Bund und Land NRW fördern die neue Duisburger Anlage von Thyssenkrupp Steel mit rund zwei Milliarden Euro, damit sie Roheisen mit Wasserstoff statt mit Koks erzeugt. Die EU-Kommission hat geänderte Auflagen gebilligt, nach denen die Anlage länger mit Erdgas laufen darf. Der Konzern nennt kein neues Jahr für den reinen Wasserstoffbetrieb.
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Thyssenkrupp Steel hat am 30. Oktober mitgeteilt, dass der geänderte Förderbescheid für seine Direktreduktionsanlage in Duisburg bestandskräftig ist.[1] Der Anteil des Wasserstoffs soll nun schrittweise und flexibler steigen, die Anlage kann mit Erdgas, Wasserstoff oder einer Mischung laufen. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am Sonntag, dass die EU Thyssenkrupp damit erlaubt, länger Erdgas zu nutzen.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Die EU-Kommission hält die geänderten Förderauflagen für vereinbar mit dem Beihilferecht.
- 2024 plante Thyssenkrupp den ersten Wasserstoff für 2028 und den Vollbetrieb für 2029.
- Wie schnell der Wasserstoffanteil steigt, hängt jetzt vom Markt ab.
- Eine neue Ausschreibung für die Versorgung mit Wasserstoff soll in Kürze starten.
Was ändert sich an der Förderung?

Die EU-Kommission genehmigte im Juli 2023 einen Direktzuschuss von bis zu 550 Millionen Euro und eine zweite Hilfe: Zahlungen, die in den ersten zehn Betriebsjahren den Aufpreis von erneuerbarem gegenüber CO2-armem Wasserstoff decken. Erdgas sollte bis 2037 vollständig durch erneuerbaren Wasserstoff ersetzt sein.[3] Das Land Nordrhein-Westfalen trägt bis zu 700 Millionen Euro.[6]
Die neuen Auflagen binden den Wasserstoffanteil an Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Nachfrage der Kunden. Ziel bleibe der vollständige Betrieb mit Wasserstoff, schreibt Thyssenkrupp, ohne ein Jahr zu nennen. „Der angepasste Förderbescheid gibt uns die notwendige Planungssicherheit für den fortschreitenden Bau“, sagt Finanzvorstand Philipp Conze.[1] Die Stahlsparte soll zugleich aus dem Konzern gelöst werden.
Warum fehlt der Wasserstoff?
Für den Vollbetrieb braucht die Anlage rund 143.000 Tonnen Wasserstoff im Jahr, das entspricht 5,6 Terawattstunden.[4] Laut Thyssenkrupp fehlen Anlagen zur Erzeugung, Leitungen und Importwege, und grüner Wasserstoff ist deutlich teurer als 2023 angenommen.[1] Die Zahlungen aus der Genehmigung gleichen nur den Preisunterschied zwischen erneuerbarem und CO2-armem Wasserstoff aus, nicht den zum billigeren Erdgas.[3]
Thyssenkrupp ist nicht der erste Stahlhersteller, den die Vorgaben bremsen. ArcelorMittal verzichtete im Juni 2025 auf 1,3 Milliarden Euro Förderung und stoppte seine Pläne in Bremen und Eisenhüttenstadt. „Die Förderung ist an strenge Vorgaben für den raschen Einsatz von grünem Wasserstoff geknüpft“, sagte damals Reiner Blaschek, Chef der europäischen Flachstahlsparte.[5] Salzgitter baut dagegen weiter um, TenneT hat dort die 380-kV-Leitung für den grünen Stahl in Betrieb genommen.
Vom Wasserstoffplan zum flexiblen Hochlauf
Duisburg baut eine Anlage für Wasserstoff und betreibt sie vorerst mit Erdgas. Das ist ehrlicher als eine Jahreszahl ohne Lieferanten.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Stahlkunden?
Mit Erdgas stößt die Anlage laut Thyssenkrupp mehr als 50 Prozent weniger CO2 aus als die Hochofenroute mit Koks.[1] Die Anlage ersetzt einen Hochofen und spart damit Kokskohle, ob sie nun mit Gas oder mit Wasserstoff läuft.[3] Autozulieferer und Maschinenbauer, die mit CO2-reduziertem Stahl aus Duisburg planen, sollten im Liefervertrag einen Höchstwert in Tonnen CO2 je Tonne Stahl vereinbaren, statt sich auf ein Etikett wie grüner Stahl zu verlassen.
Für Hersteller von Wasserstoff bleibt Thyssenkrupp nach eigener Darstellung einer der größten industriellen Abnehmer in Europa.[1] Lieferanten sollten die neue Ausschreibung im Blick behalten, denn sie entscheidet, wann in Duisburg die erste Tonne Erdgas durch Wasserstoff ersetzt wird.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- thyssenkrupp SteelBestandskräftiger Änderungsbescheid zur Förderung stärkt das laufende Dekarbonisierungsprojekt tkH2Steel (Pressemitteilung)
- Süddeutsche Zeitung, Björn FinkeEU-Entscheidung: Thyssenkrupp-Stahlwerk darf sich mit Klimaschutz Zeit lassen (1. November 2026, hinter Bezahlschranke)
- Europäische Kommission, Vertretung in DeutschlandStaatliche Beihilfen: Kommission genehmigt deutsche Unterstützung von ThyssenKrupp für Dekarbonisierung der Stahlproduktion und raschere Umstellung auf Wasserstoff
- thyssenkrupp SteelAusschreibung zur Wasserstoffversorgung der ersten Direktreduktionsanlage am Standort Duisburg gestartet (Pressemitteilung)
- dpa-AFXRückschlag für grünen Stahl: ArcelorMittal ändert Pläne (Juni 2025, abgerufen bei Börse Online)
- Land Nordrhein-WestfalenEU-Kommission genehmigt Förderung für Direktreduktionsanlage von Thyssenkrupp Steel in Duisburg (Pressemitteilung)
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