Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin erklärt das für 2027 geplante Upgrade Hegota zur letzten „normalen“ Fork der Plattform. Bis 2030 sollen Zero-Knowledge-Beweise, schnellere Bestätigungen und quantensichere Signaturen das Netz grundlegend verändern. Für Firmen mit Wallets oder tokenisierten Wertpapieren beginnt damit eine Planungsfrist, die sich mit dem EU-Fahrplan für Post-Quanten-Kryptografie deckt.

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„Ein modernes kryptografisches Netz wie Ethereum nach dem Lean-Umbau heißt zu einem großen Teil aus historischen Gründen ‚Blockchain‘“, schreibt Vitalik Buterin in seinem Blogbeitrag „The cryptographic world computer“ vom 27. September.[1] Der Ethereum-Mitgründer beschreibt darin, wie weit sich die Technik bis 2030 vom Bitcoin-Modell des Jahres 2009 entfernen soll. Den Wendepunkt legt Buterin auf das nächste größere Upgrade mit dem Namen Hegota.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vitalik Buterin erwartet, dass Hegota im Jahr 2027 das letzte Ethereum-Upgrade mit Technik aus dem Jahr 2015 wird.
  • Danach prägen Zero-Knowledge-Beweise, automatische formale Verifikation und schnellere Konsensverfahren den Umbau.
  • Die Ethereum Foundation will das Netz bis Dezember 2029 auf allen drei Ebenen quantensicher machen.
  • Die EU verlangt von kritischer Infrastruktur den Wechsel auf Post-Quanten-Kryptografie bis Ende 2030.

Was kündigt Buterin für Ethereum an?

Weiße Kette, orangefarbenes Vorhängeschloss mit Etikett „quantensicher ab 2029“
Buterin vergleicht Bitcoins Whitepaper mit Ethereum 2015, 2025 und 2030. Fast alle Kerneigenschaften einer Blockchain ändern sich oder werden geändert

Buterin vergleicht das Bitcoin-Whitepaper Abschnitt für Abschnitt mit dem Ethereum der Jahre 2015, 2025 und 2030. Sein Befund lautet, dass sich fast jede Kerneigenschaft einer Blockchain bereits geändert hat oder bald ändert. Knoten sollen neue Blöcke nicht mehr komplett herunterladen und nachrechnen, sondern Stichproben der Daten ziehen und einen kompakten kryptografischen Beweis prüfen. Das Stichprobenverfahren PeerDAS läuft seit dem Upgrade Fusaka vom Dezember 2025. Neue Blöcke stellt künftig nicht mehr ein einzelner Miner zusammen, sondern mehrere Beteiligte gemeinsam.

Beim Zeitplan wird Buterin konkret: „Hegota, die für nächstes Jahr geplante Fork, dürfte Ethereums letzte ‚normale‘ Fork sein, mit Funktionen und Technik, die jemand aus dem Jahr 2015 wiedererkennen würde.“[1] Alle späteren Upgrades bringen laut dem Blogbeitrag rekursive STARKs, automatisierte formale Verifikation, stark optimierte Konsensalgorithmen und die Quantensicherheit des gesamten Systems. Nach Hegota werde dieser Umbau zur „wichtigsten Geschichte“ von Ethereum.

Für Nutzer verschieben sich damit die Kompromisse. 2015 dauerte ein Block rund 17 Sekunden, zwölf Bestätigungen brauchten etwa 200 Sekunden. Für 2030 rechnet Buterin mit vier bis acht Sekunden pro Slot und acht bis 32 Sekunden bis zur endgültigen Bestätigung, heute vergehen dafür rund 13 Minuten. Vertraulichkeit bei Transaktionen und Kontoregeln sollen Zero-Knowledge-Beweise liefern. Eine Grenze benennt der Ethereum-Mitgründer offen: „Ethereum selbst wird nie eine Latenz haben, die mit Servern mithalten kann.“

Welches Gewicht hat Buterins Fahrplan?

Ein formales Entscheidungsrecht besitzt Buterin nicht. Über jedes Upgrade entscheiden die Kernentwickler der Client-Teams in ihren öffentlichen Abstimmungsrunden. Seine Essays setzen trotzdem regelmäßig die Agenda: Den Fokus auf Rollups als Skalierungsweg skizzierte Buterin im Oktober 2020, der Wechsel von Proof of Work auf Proof of Stake folgte im September 2022 nach jahrelanger Vorarbeit. Wie ernst die Entwickler den Zeitplan nehmen, zeigt der Prioritätenbericht der Ethereum Foundation vom 7. September.[2]

Die Stiftung plant das Upgrade Glamsterdam für Dezember 2026. Für Hegota liegen 62 Änderungsvorschläge vor, als Kern gelten erzwungene Aufnahmelisten gegen Zensur (FOCIL) und ein neues Transaktionsmodell. Die Foundation nennt Hegota ausdrücklich „die Fork, die entscheidet, ob die Post-Quanten-Forks pünktlich kommen“. Das Ziel lautet, Ausführung, Konsens und Datenschicht bis Dezember 2029 quantensicher zu machen. Der Plan verlangt im Schnitt alle 7,2 Monate ein Upgrade.

Einen Beschleuniger sieht Buterin in künstlicher Intelligenz: Zero-Knowledge-Beweise würden bereits intensiv mit KI-Werkzeugen optimiert. Die Gegenrichtung zeigt ein aktueller Fall, in dem Anthropics KI die Schlüsselstärke des Post-Quanten-Verfahrens HAWK in 60 Stunden halbierte. Mit KI geht also nicht nur der Bau neuer Kryptografie schneller, sondern auch die Suche nach deren Schwachstellen.

Ethereum 2015 und 2030 im Vergleich
Was sich laut Vitalik Buterin an der Technik ändert und wann die Upgrades kommen sollen
Blockprüfung
Beweis statt Nachrechnen

2015: jeder Knoten lädt und rechnet alles nach. 2030: Stichproben der Daten und ein kompakter Beweis genügen

Bestätigung
8 bis 32 Sekunden

Ziel für 2030. Im Jahr 2015 dauerten zwölf Bestätigungen etwa 200 Sekunden, heute vergehen bis zur endgültigen Bestätigung rund 13 Minuten

Signaturen
quantensicher

2030: Transaktionen nutzen teils quantensichere Signaturen, teils Zero-Knowledge-Beweise

Vertraulichkeit
Zero Knowledge

2015: keine Vertraulichkeit für Kontoregeln. 2030: Zero-Knowledge-Beweise verbergen Details

Ethereum-Upgrades und EU-Fristen
  1. Dezember 2025FusakaStichprobenverfahren PeerDAS geht in Betrieb
  2. Dezember 2026GlamsterdamZieltermin der Ethereum Foundation
  3. Ende 2026EU-FristAlle Mitgliedstaaten beginnen mit der Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie
  4. 2027Hegotaletzte „normale“ Fork, 62 Änderungsvorschläge in Prüfung
  5. Dezember 2029QuantensicherZiel für Ausführung, Konsens und Datenschicht
  6. Ende 2030EU-FristKritische Infrastruktur nutzt Post-Quanten-Kryptografie

Mit Hegota endet für Ethereum die Zeit der kleinen Upgrades, ab 2027 stehen Kryptografie und Quantensicherheit im Mittelpunkt. Firmen mit Wallets oder tokenisierten Wertpapieren sollten ihre Schlüssel erfassen, bevor die Umstellung ansteht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet der Umbau für Unternehmen in der DACH-Region?

Ethereum und seine Zweitnetze dienen längst als Infrastruktur für Finanzprodukte. Coinbase bietet tokenisierte Aktien auf Base an, einem Zweitnetz von Ethereum. Robinhood baut eine eigene Kette für denselben Zweck. In Deutschland erlaubt das Gesetz über elektronische Wertpapiere seit Juni 2021 Kryptowertpapiere, die in einem Register auf einer Blockchain stehen. Die geplante Quantensicherheit betrifft jede Adresse, die heute mit klassischen Signaturen arbeitet. Wie der Wechsel für bestehende Konten abläuft, legen die Entwickler erst in den Upgrades nach Hegota fest.

Der Zeitplan der Ethereum Foundation liegt dicht an den EU-Fristen. Die Kommission stellte im Juni 2025 einen abgestimmten Fahrplan vor: Alle Mitgliedstaaten beginnen bis Ende 2026 mit der Umstellung, kritische Infrastrukturen sollen bis Ende 2030 auf Post-Quanten-Kryptografie laufen.[3] Für Entscheider ergeben sich daraus vier Aufgaben:

  • Erfassen Sie alle Wallets, Smart Contracts und Schlüssel Ihres Unternehmens, die auf Ethereum oder einem Zweitnetz liegen.
  • Nehmen Sie diese Schlüssel in Ihre Planung für Post-Quanten-Kryptografie auf, die Sie für die EU-Fristen ohnehin brauchen.
  • Lassen Sie Entwickler neue Smart Contracts so bauen, dass sich Rechenschritte parallel ausführen lassen, weil künftige Gebührenregeln serielle Abläufe laut Buterin verteuern.
  • Speichern Sie keine personenbezogenen Daten im Klartext auf der Kette, denn Transaktionen bleiben laut Buterin auch 2030 unumkehrbar.

Den nächsten Prüfstein liefert Glamsterdam im Dezember, danach verhandeln die Kernentwickler den genauen Umfang von Hegota. Weitere Nachrichten zu Kryptowährungen und Blockchain bündelt unsere Rubrik Blockchain & Krypto, Entscheidungen der prägenden Köpfe der Branche sammelt das Themenarchiv zu den Tech-Titanen.

FAQ: Vitalik Buterin, Hegota und der Umbau von Ethereum

Wer ist Vitalik Buterin?

Vitalik Buterin entwarf Ethereum Ende 2013 in einem Whitepaper und startete das Netz 2015 mit weiteren Gründern. Ein formales Entscheidungsrecht über Upgrades besitzt der Programmierer nicht, prägt die technische Richtung aber mit Essays und Forschungsbeiträgen.

Was ist Hegota bei Ethereum?

Hegota heißt das Ethereum-Upgrade nach Glamsterdam, geplant für 2027. Vitalik Buterin hält Hegota für die letzte „normale“ Fork mit Technik, die an 2015 erinnert. In Prüfung sind 62 Änderungsvorschläge, darunter erzwungene Aufnahmelisten gegen Zensur.

Was meint Buterin mit dem kryptografischen Weltcomputer?

Buterin beschreibt ein Ethereum, das Grundideen der Blockchain mit moderner Kryptografie verbindet. Knoten prüfen kompakte Beweise, statt jeden Block nachzurechnen, Zero-Knowledge-Beweise schützen Daten, und ein Teil der Rechenarbeit verteilt sich auf das Netz.

Wann soll Ethereum quantensicher sein?

Die Ethereum Foundation will Ausführung, Konsens und Datenschicht bis Dezember 2029 quantensicher machen. Das Netz braucht dafür im Schnitt alle 7,2 Monate ein Upgrade. Die EU erwartet von kritischer Infrastruktur die Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie bis Ende 2030.

Was sollten Unternehmen mit Ethereum-Wallets jetzt tun?

Unternehmen sollten alle Wallets, Smart Contracts und Schlüssel auf Ethereum erfassen und in die Planung für Post-Quanten-Kryptografie aufnehmen. Neue Smart Contracts sollten Entwickler auf parallele Ausführung auslegen. Personenbezogene Daten gehören nicht im Klartext auf die Kette.

Quellen

[1] Vitalik Buterin: „The cryptographic world computer“ (27.09.2026)

[2] Ethereum Foundation: „EF Protocol: Current and Emerging Priorities“ (07.09.2026)

[3] Europäische Kommission: „EU reinforces its cybersecurity with post-quantum cryptography“ (23.06.2025)

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