Für eine Getränkedose aus frischem Aluminium baggert die Industrie rund 38 Gramm rote Erde, das meiste davon in den Tropen. Guinea, der größte Förderer, deckelt die Ausfuhr seit Juni bei 150 Millionen Tonnen im Jahr. Im September holte China trotzdem 13,8 Millionen Tonnen aus Guinea, knapp ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor.
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- Was ist Bauxit und wie entsteht das rote Erz?
- Wer entdeckte Bauxit und wie wurde daraus ein Massenrohstoff?
- Wie hat Bauxit die Weltkarte verändert?
- Warum ist Bauxit für die Weltwirtschaft so wichtig?
- In welchen Produkten steckt Bauxit und was verschwindet ohne das Erz?
- Wie viel Bauxit steckt im Preis einer Tonne Aluminium?
- Wer verdient an Bauxit und wer zahlt drauf?
- Wie mächtig ist die Bauxit-Lobby?
- Wie kommen wir von Bauxit los?
- Was bedeutet Guineas Exportdeckel für Deutschland?
- Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Bauxit
- FAQ: Bauxit: Guineas Erde, Chinas Aluminium
Chinas Käufer boten zuletzt rund 63 Euro je Tonne Erz, weniger als die Händler selbst dafür bezahlen. Diese Stoffgeschichte folgt dem Bauxit von einem Felssporn in der Provence über Jamaikas Abgabe von 1974 und den Putsch in Conakry bis ins niedersächsische Stade, wo Erz aus Guinea zu Tonerde wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anlass: Guinea begrenzt die Bauxitausfuhr seit Juni 2026 auf 150 Millionen Tonnen im Jahr, 18 Prozent unter der Ausfuhr von 2025. Von Januar bis September lagen die Verschiffungen trotzdem 21 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, und die Preise geben nach.
- Der Markt: 2025 förderte die Welt laut USGS rund 440 Millionen Tonnen Bauxit, gut ein Drittel davon in Guinea. Drei Viertel von Chinas Importen kamen aus dem Land.
- Die Rechnung: Vier Tonnen Bauxit ergeben zwei Tonnen Tonerde und daraus eine Tonne Aluminium. Im Preis einer Tonne Aluminium steckt nach eigener Rechnung Erz für rund 240 Euro.
- Deutschland: 2025 kamen 93 Prozent der deutschen Bauxitimporte aus Guinea. Das Tonerdewerk in Stade gehört Dadco, das über Halco an der guineischen Grube CBG beteiligt ist.
Kurzer Härtetest: Kennen Sie Bauxit wirklich?
1 Wie viel Bauxit braucht die Industrie laut USGS für eine Tonne Aluminium? Aufklappen ↓
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2 Woher hat Bauxit seinen Namen? Aufklappen ↓
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3 Welcher Anteil von Chinas Bauxitimporten kam 2025 aus Guinea? Aufklappen ↓
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4 Wie viel Rotschlamm fällt je Tonne Tonerde an? Aufklappen ↓
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5 Wie viel Energie spart Recyclingaluminium gegenüber Primäraluminium? Aufklappen ↓
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Was ist Bauxit und wie entsteht das rote Erz?
Bauxit ist ein rötliches Gestein, kein einzelnes Mineral, und der Rohstoff für fast alles Primäraluminium der Welt. Das Erz bildet sich, wo tropischer Regen über lange Zeit älteres Gestein auslaugt, bis vor allem Aluminium- und Eisenoxide zurückbleiben.
Der Prozess heißt Verwitterung. Warmer Regen löst aus Granit, Basalt oder Ton die leicht löslichen Bestandteile heraus. Übrig bleibt ein Boden aus Aluminiumhydroxiden, Eisenoxiden und Ton, Geologen nennen ihn Laterit. Die Eisenoxide färben das Erz rot bis braun.
Das Aluminium steckt in drei Mineralen: Gibbsit, Böhmit und Diaspor.
Gibbsit lässt sich am leichtesten verarbeiten, Diaspor braucht in der Raffinerie die höchsten Temperaturen. Die meisten tropischen Lagerstätten in Guinea, Australien und Brasilien liegen als Lateritbauxit vor. In Europa und Jamaika findet sich zusätzlich Karstbauxit auf Kalkstein. Wie viel Aluminiumoxid ein Erz enthält, schwankt je nach Lagerstätte.
Der US Geological Survey (USGS) nennt eine Faustregel: Aus vier Tonnen getrocknetem Bauxit entstehen zwei Tonnen Tonerde, also Aluminiumoxid, und daraus eine Tonne Aluminium.
| Stufe | Verfahren | Menge je Tonne Aluminium |
|---|---|---|
| Bauxit abbauen | Tagebau | rund 4 Tonnen |
| Tonerde gewinnen | Bayer-Verfahren mit Natronlauge | rund 2 Tonnen |
| Rückstand | Rotschlamm, rund 1,2 Tonnen je Tonne Tonerde | rund 2,4 Tonnen |
| Aluminium erzeugen | Schmelzflusselektrolyse nach Hall-Héroult | 1 Tonne |
Knapp ist das Gestein nicht. Der USGS schätzt die weltweiten Reserven auf 29 Milliarden Tonnen, die Ressourcen auf 55 bis 75 Milliarden Tonnen. Bei der Förderung von 2025 würden die Reserven nach eigener Rechnung rund 66 Jahre reichen.
Allein Guinea besitzt 7,4 Milliarden Tonnen, gut ein Viertel der Reserven der Welt.
Wie teuer das Erz ist, hängt vor allem von der Lage ab. Century Aluminum verrechnete 2025 Bauxit aus der eigenen Grube in Jamaika an die eigene Raffinerie mit umgerechnet rund 13 Euro je Tonne. In die USA importierter Rohbauxit kostete im Schnitt rund 29 Euro. Erz aus Guinea frei China, also samt Fracht bis zum chinesischen Hafen, wurde im Oktober um 63 Euro gehandelt, die Seefracht allein kostet rund 27 Euro je Tonne. Guineas Erz liegt dicht unter der Oberfläche, muss aber um halb Afrika und durch den Indischen Ozean nach China verschifft werden.
Bauxit reicht für Jahrzehnte, die großen Lagerstätten liegen aber fast alle in den Tropen. Den Preis bestimmt vor allem der Weg: Aus Jamaikas Grube kostet die Tonne rund 13 Euro, Erz aus Guinea frei China rund 63 Euro.
Wer entdeckte Bauxit und wie wurde daraus ein Massenrohstoff?

Der französische Geologe Pierre Berthier beschrieb das Gestein 1821 bei Les Baux in der Provence. Zum Massenrohstoff wurde Bauxit erst, als Hall und Héroult 1886 die Schmelzflusselektrolyse für Aluminium und Carl Josef Bayer 1888 das Verfahren zur Tonerde erfanden.
Berthier fand bei Les Baux ein rotes Gestein mit rund 50 Prozent Aluminiumoxid. Der Ortsname geht auf das provenzalische Wort für Felssporn zurück, Bauxit trägt ihn bis heute.
Aluminium galt damals als Kostbarkeit, weil niemand das Metall günstig aus dem Oxid lösen konnte.
1886 fanden der Amerikaner Charles Hall und der Franzose Paul Héroult unabhängig voneinander den Weg: Beide lösten Tonerde in geschmolzenem Kryolith und zerlegten die Schmelze mit Strom. Hall gründete 1888 die Pittsburgh Reduction Company, aus der später Alcoa hervorging.
Noch fehlte reine Tonerde in großen Mengen. Am 8. Mai 1888 erteilte das US-Patentamt dem Chemiker Carl Josef Bayer das Patent 382.505 auf ein Verfahren, das bis heute fast alle Raffinerien nutzen: Natronlauge löst das Aluminium aus dem Erz, Rühren mit Impfkristallen fällt reines Aluminiumhydroxid aus.
In Gardanne in der Provence entstand 1893 die erste Fabrik nach Bayers Verfahren, die älteste noch arbeitende Tonerdefabrik der Welt. Seit 2021 schließt das Werk keinen Bauxit mehr auf.
1930 kamen laut einer Übersicht zur Provence noch 35,7 Prozent der Weltförderung aus Frankreich, 19,7 Prozent aus den USA.
Das Nachrichtenmagazin Time meldete im April 1940, das Deutsche Reich beziehe seinen Bauxit seit Kriegsbeginn fast ganz aus Ungarn und Jugoslawien, die zusammen 22 Prozent der Weltförderung lieferten.
Die USA verließen sich auf Südamerika. Am 24. November 1941 schickte Präsident Franklin D. Roosevelt Truppen nach Niederländisch-Guayana, dem heutigen Suriname. In seiner Erklärung begründete er den Schritt damit, dass die Gruben dort über 60 Prozent des Bedarfs der US-Aluminiumindustrie deckten. Alcoa hatte die Lagerstätten schon 1916 erworben.
| Jahr | Ereignis | Folge |
|---|---|---|
| 1821 | Berthier beschreibt das Gestein von Les Baux | Der Rohstoff bekommt seinen Namen |
| 1886 | Hall und Héroult erfinden die Aluminium-Elektrolyse | Aluminium wird bezahlbar |
| 1888 | US-Patent für Bayers Tonerdeverfahren | Raffinerien können Erz in großen Mengen verarbeiten |
| 1893 | Erste Bayer-Fabrik in Gardanne | Frankreich wird zum ersten Bauxitland |
| 1941 | US-Truppen in Suriname | Bauxit gilt als kriegswichtig |
Zwei Verfahren aus den Jahren 1886 und 1888 machten aus einem Kuriosum aus der Provence einen Massenrohstoff. 1930 lieferte Frankreich noch gut ein Drittel der Weltförderung, elf Jahre später galt das Erz als kriegswichtig.
Wie hat Bauxit die Weltkarte verändert?

Die Förderung wanderte von Europa in die Tropen: erst nach Suriname und Jamaika, heute nach Guinea, das gut ein Drittel des weltweiten Bauxits fördert. Abnehmer ist vor allem China, das Guineas Erz zu Tonerde und Aluminium verarbeitet.
Konzerne vor Ort, Abgaben aus der Hauptstadt
Im 20. Jahrhundert gehörten die großen Gruben westlichen Konzernen. In Jamaika erschlossen nach dem Zweiten Weltkrieg Unternehmen aus Nordamerika wie Reynolds, Kaiser und Alcan neue Lagerstätten und verschifften das Erz nach Norden. Ende der 1950er-Jahre war die Insel der größte Bauxitförderer der Welt.
1974 führte Premierminister Michael Manley eine Bauxitabgabe ein, die die Zahlungen der Konzerne an den Preis von Primäraluminium koppelte. Der Satz lag bei 7,5 Prozent. Nach einem Dokument des US-Außenministeriums rechnete Jamaika für 1974 mit umgerechnet rund 135 Millionen Euro Einnahmen, nach rund 22 Millionen Euro im Jahr davor.
Im selben Jahr gründeten Förderländer in Conakry die International Bauxite Association nach dem Vorbild der Opec. 1976 standen ihre elf Mitglieder für rund 70 Prozent der Weltförderung. Ein Kartell wurde trotzdem nicht daraus, weil Bauxit häufiger vorkommt als Öl und andere Mitglieder keine vergleichbaren Abgaben erhoben.
Guinea wird zur Bauxitmacht
In Guinea fördert seit 1973 die Compagnie des Bauxites de Guinée (CBG) bei Sangarédi. Der Staat hält 49 Prozent, 51 Prozent gehören Halco Mining, einem Gemeinschaftsunternehmen von Alcoa, Rio Tinto und Dadco. Seit Mitte der 2010er-Jahre baute das Konsortium SMB-Winning aus singapurischen, chinesischen und guineischen Partnern einen zweiten großen Förderer auf. SMB beziffert seinen Anteil an Guineas Bauxitexport auf 39 Prozent.
Laut USGS förderte Guinea 2025 rund 150 Millionen Tonnen, Australien 97 Millionen und China 87 Millionen. Bei der Tonerde sieht die Karte anders aus: China erzeugte 93 von weltweit rund 150 Millionen Tonnen, Guinea nur 360.000 Tonnen.
Laut Chinas Zollbehörde, ausgewertet von Mysteel, importierte China 2025 rund 200,5 Millionen Tonnen Bauxit, davon 149 Millionen Tonnen oder 74,3 Prozent aus Guinea.
Vom Putsch zur Exportquote
Am 5. September 2021 stürzte eine Spezialeinheit unter Oberst Mamady Doumbouya den Präsidenten Alpha Condé. Am Tag darauf stieg der Aluminiumpreis an der Londoner Metallbörse auf den höchsten Stand seit zehn Jahren, obwohl alle Gruben weiterliefen.
Andere Förderländer setzten Ausfuhrverbote als politisches Mittel ein. Australien verbot am 20. März 2022 die Ausfuhr von Tonerde und Bauxit nach Russland, das rund 20 Prozent seiner Tonerde aus Australien bezog. Indonesien stoppte im Juni 2023 den Export von Rohbauxit, um Raffinerien im eigenen Land zu erzwingen. Indonesiens Förderung brach daraufhin laut USGS stark ein und lag 2025 bei 10 Millionen Tonnen.
Guinea verfolgt dasselbe Ziel mit härteren Mitteln. Im August 2025 verlor die Guinea Alumina Corporation, eine Tochter von Emirates Global Aluminium (EGA), ohne Entschädigung ihre Konzession. Guineas Regierung übertrug sie an das staatlich gestützte Nimba Mining und begründete den Schritt mit einem Verstoß gegen die Pflicht, eine Raffinerie zu bauen. EGA hatte im Juni 2024 eine Absichtserklärung für eine Raffinerie im Land unterzeichnet.
Nach Angaben des Bergbauministeriums führte Guinea 2025 rund 182,8 Millionen Tonnen aus, mehr als der USGS für das Jahr als Förderung schätzt. Seit Juni 2026 gilt eine Exportquote von 150 Millionen Tonnen im Jahr, 18 Prozent unter dieser Ausfuhr. Nach Daten des Schiffsdatenanbieters Signal Ocean lagen Guineas Verschiffungen von Januar bis September trotzdem 21 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Um im Rahmen der Quote zu bleiben, müsste die Ausfuhr laut Signal Ocean im vierten Quartal stark sinken.
Warum ist Bauxit für die Weltwirtschaft so wichtig?

Ohne Bauxit entsteht kein Primäraluminium: 2025 förderte die Welt rund 440 Millionen Tonnen Erz, die Raffinerien erzeugten gut 150 Millionen Tonnen Tonerde, die Hütten 74 Millionen Tonnen Aluminium.
Laut dem Preisdienst Fastmarkets gehen 80 bis 85 Prozent des Bauxits in die Raffinerien. Den Rest nutzen Hersteller von Feuerfeststeinen, Schleifmitteln und Tonerdezement, Stahlwerke setzen Bauxit als Zuschlag für die Schlacke ein. Wegen dieser Nebenverwendungen und unterschiedlicher Erzqualität geht die Faustregel weltweit nicht glatt auf: Alcoa braucht je Tonne Tonerde je nach Grube 2,2 bis 4,0 Tonnen Bauxit.
Nach Zahlen des International Aluminium Institute (IAI), die Mysteel auswertete, erzeugte die Welt 2025 rund 73,8 Millionen Tonnen Primäraluminium, davon 44,2 Millionen Tonnen oder rund 60 Prozent in China.
Rio Tinto förderte 2025 einen Rekord von 62,4 Millionen Tonnen Bauxit, vor allem in Australien, und verkaufte davon 43,1 Millionen Tonnen an Dritte. Alcoa kam auf 37,5 Millionen Tonnen, der russische Konzern Rusal auf 18,5 Millionen Tonnen, 16 Prozent mehr als 2024, vor allem dank der Gruben in Guinea. Im Oktober 2026 stimmten die Aktionäre von South32 zu, ihre Bauxit-, Tonerde- und Aluminiumbeteiligungen für umgerechnet rund 2,8 Milliarden Euro an Alcoa zu verkaufen. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.
An keiner Börse wird Bauxit gehandelt. Käufer und Verkäufer schließen lange Lieferverträge oder kaufen Einzelladungen, Preisdienste wie Mysteel und SMM veröffentlichen Indizes in Dollar. Tonerde und Aluminium notieren an der London Metal Exchange (LME):
Am 26. Oktober 2026 kostete eine Tonne Aluminium umgerechnet rund 2.740 Euro, eine Tonne Tonerde rund 346 Euro.
Der Seeweg von den guineischen Häfen Kamsar und Boffa nach China ist die wichtigste Bauxitroute der Welt. Ein Ausfall Guineas träfe zuerst Chinas Raffinerien, danach die Hütten und am Ende jeden Hersteller von Autoteilen, Dosen und Fensterprofilen.
Europa hängt ebenso an Westafrika. Nach Daten des Statistikamts Eurostat führte die EU 2025 rund 10,7 Millionen Tonnen Bauxit von außerhalb ein, 72 Prozent davon aus Guinea.
Deutschland bezog 2,59 Millionen Tonnen, 93 Prozent aus Guinea.
- Ohne Ersatz: Fast alles Primäraluminium beginnt als Bauxit.
- Ohne Börse: Erz wird über Verträge und Preisindizes gehandelt, Tonerde und Metall an der LME.
- Ohne zweite Quelle: Die EU bezieht 72 Prozent ihrer Importe aus Guinea, China 74 Prozent.
In welchen Produkten steckt Bauxit und was verschwindet ohne das Erz?

Bauxit steckt in jedem Produkt aus frischem Aluminium, von der Getränkedose bis zum Elektroauto. Fiele das Erz aus, könnten Hersteller nur noch mit Recyclingmetall arbeiten, und das reicht in Europa nicht für den Bedarf.
Wo das Erz drinsteckt
Laut einer Studie von Ducker Carlisle für den Verband European Aluminium steckten 2022 in einem durchschnittlichen Neuwagen in Europa 205 Kilogramm Aluminium, in einem Elektroauto 283 Kilogramm. Batteriegehäuse und Karosserieteile aus Aluminium sparen Gewicht und verlängern damit die Reichweite.
Mit der Faustregel der USGS lassen sich diese Aluminiummengen in Erz umrechnen, für Metall aus frischem Bauxit:
| Produkt | Aluminium | Bauxit nach eigener Rechnung |
|---|---|---|
| Getränkedose 0,33 Liter | rund 9,5 Gramm | rund 38 Gramm |
| Getränkedose 0,5 Liter | rund 16 Gramm | rund 64 Gramm |
| Pkw mit Verbrennungsmotor (2022) | 169 Kilogramm | rund 680 Kilogramm |
| Durchschnittlicher Neuwagen in Europa (2022) | 205 Kilogramm | rund 820 Kilogramm |
| Elektroauto (2022) | 283 Kilogramm | rund 1.130 Kilogramm |
Die leichte Dose ist eine Ingenieursleistung: Die erste Bierdose von 1935 aus Weißblech wog rund 100 Gramm, Ball Packaging Europe brachte die 0,33-Liter-Dose aus Aluminium bis 2012 auf rund 9,5 Gramm.
Auch außerhalb der Metallerzeugung wird Bauxit gebraucht. Aus calciniertem Bauxit oder Tonerde entstehen feuerfeste Steine für Hochöfen und Glaswannen, dazu Schleifscheiben sowie Tonerdezement für Abwasserrohre oder Industrieböden.
In der Lauge des Bayer-Verfahrens steckt Gallium, ein Metall für Chips und Leuchtdioden. Der griechische Konzern Metlen baut seine Raffinerie in Agios Nikolaos für 295,5 Millionen Euro aus und will dort ab 2027 bis zu 50 Tonnen Gallium im Jahr gewinnen.
Was ohne Bauxit stillstünde
Laut USGS ist kein anderer Tonerderohstoff wettbewerbsfähig. Ton, Alunit oder Anorthosit lassen sich technisch verarbeiten, kosten aber deutlich mehr. Ohne Bauxit stünden zuerst die Raffinerien still, dann die Hütten.
Recyclingmetall deckt nur einen Teil des Bedarfs. Deutschland erzeugte 2025 laut Aluminium Deutschland rund 2,7 Millionen Tonnen Recyclingaluminium, dazu kamen Importe von rund 2 Millionen Tonnen Rohaluminium.
Für Folien und Bauteile mit hohen Reinheitsanforderungen braucht die Industrie weiter frisches Metall.
Wie viel Bauxit steckt im Preis einer Tonne Aluminium?

Nach eigener Rechnung steckt in einer Tonne Aluminium zum LME-Preis von rund 2.740 Euro Erz für etwa 240 Euro, knapp 9 Prozent. Die Tonerde insgesamt macht rund 664 Euro aus, die übrigen rund 2.080 Euro entfallen auf Strom, Anoden, Löhne und die Marge der Hütte.
Alcoa braucht laut Jahresbericht für eine Tonne Aluminium 1,91 bis 1,94 Tonnen Tonerde und 13,3 bis 16,8 Megawattstunden Strom. Bei rund 1,92 Tonnen Tonerde zu je 346 Euro kostet allein das Vorprodukt rund 664 Euro.
Für die Tonerde braucht eine Raffinerie nach der USGS-Regel rund zwei Tonnen Bauxit je Tonne. Zu den 63 Euro, die Chinas Käufer im Oktober für Erz aus Guinea boten, ergibt das rund 126 Euro Erz je Tonne Tonerde und rund 240 Euro je Tonne Aluminium.
| Bestandteil | Betrag je Tonne Aluminium | Anteil am LME-Preis | Empfänger |
|---|---|---|---|
| Bauxit frei China | rund 240 € | rund 9 % | Grube, Reederei, Förderland über Abgaben |
| Übrige Tonerdekosten und Marge der Raffinerie | rund 420 € | rund 15 % | Raffinerie, Lieferanten von Natronlauge und Energie |
| Strom, Anoden, Löhne und Marge der Hütte | rund 2.080 € | rund 76 % | Hütte, Stromversorger, Beschäftigte |
| LME-Preis Aluminium (26.10.2026) | rund 2.740 € | 100 % |
Die Rechnung ist ein Modell, weil sie Preise von verschiedenen Orten zusammensetzt: Erz frei China, Tonerde nach dem LME-Index, Metall in London. Das Modell zeigt trotzdem die Größenordnung: Steigt der Erzpreis um 10 Prozent, verteuert das die Tonne Aluminium nach eigener Rechnung um rund 24 Euro. Beim Aluminium selbst ist der Strom die größte Stellschraube. Laut einer Auswertung von AL Circle macht Strom in Deutschland 30 bis 40 Prozent der Kosten einer Hütte aus.
Die Tonerdepreise schwanken stark. Alcoa erzielte im ersten Quartal 2025 im Schnitt umgerechnet rund 517 Euro je Tonne, im dritten Quartal 2026 noch rund 317 Euro.
Raffinerien in China haben ihre Lager gefüllt, Mysteel erwartet deshalb weiter fallende Gebote für Erz.
Alle Rohstoffpreise der Kette werden in Dollar notiert. Ein stärkerer Euro verbilligt für europäische Käufer Erz und Metall, auch ohne dass sich am Weltmarkt etwas ändert.
Der Kurs vom 29. Oktober 2026 lag bei 1,113 Dollar je Euro.
Wer verdient an Bauxit und wer zahlt drauf?

An Bauxit verdienen vor allem die Grubenbetreiber, Reedereien und Chinas Raffinerien. Guinea behält vom Exportwert nur einen kleinen Teil, und die Dörfer in der Region Boké leiden unter Staub, Landverlust und Wassermangel.
Guinea lebt vom Bergbau. Laut der Transparenzinitiative EITI kamen 2022 rund 92 Prozent der Exporte und 20 Prozent der Wirtschaftsleistung aus dem Rohstoffsektor. Ökonomen sprechen vom Ressourcenfluch, sobald ein Land so sehr an einem Rohstoff hängt, dass Preisschwankungen und Streit um die Einnahmen die übrige Wirtschaft lähmen.
Laut der US-Handelsbehörde exportierte Guinea 2022 Bauxit im Wert von umgerechnet rund 4,6 Milliarden Euro, die Staatseinnahmen aus der Ausfuhr lagen bei rund 330 Millionen Euro. Der Staat behielt damit nach eigener Rechnung gut 7 Prozent des Exportwerts.
Guinea liefert drei Viertel von Chinas Bauxit, solange in China raffiniert wird, bleiben dem Staat gut 7 Prozent des Exportwerts.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Menschen an den Gruben tragen die Kosten. Human Rights Watch befragte 2018 mehr als 300 Bewohner in über 30 Dörfern der Region Boké. Bauern aus 16 Dörfern berichteten vom Verlust ihres Ackerlands, und laut Human Rights Watch waren Gemeinden nahe SMB lange auf Tankwagen für Trinkwasser angewiesen.
Eine Prüfung des Bergbauministeriums zählte 2018 täglich 4.000 bis 5.000 Fahrzeuge auf den Straßen von SMB. Eine Regierungsinspektion maß in vier Dörfern Feinstaub deutlich über den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation. SMB bestritt diese Werte gegenüber Human Rights Watch.
Bei Protesten in der Bergbauregion Boké starben 2017 laut Human Rights Watch mindestens drei Menschen.
Gewonnen haben die Konzerne mit großen Gruben, allen voran Rio Tinto und Rusal mit ihren Fördersteigerungen von 2025. Chinas Hütten erzeugen rund 60 Prozent des Primäraluminiums der Welt, gut die Hälfte des Erzes dafür kommt nach eigener Rechnung aus Guinea.
Verlierer sind auch Konzerne, denen der Staat die Konzession entzieht. Emirates Global Aluminium verlor 2025 eine Konzession mit rund 400 Millionen Tonnen Bauxit. Anders als Jamaika 1974 verlangen Förderländer heute nicht nur Abgaben, sondern Raffinerien im eigenen Land.
| Land | Hebel | Ergebnis |
|---|---|---|
| Jamaika (1974) | Abgabe von 7,5 Prozent, gekoppelt an den Aluminiumpreis | Erwartete Einnahmen laut US-Dokument: rund das Sechsfache |
| Indonesien (2023) | Exportverbot für Rohbauxit | Förderung brach ein, erste neue Raffinerie lieferte 2025 |
| Guinea (2025/26) | Lizenzentzug, Exportquote, Raffineriepflicht | Verschiffungen bisher trotzdem 21 Prozent über Vorjahr |
Der Wert des Bauxits entsteht in den Raffinerien und Hütten, die meist außerhalb der Förderländer stehen. Guinea und Indonesien setzen deshalb heute auf Zwang zur Verarbeitung im eigenen Land.
Wie mächtig ist die Bauxit-Lobby?

Eine eigene Bauxit-Lobby fehlt, die Interessen der Gruben vertritt die Aluminiumbranche mit. Die Verbände kämpfen vor allem um Strompreise und den CO2-Grenzausgleich der EU, also um die Kosten der Hütten.
Weltweit spricht das International Aluminium Institute für die Branche. Der 1972 gegründete Verband vereint Unternehmen von der Grube bis zur Hütte und vertritt sie in Normungsfragen, gegenüber Behörden und in internationalen Organisationen. Zu seinen Arbeitsfeldern gehört auch der Rotschlamm, den der Verband als Bauxitrückstand bezeichnet.
In Brüssel spricht der Verband European Aluminium für die Branche. Im Juli 2026 forderte Generaldirektor Paul Voss bei der Überarbeitung des CO2-Grenzausgleichs CBAM, Altschrott einzubeziehen und Standardwerte nach dem CO2-Fußabdruck von Primäraluminium festzulegen. Notfalls solle die EU den Grenzausgleich für Aluminium aussetzen und zur kostenlosen Zuteilung von Emissionsrechten zurückkehren. Der Verband argumentiert, ohne Nachbesserung könne rund ein Viertel der Weltproduktion den CO2-Kosten weiter ausweichen. Unsere Einschätzung: Eine Rückkehr zu kostenlosen Zertifikaten nähme den Hütten den Anreiz, auf CO2-armen Strom umzusteigen.
In Deutschland spricht Aluminium Deutschland für die Branche, bis 2021 Gesamtverband der Aluminiumindustrie. Bei der Jahresbilanz im Februar 2026 sagte Präsident Rob van Gils: „Die Lage ist besorgniserregend.“ Der Verband fordert wettbewerbsfähige Energiepreise, eine aktivere Industriepolitik und eine Überprüfung des Grenzausgleichs.
In einer Umfrage des Verbands vom November 2025 gaben 28 Prozent der Unternehmen an, Stellen abzubauen oder das zu planen. 13 Prozent erwogen eine Verlagerung ins Ausland.
Gegen die CBAM-Regeln wehrt sich European Aluminium mit dem Argument, ein Viertel der Weltproduktion könne den CO2-Kosten ausweichen. Das Erz spielt in den Forderungen keine Rolle.
Wie kommen wir von Bauxit los?

Ganz los kommt die Industrie von Bauxit nicht, aber Recycling spart je Tonne Aluminium rund 95 Prozent der Energie und das gesamte Erz. Tonerde aus anderen Gesteinen ist erforscht, aber noch weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt.
Das IAI beziffert den Energiebedarf von Primäraluminium auf 186 Gigajoule je Tonne, von Recyclingaluminium auf 8,3 Gigajoule. Die Ersparnis liegt bei 95,5 Prozent.
Fast drei Viertel der rund 1,5 Milliarden Tonnen Aluminium, die jemals erzeugt wurden, sind laut IAI noch in Gebrauch.
Bei Getränkedosen funktioniert der Kreislauf in Deutschland fast vollständig: Das Forum Getränkedose meldete 2021 eine Recyclingquote von 99,3 Prozent für Aluminiumdosen.
Schwieriger ist der Bau. Fensterrahmen und Fassaden bleiben Jahrzehnte im Einsatz, der Schrott kommt erst spät zurück, und Legierungen mischen sich beim Einschmelzen. In Autos stieg die Aluminiummenge laut European Aluminium von 174 Kilogramm 2019 auf 205 Kilogramm 2022. Altautos stammen aus Jahren mit weniger Aluminium und liefern deshalb weniger Schrott zurück, als in Neuwagen steckt.
Das EU-Projekt AlSiCal unter Leitung des norwegischen Instituts IFE testet, wie sich Tonerde ohne Bauxit gewinnen lässt. Die Forscher laugen Anorthosit, ein helles Gestein, mit Salzsäure aus und gewinnen daraus Tonerde, Kieselsäure und Calciumcarbonat.
Ziel ist eine Tonerde ohne Rotschlamm, belegt ist das im Industriemaßstab nicht.
Beim Rotschlamm wächst der Berg schneller, als die Industrie ihn verwertet. Je Tonne Tonerde fallen laut IAI rund 1,2 Tonnen an, verwertet werden weltweit nur 2,5 bis 5 Millionen Tonnen im Jahr. Bis 2050 erwartet das IAI einen Bestand von rund 10 Milliarden Tonnen. Ein Teil davon ist Rohstoff: Aus Rotschlamm lässt sich etwa Skandium gewinnen, ein Metall für leichte Legierungen.
Am 4. Oktober 2010 brach im ungarischen Ajka der Damm eines Rotschlammbeckens. Zehn Menschen starben, die ätzende Masse überflutete die Dörfer Kolontár und Devecser und erreichte über die Marcal die Donau.
Realistisch ist ein zweigleisiger Weg. Recycling deckt einen wachsenden Teil des Bedarfs, Primäraluminium bleibt für Wachstum und reine Legierungen nötig. Bauxit verliert damit an Gewicht, ersetzt wird das Erz in diesem Jahrzehnt nicht.
- Recycling: Bei Dosen schließt sich der Kreislauf zu 99,3 Prozent, beim Bau erst nach Jahrzehnten.
- Anorthosit: liefert im Labor Tonerde, im Industriemaßstab noch nicht.
- Rotschlamm: wächst bis 2050 auf rund 10 Milliarden Tonnen.
Was bedeutet Guineas Exportdeckel für Deutschland?

Kurzfristig wenig, weil das Erz trotz Deckel in größeren Mengen fließt als 2025 und die Preise fallen. Langfristig liegt das Risiko in der Abhängigkeit von einem Land, das Ausfuhr und Lizenzen als Hebel einsetzt.
Das Werk an der Elbe
In Stade-Bützfleth an der Elbe verarbeitet die Aluminium Oxid Stade GmbH seit 1973 Bauxit zu Tonerde und Aluminiumchemikalien. Eigentümer ist Dadco, das die Anteile 2001 und 2004 von Alcoa und Hydro übernahm. Über Halco Mining hält der Konzern zugleich Anteile an der CBG, die das Erz bei Sangarédi fördert.
Dadco nennt eine Produktion von über einer Million Tonnen Tonerde im Jahr. Der USGS schätzt die deutsche Tonerdeproduktion 2025 dagegen auf nur 460.000 Tonnen. Die Angabe des Eigentümers dürfte nach unserer Einschätzung die Kapazität beschreiben, nicht die aktuelle Menge.
Speira stellte die Elektrolyse im Rheinwerk in Neuss Ende 2023 nach 62 Jahren ein, seither ist Trimet mit Werken in Essen, Hamburg und Voerde der letzte Hersteller von Primäraluminium.
Trimet plante für 2025 rund 395.000 Tonnen. Der Inlandsbedarf an Primäraluminium lag laut AL Circle 2025 bei rund 1,8 Millionen Tonnen, gut das Vierfache.
Was der Deckel für Preise und Werke heißt
Für Verbraucher ändert sich kaum etwas: Im Preis einer Dose steckt nach eigener Rechnung Erz für rund einen Viertelcent. Für Unternehmen zählt der Aluminiumpreis, und den bestimmen vor allem Strom und chinesische Nachfrage, das Erz macht knapp 9 Prozent aus.
Politisch steht Bauxit seit 2020 auf der EU-Liste kritischer Rohstoffe. Die Verordnung zu kritischen Rohstoffen von 2024 führt „Bauxit, Tonerde, Aluminium“ unter den 34 kritischen Stoffen. Metlens Ausbau in Griechenland ist eines der ersten strategischen Projekte der EU. Mit rund 2 Millionen Tonnen griechischem Erz im Jahr entspricht das Projekt knapp einem Fünftel der 10,7 Millionen Tonnen, die die EU einführt.
Für die kommenden Monate zeichnen sich aus Sicht der Käufer drei Szenarien ab:
- Optimistisch: Guinea setzt die Quote nur lax durch, das Erz fließt weiter, und die Gebote fallen unter 60 Euro je Tonne. Tonerde und Aluminium bleiben günstig.
- Realistisch: Guinea bremst die Ausfuhr im vierten Quartal, wie Signal Ocean erwartet. Chinas Raffinerien zehren von ihren vollen Lagern, die Preise stabilisieren sich.
- Pessimistisch: Die Regierung setzt die Quote streng durch oder entzieht weitere Lizenzen. Die Erzpreise steigen, und Raffinerien wie Stade müssen um ihren Nachschub verhandeln.
Unternehmen, die Aluminium kaufen, sichern sich am besten über Recyclinganteile und Lieferverträge mit Preisformel ab. Die Herkunft der Tonerde in der Lieferkette zu kennen, hilft bei der Risikoabschätzung, und für Importe unter dem CO2-Grenzausgleich müssen Importeure die eingebetteten Emissionen ohnehin melden.
Für Verbraucher zählt die Pfanddose: Jede zurückgegebene Dose liefert rund 9,5 Gramm Aluminium für eine neue und ersetzt damit rechnerisch rund 38 Gramm Erz.
Mit dem Exportdeckel will Guinea mehr vom Wert seines Erzes im Land halten als die gut 7 Prozent von 2022. Für Stade bleibt das ein Risiko im Hintergrund, solange das Erz fließt.
Guineas Deckel hat die Preise bisher nicht bewegt, weil mehr Erz fließt als 2025. Das Risiko liegt in der Politik: Guinea hat 2025 gezeigt, dass die Regierung auch großen Konzernen die Konzession entzieht.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Bauxit

Bayer-Verfahren
Das Bayer-Verfahren löst das Aluminium aus zerkleinertem Bauxit mit heißer Natronlauge. Aus der gefilterten Lauge fällt beim Abkühlen und Rühren mit Impfkristallen Aluminiumhydroxid aus, das zu Tonerde gebrannt wird. Das US-Patent dafür stammt von 1888.
Böhmit
Böhmit ist eines der drei Aluminiumminerale im Bauxit. Erz mit viel Böhmit braucht im Bayer-Verfahren höhere Temperaturen als Erz mit Gibbsit und ist deshalb teurer in der Verarbeitung.
CBAM
Der CO2-Grenzausgleich (CBAM) der EU belastet Importe von Aluminium, Stahl, Zement, Dünger und weiteren Gütern mit einem CO2-Preis. Das Instrument soll verhindern, dass Produktion in Länder ohne CO2-Kosten abwandert, und ersetzt schrittweise die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten.
Diaspor
Diaspor ist ein Aluminiummineral, das vor allem in Karstbauxiten vorkommt. Raffinerien müssen diasporreiches Erz bei den höchsten Temperaturen aufschließen, was Energiebedarf und Kosten erhöht.
Gibbsit
Gibbsit ist das häufigste Aluminiummineral in tropischen Lateritbauxiten, etwa in Guinea und Australien. Raffinerien schließen Gibbsit bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen auf, deshalb gilt solches Erz als besonders gut verarbeitbar.
Hall-Héroult-Verfahren
Das Hall-Héroult-Verfahren erzeugt Aluminium durch Elektrolyse von Tonerde, die in geschmolzenem Kryolith gelöst ist. Charles Hall und Paul Héroult erfanden das Verfahren 1886 unabhängig voneinander. Eine Tonne Aluminium braucht dabei rund 13 bis 17 Megawattstunden Strom.
Karstbauxit
Karstbauxit liegt auf oder in Kalkstein und entstand aus verwittertem Material, das sich in Senken des Karsts sammelte. Solche Lagerstätten liegen vor allem in Südeuropa und Jamaika, auch die Typlokalität Les Baux gehört dazu.
Laterit
Laterit ist ein rötlicher Verwitterungsboden der Tropen, aus dem Regen die löslichen Bestandteile ausgewaschen hat. Reich an Aluminiumhydroxiden wird Laterit zum Lateritbauxit, der wichtigsten Erzquelle der Welt.
LME
Die London Metal Exchange (LME) ist die wichtigste Börse für Industriemetalle. Dort notieren Aluminium und ein Tonerde-Index in Dollar je Tonne. Bauxit selbst notiert an keiner Börse, für das Erz veröffentlichen Preisdienste eigene Indizes.
Primäraluminium
Primäraluminium ist Aluminium, das in einer Hütte neu aus Tonerde erzeugt wird. Im Gegensatz zum Recyclingaluminium braucht Primärmetall Bauxit und gut zwanzigmal so viel Energie.
Rotschlamm
Rotschlamm ist der stark alkalische Rückstand des Bayer-Verfahrens, gefärbt von Eisenoxiden. Je Tonne Tonerde fallen rund 1,2 Tonnen an. Der größte Teil lagert in Becken, deren Sicherheit seit 2010 unter Beobachtung steht.
Tonerde
Tonerde ist das technische Wort für Aluminiumoxid, ein weißes Pulver. Raffinerien gewinnen Tonerde aus Bauxit, Hütten machen daraus Aluminium. Für eine Tonne Metall braucht eine Hütte knapp zwei Tonnen Tonerde.
FAQ: Bauxit: Guineas Erde, Chinas Aluminium

Was ist Bauxit?
Bauxit ist ein rötliches Verwitterungsgestein aus Aluminiumhydroxiden, Eisenoxiden und Ton, aus dem fast alles Primäraluminium entsteht. Die Aluminiumminerale heißen Gibbsit, Böhmit und Diaspor. Der Name geht auf Les Baux in der Provence zurück, wo Pierre Berthier das Gestein 1821 beschrieb.
Wo liegen die größten Bauxitgruben?
Laut USGS förderte Guinea 2025 rund 150 Millionen Tonnen Bauxit, Australien 97 Millionen und China 87 Millionen. Auf den nächsten Plätzen folgen Brasilien, Indien und Indonesien. Die größten Reserven liegen mit 7,4 Milliarden Tonnen ebenfalls in Guinea, gut ein Viertel der Weltreserven.
Wie viel Erz steckt in einer Tonne Aluminium?
Rund vier Tonnen: Aus vier Tonnen getrocknetem Bauxit entstehen zwei Tonnen Tonerde und daraus eine Tonne Aluminium. Für eine 0,33-Liter-Getränkedose mit 9,5 Gramm Aluminium sind das nach eigener Rechnung rund 38 Gramm Erz, für einen europäischen Neuwagen rund 820 Kilogramm.
Woher bezieht Deutschland sein Erz?
2025 importierte Deutschland laut Eurostat 2,59 Millionen Tonnen Bauxit, davon 93 Prozent aus Guinea. Kleinere Mengen kamen aus Brasilien. Verarbeitet wird das Erz vor allem im Tonerdewerk in Stade an der Elbe, das dem Unternehmen Dadco gehört.
Was ist Rotschlamm?
Rotschlamm ist der stark alkalische Rückstand, der bei der Gewinnung von Tonerde aus Bauxit entsteht, rund 1,2 Tonnen je Tonne Tonerde. Weltweit wird nur ein kleiner Teil verwertet, der Rest lagert in Becken. 2010 brach im ungarischen Ajka ein solches Becken, zehn Menschen starben.
Was bedeutet Guineas Exportquote?
Seit Juni 2026 begrenzt Guinea die Bauxitausfuhr auf 150 Millionen Tonnen im Jahr, 18 Prozent unter der Ausfuhr von 2025. Von Januar bis September lagen die Verschiffungen laut Signal Ocean trotzdem 21 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die Preise geben bisher nach, weil Chinas Raffinerien volle Lager haben.
Quellen
59 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 30.10.2026
- Mysteel / AL CircleChina Sept bauxite imports climb 18.7% m-o-m
- Signal Ocean / AJOTCommodity Radar Spotlight Bauxite, Chart of the week 43.2026
- MysteelWeekly: Guinea bauxite prices under pressure as freight slide revives supply
- Mysteel / AL CircleGACC: China’s bauxite imports jump 26% YoY in 2025
- US Geological SurveyMineral Commodity Summaries 2026: Bauxite and Alumina
- US Geological SurveyMineral Commodity Summaries 2026: Aluminum
- International Aluminium InstituteBauxite Residue
- International Aluminium InstituteAluminium recycling saves 95% of the energy needed for primary aluminium production
- International Aluminium InstituteRecycling
- International Aluminium InstituteAlustory: Bauxite residue
- International Aluminium InstituteAbout us
- EARTH MagazineMarch 23, 1821: Bauxite discovered
- Google PatentsUS382505A: Process of obtaining alumina (Karl Josef Bayer, 1888)
- ICSOBAAlteo Gardanne Refinery: 130 Years of Adaptation
- Provence 7La bauxite en Provence
- TimeEconomic Front: Bauxite & Oil
- The American Presidency ProjectFranklin D. Roosevelt: Statement on Sending Troops to Surinam
- Library of CongressCaribbean Islands: A Country Study, Jamaica, Bauxite
- Jamaica TimelineBauxite industry
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- SMB-WinningUnternehmensprofil
- BusinessDay / ReutersMutinous Guinea military unit seizes power and suspends the constitution
- MiningmxAluminium price surges to 13 year high on bauxite supply fears
- China Global South Project / ReutersGuinea bauxite exports to China hit record in 2025
- Arab News / ReutersAustralia bans alumina, bauxite exports to Russia
- ASEAN BriefingIndonesia to ban bauxite export from June 2023
- Mining TechnologyGuinea revokes Emirates Global Aluminium’s bauxite mining concession
- FastmarketsBauxite
- MysteelIAI: Global primary aluminum output exceeds 73 million t in 2025
- Rio TintoFourth quarter operations review 2025 (SEC 6-K)
- AlcoaThird quarter 2026 results
- AlcoaAnnual Report on Form 10-K 2025
- Century AluminumAnnual Report on Form 10-K 2025
- SMMRusal cut primary aluminum output in 2025 while increasing alumina and bauxite production
- AL CircleRise and fall in LME aluminium prices
- EurostatComext DS-045409: Einfuhren KN 2606 (Bauxit), 2024 und 2025
- European AluminiumAluminium usage in cars surges as automotive industry shifts towards electrification
- about-drinksFederleicht und trotzdem bärenstark
- WKOInfopoint Getränkedosen
- about-drinksLittering von Getränkedosen auf historischem Tief
- Semiconductor TodayMetlen to produce 50 t of gallium per year
- Balkan Green Energy NewsEU selects first group of strategic projects for raw materials
- EITIGuinea
- International Trade AdministrationGuinea: Mining and Minerals, Country Commercial Guide
- Human Rights WatchWhat Do We Get Out of It? The Human Rights Impact of Bauxite Mining in Guinea
- AL CircleENVI vote leaves key aluminium loopholes unresolved in CBAM review
- Packaging JournalGDA becomes Aluminium Germany
- ProduktionJahresbilanz 2025: Aluminiumindustrie im vierten Krisenjahr
- EUWID RecyclingAluminiumindustrie in der Krise
- CORDISA step closer to producing waste-free green alumina
- Budapest TimesSupreme Court upholds sentence of company heads responsible for red sludge disaster
- DadcoAbout Dadco Alumina
- SpeiraSpeira to curtail 50% of Rheinwerk smelter production
- AL CircleEnd of an era: Speira announces closure of Rheinwerk smelter
- TrimetTrimet plans full capacity operations in 2025
- AL CircleGermany exports 86% of Trimet’s aluminium production
- Aluminium TodayBauxite recognised as critical raw material
- EIT RawMaterialsList of 34 Critical Raw Materials, Annex II CRMA
- Europäische ZentralbankEuro foreign exchange reference rates
