Artikel teilen

Siemens-Chef Roland Busch hat in Seoul den Internetkonzern Naver besucht und dort über eine Zusammenarbeit bei KI für Fabriken gesprochen. Navers digitale Zwillinge sollen sich mit der Industriesoftware von Siemens verbinden lassen, auch Roboter waren Thema. Einen Vertrag gibt es noch nicht. Auf der Bühne vertrat Busch eine These, die Maschinenbauer in Europa direkt betrifft: Eine KI lasse sich mit Kundendaten trainieren, ohne dass diese Daten das Unternehmen des Kunden verlassen.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen
Inhalt 4 Abschnitte
  1. Worüber haben Siemens und Naver gesprochen?
  2. Was hat Busch auf der Konferenz gefordert?
  3. Was heißt das für Maschinenbauer in der EU?
  4. Mehr Newshunger?

Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, hat am 31. Oktober die Naver-Zentrale „1784“ in Seongnam bei Seoul besucht. Das teilte Naver am 2. November mit.[1] Am selben Tag hatte Busch mit Naver-Chefin Choi Soo-yeon auf der 19. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft über Industrie-KI diskutiert. Die Konferenz lief vom 29. bis 31. Oktober in Seoul. Busch leitet den Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, der sie zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium und den Auslandshandelskammern ausrichtet.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Siemens und Naver prüfen, wie sich Navers digitale Zwillinge mit Siemens-Software für Fabriken verbinden lassen.
  • Busch will Industrie-KI aus den Pilotprojekten holen und hält ein Training mit Kundendaten beim Kunden selbst für möglich.
  • In der EU darf ein Hersteller Maschinendaten seiner Kunden nur auf Grundlage eines Vertrags nutzen.

Worüber haben Siemens und Naver gesprochen?

Weißes Fabrikmodell mit orangefarbenem Kabel und Schild „EIGENBEDARF“ vor weißem Hintergrund
Naver präsentiert Siemens-Delegation Einsätze digitaler Zwillinge in Betrieben und erörtert gemeinsame Vermarktung mit Industrielösungen

Naver zeigte der Siemens-Delegation laut Mitteilung, wo seine Technik für digitale Zwillinge bereits in Betrieben läuft. Ein digitaler Zwilling bildet eine Anlage im Rechner nach, damit sich Abläufe vorab durchspielen lassen. Beide Seiten besprachen, wie sich diese Technik mit den Industrielösungen von Siemens verbinden und weltweit vermarkten lässt. Dazu kamen Navers Forschung an Robotern und an großen KI-Basismodellen, auf denen Robotersteuerungen aufbauen.[1] Schon heute liefert Siemens Brandschutztechnik für Navers Rechenzentrum Gak.[2]

Zur Delegation gehörte neben dem Landeschef von Siemens Korea auch Dagmar Mundani, bei Siemens zuständig für Fusionen und Übernahmen. Über eine Beteiligung oder eine Übernahme sagt die Mitteilung nichts, Beträge nennt sie ebenfalls nicht.[1]

„Industrielle KI steht an einem entscheidenden Wendepunkt, an dem sich neue Möglichkeiten verwirklichen lassen“, sagte Busch laut Naver. „Ihren Wert entfaltet sie erst, wenn sie in den Betrieben sicher und verlässlich läuft und sich in der gesamten Industrie durchsetzt.“[1]

Was hat Busch auf der Konferenz gefordert?

Auf dem Podium drängte Busch nach dem Bericht des Korea Herald darauf, Industrie-KI über die Pilotprojekte hinaus in den Alltag der Betriebe zu bringen. Dafür brauche es den Rückhalt der Unternehmensspitze und ehrgeizige Ziele. Als Beispiel nannte er einen japanischen Autobauer, der 10.000 Maschinen mit Siemens-Technik ausgerüstet und die Ausgaben in weniger als drei Monaten wieder eingespielt habe. Bei einer Umfrage im Saal nannten 41 Prozent der Zuhörer den Austausch von Daten als größte Hürde. Busch forderte klare Regeln für das Teilen von Daten. Kundendaten ließen sich nach seinen Worten zum Training von Industrie-KI nutzen, ohne dass sie das Unternehmen verlassen müssen.[2]

Auch die Folgen für die Arbeit sprach Busch an: Tätigkeiten, die sich wiederholen und festen Regeln folgen, würden wegfallen. Er verlangte deshalb Reformen in Bildung und Weiterbildung. Für Korea sieht Busch Chancen, die Chip-Entwurfssoftware von Siemens mit den Halbleiterherstellern des Landes zusammenzubringen.[2] Seine Linie ist nicht neu: Im August hatte Busch erklärt, wegen der KI-Regulierung in Europa Investitionen in die USA zu lenken.

Busch in Seoul
Was der Siemens-Chef zur KI in der Fabrik sagte und welche Regel in der EU dafür gilt
10.000 Maschinen
rüstete ein japanischer Autobauer laut Busch mit Siemens-Technik aus, die Ausgaben waren nach weniger als drei Monaten wieder eingespielt
41 Prozent
der Zuhörer im Saal nannten den Austausch von Daten die größte Hürde, wenn Industrie-KI über Ländergrenzen hinweg eingesetzt werden soll
Art. 4 Abs. 13
EU-Datenverordnung: Ein Hersteller darf Maschinendaten seiner Kunden nur auf Grundlage eines Vertrags nutzen
Von der Datenverordnung bis zum Besuch bei Naver
12. September 2025
Die EU-Datenverordnung gilt, Nutzer vernetzter Maschinen können ihre Daten verlangen
12. September 2026
Neu in Verkehr gebrachte vernetzte Produkte müssen direkten Datenzugang ermöglichen
31. Oktober 2026
Busch spricht in Seoul über Industrie-KI und besucht danach die Naver-Zentrale
2. November 2026
Naver meldet Gespräche über digitale Zwillinge und Roboter, einen Vertrag nennt die Mitteilung nicht

Was heißt das für Maschinenbauer in der EU?

Buschs Modell trifft in Europa auf eine feste Regel. Die EU-Datenverordnung, bekannt als Data Act, gilt seit dem 12. September 2025. Danach darf ein Hersteller nicht personenbezogene Daten aus vernetzten Maschinen nur auf Grundlage eines Vertrags mit dem Nutzer verwenden. Er darf aus ihnen keine Rückschlüsse auf die Produktionsmethoden oder die wirtschaftliche Lage seines Kunden ziehen, wenn das dessen Stellung im Markt schwächen könnte.[3] Vernetzte Produkte, die seit dem 12. September 2026 in Verkehr gebracht werden, müssen außerdem so gebaut sein, dass Nutzer direkt auf diese Daten zugreifen können, soweit das technisch machbar ist.[3] Wie Hersteller darauf reagieren, zeigt Liebherr mit seiner Datenplattform für Baumaschinen.

Wer seine Maschinendaten für das KI-Training eines Lieferanten freigibt, verhandelt über sein Betriebswissen. Das gehört in den Vertrag, nicht ins Kleingedruckte.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Ein Training im Werk des Kunden käme dieser Regel entgegen, weil die Rohdaten im Haus bleiben. Ob ein Lieferant das trainierte Modell danach bei anderen Kunden einsetzen darf, regelt aber erst der Vertrag. Produktionsleiter und Einkäufer im Mittelstand sollten deshalb in Wartungs- und Softwareverträgen prüfen, welche Maschinendaten der Anbieter für das Training seiner KI nutzen darf. Wie Siemens selbst KI in die Automatisierung bringt, zeigt sein KI-Agent, der Steuerungen programmiert.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. ChosunbizNaver and Siemens pursue industrial AI alliance to scale across Korea and beyond (02.11.2026, englisch, nach Angaben von Naver)
  2. The Korea Herald[APK 2026] Siemens, Naver CEOs push industrial AI beyond pilot projects (01.11.2026, englisch)
  3. Amtsblatt der Europäischen UnionVerordnung (EU) 2023/2854 über harmonisierte Vorschriften für einen fairen Datenzugang und eine faire Datennutzung (Datenverordnung), Artikel 4 und 50

Mehr Newshunger?

4,6 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dr. Web Newsletter

Jede Woche ein bisschen klüger.

Der Dr. Web Newsletter: die besten Artikel, Anbieter-Tipps und neue Tools, kompakt zusammengefasst, jeden Donnerstag. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.