Der Investmentarm von Viessmann lässt seit dem Frühjahr ein Multi-Agenten-System die Deal-Prüfung übernehmen. Aus einer Absichtserklärung entsteht so binnen Stunden ein Investment-Memo mit belegten Quellen. Die Zusage oder Absage spricht am Ende weiter der Mensch aus.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEnde Januar 2026 setzte sich bei der Viessmann Generations Group ein Team für einen sogenannten Hypersprint zusammen, seither prüft ein KI-Agentensystem jede Investmentidee vor. Der Familienkonzern, seit dem Verkauf seines Klimatechnik-Geschäfts vor allem Investor, will damit schneller sortieren, welche Beteiligung überhaupt zu ihm passt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Viessmann Generations Group prüft Investmentchancen mit einem selbst gebauten Multi-Agenten-System, umgesetzt mit dem IT-Dienstleister iteratec.
- Drei Agentenrollen verwandeln eine Absichtserklärung in ein Investment-Memo mit angereicherten Quellen, die Freigabe bleibt beim Menschen.
- Kapitalbasis ist der Verkauf des Klimatechnik-Geschäfts an Carrier 2023 für rund 12 Milliarden Euro.
Was baut Viessmann in den Investmentprozess ein?

Die Viessmann Generations Group hat kein Standardwerkzeug gekauft, sondern ein eigenes Multi-Agenten-System gebaut, gemeinsam mit dem IT-Dienstleister iteratec. Alexander Pöllmann, Director IT und Digital, beschreibt das Ziel als reines Vorsortieren: Das System soll die Frage „Ist ein Deal überhaupt relevant für uns?“ schneller beantworten, nicht die Investmententscheidung fällen.[1] Der praktische Einsatz von KI im Unternehmen verschiebt sich damit von der Chatoberfläche zum autonomen Prüfprozess.
Damit steht Viessmann nicht allein. Auch der Investmentarm von Bertelsmann wettet mit einem eigenen Fonds gezielt auf KI-Agenten. In Walldorf bauen ehemalige SAP-Manager gerade eine KI-Schicht für den Mittelstand. Die Prüfung von Beteiligungen ist ein naheliegender Anwendungsfall, weil viel Recherche auf immer gleiche Muster trifft.
Wie schnell prüft das Agentensystem einen Deal?
Den Kern bildet eine Kette aus drei Rollen. Ein Intake-Agent nimmt die Investmentidee auf und schärft sie, ein Specification-Agent zieht das nötige Fachwissen heran und lässt eine Idee nur bei ausreichender Konfidenz passieren, ein Agent-Builder setzt daraus den finalen Prüf-Agenten zusammen. Aus einer Absichtserklärung wird so ein Investment-Memo mit angereicherten Quellen, das früher Tage an Handarbeit kostete.
Statt einer einzigen Blackbox verteilt das System die Arbeit auf enge, prüfbare Schritte. Dieser Zuschnitt entscheidet, ob am Ende eine brauchbare Analyse oder nur schön formuliertes Rauschen steht.
Der eigentliche Fortschritt liegt nicht im Tempo, sondern in der Arbeitsteilung: Viessmann lässt die KI sieben und behält die Zusage bei sich. Verwischt ein Investor diese Grenze, kauft er sich die Halluzination direkt ins Portfolio.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum bleibt die Entscheidung beim Menschen?
Generative Modelle halluzinieren im Zweifel lieber, als eine klare Antwort zu verweigern. Pöllmann benennt das offen: KI sei von Natur aus ungenau, statt ein sauberes Ja oder Nein zu einem Investment zu liefern.[1] Die Freigabe bleibt deshalb beim Menschen, das System liefert nur die Vorlage.
Für deutsche Entscheider ist diese Aufgabenteilung auch rechtlich der ruhige Weg. Die interne Beteiligungsprüfung zählt nicht zu den Hochrisiko-Fällen des EU AI Act wie die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen. Die menschliche Letztentscheidung, die Viessmann behält, erspart spätere Governance-Debatten. Eine Studie von Cancom und ServiceNow zeigt, dass im Mittelstand nicht die Technik bremst, sondern die fehlende Governance.
Die Investmententscheidung bleibt beim Menschen. Das Agentensystem sortiert vor, gibt aber keine Zusage.
Für Investoren und Mittelständler lohnt der Blick auf das Muster. KI beschleunigt die Vorarbeit, sobald der Prozess in enge Rollen mit Konfidenzschwellen zerfällt. Für das verantwortliche Ja oder Nein taugt die Technik dagegen nicht. Vor dem ersten Prompt steht deshalb die Frage, wo die KI aufhört und der Mensch entscheidet.
Quelle
[1] brutkasten: „KI im Investmentprozess: Wie Viessmann sein Deal-Screening beschleunigt“
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