In Erlensee bei Hanau sollen rund 300 Arbeitsplätze entstehen. In Frankfurt sind 480 bedroht. Beide Zahlen hängen an derselben Entscheidung von Rewe, nicht mehr in die eigene Brotproduktion zu investieren. Harry-Brot baut das Werk, das Regierungspräsidium Darmstadt hat es genehmigt.
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Regierungspräsident Jan Hilligardt (SPD) hat am 4. November auf der Baustelle der Harry Südwest GmbH in Erlensee den Genehmigungsbescheid für eine neue Großbäckerei übergeben.[1] Die Harry-Brot Group investiert dort 200 Millionen Euro, die Inbetriebnahme ist für Mitte 2028 geplant.[1][2]
Das Wichtigste in Kürze
- Das Regierungspräsidium Darmstadt hat Harry-Brot den Genehmigungsbescheid für die Großbäckerei in Erlensee übergeben.
- Die Harry-Brot Group investiert 200 Millionen Euro, rund 300 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.
- Die Erdarbeiten laufen seit Mitte August, das Werk soll Mitte 2028 in Betrieb gehen.
- Rewe hat im Januar 2025 angekündigt, die Frankfurter Glockenbrot-Bäckerei mit 480 Beschäftigten innerhalb von drei bis fünf Jahren zu schließen.
Was hat das Regierungspräsidium genehmigt?

Die Anlage unterliegt dem Immissionsschutzrecht und wegen ihrer Größe der EU-Richtlinie über Industrieemissionen.[2] Das Gebäude soll 100 Meter breit und 390 Meter lang werden und mehr als 300 Tonnen Brot und Brötchen am Tag liefern.[1][2] Es wäre die zwölfte Produktionsstätte von Harry-Brot.[1]
An dem Verfahren waren laut Regierungspräsidium neun Teilbereiche der Behörde beteiligt, dazu unter anderem Gesundheitsamt, Bauaufsicht, Brandschutz und der Zweckverband Entwicklung Fliegerhorst Langendiebach. Die Frankfurter Umweltabteilung koordinierte das Verfahren.[1] Hilligardt sagte: „Das Verfahren zeigt, dass eine sorgfältige Umweltprüfung und eine zügige Genehmigung kein Widerspruch sein müssen.“[1] Gebaut wird bereits, die Erdarbeiten haben laut Erlensee Aktuell Mitte August begonnen.[3] Das Projekt steht damit auf der Stufe Genehmigung und Baubeginn, der Produktionsstart fehlt noch.
Warum baut Harry-Brot ausgerechnet bei Hanau?
Der Standort geht auf eine Entscheidung von Rewe zurück. Der Handelskonzern hatte im Januar 2025 angekündigt, die Großbäckerei Glockenbrot in Frankfurt innerhalb von drei bis fünf Jahren zu schließen, 480 Beschäftigte sind laut dpa bedroht.[4] Das Werk sei bei Kapazität und Räumlichkeiten ausgereizt, ein Neubau teuer, und Rewe wolle nicht in die eigene Brotproduktion investieren, lautete die Begründung.[4] In derselben Meldung hieß es, Harry-Brot wolle ein Rewe-Grundstück in Erlensee kaufen, vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts.[4]
Harry-Brot hat im selben Zug den Rewe-Standort Bergkirchen bei München übernommen, am 1. November 2025 und mit allen 320 Beschäftigten.[5] Den Süden belieferte der Hersteller bisher hauptsächlich aus Troisdorf bei Köln. Bergkirchen und Erlensee gelten dem Fachmedium Lebensmittel Praxis zufolge als zentral für die Expansion nach Süddeutschland.[5] Der Handel gibt das Backen ab, der Hersteller baut die Kapazität und trägt die Investition.
Vom Rewe-Grundstück zum Werk
Rewe spart sich die Investition, Harry-Brot übernimmt das Risiko. In Erlensee entstehen dafür 300 Stellen, in Frankfurt stehen 480 auf der Kippe.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bleibt unterm Strich für Beschäftigte und Region?
Die Rechnung geht nicht glatt auf. In Erlensee entstehen rund 300 Arbeitsplätze, in Bergkirchen blieben 320 bestehen, in Frankfurt sind 480 Beschäftigte bedroht.[1][4][5] Ob Glockenbrot-Beschäftigte in Erlensee unterkommen, geht aus den Meldungen nicht hervor. Offen sind auch, wie viele der 300 Stellen Neueinstellungen sind und ob Fördergeld fließt. Für Zulieferer und Logistiker im Rhein-Main-Gebiet ist Mitte 2028 der Termin, auf den sich Kapazitäten einstellen müssen.
In der Ernährungsindustrie läuft der Umbau derzeit in beide Richtungen. Zur Mühlen gibt sein Schulte-Werk in Dissen auf, The Quality Group schafft in Nützen rund 100 Stellen und im nahen Hanau stellt Goodyear die Dampferzeugung seines Werks ab 2028 auf Restholz um, wie ein früherer Beitrag zeigt. Die Genehmigung fällt in eine Woche, in der Schaeffler 2.660 Stellen in Deutschland streichen und Magna sein Werk in Waldshut-Tiengen schließen will. Ein Standort, an dem gebaut wird und ein Bescheid vorliegt, ist in dieser Lage selten.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- MKK-EchoGrünes Licht für hochmoderne Großbäckerei in Erlensee (Mitteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt)
- Vorsprung OnlineHarry-Brot darf Großbäckerei für 200 Millionen Euro bauen
- Erlensee AktuellBei Harry Brot beginnen die Baustellenarbeiten
- dpa via t-onlineFrankfurter Glockenbrot-Bäckerei schließt: 480 Jobs bedroht (aktualisiert am 25. Januar 2025)
- Lebensmittel PraxisExpansion nach Süden: Harry-Brot übernimmt Glockenbrot-Standort in Bayern
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