Drei Frauen machten den Unkrautvernichter Roundup für ihren Lymphdrüsenkrebs verantwortlich, die Geschworenen in St. Louis wiesen alle Vorwürfe ab. Seit dem Urteil des Supreme Court im Juni können Kläger der Bayer-Tochter Monsanto keine fehlenden Warnhinweise mehr vorhalten. Für rund 65.000 offene Klagen liegt ein Vergleich über 7,25 Milliarden Dollar beim Gericht.
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Ein Geschworenengericht in St. Louis hat am 29. Oktober einstimmig alle Klagen von drei Frauen gegen Monsanto abgewiesen.[1] Die Klägerinnen führten ihre Erkrankung an einem Non-Hodgkin-Lymphom auf Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat zurück. Es war der erste Roundup-Prozess seit dem Urteil des US Supreme Court im Fall Durnell.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Geschworenen gaben Monsanto in allen drei Punkten recht: Konstruktionsfehler, Täuschung und Fahrlässigkeit.
- Klagen wegen fehlender Warnhinweise schließt seit Juni das US-Bundesrecht aus.
- Ein Sammelvergleich über 7,25 Milliarden Dollar wartet auf die endgültige Zustimmung.
- In der EU erleichtert eine neue Richtlinie Geschädigten den Beweis bei Produkten, die ab Dezember in Verkehr kommen.
Was haben die Geschworenen entschieden?

Nach dem Urteil Durnell blieben den Klägerinnen drei Vorwürfe: Roundup sei fehlerhaft konstruiert, Monsanto habe getäuscht und fahrlässig gehandelt. Die Geschworenen folgten ihnen in keinem Punkt. Laut Bayer hat damit erstmals ein Gericht geprüft, ob die Beweise für diese Vorwürfe ohne den Vorwurf fehlender Warnhinweise ausreichen. „Das Urteil sollte ein deutliches Signal an alle Kläger sein, die nach Durnell vor Gericht ziehen wollen: Sie werden große Mühe haben, tragfähige Ansprüche darzulegen und zu beweisen“, sagt Bill Dodero, Leiter der US-Rechtsabteilung von Bayer.[1]
Der Supreme Court hatte im Juni entschieden, dass das US-Pestizidgesetz FIFRA Klagen wegen fehlender Warnhinweise nach dem Recht der Bundesstaaten ausschließt, wenn die Umweltbehörde EPA die Sicherheit eines Produkts abschließend bewertet hat. Die EPA hält Glyphosat für wahrscheinlich nicht krebserregend und genehmigt Etiketten ohne Krebswarnung.[1] Damit fiel das zentrale Argument weg, mit dem Geschworene Monsanto zuvor zu hohen Zahlungen verurteilt hatten. Für den Vorwurf eines Konstruktionsfehlers müssen Kläger dagegen nachweisen, dass das Mittel selbst fehlerhaft ist und ihre Krankheit verursacht hat.
Was wird aus den übrigen Klagen?
Die meisten der rund 65.000 offenen Roundup-Klagen soll ein Sammelvergleich über 7,25 Milliarden Dollar beenden, den Richter Timothy Boyer in St. Louis im März vorläufig gebilligt hat. Er sieht Zahlungen über 21 Jahre vor und gilt auch für Menschen, die erst später erkranken. Bayer kann aussteigen, wenn zu viele Kläger nicht mitmachen.[2] Die endgültige Zustimmung steht nach Reuters-Berichten noch aus, die drei Frauen aus dem Prozess fallen nicht unter den Vergleich.
Das Urteil trifft vor allem Kläger, die den Vergleich ablehnen und weiter prozessieren: Sie müssen genau die Vorwürfe beweisen, an denen der erste Prozess gescheitert ist. Bindend für andere Gerichte ist ein Geschworenenurteil allerdings nicht. Das US-Geschäft mit Glyphosat hat Bayer im Juli in die Gesellschaft Ruveon ausgegliedert.
Wie sich die Lage für Bayer verschoben hat
Geklärt ist in St. Louis nicht, ob Glyphosat Krebs auslöst, sondern nur, dass drei Klägerinnen es nicht beweisen konnten.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Hersteller in Europa?
In der EU wird die Haftung ab Dezember neu geregelt. Die Mitgliedstaaten müssen die neue Produkthaftungsrichtlinie bis zum 9. Dezember 2026 umsetzen, sie gilt für Produkte, die danach in Verkehr kommen. Ist der Beweis wegen technischer oder wissenschaftlicher Komplexität übermäßig schwierig, vermutet das Gericht den Fehler oder den ursächlichen Zusammenhang, sobald der Kläger sie wahrscheinlich macht.[3]
Hersteller können diese Vermutung widerlegen, müssen aber auf Antrag relevante Beweismittel offenlegen.[3] Agrar- und Chemieunternehmen sollten ihre Studien und internen Sicherheitsbewertungen deshalb so ablegen, dass sie diese vor Gericht vollständig vorlegen können.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Bayer (Monsanto)Monsanto unanimously wins first Roundup trial since U.S. Supreme Court decision (Pressemitteilung, St. Louis)
- ReutersBayer’s $7.25B Roundup Settlement Gets Initial OK From Judge (5. März 2026, abgerufen bei Insurance Journal)
- Amtsblatt der Europäischen UnionRichtlinie (EU) 2024/2853 über die Haftung für fehlerhafte Produkte, Art. 2, 9, 10 und 22
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