Starnberg braucht Gewerbesteuer, und auf rund der Hälfte des geplanten Gewerbegebiets Schorn soll dafür ein Rechenzentrum stehen. Der Stadtrat hat die Entwürfe mit 22 zu 6 Stimmen gebilligt, die Stadt rechnet mit 2.850 neuen Arbeitsplätzen. Betreiber, Leistung und Investitionssumme sind noch nicht bekannt.
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Der Starnberger Stadtrat hat in einer Sondersitzung am 29. Oktober die Planung für das neue Gewerbegebiet Schorn an der Autobahn A 95 einen Schritt weitergebracht. Alle drei Beschlüsse fielen mit 22 zu 6 Stimmen, dagegen stimmten laut Starnberger Merkur die Grünen und die frühere Bürgermeisterin Eva Pfister (BMS).[1] Laut Tagesordnung billigte der Rat den Entwurf für die Änderung des Flächennutzungsplans erneut und den Entwurf des Bebauungsplans Nr. 7508 erstmals, beide gehen nun in die förmliche Beteiligung.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Auf etwa der Hälfte des Gebiets plant die Stadt ein Rechenzentrum, ein Gutachten nennt einen Bedarf von sieben bis elf Hektar.
- Für das gesamte Gewerbegebiet rechnet die Stadt mit 2.850 neuen Arbeitsplätzen, im Mai waren es noch 2.300.
- Laut Investorenseite haben zwei Betreiber Interesse, genannt wird keiner.
- Vor dem Bau muss der Landkreis die Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herausnehmen.
Was soll in Schorn entstehen?

Laut Stadtbaumeister Stephan Weinl liegen Anfragen von Unternehmen für 25,9 bis 30,4 Hektar vor, davon sieben bis elf Hektar für ein Rechenzentrum. Einen anderen Standort dafür gebe es in Starnberg nicht. Für die Investoren sprach Norbert Wögler von der Münchner Firma redserve: Zwei Betreiber hätten „sehr großes Interesse“, gemeint seien keine Konzerne wie Google, sondern Anbieter, die Rechenleistung für verschiedene Endkunden bereitstellen.[1]
Im übrigen Gebiet schließt der Entwurf Logistik, Lager, Tankstellen und Spielhallen aus, die Gebäude bleiben mit 15 bis 20 Metern unter der Waldkante. Den Verkehr Richtung München soll ein Halbanschluss an die A 95 aufnehmen, aus Starnberg und dem Süden dürfte er über Percha, Wangen und Neufahrn fließen.[1]
Welche Hürden stehen noch im Weg?
Das Verfahren steckt noch in der Bauleitplanung: Die Entwürfe sind gebilligt, ein Satzungsbeschluss oder eine Baugenehmigung liegt nicht vor. Mit dem dritten Beschluss reicht die Stadt beim Landratsamt überarbeitete Unterlagen ein, damit die Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet „Starnberger See-Ost“ fällt.[2] In derselben Sitzung wog der Rat mehr als 200 Stellungnahmen ab[1], die erste Beteiligung zum Flächennutzungsplan lief schon im Herbst 2024.[4]
Für das Gebiet müssen 5,36 Hektar Bannwald und 0,32 Hektar Schutzwald weichen. Als Ersatz soll im Süden der Fläche 8,83 Hektar Mischwald entstehen, insgesamt beträgt der Ausgleichsbedarf 20,12 Hektar.[1] Das bayerische Waldgesetz erlaubt eine Rodung im Bannwald nur, wenn angrenzend ein annähernd gleichwertiger Wald neu angelegt wird.[5] Der Bund Naturschutz und eine Bürgerinitiative kritisieren vor allem den Energie- und Wasserverbrauch des Rechenzentrums und den zusätzlichen Verkehr.[3]
Vom Planungsstart zur Baugenehmigung
Starnberg plant ein Rechenzentrum, bevor ein Betreiber unterschrieben hat. Ob aus den 2.850 Arbeitsplätzen auf dem Papier echte werden, zeigt sich erst mit den ersten Verträgen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was erhofft sich die Stadt?
Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl begründete das Projekt mit der Haushaltslage: „Wenn wir für Starnberg keine Möglichkeit finden, neues Geld zu generieren, wird die Fahrt weiter bergab gehen.“ Wenige Tage zuvor hatte der Stadtrat Kürzungen beim Personal beschlossen. Michael Mignoli (BLS) erinnerte an die Wegzüge von Baasel und Torqeedo, denen Starnberg keine Flächen anbieten konnte.[1]
Die Gegner bezweifeln den Bedarf. Wangens Ortssprecher Manfred Abele verwies auf leere Büroflächen in München und nannte die Verkehrsanbindung „eine Katastrophe für Wangen, Percha und Schäftlarn“. Grünen-Fraktionschef Franz Sengl kündigte Widerstand an: „Es gibt erhebliche Abwägungsmängel. Das werden die Gerichte erkennen.“[1]
Geht das Rechenzentrum nach Juli 2028 in Betrieb, verlangt das Energieeffizienzgesetz 20 Prozent wiederverwendete Energie, etwa als Abwärme. Zudem dürfen auf jede Kilowattstunde für die Rechentechnik höchstens 0,2 Kilowattstunden für Kühlung und übrige Technik kommen.[6] In Bayern laufen ähnliche Verfahren: Feldkirchen hat ein Rechenzentrum mit 25 Megawatt befürwortet, Memmingen plant drei Rechenzentren an der Donaustraße, ebenfalls ohne bekannten Betreiber.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Starnberger MerkurStarnberger Stadtrat treibt Rechenzentrum-Pläne voran: 22:6 für Schorn
- Stadt Starnberg, RatsinformationssystemTagesordnung der Stadtratssitzung vom 29. Oktober 2026 (TOP 3 bis 5, abgerufen am 2. November 2026)
- Starnberger Merkur308 Seiten Vorlage: Starnberger Stadtrat entscheidet über Gewerbegebiet Schorn
- Stadt StarnbergGewerbegebiet Schorn: 53. Änderung des Flächennutzungsplans (Beteiligung 11.09. bis 25.10.2024, abgerufen am 2. November 2026)
- Bayerisches WaldgesetzArt. 9 Abs. 6 BayWaldG (abgerufen am 2. November 2026)
- Energieeffizienzgesetz§ 11 Klimaneutrale Rechenzentren (abgerufen am 2. November 2026)
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