Sam Altman hat in Abu Dhabi vier Verträge für OpenAI geholt, unter anderem mit dem Ölkonzern ADNOC und dem Staatsfonds Mubadala. Bei Einfuhranträgen für Lebensmittel hilft dort bereits ein KI-System den Beamten zu prüfen, ob ein Antrag die Vorschriften erfüllt. Die Entscheidung bleibt bei den Beamten. Einen Bescheid ganz aus der Maschine erlaubt auch das deutsche Verwaltungsrecht nur mit eigener Rechtsgrundlage.
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Der Kronprinz von Abu Dhabi, Scheich Khaled bin Mohamed bin Zayed Al Nahyan, hat sich mit OpenAI-Chef Sam Altman getroffen, danach unterzeichneten OpenAI und Partner aus dem Emirat vier Verträge. Das teilte das Abu Dhabi Media Office am 2. November mit.[1] Beträge nennt die Mitteilung nicht. Der Termin folgte auf Altmans Besuch bei Samsung in Südkorea am Samstag.
Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI hat Verträge mit der Regierung von Abu Dhabi, ADNOC, Mubadala und der G42-Tochter Inception42 unterzeichnet.
- Die Regierung lässt Vorschriften maschinenlesbar aufbereiten, ein erstes KI-System unterstützt Prüfungen bei Lebensmitteleinfuhren.
- In Deutschland darf eine Behörde einen Bescheid nur mit eigener Rechtsgrundlage vollständig automatisch erlassen.
Was hat OpenAI in Abu Dhabi unterschrieben?

Der Vertrag mit ADNOC macht den Staatskonzern laut Mitteilung zum ersten Energieunternehmen, das OpenAIs leistungsfähigste Modelle in seinen Abläufen einsetzt. Mubadala will die Modelle für Investmentanalysen und Risikobewertung nutzen. Ein Fünfjahresvertrag mit Inception42 soll KI in Behörden, Unternehmen und das Bildungswesen der Emirate bringen.[1]
Am weitesten reicht die Initiative „Machine-Readable Government“ der Regierung. Sie übersetzt ausgewählte Vorschriften in eine Form, die ein Rechner auswerten kann. Danach hilft ein KI-System den Beamten bei Routineprüfungen, etwa vor Genehmigungen und Bescheinigungen. Jede Prüfung lässt sich auf die zugrunde liegende Vorschrift zurückführen, die Endentscheidung verantworten weiter die Beamten. Das erste Pilotprojekt läuft bei der Behörde für Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit und betrifft Lebensmitteleinfuhren.[1]
„Abu Dhabi und die Vereinigten Arabischen Emirate setzen weltweit einen mutigen Maßstab, wie KI im öffentlichen wie im privaten Sektor eingebunden wird, damit alle davon profitieren“, sagte Altman.[1]
Warum reist Altman selbst nach Abu Dhabi?
Für OpenAI ist das Emirat Standort und Kunde zugleich. G42 baut dort Stargate UAE, ein Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung, das OpenAI und Oracle betreiben sollen. Die ersten 200 Megawatt sind laut G42 für 2026 angekündigt.[2] Nach den neuen Verträgen laufen die Modelle in Rechenzentren der Emirate: Anfragen werden dort auf Grafikprozessoren beantwortet.[1] Damit gewinnt OpenAI im Emirat Großkunden, noch bevor Stargate UAE voll ausgebaut ist. Das Geld dafür fließt bei OpenAI langsamer als geplant: Die laufende Finanzierungsrunde fällt laut Financial Times mit rund 20 Milliarden Dollar (etwa 17,4 Milliarden Euro) um 10 Milliarden kleiner aus als angestrebt.
Was hieße eine solche KI-Prüfung für deutsche Behörden?
Das Modell aus Abu Dhabi hat ein deutsches Gegenstück. SAP und OpenAI kündigten im September 2025 „OpenAI for Germany“ an, betrieben über die SAP-Tochter Delos auf Microsofts Azure-Technik und für 2026 geplant. Als Einsatzfelder nannte SAP Aktenverwaltung und die Auswertung von Verwaltungsdaten.[3] Den geplanten Rahmenvertrag mit Mistral und SAP für Verwaltungs-KI hat der Bund laut WELT auf Eis gelegt.
Bevor eine KI Anträge prüft, muss jemand die Vorschriften in prüfbare Regeln übersetzen. Darin liegt die eigentliche Arbeit.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Rechtlich passt die Arbeitsteilung aus Abu Dhabi zum deutschen Verwaltungsrecht. Vollständig automatisch darf eine Behörde einen Bescheid nur erlassen, wenn eine Rechtsvorschrift das zulässt und weder Ermessen noch Beurteilungsspielraum besteht.[4] Lehnt sie einen Antrag ab, muss sie die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Gründe nennen.[5] Eine Prüfung, die jedes Ergebnis auf die zugrunde liegende Vorschrift zurückführt, liefert diese Begründung gleich mit. IT-Leiter in Kommunen und Anbieter von Fachverfahren sollten deshalb zuerst prüfen, welche Vorschriften sich eindeutig als Regel fassen lassen.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Abu Dhabi Media OfficeKhaled bin Mohamed bin Zayed meets Sam Altman and witnesses signing of agreements with OpenAI (02.11.2026, englisch)
- G42Global Tech Alliance Launches Stargate UAE (22.05.2025, englisch)
- SAPSAP and OpenAI Partner to Launch Sovereign OpenAI for Germany (24.09.2025, englisch)
- Bundesministerium der Justiz§ 35a Verwaltungsverfahrensgesetz, Vollständig automatisierter Erlass eines Verwaltungsaktes
- Bundesministerium der Justiz§ 39 Verwaltungsverfahrensgesetz, Begründung des Verwaltungsaktes
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