Bisher vermietet Amazon seinen KI-Chip Trainium nur in den Rechenzentren der Cloud-Sparte AWS. Ende 2027 will Konzernchef Andy Jassy die Chips auch außerhalb von AWS anbieten. Betreiber eigener Rechenzentren bekämen damit neben Nvidia, AMD und Google einen weiteren Lieferanten.
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Den Termin nannte Jassy am 29. Oktober in der Telefonkonferenz zum dritten Quartal: „Weil die Nachfrage nach Trainium so groß ist, drängen uns Kunden weiterhin, ihn auch außerhalb von AWS verfügbar zu machen. Das wollen wir Ende 2027 tun.“[1] Wie Amazon die Chips anbieten will, als ganze Serverschränke zum Kauf oder auf anderem Weg, sagte Jassy nicht. Preise und Kunden nannte er ebenfalls nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Amazon will seinen KI-Chip Trainium ab Ende 2027 auch außerhalb von AWS anbieten.
- Im April hatte Jassy den Verkauf ganzer Serverschränke an Dritte erst für gut möglich gehalten.
- Die vertraglich zugesagten Umsätze mit Trainium sind laut Amazon binnen eines Jahres auf mehr als das Zwanzigfache gestiegen.
- Google verkauft seine KI-Chips seit April an fremde Rechenzentren.
Was entgeht Amazon bisher?

Im Aktionärsbrief vom April rechnete Jassy vor, dass die reine Vermietung den Chipumsatz kleiner aussehen lässt. Die Chipsparte mit Trainium, dem Prozessor Graviton und dem Netzwerkchip Nitro setze aufs Jahr hochgerechnet mehr als 17,4 Mrd. Euro um. Als eigenständiger Chiphersteller, der auch an Dritte liefert, käme sie auf rund 43,5 Mrd. Euro. Dazu schrieb Jassy: „Die Nachfrage nach unseren Chips ist so groß, dass es gut möglich ist, dass wir künftig ganze Serverschränke davon an Dritte verkaufen.“[2]
Für AWS selbst zählt vor allem die Ersparnis. In großem Umfang eingesetzt, werde Trainium jedes Jahr Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe sparen und die operative Marge um mehrere Prozentpunkte verbessern, schrieb Jassy, verglichen mit fremden Chips für den Betrieb fertiger Modelle.[2] Vorbild ist Graviton: Bis 2018 liefen fast alle Rechenaufgaben bei AWS auf Intel-Prozessoren, heute nutzen 98 Prozent der 1.000 größten Kunden von EC2, dem Dienst für gemietete Rechenleistung von AWS, den Amazon-Prozessor.[2]
Warum erst Ende 2027?
Einen Grund für den Termin nannte Jassy nicht. AWS braucht seine Chips vorerst selbst, denn die Kapazität für 2027 ist laut Jassy weitgehend ausgebucht. Selbst ältere Trainium-Chips sind ohne feste Laufzeit teurer zu mieten als im ersten Halbjahr.[1] Die nächste Generation Trainium4 sollte laut Aktionärsbrief rund 18 Monate nach April für alle Kunden verfügbar sein, rechnerisch also im Herbst 2027.[2]
Den Weg aus der eigenen Cloud ist Google schon gegangen. Seit April verkauft Google seine KI-Chips an Betreiber fremder Rechenzentren, Oracle betreibt sie ab 2027 als erster Cloud-Anbieter außer Google. Für Nvidia entsteht damit ein zweiter Wettbewerber aus dem Kreis der eigenen Großkunden.
Was heißt das für Firmen in Deutschland?
Bislang kommen deutsche Firmen an Trainium nur über AWS. Amazon investiert 2027 rund 4,8 Mrd. Euro in den Ausbau seiner Cloud-Region Frankfurt.[3] Wohin Amazon die Chips außerhalb von AWS liefert und ob europäische Cloud-Anbieter zu den Abnehmern gehören, ließ Jassy offen.
Amazon will ab 2027 nicht nur Rechenzeit anbieten, sondern auch die Chips dazu. Für Firmen zählt dann, wie leicht sie von Amazons Software wieder loskommen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Mit gekauften Chips bindet sich ein Unternehmen an die Software des Herstellers. Trainium läuft mit Amazons Entwicklungspaket Neuron. Seit Oktober bringt die Open-Source-Erweiterung TorchNeuron vorhandenen PyTorch-Code laut Amazon ohne Umschreiben auf Trainium.[1] Firmen, die für 2028 eigene KI-Rechner planen, können ihre Modelle schon heute in AWS auf Trainium testen und die Ergebnisse in der Ausschreibung neben die Angebote für Nvidia-Chips legen.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- AmazonQ3 Earnings: Andy Jassy on why demand for Amazon’s custom chips keeps growing (30.10.2026, englisch)
- AmazonAmazon CEO Andy Jassy’s 2025 Letter to Shareholders (09.04.2026, englisch)
- AmazonAmazon announces plan to invest €16 billion in Germany in 2027 (20.10.2026, englisch)
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