Dürr streicht bei seiner Automatisierungstochter BBS 500 Stellen und schreibt bis zu 100 Millionen Euro ab. Der Zukauf von 2023 sollte den Konzern zum Powerhouse der Fabrikautomation machen. Jetzt holt ihn die schwächelnde Elektromobilität ein.

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Dürr hat für BBS Automation im Jahr 2023 bis zu 480 Millionen Euro gezahlt. Drei Jahre später berichtigt der Maschinenbauer den Wert dieses Zukaufs um bis zu 100 Millionen Euro nach unten. Ausgelöst hat das ein Auftragseingang, der weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dürr schreibt zum 30. Juni 2026 rund 90 bis 100 Millionen Euro Goodwill auf BBS Automation ab.
  • Etwa 500 Stellen fallen weltweit weg, die Restrukturierung kostet 2026 rund 40 bis 50 Millionen Euro.
  • Das Umsatzziel für BBS im Jahr 2030 sinkt von 800 auf gut 600 Millionen Euro.
  • Die Konzernprognose 2026 bleibt bestehen, weil andere Sparten die Schwäche auffangen.

Was steckt in der Abschreibung?

Roboterarm hält Metallzylinder mit Preisschild, auf dem „-100 Mio.“ handgeschrieben steht
Goodwill-Abschreibung von 90–100 Mio. Euro auf BBS Automation zum 30. Juni 2026. Dürr streicht weltweit 500 Stellen für jährliche Einsparungen von 30 Mio. Euro ab 2027

Die Zahlen stammen aus einer Ad-hoc-Mitteilung vom 22. Juli.[1] Kern der Meldung ist eine Goodwill-Abschreibung von 90 bis 100 Millionen Euro auf BBS Automation, gebucht zum 30. Juni 2026.

Rund 500 Stellen streicht Dürr weltweit. Die Einsparung soll ab 2027 etwa 30 Millionen Euro pro Jahr bringen, für die Restrukturierung fallen 2026 zwischen 40 und 50 Millionen Euro an.

Der Rest des Konzerns läuft stabiler. Im zweiten Quartal hat Dürr vorläufig 914 Millionen Euro Auftragseingang, 981 Millionen Euro Umsatz und eine bereinigte EBIT-Marge von 4,3 Prozent verbucht, weshalb die Jahresprognose steht.

Warum brechen die Aufträge ein?

BBS Automation baut Montage- und Prüfanlagen, mit denen Fabriken Bauteile fertigen. Gut die Hälfte des Umsatzes hängt an Automobilkomponenten, vor allem an Batterien und Elektrobauteilen für das E-Auto.[2]

Genau dort ist der Boom ausgeblieben. Der Hochlauf europäischer Batteriefabriken stockt, Zellprojekte werden verschoben oder gestrichen, und damit fehlen die Bestellungen für die Anlagen, die BBS liefert.

Der Zukauf ist damit fast auf den Zenit einer Erwartung gefallen, die sich nicht erfüllt hat. Die Abschreibung ist die buchhalterische Quittung für ein Timing, das teuer geworden ist.

Der Kaufpreis von 2023 war eine Wette auf einen Batterie-Boom, der so nie eintraf. Dürr zahlt jetzt die Rechnung für ein Timing, das die halbe Zulieferindustrie geteilt hat.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Ein Muster in der Zulieferer-Krise?

Dürr steht damit nicht allein. Quer durch die Branche wird umgebaut: ZF streicht tausende Stellen, Magna reicht sein Autolicht an Mutares weiter. Auch Bosch verlagert Halbleiterfertigung ins Ausland.

Dahinter steht überall dasselbe Motiv: eine schwächelnde Autoproduktion und ein E-Auto-Hochlauf, der langsamer kommt als geplant. Zukäufe aus den Jahren 2022 und 2023 stehen jetzt reihenweise zur Korrektur.

Für Entscheider steckt darin eine Lektion über Firmenkäufe am Zyklushoch. Ein hoher Kaufpreis verwandelt sich in Goodwill, und der wird zur Abschreibung, sobald das gekaufte Geschäft die Planzahlen reißt.

Ratsam bleibt, bei Zukäufen die Zyklusabhängigkeit des Zielgeschäfts nüchtern zu prüfen und ein Klumpenrisiko wie die alleinige Wette auf die E-Mobilität früh zu streuen. Ob sich eine Automatisierung überhaupt rechnet, hängt am Ende weniger am Trend als an der eigenen Auslastung.

BBS Automation: vom Zukauf zur Abschreibung
Wie Dürr seine Wette auf die Fabrikautomation korrigiert (Stand: 22. Juli 2026)
bis 100 Mio. €
Goodwill-Abschreibung (90 bis 100 Mio.) auf BBS Automation, gebucht zum 30. Juni 2026
500
Stellen fallen bei BBS Automation weltweit weg
30 Mio. €
geplante Einsparung pro Jahr, größtenteils ab 2027
Umsatzziel für BBS Automation im Jahr 2030
800 Mio. €altes Ziel
wird zu
600 Mio. €neues Ziel
Kaufpreis 2023: bis zu 480 Mio. € zahlte Dürr für BBS Automation.
Rund 55 Prozent des BBS-Umsatzes hängen an Auto- und Batteriekomponenten.

Quellen

[1] Dürr AG: „Effizienzsteigerung bei BBS Automation, vorläufige Zahlen Q2 2026″ (Ad-hoc-Mitteilung, 22. Juli 2026)

[2] Dürr Group: „Dürr Group completes acquisition of BBS Automation“ (Pressemitteilung, 2023)

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