräger hebt die erwartete EBIT-Marge für 2026 von 5,5 bis 7,5 % auf 6,0 bis 8,0 %.
- Auslöser sind Zollrückerstattungen: 7,8 Mio. € im zweiten Quartal, rund 14,2 Mio. € inklusive Zinsen im Juli.
- Die Umsatzprognose bleibt unverändert bei 2 bis 6 % währungsbereinigtem Wachstum.
- Den vollständigen Halbjahresbericht legt der Konzern am 30. Juli 2026 vor.
Warum bedeutet ein höheres Margenziel kein besseres Geschäft?

Weil nur der Gewinn steigt, nicht der Umsatz. Dräger hebt die erwartete EBIT-Marge für 2026 von 5,5 bis 7,5 % auf 6,0 bis 8,0 %, lässt den Umsatzausblick von 2 bis 6 % aber unverändert. Die zusätzliche Marge stammt aus zurückgezahltem Zoll, nicht aus mehr Aufträgen.
Der Zoll fließt als positiver Ergebniseffekt zurück und hebt so rechnerisch die Marge, ohne dass Dräger ein einziges Beatmungsgerät oder eine Gasmesstechnik mehr verkauft. Der Aktienkurs ist am Meldungstag kurz um rund 5 % gesprungen, hat das Plus aber noch am selben Tag wieder abgegeben.[1] Der Markt hat den Sondereffekt also sofort als das erkannt, was er ist.
Solche Prognosesprünge aus Sonderposten häufen sich in der deutschen Industrie. Bei der Deutschen Börse hat zuletzt vor allem das Zinsergebnis den höheren Jahresausblick getragen, während bei Salzgitter eine Übernahme die Jahresprognose auf 825 Millionen Euro gehoben hat. In beiden Fällen lohnt derselbe zweite Blick auf die Herkunft des Gewinns.
Woher stammen die Zollrückerstattungen?
Aus zu viel gezahltem US-Zoll, den die dortige Behörde erstattet. 7,8 Mio. € sind bereits im zweiten Quartal zurückgeflossen, rund 14,2 Mio. € inklusive Zinsen sind im Juli hinzugekommen und wirken im dritten Quartal. Weitere 7 bis 9 Mio. € hält Dräger für möglich.
Den genauen Rechtsgrund nennt die Ad-hoc-Mitteilung nicht. Das Muster ist aber typisch: Wer als Importeur in die USA zu viel Zoll entrichtet, bekommt die Differenz erstattet, sobald eine Abgabe korrigiert, neu eingereiht oder gerichtlich gekippt wird. Dass die Julitranche Zinsen enthält, deutet auf länger zurückliegende Überzahlungen hin.
Wiederkehrendes Thema. Dräger spricht ausdrücklich von weiteren Erstattungen, nicht von einer einmaligen Buchung. Das zeigt, wie tief der Konzern im US-Zollregime steckt und wie stark sein Ergebnis inzwischen an dessen Verwaltung hängt, statt allein am eigenen Absatz.
Eine höhere Marge aus zurückgezahltem Zoll ist ein Geschenk der US-Bürokratie, kein Beweis für ein besseres Geschäft. Entscheider sollten den Einmaleffekt strikt vom operativen Kern trennen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für deutsche Exporteure?
Ihre Ergebnisse schwanken zunehmend mit der US-Zollverwaltung. Seit dem EU-US-Zollrahmen von Mitte 2025 liegt der Basiszoll auf viele Einfuhren bei 15 %. Rückzahlungen entlasten das Ergebnis einmalig, an den strukturellen Zollkosten ändern sie nichts.
Daraus folgt vor allem eine Lesekompetenz: Sonderposten gehören bei jeder Prognose sauber vom operativen Margenkern getrennt. Praktisch lohnt zudem der Blick in die eigene Buchhaltung, denn erstattungsfähige US-Zölle liegen dort oft unbemerkt, und Zollszenarien gehören dauerhaft in die Planung, weil die Grundkosten anders als Einmalerstattungen bleiben.
Wie riskant reine Sondereffekte in die Gegenrichtung wirken, führt Dürr vor, wo eine Abschreibung das Milliardenziel einer Tochter kassiert hat. Ob Rückzahlung oder Wertberichtigung: Die belastbare Kennzahl bleibt die bereinigte Marge, nicht das Gesamtergebnis mit allen Einmaleffekten.
Zurückgezahlter US-Zoll in drei Tranchen
Erwartete EBIT-Marge 2026
Den echten Test liefert der Halbjahresbericht am 30. Juli 2026. Dann zeigt sich, wie die operative Marge ohne die Zollrückerstattungen aussieht. Auf diese bereinigte Zahl sollten Anleger und Geschäftspartner schauen, nicht auf das angehobene Gesamtziel.
Warum hebt Dräger die Prognose an?
Wie hoch sind die Zollrückerstattungen bei Dräger?
Bedeutet die höhere Prognose ein besseres Geschäft?
Wann legt Dräger die Halbjahreszahlen 2026 vor?
Quelle
[1] Drägerwerk AG & Co. KGaA: Ad-hoc-Mitteilung „Dräger erhält weitere Zollrückerstattungen und hebt Prognose an“ (21. Juli 2026)
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