OpenAI, AMD, Broadcom, Intel, Microsoft und NVIDIA haben gemeinsam ein neues Open-Source-Netzwerkprotokoll namens MRC entwickelt. Es verteilt Daten über Hunderte Pfade gleichzeitig zwischen GPUs und kommt bereits im Stargate-Supercomputer zum Einsatz. Was das für die Compute-Schlacht 2026 bedeutet.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenStellen Sie sich vor, sechs der größten Chip- und KI-Konzerne der Welt einigen sich auf einen gemeinsamen Standard. Klingt nach Branchenmärchen, ist aber Realität. OpenAI, AMD, Broadcom, Intel, Microsoft und NVIDIA haben das Netzwerkprotokoll MRC öffentlich gemacht und damit ein technisches Problem gelöst, an dem die KI-Branche seit zwei Jahren knirscht: Wie verbindet man Hunderttausend GPUs zu einem funktionierenden Supercomputer, ohne dass die Switches zum Flaschenhals werden?
Das Wichtigste in Kürze
- MRC verteilt Daten über Hunderte Pfade gleichzeitig zwischen GPUs
- Statt drei bis vier Switch-Ebenen reichen zwei, um über 100.000 GPUs zu verbinden
- OpenAI nutzt MRC bereits im Stargate-Supercomputer
- Open Source, getragen von einem ungewöhnlichen Konsortium aus sechs Konkurrenten
- Kontext: KI-Capex von Meta, Amazon, Microsoft und Alphabet erreicht 725 Milliarden Dollar in 2026
Was MRC technisch löst

Klassische Datacenter-Netze arbeiten mit drei bis vier Switch-Ebenen, um Tausende Server miteinander zu verbinden. Bei 100.000 GPUs wird diese Architektur zur Engstelle: Latenz steigt, Datenrouten werden komplex, einzelne Switches überlasten. MRC, kurz für Multipath Routing for Compute, dreht das Modell um. Das Protokoll verteilt jeden Datenstrom auf Hunderte parallele Pfade.
Der praktische Effekt: Eine Switch-Ebene fällt weg. Das spart Hardware, reduziert Latenz und macht das Netz robuster gegen Ausfälle einzelner Komponenten. Im OpenAI-Blog wird MRC als Open-Source-Standard beschrieben, jeder Hyperscaler oder kleinere Cloud-Anbieter darf das Protokoll frei nutzen und weiterentwickeln.
Warum sich sechs Konkurrenten zusammentun

Die Liste der MRC-Mitentwickler liest sich wie ein Who-is-Who des Halbleitermarkts. Üblicherweise konkurrieren AMD und NVIDIA bei GPUs, Intel und AMD bei CPUs, Broadcom und NVIDIA bei Netzwerkchips. Dass sich diese Akteure zu einem gemeinsamen Standard zusammensetzen, hat einen einfachen Grund: Niemand will, dass NVIDIA mit InfiniBand allein die Spielregeln diktiert.
Microsoft und OpenAI haben das größte Interesse, weil ihre Compute-Anforderungen in den letzten zwei Jahren explodiert sind. Anthropic verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein achtzigfaches Wachstum bei der Modellnutzung, was zu Reliability-Problemen bei Claude Pro und Max führte. Vergleichbares passiert bei OpenAI. Wer in dieser Liga spielt, braucht Netzwerk-Infrastruktur, die nicht alle sechs Monate an die Grenze stößt.
MRC ist die wahrscheinlich wichtigste Branchen-Einigung des Jahres. Sechs Konkurrenten erkennen, dass NVIDIAs Netzwerk-Monopol allen schadet, und schaffen einen Open-Source-Ausweg. Das ist die Sorte technische Souveränität, die deutsche Mittelständler bei der Tool-Auswahl ebenfalls einfordern sollten.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was deutsche Unternehmen davon haben

Direkt zunächst wenig. MRC zielt auf Hyperscaler-Größen, in deutschen Rechenzentren werden 100.000 GPUs auf absehbare Zeit nicht stehen. Indirekt ergeben sich aber drei relevante Effekte.
Erstens: Wer Cloud-Compute bei Microsoft Azure, AWS oder Google Cloud bezieht, profitiert mittelfristig von günstigerer Pro-Stunden-Kalkulation. Zweitens: Die Open-Source-Verfügbarkeit erleichtert europäischen Cloud-Anbietern den Anschluss an die globale KI-Infrastruktur, ohne sich an einen einzelnen Hersteller binden zu müssen. Drittens: Der politische Druck auf NVIDIAs Netzwerk-Marktanteil wächst, was die Verhandlungsposition deutscher GPU-Käufer langfristig stärkt.
Wie der Compute-Boom gerade aussieht

Die Zahlen sind beeindruckend. Meta, Amazon, Microsoft und Alphabet haben für 2026 zusammen rund 725 Milliarden Dollar Capex angekündigt, fast vollständig für Datacenter, Custom-Chips, GPUs und KI-Modelle. Das ist ein Zuwachs von über 75 Prozent gegenüber 2025. Gleichzeitig kürzen die gleichen Konzerne Personal: Meta plant 8.000 Entlassungen für Mai, Amazon hat in den letzten Monaten 30.000 Stellen gestrichen, Microsoft bietet 125.000 Mitarbeitern freiwillige Aufhebungsverträge an.
Anthropic hat parallel den Compute-Bedarf über zwei separate Mega-Deals abgesichert: einen Multi-Milliarden-Dollar-Vertrag mit Amazon und einen Zugriff auf SpaceX-Rechenzentren in Memphis. Microsoft mietet 700 MW von OpenAIs Stargate-Anteil. Wer in der KI-Liga mitspielen will, muss heute Compute-Verträge über mehrere Jahre und Anbieter hinweg sichern.
Was Entscheider jetzt tun sollten

Drei Punkte gehören 2026 in jede Tech-Strategie. Cloud-Diversifikation: Wer alle KI-Workloads bei einem Anbieter laufen lässt, hat Verhandlungsdruck. Mindestens zwei Cloud-Anbieter mit MRC-Unterstützung im Portfolio reduziert das Risiko. Vertragslaufzeiten kritisch prüfen: Compute-Preise werden mittelfristig durch MRC und ähnliche Standards günstiger, Verträge mit fünf Jahren Laufzeit zementieren das aktuelle Preisniveau. Open-Source-Affinität: Tools, Modelle und Infrastruktur-Komponenten, die auf offenen Standards basieren, sind langfristig wirtschaftlicher.
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