Am 28. Oktober kostete ein Liter Diesel im Bundesschnitt 2,289 Euro und damit gut 20 Cent mehr als Super E10, meldet der ADAC. Vier Wochen zuvor hatte der Bund die Energiesteuer um 14,04 Cent je Liter gesenkt. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass Diesel bis weit ins Jahr 2027 knapp bleibt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 12 Abschnitte
- Was ist Diesel und wie entsteht er in der Raffinerie?
- Wie wurde aus Rudolf Diesels Motor der Kraftstoff der Lastwagen?
- Wie hat Diesel die Weltkarte verändert?
- Warum ist Diesel für die Weltwirtschaft so wichtig?
- Wo steckt Diesel im Alltag und was steht ohne ihn still?
- Wie setzt sich der Preis eines Liters Diesel zusammen?
- Wer verdient am Diesel und wer zahlt drauf?
- Wie mächtig ist die Diesel-Lobby?
- Wie kommen wir vom Diesel los?
- Was bedeutet die Dieselkrise für Deutschland?
- Glossar: 12 Fachbegriffe vom Agrardiesel bis zur THG-Quote
- FAQ: Diesel: Erst fehlte Russland, jetzt fehlt der Golf
Rund 13,4 Millionen Pkw in Deutschland fahren laut Kraftfahrt-Bundesamt mit Diesel, dazu Traktoren, Baumaschinen, Regionalzüge und Notstromaggregate. Diese Stoffgeschichte folgt dem Kraftstoff von Rudolf Diesels Versuchsmotor in Augsburg über das Russland-Embargo bis zu den Tankern, die seit Februar kaum noch durch die Straße von Hormus kommen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anlass: Seit dem Iran-Krieg fehlen Europa die Lieferungen der Exportraffinerien am Golf, Russland liefert seit dem Embargo von 2023 keinen Diesel mehr. Im September erreichte der Großhandelspreis laut IEA ein Allzeithoch.
- Der Markt: Gasöl einschließlich Diesel macht gut ein Viertel des weltweiten Ölverbrauchs aus. Die Gasölbestände der Industrieländer lagen im Juli so niedrig wie seit November 2023 nicht.
- Die Abhängigkeit: Deutschland muss nach Angaben von en2x rund 30 Prozent seines Diesels importieren. Größter Lieferant der EU von außerhalb sind 2026 die USA.
- Der Preis: Nach unserer Rechnung gingen vom Literpreis am 28. Oktober rund 87 Cent als Steuern und CO2-Preis an den Staat, obwohl der Tankrabatt noch bis Jahresende gilt.
Bluff oder Wissen? Der Diesel-Check
1 In welcher Stadt brachte Rudolf Diesel seinen Motor zum Laufen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
2 Welcher Anteil der Diesel-Seeimporte Nordwesteuropas kam vor dem Embargo aus Russland? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
3 Wie hoch ist die Energiesteuer auf einen Liter Diesel bis Ende 2026? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
4 Wie viel seines Diesels muss Deutschland importieren? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
5 Welchen Anteil hatten Diesel-Pkw im September 2026 an den Neuzulassungen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Was ist Diesel und wie entsteht er in der Raffinerie?
Diesel ist ein Mitteldestillat aus Rohöl, ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, das die Raffinerie zwischen Benzin und schwerem Heizöl abtrennt. Das Rohöl dafür entstand über Jahrmillionen tief in der Erde unter Druck und Hitze aus abgestorbenem Plankton.
Aus den Resten von Meeresplankton entstand Erdöl, sobald die Gesteinsschichten tief genug absanken. Im sogenannten Erdölfenster zwischen rund 60 und 160 Grad wandelt sich das organische Material in flüssige Kohlenwasserstoffe um, beschreibt das Lexikon der Geowissenschaften des Spektrum-Verlags.
Diesel selbst entsteht erst in der Raffinerie.
In der Destillationskolonne trennt die Hitze das Rohöl nach Siedepunkten. Oben entweichen Gase und Benzin, in der Mitte kondensieren Kerosin und Diesel, unten bleiben schweres Heizöl und Bitumen. Moderne Anlagen spalten zusätzlich schwere Moleküle in einem Hydrocracker unter Wasserstoff auf und gewinnen so mehr Diesel aus jedem Barrel. In den USA entfallen nach einem Bericht des Forschungsdienstes des Kongresses rund 30 Prozent des Raffinerieausstoßes auf Destillate wie Diesel und Heizöl.
Was an deutschen Zapfsäulen als Diesel verkauft wird, regelt die europäische Norm EN 590. Die Norm verlangt eine Cetanzahl von mindestens 51, die die Zündwilligkeit misst, höchstens 10 Milligramm Schwefel je Kilogramm und einen Flammpunkt von mindestens 55 Grad.
Bis zu 7 Prozent Biodiesel dürfen beigemischt sein.
| Kennwert | Vorgabe nach EN 590 | Wozu |
|---|---|---|
| Cetanzahl | mindestens 51 | Zündwilligkeit im Motor |
| Schwefel | höchstens 10 mg je kg | Schutz von Katalysator und Partikelfilter |
| Biodiesel (FAME) | höchstens 7 Prozent | Beimischung als B7 |
| Flammpunkt | mindestens 55 °C | Sicherheit bei Lagerung und Transport |
| Dichte | 820 bis 845 kg je m³ | Energiegehalt je Liter |
| Siedeverlauf | 95 Prozent verdampft bis 360 °C | Abgrenzung zum schweren Heizöl |
1994 durfte Diesel in der EU noch 0,2 Prozent Schwefel enthalten. Seit 2009 gelten für Straßendiesel höchstens 10 Milligramm je Kilogramm, ein Zweihundertstel des alten Werts.
Bei Kälte bilden sich im Kraftstoff Paraffinkristalle, die Filter verstopfen.
Die Norm teilt Diesel deshalb nach dem Filtrierbarkeitsgrenzwert in Klassen ein, für gemäßigtes Klima von plus 5 bis minus 20 Grad, für arktische Regionen bis minus 44 Grad.
Chemisch eng verwandt ist leichtes Heizöl, das in Deutschland rot eingefärbt wird und mehr Schwefel enthalten darf. Beide stammen aus demselben Schnitt der Kolonne. Steigt im Herbst die Nachfrage nach Heizöl, zieht die Heizölnachfrage deshalb auch den Dieselpreis nach oben.
Wie viel Diesel die Welt bekommt, entscheiden deshalb die Raffinerien.
Die größte Raffinerie steht im indischen Jamnagar: Der Komplex von Reliance hat laut der indischen Ölbehörde PPAC eine Kapazität von 68,2 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr, etwa ein Viertel der indischen Raffineriekapazität.
Diesel ist ein Schnitt aus der Mitte der Raffineriekolonne, kein eigener Bodenschatz. Über die Liefermenge entscheiden deshalb die Raffinerien, nicht die Ölquellen.
Wie wurde aus Rudolf Diesels Motor der Kraftstoff der Lastwagen?

Rudolf Diesel erhielt 1893 sein Patent, zum Jahreswechsel 1896/97 lief der Motor in Augsburg. Massenkraftstoff wurde Diesel zuerst auf Schiffen ab 1912, dann im Lastwagen ab 1924 und in Europas Pkw durch Steuervorteil und Turbodiesel mit Direkteinspritzung.
Rudolf Diesel, 1858 in Paris geboren, erhielt am 23. Februar 1893 das Reichspatent 67207 für seinen Verbrennungsmotor. Der Motor verdichtet Luft so stark, dass sich der eingespritzte Kraftstoff ohne Zündkerze selbst entzündet.
Gebaut wurde die Maschine ab 1893 in der Maschinenfabrik Augsburg unter Direktor Heinrich Buz, Krupp beteiligte sich an den Kosten. Zum Jahreswechsel 1896/97 lief der Motor, damals noch mit Petroleum. Das Technik Museum Speyer nennt für den Versuchsmotor einen Wirkungsgrad von 26,2 Prozent.
In der Nacht zum 30. September 1913 verschwand Rudolf Diesel auf der Fähre von Antwerpen nach Harwich, ein niederländisches Lotsenboot fand später seine Leiche im Meer.
Auf See setzte sich der Motor zuerst durch. 1912 stach in Kopenhagen die Selandia von Burmeister & Wain zur Jungfernfahrt nach Bangkok in See, das erste hochseetaugliche Motorschiff mit Dieselantrieb.
Im selben Jahr lief mit U 19 das erste U-Boot der Kaiserlichen Marine mit MAN-Dieselmotoren vom Stapel.
An Land folgte der Lastwagen. Im Dezember 1924 stellten Daimler, Benz und MAN auf der Berliner Automobilausstellung die ersten Diesel-Lkw vor, nach Testfahrten in den Jahren davor.
1936 zeigte Mercedes-Benz auf derselben Ausstellung den 260 D, der als erster Serien-Diesel-Pkw gilt; Hanomag präsentierte dort ebenfalls einen Diesel.
Die Ölkrise von 1973 traf einen Verkehr ohne eigenes Öl: Nach der Förderkürzung der arabischen Staaten verhängte die Bundesregierung ab dem 25. November vier autofreie Sonntage, der Rohölpreis vervierfachte sich bis 1974. Die Industriestaaten gründeten daraufhin die Internationale Energieagentur, die heute auch die Notvorräte an Diesel koordiniert.
1989 zeigte Audi auf der IAA den 100 TDI, einen Fünfzylinder mit Turbo, Direkteinspritzung und 120 PS. Zum Volkskraftstoff wurde Diesel in Deutschland aber über die Steuer: Seit 2003 liegt der reguläre Satz auf Diesel unverändert bei 47,04 Cent je Liter, auf Benzin bei 65,45 Cent, damals noch als Mineralölsteuer. 2019 erreichte der Bestand an Diesel-Pkw mit 15,1 Millionen seinen Höchststand.
Am 18. September 2015 warf die US-Umweltbehörde EPA Volkswagen vor, Abgaswerte per Software manipuliert zu haben. Betroffen waren weltweit rund 11 Millionen Fahrzeuge mit dem Motor EA 189. Die Kosten des Dieselskandals summierten sich für den Konzern nach einer Reuters-Rechnung bis 2020 auf mehr als 31 Milliarden Euro.
| Jahr | Ereignis | Folge |
|---|---|---|
| 1893 | Reichspatent 67207 für Rudolf Diesel | Bau des Versuchsmotors in Augsburg |
| 1912 | Jungfernfahrt der Selandia | Diesel erobert die Seeschifffahrt |
| 1924 | Erste Diesel-Lkw auf der Berliner Ausstellung | Der Güterverkehr wechselt zum Diesel |
| 1973 | Ölkrise und autofreie Sonntage | Gründung der Internationalen Energieagentur |
| 2003 | Mineralölsteuersätze festgeschrieben | Diesel bleibt je Liter 18,41 Cent günstiger besteuert |
| 2015 | Dieselskandal bei Volkswagen | Rückrufe und Software-Updates für Millionen Fahrzeuge |
| 2023 | EU-Embargo für russische Ölprodukte | Europa sucht neue Lieferanten |
Gebaut wurde der Motor in Augsburg, groß gemacht haben ihn Schiffe, Lastwagen und ein Steuervorteil. Nach dem Abgasskandal von 2015 verlor der Diesel bei den Pkw an Boden, 2025 kam er noch auf 13,8 Prozent der Neuzulassungen.
Wie hat Diesel die Weltkarte verändert?

Grenzen hat der Diesel nicht verschoben, wohl aber Europas Abhängigkeiten: Vor dem Embargo stammte über die Hälfte der Diesel-Seeimporte Nordwesteuropas aus Russland. Ersetzt wurde Russland vor allem durch die Golfstaaten, Indien und die USA, und die Routen vom Golf und aus Indien sind 2026 gestört oder gesperrt.
Beim Diesel sitzt die Macht eine Stufe nach dem Rohöl, bei den Raffinerien und den Seewegen zu den Verbrauchern.
Russlands Diesel und das Embargo
Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine war Europa Russlands wichtigster Kunde für Diesel. Von Oktober 2021 bis September 2022 stammten nach Daten von Vortexa, ausgewertet von der US-Energiebehörde EIA, 53 Prozent der Diesel-Seeimporte Nordwesteuropas aus Russland. Deutschland bezog 2019 laut Institut der deutschen Wirtschaft 4,8 Millionen Tonnen russischen Diesel, knapp ein Drittel seiner Dieselimporte.
Seit dem 5. Februar 2023 gilt das EU-Embargo für russische Ölprodukte, zwei Monate nach dem für Rohöl. Zugleich legten die G7 für russischen Diesel eine Preisobergrenze von umgerechnet rund 90 Euro je Barrel fest, die westliche Reeder und Versicherer bei Lieferungen in andere Länder einhalten müssen.
Im Februar 2023 kamen nur noch 2 Prozent der nordwesteuropäischen Seeimporte aus Russland.
Russlands Diesel fand neue Abnehmer: 2022 gingen laut EIA noch 67 Prozent der russischen Diesel-Seeexporte in europäische Länder außer der Türkei, 2023 nur noch 5 Prozent. Die Türkei steigerte ihren Anteil von 13 auf 31 Prozent, Brasilien kam auf 13 Prozent.
Der Umweg über Indien
Russisches Öl kam teils über Umwege zurück: Indische Raffinerien kauften russisches Rohöl und lieferten Diesel nach Europa, 2025 im Schnitt 137.000 Barrel am Tag; damit war Indien laut Reuters nach Kpler-Daten drittgrößter Lieferant der EU. Seit dem 21. Januar 2026 verbietet das 18. Sanktionspaket die Einfuhr von Kraftstoffen, die in Drittländern aus russischem Rohöl hergestellt wurden.
Erlaubt bleibt nur Diesel, der nachweislich nicht aus russischem Rohöl stammt, im Januar kam aus Indien gar keiner in die EU. Im selben Paket setzte die EU mit Nayara Energy, an der Rosneft 49,13 Prozent hält, erstmals eine indische Raffinerie auf die Sanktionsliste.
Dicht ist die Sperre trotzdem nicht: Im September 2026 liefen laut dem Forschungsinstitut CREA sieben Ladungen aus Raffinerien, die russisches Rohöl verarbeiten, in EU-Häfen ein, sechs davon aus Jamnagar, darunter 104.000 Tonnen Gasöl für Rotterdam. Reliance erklärt dagegen, die Exportraffinerie in Jamnagar verarbeite seit November 2025 kein russisches Rohöl mehr.
Hormus, Rotes Meer und die Golfraffinerien
Zunächst füllten die Golfstaaten die Lücke. Im ersten Halbjahr 2025 stammten laut EIA 43 Prozent von Europas Gasölimporten aus dem Nahen Osten, vor allem aus den großen Exportraffinerien Saudi-Arabiens und Kuwaits.
Seit dem Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 ist die Straße von Hormus für Tanker weitgehend gesperrt. Am 11. September wurde die saudische Ost-West-Pipeline angegriffen, im Oktober nahmen die Angriffe der Huthi im Roten Meer zu. Die Exporte von Mineralölprodukten aus den Golfstaaten fielen laut IEA-Ölmarktbericht von 4,7 Millionen Barrel am Tag vor dem Krieg auf 1,9 Millionen im September.
Drohnen auf Russlands Raffinerien
Zugleich trifft die Ukraine Russlands Raffinerien. Im August 2025 standen nach einer Reuters-Berechnung 17 Prozent der russischen Destillationskapazität still. Im Juli 2026 verarbeiteten die Anlagen nach Daten des Analysehauses Kpler rund 3,8 Millionen Barrel Rohöl am Tag, so wenig wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Moskau verbot ab dem 8. Juli die Ausfuhr von Diesel und lockerte das Verbot erst im Oktober teilweise.
Die Nettoexporte von Diesel und Gasöl aus Nahost und Russland zusammen sanken im September laut IEA gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Millionen auf 820.000 Barrel am Tag.
Einspringen müssen vor allem die USA. 2026 kamen nach Kpler-Daten, ausgewertet von Euronews, rund 32 Prozent der Dieselimporte der EU von außerhalb aus den Vereinigten Staaten, 2025 lag der Anteil bei 17 Prozent. Ende September berichtete Euronews, Präsident Donald Trump erwäge ein Exportverbot für Diesel.
In Deutschland führte der Bruch mit Russland zu einer Treuhandverwaltung. Die Bundesnetzagentur verwaltet die deutschen Rosneft-Töchter, darunter die Beteiligung an der Raffinerie in Schwedt, seit September 2022, seit dem 28. Februar 2026 unbefristet nach dem Außenwirtschaftsgesetz. Kaufen oder enteignen will die Bundesregierung die Rosneft-Töchter laut einer Antwort an den Bundestag nicht.
Jeder Ersatz schuf eine neue Abhängigkeit: Auf Russland folgte der Golf, auf den Golf folgen jetzt die USA.
Warum ist Diesel für die Weltwirtschaft so wichtig?

Diesel treibt Lkw, Schiffe, Land- und Baumaschinen an, und Lkw und Schiffe befördern den größten Teil der Waren. Gasöl einschließlich Diesel macht gut ein Viertel des weltweiten Ölverbrauchs aus, und weil die Vorräte niedrig sind, schlägt jeder Ausfall direkt auf den Preis durch.
Im dritten Quartal 2026 verbrauchte die Welt laut IEA 28,7 Millionen Barrel Gasöl und Diesel am Tag, umgerechnet rund 4,6 Milliarden Liter. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank der Verbrauch um 750.000 Barrel am Tag, die IEA führt das auf die hohen Preise zurück. Für die gesamte Ölnachfrage 2026 rechnet die Agentur mit 102,4 Millionen Barrel am Tag.
| Land | Dieselexporte 2025 in Mio. Barrel am Tag | Anteil am Weltexport |
|---|---|---|
| USA | 1,26 | 15,4 Prozent |
| Russland | 0,78 | 9,5 Prozent |
| Saudi-Arabien | 0,68 | 8,3 Prozent |
| Indien | 0,57 | 6,9 Prozent |
| Südkorea | 0,56 | 6,8 Prozent |
Gehandelt wird Diesel in Europa vor allem über den Terminkontrakt für schwefelarmes Gasöl an der ICE in London, notiert in Dollar je Tonne. Der physische Handel konzentriert sich auf die Tanklager im Raum Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen.
Im September erreichte der Großhandelspreis laut IEA in Europa und den USA ein Allzeithoch von umgerechnet rund 1,24 Euro je Liter, fast das Doppelte des Rohölpreises.
Die Gasölbestände der OECD-Länder lagen im Juli bei 565 Millionen Barrel, so niedrig wie seit November 2023 nicht, und füllen sich laut IEA kaum vor der zweiten Hälfte 2027 wieder auf. Im März vereinbarten die IEA-Mitglieder die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus Notvorräten, Anfang Oktober beschlossen die G7, Diesel dabei Vorrang zu geben.
Deutschland verbrauchte 2025 nach Daten der AG Energiebilanzen 33,0 Millionen Tonnen Diesel, fast doppelt so viel wie Ottokraftstoff mit 17,8 Millionen Tonnen. Rund 30 Prozent des Diesels muss das Land nach Angaben des Branchenverbands en2x importieren.
Das Rohöl für die heimischen Raffinerien kam 2025 vor allem aus Norwegen, den USA, Libyen und Kasachstan, russisches Öl taucht in der Statistik nicht mehr auf.
- Börse: Maßgeblich ist der Gasölkontrakt an der ICE in London, notiert in Dollar.
- Notvorrat: 400 Millionen Barrel geben die IEA-Staaten frei, Diesel mit Vorrang.
- Deutschland: 33 Millionen Tonnen Diesel im Jahr, fast doppelt so viel wie Benzin.
Wo steckt Diesel im Alltag und was steht ohne ihn still?

Diesel steckt im Preis fast jeder Ware, weil Lkw den größten Teil der Güter befördern. Ohne Diesel ruhten Ernte und Baustellen, Regionalzüge auf Strecken ohne Fahrdraht und die Notstromversorgung von Kliniken; gleichwertigen Ersatz bietet bisher nur das Elektroauto.
Wo Diesel drinsteckt
Im deutschen Güterverkehr entfielen 2024 laut Umweltbundesamt 20,1 Prozent der Transportleistung auf die Schiene und 6,4 Prozent auf das Binnenschiff. Auf Straße und Rohrleitungen entfielen damit nach unserer Rechnung 73,5 Prozent. Am 1. Januar 2026 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt 3,9 Millionen Lkw und 225.564 Sattelzugmaschinen zugelassen.
Landwirte erhalten seit dem 1. Januar 2026 wieder 21,48 Cent je Liter Agrardiesel erstattet, im Schnitt 2.790 Euro je Betrieb und Jahr, berichtet top agrar. Nach unserer Rechnung entspricht das rund 13.000 Litern je Hof.
Auf der Schiene sind laut Bundesverkehrsministerium rund 61 Prozent des Bundesnetzes elektrifiziert. Auf den übrigen Strecken ohne Fahrdraht fahren Regional- und Güterzüge mit Diesellokomotiven oder Triebwagen.
Für Krankenhäuser und Behörden empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in seinem Leitfaden eine Notstromversorgung, die mindestens 72 Stunden ohne Nachtanken läuft.
Binnenschiffe tanken Diesel steuerfrei, Seeschiffe fahren in Nord- und Ostsee seit 2015 mit schwefelarmem Marinegasöl. Hinzu kommen 13,4 Millionen Diesel-Pkw, Busse, Baumaschinen und die Heizöltanks in Millionen Kellern, die aus demselben Mitteldestillat gefüllt werden.
| Bereich | Wofür Diesel nötig ist | Kennzahl |
|---|---|---|
| Güterverkehr | Lkw und Sattelzüge | 3,9 Mio. Lkw zugelassen (1.1.2026) |
| Landwirtschaft | Traktoren, Mähdrescher | Erstattung 21,48 Cent je Liter |
| Bahn | Strecken ohne Oberleitung | rund 39 Prozent des Bundesnetzes |
| Krankenhäuser | Netzersatzanlagen | mindestens 72 Stunden Betrieb |
| Binnenschifffahrt | Schiffsmotoren | 6,4 Prozent der Transportleistung |
| Pkw | Diesel-Pkw im Bestand | 13,4 Mio. (27,0 Prozent) |
Weltweit verbraucht der Straßengüterverkehr nach einer IEA-Studie von 2017 etwa die Hälfte des Diesels.
Was ohne Diesel stillstünde
Beim Pkw steht mit dem Elektroauto ein eingeführter Ersatz bereit, 2025 war fast jeder fünfte neue Pkw rein elektrisch. Schwerer fiele der Ersatz im Güterverkehr, wo E-Lkw erst einen kleinen Teil der Neuzulassungen ausmachen. Ohne Diesel kämen Waren, Futter und Baustoffe nur noch dort an, wo Schiene oder Binnenschiff hinreichen.
Am härtesten träfe ein Ausfall die Bereiche ohne Steckdose: Mähdrescher in der Ernte, Baumaschinen, Rettungswagen und die Notstromaggregate der Kliniken.
Als einziger Ersatz ohne Umbau steht für freigegebene Motoren der Kraftstoff HVO100 aus Altspeiseöl und Tierfetten bereit, dessen Rohstoffe aber selbst knapp sind.
Wie setzt sich der Preis eines Liters Diesel zusammen?

Von 2,289 Euro je Liter am 28. Oktober gingen nach unserer Rechnung rund 87 Cent als Mehrwertsteuer, Energiesteuer und CO2-Preis an den Staat. Rund 113 Cent kostete der Diesel selbst im Einkauf, den Rest teilen sich THG-Quote, Bevorratung, Transport, Vertrieb und Marge.
Laut ADAC stieg Diesel in der Woche bis zum 28. Oktober um 3,4 Cent auf 2,289 Euro, während Super E10 um 2,6 Cent auf 2,084 Euro fiel. Als Gründe nennt der Automobilclub den Ölpreis, die angespannte Lage auf den internationalen Dieselmärkten und die Heizölnachfrage zu Beginn der kalten Jahreszeit.
Seit dem 1. Oktober gilt nach dem ersten von Mai bis Juni der zweite Tankrabatt des Jahres. Bis zum 31. Dezember beträgt die Energiesteuer auf Diesel 33,00 statt 47,04 Cent je Liter, bei Benzin sinkt der Satz um denselben Betrag, mit Mehrwertsteuer bis zu 16,7 Cent weniger an der Säule. Die Senkung kostet Bund und Länder zusammen rund 2,5 Milliarden Euro, zur Weitergabe sind die Konzerne nicht verpflichtet.
| Bestandteil | Cent je Liter | Anteil am Preis |
|---|---|---|
| Produkteinkauf (Diesel im Großhandel) | rund 112,8 | rund 49 Prozent |
| Mehrwertsteuer (19 Prozent) | rund 36,5 | rund 16 Prozent |
| Energiesteuer (ermäßigt bis 31.12.) | 33,0 | rund 14 Prozent |
| CO2-Preis (65 Euro je Tonne) | rund 17,4 | rund 8 Prozent |
| THG-Quote (Schätzung) | rund 16 | rund 7 Prozent |
| Transport, Lager, Vertrieb, Marge, Bevorratung | rund 13,2 | rund 6 Prozent |
| Preis an der Säule am 28.10.2026 | 228,9 | 100 Prozent |
Die Rechnung ist ein Modell auf Grundlage der Aufschlüsselung, die en2x im April für einen Liter Diesel veröffentlicht hat, mit dem ermäßigten Steuersatz und dem ADAC-Preis vom 28. Oktober. Die Kosten der THG-Quote schätzt der Verband auf 12 bis 20 Cent je Liter, wir setzen die Mitte an. Den Einkauf haben wir als Rest berechnet.
Zusammen mit THG-Quote und Bevorratungsbeitrag kommen Staat und Regulierung damit auf rund 103 Cent, 45 Prozent des Preises. Vor dem Rabatt lag der Anteil in derselben Abgrenzung laut en2x bei 50 bis 55 Prozent.
Nach dem Start des Rabatts fiel Diesel laut ADAC binnen sieben Tagen um 17,6 Cent auf 2,233 Euro, die Steuersenkung sei „zu einem großen Teil“ an die Kunden weitergegeben worden. Drei Wochen später lag der Preis wieder 5,6 Cent höher.
Gegen den Kunden arbeitet auch der Wechselkurs, weil Diesel in Dollar gehandelt wird. Der Euro verlor laut Referenzkurs der Europäischen Zentralbank binnen eines Jahres bis zum 30. Oktober rund 3,3 Prozent gegenüber dem Dollar. Bei gleichem Dollarpreis zahlen europäische Käufer damit nach unserer Rechnung 3,4 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Wer verdient am Diesel und wer zahlt drauf?

Verdient haben Raffinerien, die im September laut IEA eine Rekordmarge erzielten, und Exporteure in den USA und Indien. Draufgezahlt haben Speditionen, Landwirte und Autofahrer, über den Tankrabatt auch die Steuerzahler, während Russland Einnahmen verliert.
Die Raffineriemarge für Diesel, also der Aufschlag auf den Rohölpreis, erreichte im September laut IEA einen Rekord von umgerechnet knapp 85 Euro je Barrel. Nach unserer Rechnung blieben einer Raffinerie damit gut 53 Cent je Liter über dem Rohöleinkauf, bevor Energie, Personal und Anlagen bezahlt waren.
Indien steigerte seine Dieselexporte im September laut Kpler-Daten auf rund 620.000 Barrel am Tag, den höchsten Wert seit einem Jahr, davon gingen rund 280.000 nach Europa. Die Exportsteuer von umgerechnet rund 33 Euro je Barrel, die Neu-Delhi erhebt, gilt nicht für die Exportraffinerie von Reliance in Jamnagar.
Im September 2026 nahm Russland laut CREA mit fossilen Exporten 625 Millionen Euro am Tag ein, mit Ölprodukten auf dem Seeweg nur 83 Millionen Euro, den zweitniedrigsten Wert seit Beginn des Ukraine-Kriegs.
Nigeria exportierte als großer Ölförderer jahrzehntelang Rohöl und kaufte teuren Diesel zurück, ein Muster des Ressourcenfluchs. Mit der Raffinerie des Unternehmers Aliko Dangote im Vollbetrieb sanken die Dieselimporte laut dem Wirtschaftsportal Billionaires.Africa von 7,9 Millionen Litern am Tag im Juli auf 1,3 Millionen im August 2026.
Diesel kostet 20 Cent mehr als E10, obwohl der Staat ihn je Liter 18,41 Cent niedriger besteuert.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Auf der Verliererseite stehen zuerst die Speditionen. Den Tankrabatt nannte ein Transportunternehmer gegenüber der Verkehrsrundschau einen „Tropfen auf den heißen Stein“.
Für einen Hof mit 13.000 Litern Jahresverbrauch kostet jeder Cent mehr je Liter nach unserer Rechnung 130 Euro im Jahr.
Mit jedem Cent Preisanstieg nimmt er mehr Mehrwertsteuer ein, für den Rabatt von Oktober bis Dezember verzichten Bund und Länder zusammen auf rund 2,5 Milliarden Euro.
Unsere Einschätzung: An der Knappheit verdienen vor allem die Besitzer von Raffinerien. Europa hat seit 2009 laut Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche rund 30 seiner einst etwa 100 Raffinerien geschlossen oder umgebaut, Kapazität, die den Ausfall vom Golf heute abfedern könnte.
- Marge: gut 53 Cent je Liter über dem Rohöl im September.
- Hof: 130 Euro mehr im Jahr je Cent Preisanstieg bei 13.000 Litern.
- Russland: 83 Millionen Euro am Tag aus Ölprodukten, fast ein Tiefstand.
Wie mächtig ist die Diesel-Lobby?

Gefördert wird Diesel vor allem über das Steuergesetz: Das Dieselprivileg kostete den Staat nach Berechnungen des Umweltbundesamts 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2018 und taucht im Subventionsbericht der Bundesregierung nicht auf. Seit 2026 gilt zudem wieder die volle Agrardiesel-Erstattung.
Regulär wird Benzin mit 65,45 Cent je Liter besteuert, Diesel mit 47,04 Cent, die Differenz beträgt 18,41 Cent. Die 8,2 Milliarden Euro für das Dieselprivileg berechnete das Umweltbundesamt bei 44,6 Milliarden Litern.
Nach Energiegehalt müsste Diesel laut Umweltbundesamt mit 73,07 Cent besteuert werden, je Liter setzt er rund 13 Prozent mehr CO2 frei als Benzin.
Der Bundesrechnungshof kam 2025 für das Jahr 2022 auf rund 7,2 Milliarden Euro und empfahl, die Sätze anzugleichen. Im Subventionsbericht fehlt der Vorteil, weil die Bundesregierung den niedrigeren Satz nicht als Steuervergünstigung führt.
Als Ausgleich verweist die Politik auf die Kfz-Steuer: Diesel-Pkw zahlen je 100 Kubikzentimeter Hubraum 9,50 Euro, Benziner 2,00 Euro.
Die Rückerstattung für Agrardiesel besteht seit 1951. Die Ampel-Koalition baute die Erstattung ab 2024 schrittweise ab, was im Winter 2023/24 Bauernproteste auslöste. Am 6. November 2025 stimmte der Bundestag für die volle Wiedereinführung ab 2026. Bauernpräsident Joachim Rukwied nannte das einen „Erfolg unseres gesamten Berufsstandes“. Die Bundesregierung rechnet mit Kosten von rund 430 Millionen Euro im Jahr.
| Verband | Ausgaben für Interessenvertretung 2025 | Vollzeitstellen |
|---|---|---|
| Verband der Automobilindustrie (VDA) | 10,27 bis 10,28 Mio. Euro | 27,3 |
| Deutscher Bauernverband | 4,48 bis 4,49 Mio. Euro | 19,9 |
| en2x, Wirtschaftsverband Fuels und Energie | 2,27 bis 2,28 Mio. Euro | 9,8 |
| Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) | 0,50 bis 0,51 Mio. Euro | 4,0 |
Die Zahlen stammen aus dem Lobbyregister des Bundestags. Welcher Anteil davon auf Diesel entfällt, zeigt das Register nicht, VDA und Bauernverband vertreten Interessen zu Dutzenden Gesetzen.
Volkswagen warb in den USA lange mit dem Slogan „Clean Diesel“. Die US-Handelsbehörde FTC verklagte den Konzern 2016 wegen irreführender Werbung. In Deutschland vereinbarten Regierung und Hersteller auf dem Dieselgipfel am 2. August 2017 Software-Updates für rund 5,3 Millionen Pkw statt Umbauten an der Hardware.
Ein Steuervorteil, der seit 2003 unverändert gilt und in keinem Subventionsbericht steht, entzieht sich nach unserer Einschätzung der Prüfung, die der Subventionsbericht für die dort geführten Vergünstigungen vorsieht. Speditionen und Landwirte halten dagegen, dass ein höherer Satz vor allem Güter und Lebensmittel verteuern würde.
Der Bundesrechnungshof beziffert den Steuervorteil für 2022 auf rund 7,2 Milliarden Euro. Die Agrardiesel-Erstattung gilt seit 2026 wieder in voller Höhe.
Wie kommen wir vom Diesel los?

Am schnellsten löst sich der Pkw vom Diesel: Im September 2026 kamen Diesel-Pkw nur noch auf 9,0 Prozent der Neuzulassungen. Am längsten bleiben schwere Lkw, Landmaschinen und Schiffe beim Diesel, E-Lkw machten 2025 erst 2,6 Prozent der neuen Lkw über 16 Tonnen aus.
2024 kamen noch 483.261 neue Diesel-Pkw auf die Straßen, 2025 nur 395.022, ein Anteil von 13,8 Prozent, berichtet electrive nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts. Reine Elektroautos überholten den Diesel 2025 mit 19,1 Prozent der Neuzulassungen.
Beim Lkw zählte der Herstellerverband ACEA 2025 in Deutschland 1.398 neue E-Lkw über 16 Tonnen. Die Umweltorganisation Transport & Environment rechnet vor, dass sich ein E-Lkw in Deutschland nach etwa zwei Jahren amortisiert und gegenüber einem Diesel-Sattelzug über fünf Jahre rund 85.000 Euro an Gesamtkosten spart, bei hohem Dieselpreis bis zu 106.000 Euro, Anschaffung, Maut und Energie eingerechnet.
Ein E-Lkw kostet laut T&E 265.000 Euro, ein Diesel-Sattelzug 120.000 Euro.
Mithelfen soll die Lkw-Maut. Seit dem 1. Dezember 2023 enthält die Maut einen CO2-Aufschlag von 200 Euro je Tonne, emissionsfreie Lkw sind laut Bundesverkehrsministerium bis zum 30. Juni 2031 von der Maut befreit. Die EU verlangt von den Herstellern, die CO2-Emissionen neuer Lkw gegenüber 2019 ab 2030 um 45 Prozent, ab 2035 um 65 Prozent und ab 2040 um 90 Prozent zu senken. Die Flottengrenzwerte stehen in einer Verordnung von 2024 und gelten für Zeiträume, nicht für Stichtage.
Ohne neuen Motor nutzen freigegebene Fahrzeuge HVO100, einen Kraftstoff aus hydrierten Altspeiseölen und Tierfetten. Seit dem 29. Mai 2024 darf der Kraftstoff an deutschen Tankstellen verkauft werden, laut Bundesverkehrsministerium verursacht er derzeit 87 Prozent weniger Treibhausgas als fossiler Diesel. Der Aufpreis gegenüber normalem Diesel fiel im Juni 2026 laut Argus meist unter 10 Cent je Liter.
Biodiesel aus Raps steckt bereits als Beimischung von bis zu 7 Prozent in fast jedem Liter Straßendiesel. Die Quote für Treibhausgasminderung gegenüber fossilem Kraftstoff steigt 2026 auf 12 Prozent und soll bis 2040 auf 65 Prozent klettern.
Gegen Betrug im Quotensystem beschloss das Kabinett am 28. Oktober eine Verschärfung: Biokraftstoffe mit falschen Nachhaltigkeitsnachweisen zählen künftig nicht mehr für die Quote, auch wenn der Käufer gutgläubig war.
Auf der Schiene fahren laut Bundesverkehrsministerium schon 74 Prozent der Zugkilometer elektrisch. Die Oberleitungen für Lkw auf der A5 in Hessen stehen noch, Strom fließt dort seit Anfang 2025 nicht mehr.
Recyceln lässt sich Diesel nicht, er verbrennt. Einen Kreislauf bildet nur das Altspeiseöl, das als HVO in begrenzter Menge in den Tank gelangt.
- Pkw: Diesel fällt bei den Neuzulassungen unter 10 Prozent.
- Maut: E-Lkw fahren bis Mitte 2031 mautfrei.
- HVO100: 87 Prozent weniger Treibhausgas, Aufpreis zuletzt meist unter 10 Cent.
Was bedeutet die Dieselkrise für Deutschland?

Nach Einschätzung der IEA bleibt Diesel über den Winter knapp und teuer, und zum Jahreswechsel endet der Tankrabatt von bis zu 16,7 Cent je Liter. Die Bundesregierung verhandelt über einen Preisdeckel ab Januar.
Ein Herbst der Rekorde an der Zapfsäule
Der September war laut ADAC der bislang teuerste Tankmonat: Diesel kostete im Schnitt 2,386 Euro je Liter, am 17. September erreichte der Tagesschnitt mit 2,471 Euro einen Rekord.
Nach dem Start des Tankrabatts sank der Preis zunächst und stieg dann Woche für Woche wieder, bis auf 2,289 Euro am 28. Oktober.
Im Durchschnitt der EU kostete Diesel Ende September laut dem Ölbulletin der EU-Kommission 2,24 Euro, vor dem Krieg im Februar lag der Schnitt bei 1,59 Euro.
Die Internationale Energieagentur rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung. Russland liefert wegen der Drohnenschäden und des Exportverbots wenig, die Golfstaaten wegen der Sperre von Hormus, und die Notvorräte überbrücken nur Monate.
Was auf Verbraucher und Betriebe zukommt
Endet der Rabatt am 31. Dezember ohne Nachfolger, verteuert sich jeder Liter Diesel um bis zu 16,7 Cent. Ein Fahrer mit 1.000 Litern im Jahr würde dann nach unserer Rechnung bis zu 167 Euro mehr zahlen, ein Hof mit 13.000 Litern netto rund 1.830 Euro, weil Betriebe die Mehrwertsteuer abziehen.
Laut Bundesregierung laufen Gespräche über einen befristeten Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens, spätestens ab dem 1. Januar 2027. Vorbereitet werden außerdem eine einkommensabhängige Direktzahlung, eine dauerhaft höhere Pendlerpauschale und ein schärferes Wettbewerbsrecht für Kraftstoffpreise.
Für die kommenden Monate sind drei Verläufe denkbar:
- Die Lage entspannt sich: Öffnete sich Hormus wieder für Tanker und flössen die Notvorräte wie von den G7 zugesagt, könnte der Dieselpreis nach unserer Einschätzung trotz Ende des Rabatts unter 2,20 Euro sinken.
- Die Knappheit hält an: Blieben die Golfexporte gering und Russlands Raffinerien beschädigt, läge Diesel nach unserer Einschätzung im Winter um 2,30 bis 2,45 Euro, und das Ende des Rabatts käme auf den Preis obendrauf.
- Die Lücke wächst: Verhängten die USA ein Exportverbot für Diesel, fiele Europas wichtigster Lieferant aus, und der Rekord vom September von 2,471 Euro wäre wieder in Reichweite.
Verbraucher vergleichen am besten über die Apps, die auf den Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beruhen, weil die Preise zwischen Tankstellen und Tageszeiten deutlich schwanken.
Speditionen sollten Dieselfloater in ihren Frachtverträgen prüfen, also Klauseln, die Frachtpreise an den Dieselpreis koppeln.
Landwirte können die Agrardiesel-Erstattung für 2026 noch bis Ende 2027 beantragen. Für Flotten mit planbaren Touren rechnet sich der E-Lkw, solange die Mautbefreiung gilt, also bis Mitte 2031.
Unsere Einschätzung: Ein Rabatt, der am 31. Dezember endet, überbrückt keine Knappheit, die laut IEA bis weit ins Jahr 2027 anhält. Billiger würde Diesel in Europa erst mit mehr eigenen Raffinerien, mehr Lieferanten und weniger Lkw, die auf ihn angewiesen sind.
Glossar: 12 Fachbegriffe vom Agrardiesel bis zur THG-Quote

Agrardiesel
Agrardiesel heißt Diesel, den land- und forstwirtschaftliche Betriebe in Traktoren und Erntemaschinen verbrauchen. Erstattet werden seit 2026 wieder 21,48 Cent Energiesteuer je Liter, den Antrag stellen Landwirte nachträglich beim Hauptzollamt.
Cetanzahl
Die Cetanzahl gibt an, wie zündwillig ein Dieselkraftstoff ist. Die Norm EN 590 verlangt mindestens 51. Je höher der Wert, desto kürzer der Zündverzug und desto ruhiger der Motorlauf.
CFPP
Der CFPP, auf Deutsch Filtrierbarkeitsgrenzwert, gibt an, bis zu welcher Temperatur Diesel noch durch einen Filter fließt. Winterdiesel bleibt in gemäßigtem Klima bis minus 20 Grad filtrierbar, arktische Sorten bis minus 44 Grad.
Dieselprivileg
Das Dieselprivileg beschreibt den niedrigeren Energiesteuersatz auf Diesel gegenüber Benzin. Der reguläre Abstand beträgt 18,41 Cent je Liter, seit 2003 hat der Gesetzgeber ihn nicht verändert. Nach Rechnung des Umweltbundesamts kostete er 2018 rund 8,2 Milliarden Euro.
EN 590
EN 590 ist die europäische Norm für Dieselkraftstoff an der Tankstelle. Die Norm legt unter anderem Cetanzahl, Schwefelgehalt, Dichte und den Anteil von Biodiesel fest. Kraftstoffe nach anderen Normen wie HVO100 tragen eine eigene Kennzeichnung.
Energiesteuer
Die Energiesteuer erhebt der Bund auf Kraft- und Heizstoffe, für Diesel regulär 47,04 Cent je Liter. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 gilt ein ermäßigter Satz von 33,00 Cent. Auf die Steuer fällt zusätzlich Mehrwertsteuer an.
Gasöl
Gasöl ist der Oberbegriff für Mitteldestillate wie Diesel, leichtes Heizöl und Marinegasöl. Am Weltmarkt werden die Sorten gemeinsam erfasst, an der ICE in London als schwefelarmes Gasöl gehandelt.
HVO100
HVO100 ist ein Dieselkraftstoff aus hydrierten Ölen und Fetten, die Abkürzung steht für hydriertes Pflanzenöl. Hergestellt wird er heute vor allem aus Altspeiseöl und Tierfetten. Der Kraftstoff ist seit Mai 2024 an deutschen Tankstellen erlaubt und darf in Fahrzeugen getankt werden, die der Hersteller dafür freigegeben hat.
Mitteldestillat
Als Mitteldestillat bezeichnen Raffinerien die Fraktion, die in der Destillationskolonne zwischen Benzin und schwerem Heizöl kondensiert. Zur Fraktion gehören Kerosin, Diesel und leichtes Heizöl.
Preisobergrenze
Die Preisobergrenze der G7 erlaubt westlichen Reedereien und Versicherern, russische Ölprodukte nur unterhalb eines festen Preises in Drittländer zu befördern. Für Diesel liegt die Grenze bei umgerechnet rund 90 Euro je Barrel.
Raffineriemarge
Die Raffineriemarge, im Handel Crack-Spread genannt, ist der Abstand zwischen dem Preis eines Produkts wie Diesel und dem Preis des Rohöls. Der Wert zeigt, was eine Raffinerie je Barrel vor ihren eigenen Kosten verdient. Im September 2026 erreichte er für Diesel einen Rekord.
THG-Quote
Die THG-Quote verpflichtet Mineralölunternehmen, die Treibhausgasemissionen ihrer Kraftstoffe gegenüber fossilem Kraftstoff um einen festen Prozentsatz zu senken, 2026 um 12 Prozent. Die Unternehmen erfüllen die Quote mit Biokraftstoffen, Strom für E-Autos oder zugekauften Nachweisen, die Kosten landen im Literpreis.
FAQ: Diesel: Erst fehlte Russland, jetzt fehlt der Golf

Warum ist Diesel gerade teurer als Benzin?
Diesel ist weltweit knapper als Benzin, weil Exporte aus Russland und vom Golf fehlen und die Vorräte niedrig sind. Am 28. Oktober kostete Diesel laut ADAC 2,289 Euro, Super E10 2,084 Euro. Im Herbst kommt die Nachfrage nach Heizöl hinzu, das aus demselben Mitteldestillat stammt.
Wie lange gilt der Tankrabatt auf Diesel?
Die ermäßigte Energiesteuer von 33,00 statt 47,04 Cent je Liter gilt vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026. Mit Mehrwertsteuer macht das bis zu 16,7 Cent je Liter aus. Die Bundesregierung führt Gespräche über einen befristeten Spritpreisdeckel ab Januar 2027.
Woher bekommt Deutschland seinen Diesel seit dem Russland-Embargo?
Rund 70 Prozent erzeugen deutsche Raffinerien aus Rohöl, das 2025 vor allem aus Norwegen, den USA, Libyen und Kasachstan kam. Den Rest importiert Deutschland, häufig über die Niederlande und Belgien. Von außerhalb der EU liefern 2026 vor allem die USA, die Golfstaaten fallen wegen des Iran-Kriegs weitgehend aus.
Wie viel Steuer steckt in einem Liter Diesel?
Beim Preis vom 28. Oktober gingen nach unserer Rechnung rund 87 Cent an den Staat: 33,0 Cent Energiesteuer, rund 17,4 Cent CO2-Preis und rund 36,5 Cent Mehrwertsteuer. Hinzu kommen die Kosten der THG-Quote, die en2x auf 12 bis 20 Cent je Liter schätzt.
Darf ich HVO100 in mein Dieselauto tanken?
Ja, sofern der Hersteller Ihr Fahrzeug für HVO100 freigegeben hat; an Tankstellen ist der Kraftstoff seit Mai 2024 erlaubt. Hergestellt wird HVO100 vor allem aus Altspeiseöl und Tierfetten. Der Aufpreis gegenüber normalem Diesel lag im Juni 2026 laut Argus meist unter 10 Cent je Liter.
Wird Diesel 2027 wieder billiger?
Die Internationale Energieagentur erwartet Knappheit bis weit ins Jahr 2027, die Gasölbestände füllen sich kaum vor der zweiten Jahreshälfte. Zum Jahreswechsel endet zudem der Tankrabatt. Billiger würde Diesel vor allem, wäre die Straße von Hormus für Tanker wieder offen.
Quellen
68 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 01.11.2026
- ADAC (Presseportal)Preise für Sprit entwickeln sich aktuell gegenläufig
- ADAC (Presseportal)Benzin und Diesel erreichen im September Höchstwerte
- ADAC (Presseportal)Spritpreise zum Monatsende
- ADAC (Presseportal)Steuersenkung beim Diesel kommt an
- ADAC (Presseportal)Spritpreise im Wochenvergleich
- ADAC (Presseportal)Spritpreise im Bundesländervergleich
- ADAC (Presseportal)Spritpreise im Wochenvergleich
- Internationale EnergieagenturOil Market Report, October 2026
- Baird Maritime (Reuters)IEA warns severe diesel supply crunch could grip markets into next year
- gCaptainIEA moves to accelerate oil reserve releases as Hormuz crisis drags on
- EuronewsIEA warns diesel prices in Europe could rise as global crunch lasts into 2027
- EuronewsKeine Entlastung an der Zapfsäule: EU-Diesel erreicht Rekord von 2,24 pro Liter
- EuronewsWhat would a US diesel export ban mean to European countries?
- Al Arabiya (Reuters)Russian oil refinery runs at 21-year lows after drone attacks, Kpler says
- Hydrocarbon Processing (Reuters)Russia to extend diesel export ban through September
- U.S. Energy Information AdministrationEurope’s diesel imports from Russia fall after EU ban
- U.S. Energy Information AdministrationRussia’s diesel exports shift away from Europe
- U.S. Energy Information AdministrationMiddle East supplies a growing share of Europe’s diesel imports
- Institut der deutschen WirtschaftRusslands Bedeutung als Kraftstofflieferant (IW-Kurzbericht 21/2022)
- Institut der deutschen WirtschaftDeutschlands Abhängigkeit vom russischen Diesel
- Baker McKenzieEU prohibitions on import of refined petroleum products enter into force
- MarineLink (Reuters)Indian diesel exports to West Africa jump as EU shuts door
- MarineLink (Reuters)US diesel exports hit high to Europe
- Centre for Research on Energy and Clean AirSeptember 2026: Monthly analysis of Russian fossil fuel exports and sanctions
- Hydrocarbon Processing (Reuters)Russia’s idle oil refining capacity at record high after Ukrainian drone attacks
- Angel One (Economic Times, Kpler)India’s diesel exports hit one-year high in September 2026 as shipments to Europe surge
- Business TodayWhat makes Reliance’s oil refining complex the world’s largest
- Energy News Beat (Visual Capitalist, JODI/OPEC)China now adding stress to diesel markets
- Billionaires.AfricaDangote refinery runs above full capacity for the first time
- Deutscher BundestagTreuhandverwaltung der Rosneft Deutschland (hib 594/2026, 20.07.2026)
- Deutscher BundestagLobbyregister: en2x Wirtschaftsverband Fuels und Energie (R000885)
- Deutscher BundestagLobbyregister: Verband der Automobilindustrie (R001243)
- Deutscher BundestagLobbyregister: Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (R003514)
- Deutscher BundestagLobbyregister: Deutscher Bauernverband (R002175)
- BundesregierungEntlastung bei den Spritpreisen (Stand 01.10.2026)
- Bundesministerium der JustizEnergiesteuergesetz, § 68
- Ebner StolzErneuter Tankrabatt ab 01.10.2026
- VerkehrsrundschauTankrabatt 2026 beschlossen: bis zu 17 Cent weniger pro Liter
- en2xMehrkosten für den Klimaschutz 2026 (Pressemitteilung, 22.12.2025)
- en2x / AG EnergiebilanzenMineralölmarkt im ersten Quartal 2026 (Präsentation, 05.05.2026)
- AG EnergiebilanzenEnergieverbrauch in Deutschland, 1. bis 4. Quartal 2025
- EEXErste Auktion im nationalen Emissionshandel (Pressemitteilung, 02.07.2026)
- Europäische ZentralbankReferenzkurs US-Dollar je Euro (EXR.D.USD.EUR.SP00.A)
- Kraftfahrt-BundesamtFahrzeugbestand am 1. Januar 2026 (Pressemitteilung 09/2026)
- Kraftfahrt-BundesamtFahrzeugzulassungen im September 2026 (Pressemitteilung 41/2026)
- electriveBilanz 2025: Elektroauto-Neuzulassungen auf Rekordhoch
- UmweltbundesamtModal Split des Personen- und Güterverkehrs (Stand 28.04.2026)
- UmweltbundesamtUmweltschädliche Subventionen in Deutschland, Ausgabe 2021 (Texte 143/2021)
- Auto Motor und SportBundesrechnungshof will gleiche Steuer für Benzin und Diesel
- top agrarJetzt offiziell: Agrardieselrückerstattung kommt in voller Höhe zurück
- Deutscher BauernverbandPressemitteilung 104/2025 zum Agrardiesel
- Bundesministerium für VerkehrElektrifizierungsprogramm
- Bundesministerium für VerkehrMautbefreiung emissionsfreier Lkw bis Mitte 2031 verlängert
- Bundesministerium für VerkehrFAQ zu HVO 100 (Stand 24.07.2024)
- buzer.deZweite Verordnung zur Änderung der 10. BImSchV vom 28.05.2024
- Argus MediaHVO-B7-Differenz auf niedrigstem Stand seit zwei Jahren
- EUR-LexVerordnung (EU) 2024/1610 zu CO2-Emissionsnormen für schwere Nutzfahrzeuge
- VerkehrsrundschauLkw-Markt 2025 rückläufig, aber E-Lkw legen kräftig zu
- ecomentoT&E-Studie: Elektro-Lkw haben in Deutschland deutlichen Kostenvorteil
- VDEBBK-Leitfaden Notstromversorgung in Unternehmen und Behörden
- DieselNetEU: Automotive Diesel Fuel (EN 590)
- Spektrum der WissenschaftLexikon der Geowissenschaften: Erdölfenster
- Deutsche BiographieDiesel, Rudolf (Neue Deutsche Biographie, Bd. 3, 1957)
- Technik Museum Speyer130 years of the diesel engine
- eurotransportDieselmotor für Lkw: Zündende Idee
- AudiAudi 100 TDI (C3)
- Bundeszentrale für politische BildungVor 40 Jahren: Erster autofreier Sonntag in Deutschland
- Volkswagen AGGeschäftsbericht 2021: Dieselthematik
