Mit Tarnstoffen für Streitkräfte westeuropäischer NATO-Staaten wächst ein Textilbetrieb aus Ostwestfalen, während seine Branche Stellen abbaut. Hol-tex will in Paderborn von 88 auf mindestens 100 Beschäftigte kommen und steckt einen mehrstelligen Millionenbetrag in Halle und Maschinen. Bis Mitte 2028 soll die gesamte Fertigung umgezogen sein.
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Die Hol-tex GmbH verlegt ihre gesamte Produktion von Schloß Holte-Stukenbrock im Kreis Gütersloh nach Paderborn-Sennelager. Das hat die Wirtschaftsförderung Paderborn (WFG) am 30. Oktober mitgeteilt.[1] In einer Bestandshalle an der Pater-Ewald-Straße will der Textilveredler auf rund 10.000 Quadratmetern Stoffe bedrucken und beschichten, vor allem mit Tarnmustern.
Das Wichtigste in Kürze
- Hol-tex investiert einen mehrstelligen Millionenbetrag, eine genaue Summe nennt die WFG nicht.
- Heute arbeiten 88 Menschen für das Unternehmen, in Paderborn sollen es mindestens 100 werden.
- Die ersten Maschinen sollen in rund einem Jahr stehen, bis dahin läuft die Fertigung am alten Standort weiter.
- Fördermittel nennt die WFG nicht.
Was baut Hol-tex in Sennelager auf?

Das Geld fließt in den Umbau der Halle und in neue Maschinen, einen Großteil der Anlagen kauft Hol-tex neu. Damit die Lieferungen nicht abreißen, produziert das Unternehmen eine Zeit lang an beiden Standorten.[1] Auf seiner Website nennt Hol-tex für Schloß Holte-Stukenbrock 24.000 Quadratmeter Produktionsfläche und rund 11 Millionen Quadratmeter Textilien im Jahr.[3]
Die Standortentscheidung ist gefallen, eine Genehmigung der Anlage erwähnt die WFG nicht. Die Frage des Abwassers hat Hol-tex nach WFG-Angaben vor dem Einreichen der Anträge mit der Bezirksregierung Detmold geklärt: Farb- und Beschichtungsreste fängt der Betrieb vorher ab und entsorgt sie getrennt, eine eigene Kläranlage braucht er deshalb nicht. Schon jetzt sucht Hol-tex Textilmaschinenführer für den Betrieb in drei Schichten, die zunächst in Schloß Holte-Stukenbrock anfangen.[1]
Warum wächst ein Textilveredler, wenn die Branche schrumpft?
Hol-tex webt nicht selbst, sondern veredelt Meterware. Daraus nähen andere Firmen Bekleidung, Zelte, Rucksäcke, Netze und Planen. Viele Kunden sind durch langjährige Verträge gebunden. „Wir sind eines der wenigen Unternehmen in der Textilbranche, die wachsen“, sagt Geschäftsführer Sven Fladenhofer.[1] Früher sah das Geschäft anders aus: Bis zur Insolvenz 2002 fertigte der Betrieb vor allem Gardinen und Dekostoffe, Tarndruck machte damals 15 bis 20 Prozent aus.[1]
Die Branche insgesamt schrumpft. Im August 2026 zählte der Gesamtverband textil+mode 303 Textilbetriebe mit mindestens 50 Beschäftigten, 3,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dort arbeiteten 40.597 Menschen, ein Minus von 4,2 Prozent, der Umsatz lag von Januar bis August 5,5 Prozent unter Vorjahr.[4] Im Oktober stellte der Textilveredler Lindenfarb in Aalen den Betrieb ein, rund 100 Beschäftigte verloren ihre Stelle.
Von der Färberei zum Tarndruck
Hol-tex wächst, weil Armeen Stoffe brauchen, nicht weil sich die Textilbranche erholt. Paderborn gewinnt einen Betrieb, dessen Auftragslage an Verteidigungshaushalten hängt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Umzug für Paderborn?
Für die Beschäftigten bleibt der Weg kurz, das nennt Geschäftsführer Andre Hagemeyer als einen Grund für die Wahl.[2] Bürgermeister Stefan-Oliver Strate verweist auf die Finanzlage der Stadt: Gerade in Zeiten der Haushaltssicherung sei die Ansiedlung „eine richtig gute Nachricht“.[1] Der Kreis Gütersloh verliert damit einen Arbeitgeber mit 88 Beschäftigten.
In Paderborn baut Claas für 70 Millionen Euro aus, während Warsteiner über die Zukunft der Paderborner Brauerei noch verhandelt. Mittelständler, die einen Umzug planen, können vom Vorgehen beim Abwasser lernen. „Wer früh mit den zuständigen Stellen spricht, spart später Monate“, sagt Heiner Buitkamp, Leiter des Standortmanagements der WFG.[1] Auch andernorts zieht die Rüstung Betriebe an: In Leipzig haben 17 Rüstungsfirmen bei der Stadt angefragt.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Wirtschaftsförderung Paderborn (WFG)Textilunternehmen HOL-tex siedelt sich in Sennelager an (Pressemitteilung)
- Neue WestfälischeBeliefert auch NATO-Länder: Textilunternehmen zieht in Paderborner Ortsteil
- HOL-tex GmbHUnternehmenswebsite (abgerufen am 2. November 2026)
- Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie (textil+mode)Konjunkturbericht 10/2026 (PDF, Kennzahlen für Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten)
Mehr Newshunger?
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